Wie soll das Kind heißen?

Liebe Gemeinde,
als Predigttext für den Heiligabend hören wir einen Abschnitt aus dem Alten Testament, aus dem Buch des Propheten Jesaja:
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
2 Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.
3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians.
4 Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.
5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;
6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth. Jes 9, 5-6

Liebe Gemeinde,
welchen Namen geben wir unsern Kindern? Welchen Namen tragen Sie, tragt Ihr – und warum?
Lange Zeit war es üblich, Kinder nach ihren Großeltern zu nennen oder nach ihren Paten und Patinnen.
Auch Namen der Herrscher erfreuten sich einer gewissen Beliebtheit.
Oder die Eltern orientieren sich an den Namen von Freunden, die sie besonders gern haben und die sie so ehren wollen.
Daneben gibt es – und gab es zu allen Zeiten -Modenamen. Ich saß in einer Klasse mit 5 Franks und 2 Michaels, 2 Utas und 2 Susannen.
Vielleicht orientiert man sich auch an prominenten Menschen bei der Namenswahl.
Viele Eltern suchen einen Namen aus, der ihnen einfach gefällt und der zusammen mit dem Nachnamen gut klingt.
Immer häufiger soll der Name auch originell sein, einzigartig.

Welchen Namen geben wir unsern Kindern?
Ein Freund von mir hat jedes seiner drei Kinder „Gottesgeschenk“ genannt: Jonathan, Dorothea und Donate heißen sie. Kinder sind ein Geschenk von Gott – das wollte er damit ausdrücken. Und den Kindern mitgeben: Egal, was andere sagen: Du bist ein Geschenk. Gott hat dich so gewollt wie du bist.

Manchmal drückt der Name eines Kindes aber auch einen Wunsch, einen Traum, eine Hoffnung aus:
Eine Kusine meiner Mutter wurde 1944 geboren, mitten im Zweiten Weltkrieg. Ihre Eltern gaben ihr den Namen Bringfriede. Der Wunsch, die Hoffnung nach Frieden – Frieden für dieses Mädchen, Frieden für die Familie, das Land, die Welt – drückt sich in der Namensgebung aus.
Solche Namen begegnen immer wieder, wenn man darauf achtet: Nadeschda, kurz Nadja – bedeutet Hoffnung. Ebenso das englische Hope. Chaim und Zoë – beides Wörter für „Leben“. Grace –Gnade.
Kinder stehen für Zukunft, für Hoffnung. Auch ihre Namen können diese Hoffnung ausdrücken.

Heute feiern wir die Geburt Jesu.
Die Verheißung Jesajas, die wir zu Beginn gehört haben – sie soll sich in ihm erfüllen. Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst – das sind die Namen des Kindes, das Jesaja kommen sieht. Die Namen sind Programm: Er soll Frieden schaffen und ihn stärken und stützen durch Recht und Gerechtigkeit.
Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst – soll das Kind bei Jesaja heißen.

Maria aber nennt ihren Sohn Jesus.
Warum nicht Joachim, nach ihrem Vater? Oder Zacharias, nach ihrem Onkel? Warum nicht Johannes – ein beliebter Name zu dieser Zeit?
Aber nein, Maria nennt ihr Kind Jesus.
Sie hat sich den Namen für ihren Sohn nicht selbst ausgesucht. Er wurde ihr von dem Engel gesagt als sie schwanger wurde (Lk 1, 31).
Jesus – auch dieser Name hat eine Bedeutung. Jesus – eigentlich Jehoschua, kurz Jeschua – Jesus bedeutet „Gott ist Rettung, Gott ist Hilfe, Gott ist Erlösung“.
Gott ist Rettung, Hilfe, Erlösung – eben in Jesus, der heute geboren wurde. Jesus, der sich einsetzt für Frieden. Jesus, der die Friedensstifter selig preist und die, die sich nach Recht und Gerechtigkeit sehnen, die sich für Recht und Gerechtigkeit einsetzten. Jesus, der uns dazu aufruft, ihm darin nachzufolgen.

Ich wünsche Ihnen, daß Gott Ihnen und Euch als Hilfe, als Rettung, als Erlösung begegnet – in diesen Festtagen und immer wieder im Alltag.

Amen

drucken