Was bleibt?

Liebe Gemeinde,

ein schönes Haus: Groß, weiß und einladend, steht es stolz im Stadtteil. Drei Jahre hat die Bauzeit gedauert. Dann konnten die Mieter endlich einziehen: Viele junge Familien finden eine schöne Bleibe. Die Kinder werden groß, gründen selbst Familien. Und viele bleiben im gleichen Haus wohnen, denn dieses Haus ist ihnen Zuhause geworden. Es ist fast wie ein Dorf mitten in der Stadt. Man kennt sich seit Jahren und Jahrzehnten. Im Sommer gibt es gemeinsame Grillfeste, es bilden sich Freundschaften für’s Leben. Ein ganzer Stadtteil ist stolz auf dieses Haus, gilt es doch als besonderes architektonisches Wahrzeichen.

Und dann, im Jahr 2015, eine Nachricht, die einschlägt wie eine Bombe. Das Stufenhochhaus muss abgerissen werden. Der Beton, der in den Jahren 1964-1967 verwendet wurde, erweist sich als ungeeignet. 168 Wohnungen müssen geräumt werden. Alle Mieter, davon viele hochbetagt, müssen raus. Es fließen Tränen. Aber es hilft nichts. Die Situation ist wie sie ist. Mittlerweile sind fast alle Bewohner ausgezogen, der Abriss kann früher erfolgen als geplant. (Westhagen vergleichbare Situation)

Man hat es damals einfach nicht gewusst.

 

Ich musste an unser Detmeroder Stufenhochhaus denken – es gibt auch noch viele andere Beispiele – als ich unseren Predigttext für heute las. Jesus erzählt das Gleichnis von zwei Männern, die ein Haus bauen.

„Wer diese meine Rede hört und tut sie, der ist wie ein Mann, der sein Haus auf Fels baut. Wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der ist wie ein Mann, der sein Haus auf Sand baut.“

Das hat etwas ganz schön Besserwisserisches.

Auch die Erbauer des Stufenhochhauses haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, davon gehe ich aus. Sie wussten es nicht besser.

Man könnte auch sagen: Nachher ist man immer schlauer.

 

Und mit unseren Lebensentscheidungen ist es doch genauso. Menschen sehnen sich nach einem festen

Fundament für ihr Leben.

Das junge Paar, es heiratet voller Hoffnung und Zuversicht. Ja, der andere, die andere ist genau der richtige Mensch für mich. Wir lieben uns. Ein Haus wird gebaut, Schulden gemacht, Kinder kommen. Und dann gerät irgendwann alles ins Wanken. Vorwürfe und Schuldzuweisungen, der eine fühlt sich vernachlässigt, die andere unverstanden. Ein Streit folgt auf den anderen. Und irgendwann heißt es: Es hat keinen Sinn mehr mit uns, wir müssen uns trennen.

Das Fundament bricht weg.

Oder: Die Eltern haben sich redlich bemüht, ihren Kinder das zu geben, was sie brauchen. Sie unterstützt in der Ausbildung, ihnen Werte vermittelt. Trotzdem rutscht der Jüngste ab in den Drogensumpf und hält die ganze Familie in Atem mit seiner Sucht.

Alles gerät ins Wanken.

Oder der Mann, der immer so stolz war auf seine sportliche Aktivitäten. Gesund ernährt hat er sich auch. Alles super. Und dann haut die Diagnose alles um: Krebs im Endstadium.

Nichts ist sicher.

Wie oft geht es mir bei meiner Arbeit so, dass ich denke: Alles gut geplant und vorbereitet. Und dann habe ich an irgendeiner Stelle doch etwas vergessen oder nicht richtig im Blick gehabt und es gibt Ärger und Probleme. Wenn dann noch jemand sagt: Das hätte ich dir gleich sagen können! Dann bin ich vollends bedient.

 

So ist es bei uns Menschen.

Wir haben nicht alles im Griff. Wir können noch so gut vordenken und machen – es kann trotzdem alles anders kommen. Mit Krisen und Lebenskrisen umzugehen, gehört zu unserem Leben dazu. Auch wenn ich es mir anders wünsche.

Natürlich ist da die Sehnsucht nach etwas Festem, Unveränderlichem. Etwas, das bleibt und gilt. Das nicht in Frage gestellt wird.

Ich könnte natürlich sagen: „Es mag sein, dass alles fällt. Aber der Glaube bleibt und hält.“

„Wer diese meine Rede hört und tut sie, der ist wie ein Mann, der sein Haus auf Fels baut.“

Ja, der Glaube kann Halt geben, gerade wenn im Leben alles ins Schwanken gerät. Diese Erfahrung habe ich, haben viele Menschen gemacht. Aber auch die gegenteilige Erfahrung: Auch Glaubensgewissheiten können ins Schwanken geraten. Das Bild vom lieben Gott aus der Kindheit bekommt Risse. Der schwärmerische Glaube an einen Gott, mit dem ich die Welt verändern kann, weicht der nüchternen Erfahrung der Erwachsenen.

„Wo bist du Gott? Warum hilfst du nicht?“

Selbst der Glaube ist mir nicht als Besitz zur Verfügung. Immer wieder muss ich um ihn ringen, nach neuen Worten suchen.

 

„Wer diese meine Rede hört und tut sie, der ist wie ein Mann, der sein Haus auf Fels baut.“

Ich will noch einmal genauer hingucken, um welche Rede Jesu es sich handelt.

Das Gleichnis vom Hausbau steht am Ende der Bergpredigt. Sie ist die große Zusammenfassung dessen, was Jesus wollte und tat.

Was HÖREN wir da?

Selig sind die Armen, die Leidenden, die Sanftmütigen, die

nach Gerechtigkeit hungern, die Barmherzigen, die reinen Herzens sind, die Friedfertigen.

Wir hören: Ihr sollt Salz und Licht sein.

Wir hören: Verzichtet auf Rache, lebt aufrichtig, respektiert auch eure Gegner, richtet nicht über andere, vertraut auf Gott und lasst seine neue Welt schon in dieser Welt aufleuchten.

Das sind keine starren Regeln, das sind Leuchtzeichen in einer Welt, die so oft anders funktioniert.

Jesus sagt: ‚Wenn Ihr diese Leuchtzeichen in Eurem Leben scheinen lasst, dann seid Ihr auf dem richtigen Weg. Dann habt Ihr Euer Haus auf gutem Fundament gebaut.“

Liebe Gemeinde, für mich ist das ein Fundament, auf dem ich mich auf den Weg machen kann. Ich habe es nicht, ich werde immer wieder in meinem Tun daran scheitern. Aber ich möchte es immer wieder neu HÖREN und versuchen, danach zu handeln. In allem Wandel:. Scheitern gehört dazu. Umkehr auch. Aber auch Gewissheit: Das ist der richtige Weg.

Und das bleibt.

Amen.

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