Heiligabendgottesdienst im Seniorenzentrum

Christvesper im Seniorenzentrum 27798 Hude-Wüsting

 

Liebe Hausgemeinde, liebe Angehörige und Gäste,

es wird Weihnachten. Soviel Angebote gibt es in dieser Zeit hier im Haus, dass alles auf einmal zu viel für sie wäre. Sie sollen ja dieses Fest der Liebe und der Kerzen genießen können. So feiern wir heute schon den Weihnachtsgottesdienst.

Weihnachten ist für sie mit ganz vielen Erinnerungen von früher verbunden. Da steigen schon lange vergessene Bilder in uns auf: Weihnachten, als wir noch Kinder waren, mit Geheimnissen und leuchtenden Augen. „Damals war alles besinnlicher und ruhiger“.  Weihnachten wurde  viel bescheidener begangen. Es gab viel selbstgemachtes wie Bastelarbeiten oder Gestricktes. Das Geld war knapper als heute. Manchen ist noch der Klang der Weihnachtslieder in Erinnerung, die  vom Grammophon abspielt wurden. Und der selbstgebackene Weihnachtsstuten war etwas ganz herrliches. Eine Frau erinnert sich, wie sie kurz vor Heiligabend die zu schlecht versteckte Puppe fand, und wie sie dann beim Spielen hinfiel und zerbrach. Da wurde es dann nichts mehr mit der Puppe zu Weihnachten. Und bei einer Frau, die viele Geschwister hatte, da bekamen die kleinen Kinder immer ein Schaukelpferd geschenkt. Es war immer dasselbe. Und doch war es jedes Jahr neu, weil es immer wieder einen neuen Farbanstrich bekam. Und eine Frau erinnert sich an das weit geöffnete Wohnzimmerfenster nach dem Kirchgang. Da lag für sie völlig unerwartet ein großes Paket vor dem Tannenbaum mit einem komplett eingerichteten Puppenhaus drin.

Wenn wir solche Geschichten hören, dann kommen uns auch eigene Erinnerungen in den Sinn. ZB wie das erste Weihnachten nach den Krieg war, als es fast nichts gab und alle glücklich waren, weil endlich wieder Frieden herrschte. Oder Weihnachten mit den eigenen Kindern, die letzten Jahre Weihnachten mit den erwachsenen Kindern, Enkeln und Urenkeln. Und jetzt Weihnachten hier in diesem Zuhause.

Wie doch die Zeit vergeht! Plötzlich wird uns bewusst: Wie viele Veränderungen liegen zwischen heute und den Weihnachten früher! Es ist, als lagerten sich um dieses Fest die Erfahrungen unseres Lebens wie Jahresringe um den Stamm eines Baums. Alle Jahre wieder dieses unbestimmte Verlangen nach etwas, was man nicht kaufen und nicht vorbereiten kann und was gerade deshalb so wertvoll  ist.

Es sind Bilder und Empfindungen, die uns in Weihnachtsstimmung versetzen. Da leuchten die Kerzen am Weihnachtsbaum. Endlich, werden die Kinder am Heiligabend sagen,  ist Weihnachten.

Und auch wenn jetzt kein Krippenspiel aufgeführt wird, so haben wir die Szenen doch vor unserem inneren Au­ge: Maria und Josef mit dem Kind in der Krip­pe. Ochse und Esel.  Die Hirten und die Schafe, die drei Weisen aus dem Morgenland. Die frohe Botschaft des Engels und die Menge der himmlischen Engelchöre, die in dunkler Nacht jubeln: ,,Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen…‘ – Wie oft wurden diese Szenen im Lauf dieser 2000 Jahre gemalt, gespielt und  dargestellt. Im Lauf unseres Lebens haben wir diese Szenen immer wieder in einem anderen Licht gesehen und wahrgenommen. Immer wieder neu und immer wieder anders mit Leben gefüllt.

Früher haben einige von uns selbst im Krippenspiel mitge­wirkt als Maria, als Josef, als Hirte oder als Engel. Erinnern sie sich noch? Was liegt nicht alles dazwischen! Wie viele Geschichten ihres Lebens. Wie viele beglückende – und auch dunkle Erfahrungen. Auch das Thema Flucht spielte bei manchen eine Rolle – und das Thema Herbergssuche ist aktueller denn je – bei den vielen Flüchtlingen weltweit.

Heute hören wir nun wieder die Weihnachtsgeschichte und bringen alles mit, was zurückliegt. Was im vergangenen Jahr war, das Gu­te, und das Schwere, helle – und dunkle Erinnerungen, unsere Sorge, unsere Freude, unsere Angst. Wir sitzen hier und wollen alles, was war, in den Schein des Lichtes stellen, das damals die dunkle Nacht hell gemacht hat.

Es ist das Licht, das den Engel umleuchtete und sich dann auf die armseligen Hirtengestalten legte. Da heißt es: „Die Klarheit des Herrn leuchtete um sie und sie fürchteten sich sehr.“ Da waren sie plötzlich, die Engel, die Boten aus einer anderen Welt. Der Himmel öffnet sich und Unerwartetes bricht herein in ein bis ins dahin glanzlose Hirtenleben. Hören wir’s? Spüren wir jenen Glanz, den die Engel verbreiten ?

Da hören wir weiter: ,,Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfah­ren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren.“

Uns ist der Heiland geboren, uns, liebe Gemeinde, die wir so vieles mitbringen und bei uns tragen. Unser gan­zes Leben mit all dem Auf und Ab, mit Rissen und Brü­chen. Mit Freude – aber auch mit Enttäuschungen.

Fürchtet euch nicht! Der Engel, dieser Gottesbote aus ei­ner anderen Welt, bringt plötzlich eine fremde, ganz und gar unerwartete Botschaft. Fürchtet euch nicht‘. Das Licht leuchtet in die Dunkel­heit – und es verlischt nie mehr! Seit damals, als sich über den Feldern von Bethlehem der Himmel geöffnet und die Engel ihr jubelndes Lied gesungen haben, muss nichts mehr so bleiben, wie es ist. Und sei es noch so trostlos, noch so hoffnungslos. Und sei die Nacht noch so dunkel.

Euch ist heute der Heiland geboren. Diese Bot­schaft taucht nun alles in ein neues Licht, gibt der Welt einen neuen Schein, und lässt es nie mehr ganz dunkel werden.

Das ist das Geheimnis von Weihnachten. Begreifen wir’s? Fassen wir sie, die Botschaft des Engels? – Uns ist der Heiland geboren. Gott wird Mensch. Und unser kleines, großes Leben erstrahlt mit einem Mal im göttlichen Licht. Nein, wir können’s eigentlich nicht fassen mit unserem Verstand – wie sollten wir’s auch. Und doch spüren wir tief drin in unseren Herzen, dass Weihnachten anders ist als alle anderen Tage des Jahres.

Gott ist Menschenfreund und -liebhaber, deshalb hat er seinen Sohn zu uns gesandt.

Weihnachten kommt Gott als kleines Kind auf die Erde. Seitdem hat die Dunkelheit keine Macht mehr über uns. Was auch immer geschieht oder gerade ist – das Licht vom Kind in der Krippe strahlt auch in unsere Herzen. Wir müssen gar nichts dafür tun. Denn Jesus ist im dunklen Stall geboren, damit jeden und jede von uns etwas von seinem Licht und seiner Wärme und Liebe erreicht. Ds wünsche ich ihnen von Herzen.  Amen.

 

drucken