Eigenlob stinkt – Gottes Lob klingt

Text: Jeremia 9,22-23

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Amen.

 

Das rechte Rühmen

So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.

 Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, daß er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Eigenlob stinkt“ (negativ) oder „Klappern gehört zum Handwerk„(positiv), so lauten die Redewendungen, die sich mit dem Ruhm und der Prahlerei beschäftigen und sich damit auf die eigene Person beziehen. Wer lobt sich nicht schon hin und wieder selbst für diese und jene vermeintliche Helden- oder Ruhmestat, die er vollbrachte. Da wurde es dem Chef mal so richtig gegeben oder der Kollege hatte wieder mal gar nichts kapiert, nur man selbst blickte durch und konnte das „gewaltige“ Problem lösen. Gut, wenn man so ein kluger und intelligenter Kerl ist! Schon kleine Jungs haben dieses unbändige Selbstbewusstsein in sich und werden bisweilen in diesem Drang nach Angeberei und Selbstdarstellung humorvoll unterstützt. Es ist ja auch lustig, wenn ein kleiner Junge von seinen vermeintlichen Heldentaten berichtet. Und dann der Spruch folgt: „mein Papa ist aber schlauer oder stärker als deiner.“ Schlimmstenfalls wird man von seinen Freunden im Kindergarten als ein Angeber geschimpft.

Und der Ruhm dieser Welt kann, wenn man den Medien trauen kann, nicht groß genug werden.

Auch der amerikanische Präsident rühmt sich und seine Taten pausenlos. Alles ist „great“. “The greatest president of the US ever”. Donald Trump.

Da werden Schauspieler, Musiker, Sportler, Fußballspieler und manche Politiker in den Himmel gehoben, weil sie angeblich so tolle Leistungen erbracht haben. Sie werden zu Idolen und für manche sogar zu gottgleichen Superstars. Man rühmt sie für ihre Leistungen, ihre Klugheit, Intelligenz, Stärke, Schönheit oder Ausdauer und noch vieles mehr. Sie versprühen Glanz und Gloria in die triste Welt.

Jedoch kennen wir auch die andere Seite der Medaille: Ruhm ist vergänglich und sein Glanz wird matt. Wer heute noch oben war, kann morgen schon auf dem absteigenden Ast oder ganz in Vergessenheit geraten. So gerade täglich in der Politik und in den Medien zu beobachten. Die Fallhöhe ist hoch wie man auch beim Starregisseur Dieter Wedel sehen kann. Und auch einstmals erbrachte historische Verdienste für Deutschland geraten durch ein Ehrenwort, das über das Gesetz gehoben wird, in Vergessenheit. Vom Einheitskanzler zum „Bimbeskanzler“. Traurig aber wahr.

Ruhm, Selbstruhm, das Beharren auf besondere Verdienste, Leistungen und tolle Taten, Angeberei, Prahlerei und Hochmut kommen vor dem Fall oder vergehen.

Das wusste der Prophet Jeremia als er diese Worte Gottes an die Israeliten verkündete. Auch zur damaligen Zeit -vor ca. 2700 Jahren- war die Ruhmessucht und der Drang nach Ruhm eine typische menschliche Eigenschaft. Da hat sich über die Jahrtausende leider nichts zum besseren geändert.

Und weil dies so ist, deswegen gibt der Prophet auch eine konkrete Anweisung für das Rühmen:

Wer sich rühme, der rühme sich der Kenntnis Gottes und seiner Barmherzigkeit, seines Rechtes und seiner Gerechtigkeit, die Gott auf Erden wirkt. Der Apostel Paulus schreibt dazu im 2. Korintherbrief: „Wer sich rühme, der rühme sich des Herrn.“ Übrigens, wenn man genau hinschaut, dann verbietet der Prophet Jeremia das Rühmen nicht; er weist lediglich darauf hin, dass Ruhm, Weisheit, Stärke und Reichtum vergehen. Keiner kann seinem Leben eine Spanne hinzufügen.

Der Ruhm, die Anerkennung, der Respekt, Gloria, Ansehen und Lob gelten allein Gott.

 

Doch wofür gebührt Gott dieser Ruhm und dieses Lob?

Darüber ließe sich gerade in der heutigen Zeit trefflich streiten.

Die einen, die keinen Gott brauchen oder an keine göttliche Existenz glauben, würden antworten: es gibt keinen Gott, also brauche ich auch keinen Gott und seine vermeintlichen Eigenschaften zu rühmen.

Andere antworten: ich glaube nicht an den christlichen Gott, den die Kirche verkündet. Ich glaube vielmehr an ein höheres Wesen, einen Weltenlenker oder was auch immer für einen Götzen. Diesen rühme ich.

Dritte, sozusagen die ganz Schlauen und Abgebrühten, machen sich oder den Menschen zum Zentrum des Ruhms. Sie leben für den Ruhm und sterben mit oder ohne Ruhm. Sie arbeiten am Image und pflegen das eigene Ego. Diese Menschen werden zum eigenen Gott.

Noch andere laufen Idolen und Stars hinterher und verehren diese -wie schon erwähnt- gottgleich. Oder sie folgen populistischen Rattenfängern und merken nicht wie sie durch den „Ruhm“, das Können oder die Brillanz dieser Menschen verblendet werden.

 

Und dann gibt es noch diejenigen, die durch den Glauben erkennen, dass dem christlichen Gott, Jesus Christus, der Ruhm und die Ehre gebührt und zwar für seine Barmherzigkeit, sein Recht und seine Gerechtigkeit. Diese soll die heutige Predigt stärken und aufbauen. Vielleicht auch um die Worte in die ruhm- und selbstsüchtige Welt hinein zu-sprechen, denn irdischer Ruhm ist vergänglich.

 

Gott in und durch Jesus Christus übt Gnade und Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit auf Erden, so lautet die Kernaussage des Predigttextes. Und dafür gebührt Gott allein der Ruhm und die Ehre.

Was heißt das für ein christliches Leben, wenn Gott Gnade und Barmherzigkeit an uns und in unserer Welt übt, wenn er seine Liebe und Vergebung offenbart?

Gottes Gnade und Barmherzigkeit und seine Liebe gelten durch Jesus Christus für uns.

Denn es ist doch wohl Gnade und Barmherzigkeit; wenn ich jeden Morgen gesund und wohlbehalten aufwache und seine Liebe durch die Liebe meiner Nächsten im Tages-, Wochen- und Jahresablauf erlebe.

Es ist doch Barmherzigkeit, wenn jemand mit hohem Alter gesegnet wird.

Auch ist es Gnade und Barmherzigkeit, wenn Gott mit seinem Mantel der Vergebung bereute menschliche Fehler und Schwäche zudeckt.

Und ebenso ist es Gottes Barmherzigkeit, die den traurigen und verzweifelten auf seinem schweren Lebensweg begleitet und ihm durch neue Liebe wieder Sinn und Halt im Leben schenkt.

Und schließlich ist es allein Gottes Barmherzigkeit und Liebe, die wieder Licht in unsere Dunkelheit und Trauer bringt. Denn diese Gnade und Barmherzigkeit ist nicht auf vergänglichem Ruhm gebaut oder durch die Anwendung von Recht und Gesetz zu erreichen, sondern allein durch Jesus Christus für uns geschehen.

 

Und was bedeutet es von Gott mit Recht und Gerechtigkeit beschenkt zu werden?

Über Recht und Gerechtigkeit meinen wir viel sagen zu können. Und häufig verwechseln wir Recht mit Rechthaberei, Recht sprechen mit richten und verurteilen. Auch die Sprache verrät uns: „Das ist mein gutes Recht; ich habe Recht; ich will mein Recht usw.

Und was Gerechtigkeit ist meinen wir auch zu wissen. Aber Gerechtigkeit ist für uns Christen kein Besitz im Sinne von Selbstgerechtigkeit, sondern ein Geschenk von Gott. Sie sollte in unserer Mitte blühen und wachsen. Gerechtigkeit ist für uns der Traum vom Reich Gottes mitten unter uns. Und hin und wieder blitzt diese Gerechtigkeit auf.

 

Aber nochmals: was bedeutet, dass Gott Gerechtigkeit und Recht für uns übt und wirkt, wie der Prophet schreibt?

Einerseits sind wir als Menschen ganz abhängig von Gott. Und diese Abhängigkeit von Gott und seiner Gnade, seiner Barmherzigkeit, von seiner Fürsorge, seinem Schutz und seinem Segen wird selbst dem aufgeklärtesten Zeitgenossen immer wieder neu deutlich. Nicht nur in Extremsituationen und in Not. Die menschliche Existenz, das Leben ist zerbrechlich, widersprüchlich, mit vielen Fehlern und Ausweglosigkeiten angelegt und vor allem endlich. Die Reformatoren nennen das sündige oder Knechtsexistenz.

 Anderseits sind wir als gläubige Christenmenschen frei.

Befreit aus einer auf die eigenen Verdienste, Werke und gute Taten und den eigenen Ruhm schauende Existenz. Frei von dem Zwang zur Selbsterlösung und frei vom Drang zum Selbstruhm und auch frei von der gemeinschaftsschädigenden und egoistischen Sicht, dass z.B. der Staat oder andere Organisationen für alles Mögliche verantwortlich sind. Wir sind auch frei von falscher Bequemlich- oder Gleichgültigkeit. Wir sind auch frei von der Verantwortungslosigkeit immer nur den Dienst anderer einzufordern.

Wir haben eben die Freiheit eines Christenmenschen, eine Freiheit, die wir für andere als Dienst und Gabe einsetzen können.

Und gerade die Gaben, die wir vor und von Gott haben, sollen wir zum Nutzen und zur Fruchtbarkeit aller einsetzen.

Leider sehen wir moderne Menschen häufig nur noch bzw. verwechseln viele Protestanten meistens den Freiheitsaspekt bei der Lehre von der Rechtfertigung des Sünders aus Glaube um Christi willen mit einem Freifahrtschein in religiösen Dingen, die man beliebig interpretiert. Viele erkennen auch nicht, wenn Dinge beliebig werden, dass Verantwortung und Pflichtbewusstsein ab handen kommen.

Und so bleibt für uns der Auftrag und die Aufgabe Zeugnis abzulegen für Gottes Gnade, Gerechtigkeit und Recht. Nicht mit frommen Lippenbekenntnissen oder der Hoffnung, das mögen doch die anderen tun, sondern jeder für sich selbst in seiner Familie, an seiner Arbeitsstelle, in der politischen Partei und in der Gesellschaft. Als Arbeiter im Weinberg Gottes haben wir die Aufgabe uns für Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit im Leben einzusetzen. Wir tun dies nicht für den eigenen vergänglichen Ruhm, sondern für den Ruhm des Herrn, der für uns Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt.

Amen.

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