Die Mitte des Advents

Advent: Menschen leben in der Gewissheit, dass ihr Herr kommt, auch wenn die Herren der Welt kommen und gehen. Und doch sind wir uns auch manchmal unsicher, was wir wirklich erwarten von dem Kommen dieses Herrn, worauf wir wirklich hoffen dürfen. Und was das alles für uns bedeutet.

Bereitet dem Herrn den Weg, heißt es im Wochenspruch, aber wir wissen nicht, wie man das macht und nicht wofür das gut sein soll. Darum schreibt der Apostel Paulus im Brief an die Gemeinde in Rom über die Existenz von Christenmenschen:

4 Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. 5 Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, 6 damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. 7 Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre. 8 Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Beschneidung geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind; 9 die Heiden aber sollen Gott die Ehre geben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht (Psalm 18,50): »Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.« 10 Und wiederum heißt es (5.Mose 32,43): »Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!« 11 Und wiederum (Psalm 117,1): »Lobet den Herrn, alle Heiden, und preisen sollen ihn alle Völker!« 12 Und wiederum spricht Jesaja (Jesaja 11,10): »Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais, und der wird aufstehen, zu herrschen über die Völker; auf den werden die Völker hoffen.« 13 Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Im Mittelpunkt dieser Zeilen von Paulus stehen Lob und Dankbarkeit. Ihm ist dieser Lobpreis wichtig, gerade weil er spürt, dass ihm in Jesus einer begegnet ist, der Folgen hat für sein Leben auf Erden und für sein Leben über den Tod hinaus. Er freut sich darüber und möchte, dass die ihm unbekannten ChristInnen in Rom an dieser Freude teilhaben.

Und er möchte, dass sie einander annehmen. Einander annehmen ist mehr als leben und leben lassen. Einander annehmen, das ist ein Projekt, das viel Geduld verlangt, wenn es nicht oberflächlich werden soll. Daran müssen Gemeinden über Jahrhunderte wachsen, Rückschritte ertragen, Fortschritte erbitten. Daran müssen auch die Einzelnen in der Gemeinde Wachsen, Rückschritte ertragen und nicht nachlassen. Denn einander annehmen, das bedeutet mehr, als anzuerkennen, dass es Unterschiede zwischen Menschen gibt. Das bedeutet auch viel mehr als neben einender her zu leben, ohne sich gegenseitig ins Gehege zu kommen.

Einander annehmen, damit ist auch gemeint: dass wir einander ernst nehmen. Dass wir den Anderen deutlich sagen, dass sie, auch wenn sie grundlegend anderer Meinung sind, doch auch zur Gemeinde gehören. Ernst nehmen heißt auch einfach zuhören und versuchen zu verstehen und nicht nur so tun. Ernst nehmen heißt nicht immer zu erwarten, dass alle Anderen auch früher oder später meine Erfahrungen machen werden und dann auch meiner Meinung sind. Ernst nehmen heißt, dass ich zugebe, dass Andere auch nachdenken und dann zu eigenen Schlüssen kommen.

Ernst nehmen heißt, dass in vielen Lebenslagen jeder Mensch seinen Weg finden muss, damit umzugehen. Darum gibt es auch so unterschiedliche Formen der Glaubensäußerung, die ich alle ernst nehmen will.

Ich persönlich glaube, nur dann kann Advent werden, wenn ich mich verändere, wenn ich mit meinem Leben und meiner Existenz wirklich etwas von Gott erwarte. Wenn meine Hoffnung weiter geht als schöne Geschenk und gutes Essen, dann beginne ich damit, dass ich dem Herrn den Weg bereite. Advent kann nur werden, wenn wir gemeinsam als Gemeinde von Schwestern und Brüder warten und versuchen unser Leben im Hier und Jetzt zu gestalten und zu verantworten. Wenn wir wirklich anfangen bei aller Verschiedenheit als Gemeinschaft zu leben.

Christus ist Diener für alle geworden, damit alle Freiheit erfahren. Er hat das Gesetz erfüllt – ein- für allemal. Für alle. Darauf darf ich vertrauen. Daraus bekommt mein Leben neue Weite. Der Blick weitet sich universal: Ich darf mich freuen, dass Gott Mensch wird – für die Menschen, für alle – für mich! Und ich darf mich auch mit den Menschen freuen, die so anders sind als ich. Auch für sie wird Gott Mensch.

Der Advent spricht von der Zukunft, von Gott, der sein Reich baut, der mehr Zukunft bereithält für uns, als wir uns jemals erträumen lassen können. Der Advent ist eine Beschreibung einer Zukunft, die wir heute höchstens ahnen können. Wir wissen weder wann noch wie, aber wir wissen dass und bewahren die Hoffnung, dass Gott mit uns sein großartiges Reich aufbaut.

Das ist gemeint: Es wird kommen … Bereitet ihm den Weg. Und wir dürfen mit unserem Leben, mit unseren Gedanken und Taten den Weg bereiten in unserem Leben. Und wir dürfen selber herausfinden, was gut ist für Christus und seine Gemeinde.

Ich darf in meinem Leben suchen, was dem Herrn den Weg bereitet. Ich darf mit meinem Leben mich dafür einsetzen, dass der Herr kommen kann. Ich darf mich und die Menschen darauf einstellen, dass es mehr und Besseres geben wird, als wir erleben und ich darf helfen, dass wir das Leben heute gestalten, weil es von Gott gewolltes Leben ist.

Die Mitte des Advents heißt Hoffnung. In der Hoffnung kann ich leben, kann jeden Moment mein Leben neu ausrichten, kann mich immer wieder fragen, ob ich noch auf einem guten Weg bin und neu durchstarten.

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