Auf Wiedersehen!

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

manchmal müssen wir durch schwere Zeiten gehen. Kein Leben ist ohne Abgründe. Keine Entwicklung ohne Schmerz. Mich hat einmal jemand gefragt, weshalb passiert mir das? Weshalb musste ich so früh meinen Mann verlieren? Warum muss ich solche Schmerzen leiden? Ich habe mich neben sie gesetzt und geantwortet, dass mir das leid tut und dass ich sehe wie schwer das ist. Als ich die Frau dann zwei Monate später noch einmal besucht habe, hat sie gesagt: „Ja ich weiß, auch andere haben ein schweres Schicksal. Es tut so furchtbar weh, jemanden zu verlieren, der einem nahe steht. Aber es wird leichter, denn manchmal habe ich das Gefühl, mein Mann ist noch irgendwie um mich. Ich habe ja nie daran geglaubt, dass es ein ewiges Leben gibt. Aber in letzter Zeit denke ich, ich werde ihn wiedersehen. Ich weiß nicht wie und ich weiß nicht wann. Ich fühle mich manchmal getröstet.“

Die Jünger Jesu haben das gleiche Problem. Sie werden Jesus plötzlich und grausam verlieren. Jesus weiß, wie schwer das für seine Freundinnen und Freunde sein wird. Und er versucht sie schon im Vorfeld zu trösten. Ich lese

Johannes 16, 16, 20-23a

16 Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen. 20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll zur Freude werden. 21 Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. 22 Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. 23 Und an jenem Tage werdet ihr mich nichts fragen.

Jesus vergleicht seinen Tod und seine Auferstehung mit einer Geburt. Damals war eine Geburt noch gefährlicher als heute. Viele Mütter und Babys starben, wenn Komplikationen auftraten. Schwangere Frauen mussten nicht nur Angst vor der Anstrengung und den Schmerzen haben, sie befanden sich in Lebensgefahr. Um so größer war die Freude, wenn alles gut gegangen war und das Kind auf der Welt war.

Wenn ich mich an meine zwei Geburten erinnere, dann erinnere ich mich nicht mehr an den Schmerz. Ich erinnere mich an den Moment, als meine Tochter auf meinem Bauch lag und nach meiner Brust gesucht hat. Es war unglaublich. Ein neuer Mensch, ein eigenes kleines Wesen, das vorher noch nicht dagewesen war. Eine tiefe Freude und ein unfassbares Glück haben mich überschwemmt. Es war nicht nur die weiche und warme Haut des Baby, es war nicht nur der Blick aus den tiefbraunen bzw. bei der anderen den grünen Augen, der mich überwältigt hat. Es war sicher auch die Erleichterung, dass alles gut gegangen war und der Schmerz endlich aufgehört hat.

„Jetzt seid ihr traurig. Ihr werdet klagen und Angst haben“, sagt Jesus. „Aber das wird nur eine kurze Zeit so sein. Wenn wir uns wiedersehen, dann werden ihr euch freuen. Und die Freude wird ewig bleiben.“

Jesus wurde grausam ermordet. Seine Freundinnen und Freunde mussten hilflos zusehen wie der, der ihre ganze Hoffnung war, gequält und getötet wurde.

Wir durchleben manchmal schwere Zeiten. Die letzten Wochen einer schwierigen Pflege sind manchmal kaum zum Aushalten. Die Schmerzen einer chronischen Krankheit rauben den letzten Nerv, und es ist keine Besserung in Sicht. Manchmal kostet uns das Ganze mehr Kraft als wir haben. Das Leben ist nicht harmlos. Das Leben ist kein Ponyhof und wenn man mitten drin in so einer schwierigen Zeit steckt, dann fühlt es sich an als würde die Qual niemals enden. Verzweiflung ist nahe. Und Trost ist schwer zu finden.

Ich weiß nicht, ob es wirklich hilft. Aber ich will es das nächste Mal, wenn es schwierig wird, probieren. Ich will an meine Geburten denken. Ich werde versuchen diese schwere Zeit als eine Geburt zu sehen.

Es gibt da ja viel Vergleichbares. Wenn eine Geburt einmal angefangen hat, dann geht sie weiter. Man kann sie nicht mehr stoppen. Man muss durch. Und gerade am Ende fehlt einem oft die Kraft. Kurz bevor es zu Ende ist gibt es keine Ruhezeiten mehr zwischen den Wehen. Der Schmerz hört gar nicht mehr auf. Und man denkt, jetzt halte ich das nicht mehr aus. Das ist die Zeit, wo es dann bald vorbei ist. Nicht mehr lange, dann hält die Mutter das Baby in ihren Armen.

Ja, ich glaube, dass diese Worte Jesu uns durch schwere Zeiten hindurch helfen können: „Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“

Am Ende wird die Welt nicht den Bach runter gehen. Am Ende steht für uns nicht Schmerz und Tod. Diese Zeit ist nur eine begrenzte Übergangszeit. Voller Traurigkeit, geprägt von Schmerz, nahe an der Verzweiflung.

Aber im Vergleich zu der unendlichen Freude, die uns erwartet, ist es nur eine kurze Zeit.

Wir werden Jesus sehen. Und wir werden uns freuen. Und die Menschen, die wir jetzt so schmerzlich vermissen, die Menschen, die uns so sehr fehlen, die sehen Jesus schon jetzt. Unseren geliebten Verstorbenen geht es gut. Um sie müssen wir uns keine Sorgen machen. Wir haben sie ja auch nicht endgültig verloren. Ja, wir müssen jetzt eine kurze Zeit ohne sie klarkommen. Aber wir tragen sie in unseren Herzen. Wir tragen sie mit uns. Und der Abschied ist nicht endgültig.

Jetzt gibt es noch eine kurze Zeit, in der wir ohne sie noch etwas Gutes aus unserem Leben machen können. Diese Zeit ist auch begrenzt. Der Schmerz ist begrenzt. Es ist manchmal schwer. Aber am Ende werden wir uns wiedersehen. Und wir werden uns freuen. Und die Freude hört gar nicht mehr auf.

Für mich ist das der große Unterschied zwischen einem Leben im Glauben und einem Leben in der Überzeugung, dass es keinen Gott gibt und mit dem Tod alles aus ist.

Der Unterschied ist die Hoffnung. Für Glaubende gibt es keine hoffnungslosen Fälle und es gibt keine hoffnungslosen Situationen. Alles läuft am Ende auf die große Freude zu.

Und bis dahin sind wir hier, um Probleme zu lösen. Auch wenn es so aussieht als gäbe es keine Chance. Auch wenn es so scheint als würde alles schlimmer. Die Wirklichkeit hinter der scheinbaren Wirklichkeit ist das Reich Gottes. Die wahre Wirklichkeit ist, dass Gott alles in der Hand hat und Gott aus allem Furchtbaren noch etwas Gutes machen kann. Ob in der Familie in der Politik, in der Kirche, im Ort, an der Arbeit oder sonstwo: Die Probleme, mit denen wir kämpfen, sind nur eine kurze Zeit der Traurigkeit. Das Ganze läuft auf die große Freude hinaus. Und manchmal dürfen wir diese Freude auch schon vor dem Ende genießen. Gucken Sie hin. Finden Sie die Anlässe für Freude und geben Sie nicht auf. Wenn es am Schlimmsten ist, ist die Geburt fast geschafft.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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