Mein gutes Recht und die (Selbst-) Gerechtigkeit

Liebe Schwestern und Brüder!

Das Maul wollten sie ihm stopfen, dem Propheten Amos, der im 8. Jahrhundert vor Christus der damaligen israelitischen, also der politischen und religiösen Oberklasse seiner Zeit die Meinung geigte. Und Ihnen knallhart und mit voller Wucht predigte, dass sie korrupt und heuchlerisch seien bei und in ihren Gottesdiensten, dass sie Recht und Gerechtigkeit beugten zu ihrem Zweck, gegen die Armen und Unterprivilegierten, dass Recht und die Gerechtigkeit ihren Machtinteressen angepasst wurden und dann noch die Unverfrorenheit hätten, schwelgerisch und bigott mit dem Geplärr ihrer Lieder im Gottesdienst für dieses schäbige Verhalten Gott zu danken.Übelste Pharisäer und Heuchler alle! Korrupte Typen im Alltag und am Feiertag die Heiligen mimen. Den Eklat provozierte Amos und als Prophet galt er von da an nichts mehr in seinem eigenen Land. Der Prophet und Mahner gilt ja bekanntlich bis heute nichts im eigenen Land.

Man stelle ich sich das bildlich vor: In Bethel, dem Kultheiligtum ähnlich den heutigen Wallfahrtsstätten Lourdes oder Fatima, was die Besucher- und Pilgerzahl anbelangt, hat ein religiös überzeugter Mann solch einen lauten und schrillen Auftritt.

Er reißt die Tür auf und brüllt: Ich kann eure falschen Gottesdienste einfach nicht mehr ertragen. Sie sind so unehrlich und heuchlerisch. Eure Opfer und Kollekten und die Musik hängen mir zum Hals raus.

Ich will, dass Recht und Gerechtigkeit bei und unter euch so lebenswichtig sind und strömen wie Wasserbäche oder das tägliche Wasser zum Trinken.

Recht und Gerechtigkeit mögen strömen wie ein nie versiegender Bach und bewässern das Leben von uns Menschen mit eben dieser Gerechtigkeit und Recht!

Dieser Auftritt hatte gesessen. Und man gerät ins Grübeln, ob auch heute solche prophetischen Auftritt irgendwelche Konsequenzen hätten, außer, dass man den, der Auftritt als religiösen Spinner abtäte?!

Und wer schon nicht die Art und Weise oder den Ton des Auftritts mag oder als zu grell empfindet, der wird sich vielleicht doch für Recht und Gerechtigkeit interessieren, den Fundamenten jeglichen aufrichtigen und fairen Zusammenlebens von uns Menschen.

Recht und Gerechtigkeit als Geschenk Gottes für uns und als Auftrag an uns, uns für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen, damit unsere Gottesdienste nicht nur hohle Phrasen dreschen und wir Sonntagschristen sind und werktags machen, was wir wollen.

Wie sich Recht und Gerechtigkeit, diese beiden großen Kategorien und Bedingungen menschlichen Zusammenlebens, einstellen können, darüber bekommen zurzeit einiges zuhören.

Die Narren, die an diesem Wochenende mit ihren Wagen in Umzügen durch die Straßen ziehen, müssen jetzt schnell die Wagen um dekorieren. Ein Schelm wer dabei keine Arbeit und Schadenfreude sieht. Martin Schulz ist zurückgetreten, weil es bei ihm wohl auch um Posten ging wie so vielen in unserm Leben.  Ob bei den Narren, die anderen den Spiegel vorhalten, Recht und Gerechtigkeit fließen oder ob die mit ihrem ewigen „Geplärr“ und „Besaufe“ auftretenden Narren für Recht und Gerechtigkeit sorgen, kann ernsthaft bezweifelt werden.

Doch der Glaube an Recht und Gerechtigkeit scheint nicht zu vergehen.

Auch Politiker, Amtspersonen und selsbt ehemalige Bundespräsidenten müssen sich an Gesetze halten und es ist eben ein gutes Zeichen für die reinigenden Kräfte der Demokratie, dass das Recht für alle gilt und vor dem Gesetz alle gleich sind bzw. sein sollen.

 

Selbstüberheblich und bigott braucht man sich deswegen nicht auf die Brust zu schlagen und zu sagen, dies wäre mir nie passiert und ich bin ein besserer oder gottgefälligerer Mensch!

Wir alle brauchen es, dass das Recht und die Gerechtigkeit fließen in unserem Leben wie Ströme lebendigen Wassers!

Wie steht es mit uns, unseren Gottesdiensten, unseren Feierlichkeiten und vielleicht auch unseren Dankopfern?

Ist da alles in Ordnung?

Was nehmen wir aus den Gottesdiensten in unseren Alltag mit?

Was bedeutet mir das Wort „Nächstenliebe“ und was setze ich davon um?

Wie ist es um mein Mitleid bestellt?

Wie sieht mein hoher Anspruch und meine bescheidene Realität im Leben aus?

Ist der Ehrliche nicht der Dumme?! (Ulrich Wickert) Und bringen wir nicht schon unseren Kindern bei, dass Ehrlichkeit zwar am längsten wärt und die Sonne es an das Tageslicht bringt, aber sie sich im Alltag gefälligst durch setzten sollen und mitnehmen sollen, was sie kriegen.

Beliebt ist auch der Spruch: Das machen ja alle oder „die-da- Oben“ machen sich die Taschen voll.

Dass diese Haltungen nicht zielführend sind und Bestechlichkeit und Eigennutz aufs Schlimmste fördern, weiß eigentlich jeder.

Und das keiner von uns davon ausgenommen ist auf irgendeine Art und Weise bestechlich, theologisch gesprochen: korrupt und sündig zu sein, das hält uns der heutige Predigttext des Propheten Amos mit einem großen Spiegel vor.

Aber wir hören nicht nur die Anklage oder die erbarmungslose Kritik, sondern auch die Zusage, Verheißung und Forderung Gottes für uns heraus!

Der Gottesdienst des Lebens, der mit dem Wasser des Rechts und der Gerechtigkeit getränkt wird, der gibt dieses göttliche Geschenk weiter im Leben. Zumindest versucht er es, denn Recht und Gerechtigkeit erhöhen die Menschen und ein Volk.

Recht und Gerechtigkeit und das Wissen darum, dass dies nicht nur hypothetische, also in der Theorie geltende Bedingungen menschlichen Zusammenlebens sind, sondern ganz konkret und elementar für jeden Menschen gelten sollen und müssen, benötigen wir alle wie das tägliche Wasser.

Ohne einen Rechtstaat und die gerechte Teilhabe aller am Vermögen, dem Besitz des Volkes und der Teilnahme an den politischen und gesellschaftlichen Willensbildungsprozessen gibt es nicht ansatzweise Gerechtigkeit oder gar Recht.

Dass Arbeiterkinder oder Kinder aus einfachen familiären Verhältnissen genauso studieren können und sollten wie das Pfarrerskind oder des Direktors von K+S, ist für uns heute eine Selbstverständlichkeit, keine Ausnahme mehr.

Und zu den Selbstverständlichkeiten von Christenmenschen muss es immer wieder gehören, darauf zu vertrauen und daran zu glauben, dass Gott für uns und mit uns gerechte Verhältnisse in dieser Welt will.

Das fängt für uns und mit uns an, denn Gottes Gerechtigkeit ist eine andere und alles andere als unsere allzu häufig selbstsüchtigen Verhaltensweisen und mit diesem Verhalten nur „nächsten liebend“ und unterstützend in der eignen Familie zu wirken. Das ist nichts besonders wie Jesus selbst sagte. Die Heiden tun dies auch!

Gerechtigkeit und Recht heute bedeuten, sich aufgrund der von Gott geschenkten Gnade und es Auftrags von Jesus Christus für andere einzusetzen und eben nicht „Fünfe“ grade sein zu lassen und so zu handeln wie alle, also auf den eigenen Vorteil bedacht, sondern sich für die Schwachen, Außenseiter, Armen, Entrechteten und sozial Deklassierten einzusetzen. Hier bei uns und auf der ganzen Welt, in der Nähe und in der Ferne.

Politiker schwören häufig bei Gott dem Wohl des Deutschen Volkes zu dienen und Schaden von ihm abzuwenden.

Wir hingegen können Gott dienen und in unserem lebenslangen Gottesdienst versuchen gegen unsere innere Korruption von Faul- und Trägheit, gegen den korrupten inneren „Schweinhund“ vorgehen und uns versuchen zu reinigen mit dem Wasser des Rechts und der Gerechtigkeit.

Regelmäßig mit den Wasserbächen des Evangeliums zu duschen und Leib und Seele mit dem Wasser des ewigen Lebens zu reinigen, macht den Blick frei für die gerechte Teilhabe aller Geschöpfe auf Gottes wunderschöner Erde und unserem blauen Planeten.

Diese Teilhabe an der göttlichen Gerechtigkeit bildet neue lebensspendende Beziehungen und überwindet die toten Punkte der Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen.

Und daraus kann dann auch ein lebendiger, lebenslanger Gottesdienst als Dienst am Mitmenschen werden.

Amen.

drucken