Erfolg

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

wir haben Ostern gefeiert. Und nun? Wie geht es weiter? Wir haben uns darüber gefreut, dass Christus wahrhaftig auferstanden ist, und jetzt? Welche Folgen hat das für unser Leben? Vor der gleichen Frage standen auch die Freundinnen und Freunde Jesu nach der Auferstehung. Unsere Predigttext gibt Antworten:

Ich lese

Johannes 21, 1-14

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.

3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See.

8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.

10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!

11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr.

13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.

14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Diese Geschichte enthält eine Verheißung. Jesus zeigt seinen fischenden Freunden ihre Zukunft. Und wie könnte er das Fischern besser zeigen als beim Fischen. Die sieben engsten Freunde Jesus nach dem Johannesevangelium gehen fischen. Sie arbeiten. Aber sie arbeiten umsonst. Das ändert sich in dem Moment, in dem Jesus auftaucht. Er sagt ihnen, was sie tun sollen. Und als sie es tun ändert sich alles schlagartig. Das Netz ist voller großer Fische und sie bringen gegen alle Erwartungen einen riesigen Fang an Land. Die Netze halten. Die Fischer sind extrem erfolgreich. Sie haben zu essen. Und es ist wieder wie früher. Sie essen mit Jesus gemeinsam.

Das ist die große Verheißung an die ersten Jüngerinnen und Jünger. Jesus spricht: Ich sage euch, was ihr tun sollt. Ich gebe euch den Auftrag. Und ihr werdet unglaublich erfolgreich in eurer Arbeit sein.

Stellen Sie sich vor, die 7 Männer kommen heute nach Deutschland und sehen sich die langfristigen Folgen ihrer Arbeit an. In jedem Dorf eine Kirche, mehr Menschen die sonntags in die Kirche gehen als auf den Fußballplatz, überall Kreuze im öffentlichen Raum. In der Schule werden die Kinder zwei Stunden in der Woche über die Geschichte von Jesus unterrichtet. Die meisten neugeborenen Kinder werden getauft. Ich glaube unsere sieben Jünger wären überwältigt.

Petrus würde vielleicht sagen: „Jesus hat uns ja damals am See bei seiner Auferstehung gesagt, dass wir unglaublichen Erfolg haben würden. Aber so etwas hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Ich bin begeistert.“

Aus einem Anfang mit ein paar Frauen und Männern ist die größte Religion der Welt geworden. Und es ist immer noch die Religion mit der größten Dynamik. Das Christentum wächst schnell, nicht bei uns in Europa und nicht in Amerika aber überall sonst auf der Welt. Überall sind die Erben dieser Fischer unterwegs und tun das Gleiche wie damals die 7 Männer. Sie arbeiten hart. Oft arbeiten sie umsonst. Sie mühen sich ab. Aber sie sind auch geduldig. Sie stecken den Frust weg. Und in dem Moment wo sie den Auferstandenen sehen, passiert ein Wunder – unglaublicher Erfolg – so viel Erfolg, dass sie fast nicht damit umgehen können.

Beides gehört zusammen. Die Zeiten wo wir uns abmühen und denken, dass nichts dabei heraus kommt, leere Netze, scheinbar sinnlose Arbeit.

Und dann tun wir genau das Gleiche, nun fast das Gleiche. Der Auferstandene ist da und wir werfen das Netz auf der anderen Seite aus,  und plötzlich ist alles anders.

Ja, wir brauchen Durchhaltevermögen. 50 Jahre mit höheren Kirchenaustritts- als Kircheneintrittszahlen, die können schon an den Nerven nagen. Aber die Kirche gibt es jetzt schon seit zweitausend Jahren und wir sollten in Jahrhunderten und nicht in Jahrzehnten denken. Es kann schon sein, dass man eine Nacht lang ohne Erfolg fischt. Es kann schon sein, dass man ein paar Jahrzehnte durchhalten muss bis sich etwas ändert.

Schließlich kennen wir das aus der deutschen Geschichte. Was haben die Nazis getönt, vom Tausendjährigen Reich und dass die Kirche untergehen wird und keine Zukunft haben wird. Nach zwölf Jahren war der Spuk vorbei und die Kirche gab es immer noch. Und die Menschen sind ein paar Jahre lang wieder in die Kirche gegangen, um sich neue Orientierung zu suchen nach dem Schock des Untergangs des Tausendjährigen Reiches.

Jetzt kämpfen wir damit, dass viele Leute keinen Sinn mehr darin sehen, zur Kirche zu gehören und an Gott zu glauben. Wir fühlen uns als evangelische Gemeindeglieder, die gerne in die Kirche gehen, manchmal ein bisschen aus der Zeit gefallen und fragen uns, warum sehen die anderen nicht, was für eine Hilfe der Glaube in schwierigen Lebensphasen ist? Wieso verzichten sie freiwillig  auf die lebendige Hoffnung, die uns im Glauben zuwächst? Wieso verstehen sie das große Glück nicht, dass aus der Gegenwart Gottes in unserem Leben hervorsprießt?

Nun vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif. Vielleicht ist es einfach noch Nacht. Und wir müssen noch ein bisschen erfolglos fischen.

Aber wissen Sie was: Der Morgen kommt bestimmt. Und mit dem anbrechenden Morgen ist der Auferstandene da. Und dann werden wir weiter fischen. Wir wissen jetzt noch nicht, was es bedeutet, das Netz auf der anderen Seite auszuwerfen. Und ich will darüber auch nicht spekulieren. Aber wenn der Auferstandene mit uns spricht, dann werden wir es wissen.

Und dann kommt der unfassbare Erfolg zu unserer Arbeit, weil Jesus Christus erscheint. Jesus Christus ist immer da auch jetzt. Aber dann werden wir ihn besser wahrnehmen können. Wir werden ihn am Ufer stehen sehen. Und wir werden feiern und zusammen essen und wir werden wissen, dass es nicht umsonst war durchzuhalten, und mal eine Nacht erfolglos zu fischen,

weil wir jetzt ein Netz mit einem gewaltigen Fang ans Land bringen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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