Die Lebenszeit dazwischen

Besuch auf dem Friedhof

 Dies ist eine Friedhofsandacht anlässlich des Ewigkeitssonntags, die sich  mit dem Gang und Besuch auf dem Friedhof  und der persönlichen Trauer auseinander setzt. Dabei sind Gedanken des Trauerliedes „Nur zu Besuch“ von den Toten Hosen mitaufgenommen.

 

 

Friedhöfe sind seltsam schöne Orte und  Plätze, die wir besuchen. Auf dem Friedhof liegen die sterblichen Überreste unserer geliebten und verstorben Angehörigen. Dort besuchen wir sie und pflegen ihre Gräber. Wir sprechen und beten mit ihnen und trauern, dass sie gestorben sind. Wir hätten sie noch gebraucht. Wir legen Blumen aufs Grab. Und bepflanzen im Frühjahr und Herbst das Grab. Das Grab und seine Stille ist der Ort der Trauer, der Erinnerung, der Platz für seelischen Schmerz und Weinen, aber auch der Platz unendlichen Friedens und des endgültigen Abschieds.

Ich persönlich finde Friedhöfe auf eine morbide Art schön, denn sie strahlen solch eine Ruhe und Frieden aus. Als könnte man die Stille und Andacht atmen, die vom Tod ausgeht. Auch die große Liebe, Fürsorge und Erinnerung für unsere geliebten Angehörigen ist auf den vielen Friedhöfen zu sehen und förmlich zu spüren.

Und es ist egal, ob wir vor einem Erd- oder Urnengrab stehen immer fangen wir mit unseren Angehörigen zu sprechen, so als es ob es früher wäre. Dort und da sind sie uns ganz nah, so als ob man durch den Wind ihre Stimme hören könnte. Das langsame Vergessen, das unseren Geist durch den Alltag ohne sie ereilt, wird am Grab durchbrochen. Und obwohl sie durch den Tod so weit weg von uns sind, so sind sie doch durch das Grab so nah.Wie gesagt Friedhöfe sind seltsame schöne Plätze und doch so wichtig für die Trauer und die Trauerarbeit.

Auf den Grabsteinen stehen zwei Daten oder Jahre, das Geburtsdatum und das Sterbedatum. Dazwischen hat sich die Lebenszeit eines Menschen abgespielt.

Anfang und Ende der Lebenszeit und manchmal noch ein Symbol, ein Kreuz, ein Engel, ein Lebensbaum oder die Sonne, die vom Grabstein scheint.

Und so stehen wir vor den Gräbern denken an sie, sprechen mit ihnen und erzählen von unseren Erlebnissen ohne sie . Und sind traurig oder erinnern uns an schöne Momente des Lebens, die wir miteinander verbrachten. Auch an das Traurige und Unausgesprochene erinnern uns die Gräber. Vielleicht etwas, was wir zu Lebezeiten gerne zu ihnen gesagt hätten oder was wir versäumt haben. Ihre Lebenszeit ist vergangen, vielleicht war sie erfüllt oder vielleicht viel zu kurz, je nachdem. Der Tod ist nicht fair zu uns.

Vielleicht haben sie mit einer großen Fähigkeit zur Liebe und mit viel Zärtlichkeit für und mit uns gelebt, mit dem zärtlichen Trost der Mutter oder der liebenden Fürsorge des Vaters, die uns fehlen. Über dieses Abgeschnitten sein von Fürsorge und den Verlust dieser Liebe und über noch viel mehr Schicksalhaftes mit dem sie leben oder sterben  mussten, kann man traurig und untröstlich sein.

Das kann einem fast den Verstand rauben. Denn sie fehlen uns.

Aber mit der Zeit, die nicht immer alle seelischen Wunden heilt, aber unsere Psyche mit einem Schutzschirm von Narben überzieht und uns äußerlich stark wieder in den Alltag zurück lässt.

Mit dieser Zeit können wir Abschied von ihnen nehmen und sie in unserer Erinnerung behalten. Dort in unserem  Kopf und Herz, in unserer liebevollen Erinnerung, und im Glauben, dass sie in Gottes  Hand gefallen sind.  Dort sind sie behütet und aufgehoben. Da ist dann kein Schmerz mehr, keine Angst, keine Sorge und kein Schrei wie es in der Offenbarung  im 21.Kapitel heißt (Offenbarung 21, 3-5). Denn Gott  hat dort -im religiösen Himmel-  alle Tränen von ihren Augen abgewischt und alles neu gemacht.

Mit und durch diese Botschaft über die kommende Welt können wir dann auch in Frieden vom Friedhof gehen.
Denn: Wir glauben, hoffen und wissen in unserem Innersten, dass wir sie wieder sehen, unsere Angehörigen. Einmal sehen wir sie wieder!
Es ist unser sehnlichster Wunsch.
Irgendwann, wenn die Zeit kommt, wenn wir von dieser Welt in die andere hinüber müssen. Und wir werden sie dort wieder treffen. Da , wo sie jetzt unsichtbar für uns weiterleben in Gottes Nähe. Da, wo er sie in seine Nähe geholt hat. In der Ewigkeit Gottes, im religiösen Himmel, dort werden wir eines Tages sie wieder sehen. Im Leben der der neuen Welt
Das ist wahrlich kein geringer Trost bei aller Trauer, seelischer Erschöpfung und allem unwiederbringlichem Verlust von Liebe und menschlicher Nähe.
Wir sehen sie wieder, denn Sie sind jetzt in der Nähe Gottes, er hat sie geholt in seine Nähe; dort, wo der himmlische Friede ist, die Erlösung und das neue, ganz andere Leben. Dort, wo das Leben der kommenden Welt ist, wie es am Ende des Nicänischen Glaubensbekenntnisses so verheißungsvoll heißt.
Und so hat der Gang zum Friedhof etwas gleichermaßen Trauriges und Tröstliches. Traurig, weil  uns unsere geliebten Angehörigen fehlen und uns auch liebevoll, aber unmissverständlich daran erinnern, dass alles sterblich und vergänglich ist.

Aber auch tröstlich durch die Gewissheit, dass wir sie eines Tages wieder sehen und dass sie jetzt im ewigen göttlichen Frieden ruhen.

 

Im Lied EG 533, das den Text eines Gebetes von Arno Pötsch wiedergibt und besingt, heißt es über dieses, unseres christliches Leben:

Du kannst nicht tiefer fallen
als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen
barmherzig ausgespannt.

Es münden alle Pfade
durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade
trotz aller unsrer Not.

Wir sind von Gott umgeben
auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben
und sein in Ewigkeit.

Amen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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