Von Gott geleitet – wir haben es gut

Exodus 13,20-22

 

20 So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. 21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22 Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

 

Ich las diesen Text, nicht zum ersten Mal in all den Jahren, aber eben zum ersten Mal mit Blick auf diese Predigt, und ich sagt mir: Die hatten’s gut. Gott zeigt, wo’s lang geht, und das Volk braucht nur noch dieser Richtungsweisung zu folgen. Wir dagegen zerbrechen uns die Köpfe über die Frage nach dem richtigen Weg, egal, ob nur für uns selber oder die Familie oder für die Kirche oder für unser Land. Überall da wäre es doch einfacher, wenn einer sagte: Da geht’s lang. Oder etwa nicht? Lassen wir’s für den Moment erst einmal so stehen…

Wir kommen mit diesem kleinen Abschnitt aus dem 2. Buch Mose mitten hinein in die Geschichte vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Deshalb trägt dieses Buch des Alten Testaments ja auch den Namen Exodus, zu Deutsch: Auszug. Und wir erinnern uns: Dahin gehören die ganzen Geschichten von Mose und Aaron und dem Pharao. Zum Auszug aus Ägypten gehören der Sinai und der Weg durch die Wüste. In diesen Zusammenhang gehört, dass Mose die 10 Gebote auf dem Gottesberg empfängt. Ja, auch das Goldene Kalb gehört dahin und dass das Volk immer wieder murrte und mit Gottes Weg nicht zufrieden war. Es war wohl doch kein so einfaches Hinterherlaufen – trotz Wolken- und Feuersäule.

Aber hier, wo unser kleiner Textabschnitt verortet ist, da ist noch alles „in Butter“. Das Wunder der Befreiung am Schilfmeer, aber auch alle Schwierigkeiten des weiteren Weges liegen noch vor den Leuten und Gott ist für sie greifbar nahe in dieser Wolken- und Feuersäule. Also bleibt es doch dabei, dass man sagen möchte: Die haben’s gut.

Wir stehen ja auch an einem Übergang und fänden es schön, wenn uns da einer leuchten würde, so dass uns dann selber auch eine Erleuchtung kommt. Doch gerade damit sieht es immer wieder schlecht aus. Es wird zwar jede Menge illuminiert in dieser Zeit. Aber ob dadurch Erleuchtung geschieht, erscheint fraglich. Eher scheint es zappenduster zu sein. Und diese Beschreibung lässt sich durchaus verallgemeinern:

Was die weitere politische Entwicklung bei uns in Deutschland oder in der Welt betrifft – wir wissen es nicht.
Und unsere Familien und Freundschaften – wir wissen nicht wirklich, was werden wird.
Im Kleinen wie im Großen – wir ahnen so manches. Aber Wissen? Fehlanzeige! Da hätten wir schon gern so eine Wolken- oder Feuersäule.

Oder täuschen wir uns vielleicht? War das alles mit dem Auszug aus Ägypten doch nicht so einfach? – Genau so ist es!
Es sind ja nicht erst die kritischen Bibelwissenschaftler und Archäologen, die sagen: Da sind zwar eine ganze Menge Ortsnamen überliefert, aber wo die Israeliten letztendlich wirklich langgegangen sind und wo z.B. das Meerwunder geschah, ja auch wo der Gottesberg genau liegt, das alles kann man beim besten Willen nicht genau sagen. Es ist ja schon der Text selber, der Verwirrung stiftet, denn einmal sollen die Israeliten hier lang und nicht da lang ziehen, dann sollen sie umkehren. Und es war offensichtlich nicht so, dass diese Wolke den Leuten um Mose jeden einzelnen Schritt vorgezeichnet hat. Sie gab die Richtung an und signalisierte vor allem eins: Euer Gott ist da. Gehen mussten sie dann schon selber und mit Bergen und Tälern, mit Steinen im Weg und Abgründen zur Rechten oder Linken, mit all dem mussten sie schon selber klarkommen.

Sie, die Israeliten unter Mose, hatten es also keineswegs besser als wir. Oder anders herum gesprochen, und das ist der Knackpunkt: Wir haben es nicht schlechter als die Israeliten damals. Wir haben zwar nicht diese Wolken- und Feuersäule, aber sind wir deswegen ohne Zeichen der Gegenwart Gottes? Nein, das sind wir nicht.

Wir haben z.B. die Bibel, Gottes Wort, das uns Weisung gibt. Wir haben auch das Heilige Abendmahl, in dem uns die Gegenwart Gottes versprochen ist. Wir haben die Gemeinde, von der Jesus sagt, dass er bei ihr sein will, immer und auch bei mickrigen Zahlen, und der er verheißt, dass selbst die Pforten der Hölle Ihr nichts anhaben können. Das alles und noch viel mehr haben wir und dürfen darauf vertrauen. Nur ist es so ähnlich wie damals beim Auszug aus Ägypten: Wir haben es nicht in der Weise, dass wir uns um nichts weiter zu kümmern brauchten, weil alles von allein geht.

Wir haben die Texte der Bibel, aber wie diese zu verstehen sind und welche Weisungen daraus folgen, darum müssen wir uns bemühen. Die Bibel will ausgelegt werden. – Wir feiern Heiliges Abendmahl. Die Anwesenheit Gottes darin stärkt uns, nur müssen wir das im Glauben auch annehmen. Das Abendmahl will gefeiert und dabei geglaubt werden. – Und wie sehr unser Herr seine Gemeinde stärkt, erfahren wir nur, wenn wir uns zu ihr halten. Gemeinde will gelebt werden.

Egal, wie wir es drehen oder wenden: Gott ist nicht der große Zauberer, der uns aller Sorgen enthebt. Er erwartet, dass wir uns einbringen und dabei gelegentlich auch anstrengen. Und wenn‘s bei aller Anstrengung schief geht? Was passiert, wenn wir uns über das Verstehen der Heiligen Schrift nicht einig werden? Was passiert, wenn eine Gemeinde schier hoffnungslos zerstritten ist? Wenn der Glaube zerfleddert wird? Was geschieht dann?

Wir können es nicht im voraus wissen. Nur eins scheint zu gelten und darauf können wir uns verlassen: Lassen Sie mich‘s mit einer anderen biblischen Geschichte erzählen, wieder mit einer Überlieferung aus dem großen Komplex vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten:

Da sind die Israeliten schon eine Weile mit Mose zusammen unterwegs. Sie haben sich gefreut und haben gemurrt über den Weg Gottes mit ihnen. Sie haben sie Gebote Gottes bekommen und sich trotzdem ein verbotenes Bild von ihm gemacht, das Goldene Kalb. Mose hat es danach ordentlich satt mit ihnen. Und mit Gott kommt er auch nicht mehr so richtig klar. Und genau da passiert es, dass Gott ihm ganz nahe kommt und eine Aussage plötzlich ganz klar im Raum steht. Eine Stimme redet. Wir können gar nicht genau sagen, ob Mose da ein Bekenntnis formuliert, oder ob Gott da selber sein Wesen in Wort fasst. Beides wäre möglich. Beides ist sinnvoll, beides ist hilfreich, denn das ist eindeutig und steht unumstößlich fest: HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue. (34,6)

Das ist es, was gilt. Und eben darum muss damals dem Mose und muss vor allem auch uns heute vor nichts bangen. Amen.

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