Heiligabend – Erlebnisse schenken

Christvesper Heiligabend 2017 in der St. Dionysius-Kirche Holle in 27798 Hude

Liebe Gemeinde am Heiligen Abend,

warum haben sie sich heute auf den Weg in die Holler Kirche gemacht? Es wäre interessant, dazu ein paar Interviews zu machen. Ich könnte mir vorstellen, die einen würden sagen: „ist doch klar: weil Heiligabend ist. Da gehe ich jedes Jahr zur Kirche. Es gehört für mich einfach dazu.“ Eine andere Antwort könnte lauten: „um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Da gehören für mich das Weihnachtsevangelium, das Krippenspiel und die Lieder dazu – besonders Stille Nacht, Heilige Nacht und O du fröhliche.“ Andere legen auch Wert auf die Predigt. Suchen in ihr eine aktuelle Weihnachtsbotschaft, die im Herzen ankommt.

Sicher werden wir uns alle ein Stück in diesem Antworten wiederfinden. Wir möchten alle anders aus der Kirche rausgehen, als wir gekommen sind – wollen uns beschenken und verwandeln lassen von dem Kind in der Krippe.

Weihnachten und die Geburt des Jesuskindes haben ganz viel mit unserem persönlichen Erleben zu tun. Gucken wir mal aufs Krippenspiel: Maria und Josef haben zuerst viel Freundlichkeit erlebt als sie sich verabschiedet hatten um nach Bethlehem zur Volkszählung zu gehen. Dort angekommen haben sie dann Not erlebt – die Not eine Dach über dem Kopf zu finden. Der Wirt scheint ja ein fieser und ungehobelter Typ ohne Empathie zu sein. „Alle Zimmer belegt“ hat er sie brüsk abgewiesen und sie dann auch noch runtergemacht mit den Wort: „So wie ihr ausseht, seid ihr ein Fall fürs Sozialamt.“ Das war der absolute Tiefpunkt. Maria ging’s da richtig schlecht. Die Geburt ihres Kindes stand unmittelbar bevor. Selbst als sie das dem Wirt sagt, hat er kein Einsehen und schickt sie weiter mit den Worten: „Merkt ihr denn gar nicht, dass ihr den ganzen Betrieb aufhaltet? „ Schlimmer geht’s wohl nicht mehr.

So steht der Wirt hier für all die Menschen, die sich nicht einfühlen können. Er steht für die, die nur an sich denken und gar nicht merken, wie sehr sie anderen weh tun, für die, deren Herzen aus Stein sind. Irgendwas ganz Schlim-mes müssen sie ja mal erlebt und sich deshalb einen Seelenpanzer zugelegt haben – anders kann ich mir solch ein Verhalten nicht erklären.

Zum Glück kümmert sich Josef fürsorglich um Maria, die gerade am Limit ist. Und dann findet er selbst einen trockenen Stall mit einer Futterkrippe zum übernachten. Für Marias und Josef bewahrheitet sich hier ein Spruch, der zwar so nicht in der Bibel steht – aber genau das wiedergibt, wie Gott gerade für die Hilflosen und Verzweifelten da sein will: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“

In der Weihnachtsgeschichte ist dieses Lichtlein der Stern, der über dem Stall leuchtet – und auf das Licht der Welt hinweist –auf Jesus, der dort zur Welt kommt. In ihm nimmt wird Gott Mensch. Und das in einem Stall um uns zu sagen: Ich bin da, wo ihr mich braucht. Ich bin mir für nichts zu schade. – Zuerst bin ich bei denen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.

Deshalb sind es in der Weihnachtsgeschichte die einfachen, schlecht angesehenen Hirten, denen der Engel zuerst die frohe Botschaft verkündet: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

Und dann finden die Kinder, deren Eltern keine Zeit hatten, sich um sie zu kümmern, das Jesuskind im Stall. Und selbst Eva, die Bettlerin, die an nichts Gutes mehr und schon gar nicht an Engel glauben kann, ist vom Anblick des Jesuskindes fasziniert.

Liebe Gemeinde, Weihnachten und die Geburt des Jesuskindes haben ganz viel mit unserem persönlichen Erleben zu tun, sagte ich eingangs. „Erlebnisse verschenken.“ – so heißt es in der Weihnachtswerbung von LIDL. Ich finde, das ist an Weihnachten ganz nah dran, wenn wir darauf gucken, was Maria und Josef, was die Hirten und Kinder da erleben. So rührt uns die Weihnachtsgeschichte alle Jahre so an, weil in ihr Gott den Beteiligten dieser Geschichte  mit der Geburt des Jesuskindes ein gar nicht mit Worten zu beschreibendes ganz tiefes Erlebnis schenkt. Ein Erlebnis, das auch in unsere Herzen hinein strahlen will. Deshalb kommen wir hierher, deshalb geben wir uns Mühe, damit wir ein schönes Weihnachtsfest erleben können.

Und manche machen deshalb ihren Lieben Erlebnis-Geschenke. Vielleicht bekommen sie auch welche geschenkt wie zB. Konzertkarten oder einen Gutschein für einen Tagesausflug oder was auch immer.

Eines zeigt uns die Weihnachtsgeschichte ganz deutlich: Da wird den darin vorkommenden Personen ein ganz tiefgehendes Erlebnis geschenkt. Und das geschieht, weil sie sich auf den Weg machen. Maria und Josef machen sich auf den Weg nach Bethlehem, den Hirten begegnet ein Engel, – daraufhin machen sie sich auch auf und finden das Jesuskind, das ihr Leben verwandelt.

Sie erleben die Tiefe der Liebe Gottes, die vom Kind ausgeht. Verändert, mit einem neuen hoffnungsvollen Blick aufs Leben gehen sie zurück zu ihren Herden.

 

Liebe Gemeinde, am Heiligen Abend steht eine Erlebnis- und Aufbruchsgeschichte im Mittelpunkt. Mit dem Kind in der Krippe beginnt etwas ganz Neues. Menschen machen sich auf den Weg. Das ist eine Erfahrung, die bis heute an den Weihnachtstagen gleich geblieben ist: Familienmitglieder, die sich lange nicht gesehen haben, machen sich auf den Weg, die Kinder feiern, auch wenn sie inzwischen ganz woanders wohnen, wieder in der elterlichen Wohnung, die Großeltern werden besucht und Sie haben sich heute Abend auf den Weg in diese entlegene Kirche gemacht, um von der Geburt des Gotteskindes zu hören. So werden uns an Weihnachten Erlebnisse geschenkt, die uns bewegen. Erlebnisse, die uns auch zeigen, wo wir gerade innerlich stehen. Auch wenn dabei beim einen oder anderen Traurigkeit oder Melancholie hochkommen mögen – alles dürfen wir bescheinen lassen von dem Licht, das von dem Kind in der Krippe ausgeht. Und wo uns dieses Licht erreicht, da ist das Erleben von Hoffnung und Zuversicht nicht fern.

Liebe Gemeinde, Gott macht sich auf den Weg zu uns und kommt in einer Krippe als kleines Kind zur Welt. Er sitzt nicht tatenlos auf seinem Thron und sieht zu. Sondern er macht sich auf den Weg zu uns, und bringt uns durch die Worte und Taten Jesu nahe, dass nichts so bleiben muss, wie es ist. Durch seine Worten und Taten will er uns zu zeigen, was wesentlich ist im Leben. Gott wird im Jesuskind Mensch. Er kommt zu uns und will der besonders denen nahe sein, die in Finsternis und Angst leben, bei denen, die sich sehnen nach Licht und Frieden, nach Geborgenheit und Wärme.

„Friede auf Erden“ – diese Botschaft des Engels von Bethlehem soll mit Gottes Hilfe Wirklichkeit werden. Aber dazu braucht er auch uns.  Es kommt darauf an, dass wir uns auf den Weg machen, hin zu den Menschen, die uns brauchen. Hin auch zu denen, mit denen wir selbst in Unfrieden leben. Und es geht in allem auch um den Weg zu uns selbst, dass wir einverstanden werden mit uns, so wie wir sind und mit unserem Leben. Alles darf gerade auch heute so sein wie es ist, weil alles sanft vom Licht der Liebe Gottes beschienen wird, die in Jesus Mensch geworden ist.

Liebe Gemeinde, wir können uns auf den Weg machen, weil Gott selbst den ersten Schritt auf uns zu getan hat im Kind in der Krippe. Damit zeigt er uns: Ich komme euch entgegen, will eure Herzen berühren.

So dürfen wir fest darauf vertrauen, dass sein Licht auch uns und unseren Alltag erhellt. Möge Gott uns heute – aber auch in unserem Alltag dieses Erlebnis immer wieder schenken: Dass wir ihn spüren als ein Licht und eine Kraftquelle, die uns trägt. Das wünsche ich uns von Herzen. Amen.

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