Alle an einem Tisch

Meditation zu Grün-Donnerstag, 1. Kor 10, 16 f

Wir sind heute zusammen gekommen – an diesem Abend. Wir sitzen an einem Tisch. Viele bekannte Gesichter. Manche aber sind uns nicht vertraut.
Manche sitzen weiter entfernt. Vielleicht können wir sie kaum erkennen, quer durch den Raum, im Gegenlicht.
Manche sitzen ganz nah neben uns. Wir hören ihren Atem, können jedes Haar sehen, jedes Knopfloch erkennen.
Wir sitzen alle an einem Tisch. Nahe und ferne, Vertraute und Fremde.

Wir sitzen alle an einem Tisch.
Wir singen gemeinsam.
Unsere Stimmen mischen sich.
Höre ich noch meine eigene Stimme? Oder geht sie auf im gemeinsamen Klang?
Wie ist das dann – ärgerlich oder beängstigend, weil meine Stimme verloren geht?
Oder beglückend, weil sie Teil von etwas Größerem, noch Schöneren ist?

Wir sitzen alle an einem Tisch.
Wir beten gemeinsam.
Eine spricht. Viele schweigen, hören zu … ich auch?
Gehe ich mit, in Gedanken, mit meinem Herzen?
Oder schweife ich ab, hänge meinen eigenen Gedanken und Gefühlen nach?
Wie ist das?
Fühle ich mich bevormundet – oder im guten Sinne an die Hand genommen? Wird etwas ausgesprochen, das mir Mühe macht, es in Worte zu fassen?

Wir sitzen alle an einem Tisch.
Wir sind der Einladung gefolgt. Dieser Tisch ist nicht der Tisch der Kirchengemeinde N.N., auch nicht des Kirchenkreises XY oder der Landeskirche ABC.
Dieser Tisch ist der Tisch des Herrn. Jesus ist der Gastgeber. Er lädt uns ein. Er stiftet die Gemeinschaft, die wir heute erleben. Eine Gemeinschaft, in der wir uns zugehörig fühlen – mehr oder weniger. Eine Gemeinschaft, die nicht wir geschaffen haben, sondern er, Jesus.
Wir trinken aus einem Kelch, essen von einem Brot. Darin kommt uns Jesus nahe. Das schafft Gemeinschaft unter uns. Jesus schafft diese Gemeinschaft.

Jetzt sitzen wir alle an einem Tisch.
Nachher gehen wir wieder auseinander, jeder in sein Haus oder seine Wohnung.
Was bleibt dann von der Gemeinschaft, die uns hier geschenkt wurde?
Schwingt und klingt sie fort in die nächsten Tage?
Trägt sie in den Alltag?

Noch einmal hören wir die Worte des Apostels Paulus (1. Kor 10, 16f). Noch einmal hören wir die Verheißung, die auf dem Abendmahl liegt, das wir gleich gemeinsam feiern werden:

16 Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?
17 Denn ein Brot ist’s. So sind wir, die vielen, ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

Amen.

Und der Friede Gottes …

Lied: EG 570 (Hannover) Wir sind zum Mahl geladen

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