1., 2., 3.

[ TEXT ]

Das ist die neue Jahreslosung, die uns durch das neue Jahr begleiten soll.
Sie stammt aus dem Brief, den der Apostel Paulus an die erste, frühe, christliche Gemeinde in Rom geschickt hat.

Die Gemeinde in Rom hat Paulus nicht selbst gegründet und als er den Brief geschrieben hat, war er auch noch nie dagewesen. Er kündigt mit diesem Brief sein Kommen an und stellt sich auch gleich gewissermaßen vor – weniger hinsichtlich seiner Person als hinsichtlich seines Glaubens.
Da er die Menschen bis auf wenige Ausnahmen nicht kennt, fällt seine Vorstellung sehr gründlich aus. Der Römerbrief ist Paulus längster, ausführlichster und inhaltlich umfassendster Brief.

Am Ende des Briefes gibt er den Menschen einige gute Ratschläge und Ermahnungen.
Das war damals durchaus üblich und gehörte in Briefen zum guten Ton. Man darf nicht vergessen: Briefe waren damals die einzige Form, wie man Menschen etwas mitteilen konnte, die weit entfernt wohnten. Und die Briefe waren Wochen unterwegs. Mal eben anrufen oder eine What’s-App-Nachricht schreiben war völlig undenkbar.
Also gab Paulus ein paar Ratschläge und Tipps, wobei er sich immer auf die Schriften des Alten Testaments berief. Damit wollte er vermeiden, dass man ihn für anmaßend und arrogant hielt. Und alte Schriften waren eine gute Grundlage für Ratschläge und Tipps – darauf hörte man gerne. Erfahrungen aus alten Zeiten galten als sehr wertvoll.

Und unter diesen Ratschlägen steht dann eben auch dieser:
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. (Röm 157)

Der Vers hat drei Teile:
– Nehmt einander an
– wie Christus euch angenommen hat
und
– zu Gottes Lob.
Fangen wir mal hinten an!

1. „zu Gottes Lob“
Das ist eine unserer Hauptaufgaben als Christenmenschen: Gott zu loben.
Und das ist eigentlich eine schöne Aufgabe, aber eine die im Leben unserer Gemeinden oft zu kurz kommt und im Leben der meisten Menschen auch. Bin ich keine Ausnahme.
Aber es ist so. Die Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Gemeinschaft der Getauften, diejenigen, die sich Christenmenschen nennen wollen hat drei Aufgaben: Die Botschaft von Jesus Christus zu verkündigen, den Menschen zu helfen und Gott zu loben.
Das sage ich jetzt nicht nur einfach so. Das ist so. Seit 2000 Jahren – biblisch begründet.

Ich denke, dass es mir vielleicht ganz gut tun wird, mir das auch mal wieder öfter ins Gedächtnis zu rufen. Und dich denke, dass diejenigen, die diese Jahreslosung ausgesucht haben, das auch so sehen. Sonst hätten sie diesen Nachsatz bestimmt weggelassen.
Es wird mir gut tun, mir das mal wieder ins Gedächtnis zu rufen, denn mein Alltag ist ja doch oft bestimmt von kleinen und größeren Sorgen und von Arbeit, die gelegentlich auch in Stress ausartet.
Und in den Gemeinden sieht es nicht anders aus. Wir beschäftigen uns mit Haushalten und Baumaßnahmen, mit Finanz- und Organisationsfragen. Natürlich kann ich mir jetzt sagen, dass das alles auch irgendwie zum Lobe Gottes beiträgt – aber mehr eben auch nicht.

Und Gott zu loben ist eigentlich eine schöne Sache. Jemanden zu loben ist etwas schönes, denn es ist etwas positives, was nichts mir Sorgen und Nöten zu tun hat. Im Gegenteil Loben lenkt von Sorgen ab!
Und wenn ich meinen Sohn lobe, dass freut er sich. Und wenn ich Gott lobe, freut der sich auch.

2. „wie Christus euch angenommen hat“
Das ist eine gute Nachricht: Christus hat uns angenommen!
Das mag manchem jetzt nach „alter Hut“ klingen und zugegebenermaßen ist die Nachricht auch nicht neu, aber sie ist trotzdem gut. Und gute Nachrichten darf man auch immer mal wieder wiederholen – vor allem, wenn sie immer noch aktuell sind.

Und genau so ist es: Es gilt – gestern, heute und in Ewigkeit: Wer sich annehmen lassen will, ist schon angenommen.
Das ist das wunderbare an unserem Glauben: Man muss nur glauben und damit hat man schon die wichtigste Grundvoraussetzung erfüllt um bei Gott gut anzukommen.

Gott vertraut uns erst mal ohne Einschränkungen, wenn wir zu ihm kommen, wenn wir uns an ihn wenden. Also können wir ihm auch vertrauen.
Schade, dass Vertrauen so eine Sache ist, die uns Menschen nicht immer leicht fällt. Zu oft werden wir enttäuscht. Und wenn dann einer kommt und sagt: „Ich vertraue dir, denn ich mag dich, einfach so“, dann tun wir uns schwer das anzunehmen. Oder? Da muss doch ein Haken sein?!? Geschenken von Fremden misstrauen wir.
Zurecht, denn das haben wir aus guten Gründen schon als kleine Kinder gelernt: „Nimm nichts von Fremden an!“

Aber selbst wenn mir Gott fremd sein mag, bin ich Gott nicht fremd. Und wer tief in sein Herz spürt, merkt, dass Gott eben nicht wirklich fremd ist.
Lasst ihn uns annehmen. Freuen wir uns, dass er uns – durch Christus – angenommen hat.
Es tut gut das zu wissen und darauf zu vertrauen.

3. „Nehmt einander an“
Das ist letztendlich das schwierigste. Einen anderen Menschen annehmen, aufnehmen, beistehen.
Bei den Menschen, die wir mögen, ist das eine einfache Übung. Aber bei Fremden?

Doch auch das scheint gar nicht so schwer zu sein. Das habe ich vor ein paar Wochen gesehen, als die Flüchtlinge nach Denkte ins Falkenheim gekommen sind.
Da waren ganz viele Menschen, die helfen wollten und geholfen haben. Der Förderverein des Kindergartens hat Kleiderspenden gesucht und ganz viele Menschen haben geholfen. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass hier in unseren Gemeinden so viele Menschen bereit sind, auf Fremde zuzugehen, sie anzunehmen und als neue Mitbürger vielleicht auf Dauer bei uns zu haben.
Bewahren wir uns diese Offenheit auch im neuen Jahr.

Man könnte jetzt sagen: Das ist schließlich eine unserer drei Aufgaben als Christenmenschen, als Kirche…
Stimmt, aber das ist egal. Denn es macht vor allem eins: Freude! Menschen zu helfen tut gut – nicht nur denen, denen geholfen wird, sondern auch denen die helfen.
Und das gilt nicht nur im Umgang mit Flüchtlingen sondern immer.
Darum:
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen