Ein guter Anfang (Ps 23,6)

Ps 23,6
[6] Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Liebe Eltern, liebe Paten, werte Gemeinde!

Die meisten Menschen haben Angewohnheiten und je mehr wir unsere Angewohnheiten pflegen, desto ausgeprägter sind sie. Ich lernte einmal eine Frau kennen, die mit Freude und Hingabe Krimis las. Wenn sie also am Abend in ihrem Bettchen lag und ein Buch halb durchgelesen hatte, konnte sie es vor Neugierde nicht mehr aushalten. Sie wollte einfach wissen, wer den der Täter des Verbrechens, von dem ihr Krimi handelte, ist und las dann einfach auf den letzten Seiten ihres Buches nach. Dann war natürlich die Spannung raus, denn sie wusste, wie der Täter hieß und mit welchen Methoden man ihn überführt hatte.

Wenn wir nun diesen kleinen Täufling hier sehen, dann wissen wir: Es hat sein Leben noch vor sich und wir können nirgendwo nachgucken, wie dieses Leben sein wird. Dieses Leben muss vollzogen werden, d.h. es muss Tag für Tag gelebt und gestaltet werden. Zunächst einmal ist das Ihre Aufgabe, liebe Eltern und Paten, später einmal wird N.N. sein Leben selber gestalten lernen. N.N. hat einen langen Weg vor sich und wir ahnen jetzt schon die verschiedenen Stationen: Krabbeln, Laufen, dann das Sprechen und kaum kann ein Kind sprechen, kommen die nicht aufhörenden Fragen, die meistens mit dem Wort „Warum, Wieso, Was ist das?, Was machst Du da? usw. anfangen.“ Das alles wartet auf Sie, liebe Eltern und Paten und Sie wissen es, wie auch ich es weiß: Ein Kind fordert unsere Geduld und unseren Schutz und unsere Nachsicht. Und das ist oft mehr, als wir von uns aus in der Lage sind zu geben.

Heute werden wir dieses Kind taufen und wir folgen dabei der alten christlichen Tradition, die da besagt: Dieses Kind wird Gottes Kind. Es gehört ab heute nicht nur Ihnen, sondern es gehört auch Gott. In der Taufe sprechen wir den Namen Jesus über unseren kleinen Täufling aus. Das ist der Name, der für Liebe steht, die bereit ist loszulassen, sich hinzugeben bis an das Kreuz. Und diese Liebe begleitet uns, die wir getauft sind, ein Leben lang, bis wir, wie es im Taufspruch von N.N. heißt „ im Hause des Herrn“ sind.

N.N. wird heute getauft. Er ist ein Christ, aber er ist noch nicht fertig. Martin Luther hat einmal folgenden Satz geprägt: „Wer angefangen hat, ein Christ zu sein, der muss eingedenk sein, dass er noch kein Christ ist. Denn ein Christ ist im Werden und nicht im Gewordensein.“

So ist das auch bei unserem Täufling. Sein Leben liegt noch vor ihm und vor Ihnen und sein Leben liegt vor Gott. Es liegt vor Gott, wie ein aufgeschlagenes Buch, dessen Seiten noch beschrieben werden. Und ganz oben steht als erster Satz: N.N., ich habe Dich lieb und ich werde bei Dir bleiben.

Das ist ein guter Anfang, denn Gott wird für die Entfaltung dieses Satzes einstehen. Diesen Gott, den wir nicht sehen, der uns aber sieht, soll N.N. in seinem Leben kennen lernen. Und dazu sollen Sie, Eltern und Paten und auch Sie, liebe Gemeinde, beitragen.

Heute machen wir einen guten Anfang, über den wir uns alle freuen und für den wir Gott dankbar sein dürfen.

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