Es ist der Herr!

Der Alltag hat uns wieder, sogar die Osterferien gehen zu Ende. Ostern scheint ganz weit weg.

So ähnlich geht es auch den Jüngern Jesu. Der Alltag hat sie wieder. Ostern ist gewesen – aber es hat erst einmal keine Folgen für sie. Sie gehen zurück an ihre gewohnte Arbeit. Sie wissen noch nicht so genau, was das war mit diesem Jesus und was sie jetzt ohne ihn machen sollen.

Also machen sie, was sie immer gemacht haben, sie gehen fischen. Und was erleben sie als erstes? Misserfolg.

Misserfolge gehören übrigens immer schon zur Kirche dazu. Auf schwieriger Fahrt, aber ohne Erfolg, man strampelt sich ab, aber nichts fruchtet. Bis man sich auf seine Stärken besinnt, miteinander betet und singt und auf Gottes Wort hört.

Ganz so ist das bei den Jüngern nicht, aber es lohnt sich, genauer hinzuhören

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. 4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. 7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. 8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. 9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. 10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. 12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. 13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch. 14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Ostern ist auch für die Jünger Geschichte – wenigstens nach Darstellung des Evangelisten Johannes. Da ist aber kein Aufbruch zu spüren, da geht keiner los und versucht den Menschen zu erzählen, was er erlebt hat. Da ist nicht mit Ostern einfach ein Schalter umgelegt.

Die Jünger halten auch kein Meeting ab, sie beraten nicht, wie es weitergehen kann. Sie sind wie eine Clique, die müde abhängt, bis einer sagt ‚dann gehen wir halt fischen.‘

Sie ziehen sich lieber zurück auf bekanntes Terrain. Fischen, das ist ihre Heimat, da fühlen sie sich sicher – und erleben doch auch Misserfolg. Aber das ist beim Fischen normal, es kommt vor, ist aber auch enttäuschend.

Da tritt ein Fremder hinzu, fast liebevoll fragt er nach ‚Kinder habt ihr nichts zu essen?‘. Diese seelsorgerliche Frage weckt sie nicht auf, aber sie macht sie bereit sich auf diesen Fremden einzulassen. Sie hören auf ihn und der Erfolg ist unermesslich. Und am Ufer wartet er bereits mit einem Mahl auf sie. Und plötzlich fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen: ‚Es ist der Herr‘.

Das ist dieser elektrisierende Moment: Es ist der Herr! Am Geschehen können die Seinen ihn erkennen. Gilt das auch für sie Seinen? Dass sie an ihrem Tun zu erkennen sind? Woran erkenne ich, dass ChristInnen leben in meinem Land, in meinem Ort? Woran könnten Menschen erkennen, dass ich zu diesem Jesus gehöre und was tue ich dafür?

Es ist der Herr. Jesus wird erkannt an seinem Handeln. Ob christliches Leben existiert, erkenne ich auch nicht an der Zahl der aufgehängten Kreuze, sondern am konkreten Leben von ChristInnen vor Ort, ob Glaube wirklich sichtbar gelebt wird.

Ostern ist eben nicht etwas, dass man einfach zur Kenntnis nimmt. Es ist höchst irritierend, sehr verstörend. Es braucht seine Zeit, von Ostern her, sein Leben neu zu ordnen. Die Jünger brauchten ihre Zeit und wir brauchen unsere Zeit. Und Jesus ist ein guter Seelsorger. Immer wieder kommt er zu den Menschen. Immer wieder begegnet er ihnen, um sie geduldig und beharrlich auf einen Weg zu bringen, dass sie allen Menschen die frohe Botschaft sagen, der Herr ist auferstanden.

Natürlich weiß er, wie viele Misserfolge noch kommen werden, wie oft noch die Netze leer bleiben werden, wie oft einladende Gemeinden enttäuscht werden. Er kennt das kräfteraubende Werben um Menschen und er weiß, wie oft es ohne Erfolg bleibt. Er selber hat trotzdem nie aufgehört um Menschen zu werben.

Darum lädt er auch seine Jünger ein, erst einmal mit ihm zu essen und zu trinken. Und er lädt uns immer wieder ein, mit ihm Pause zu machen, mit ihm Gottesdienst zu feiern und durchzuatmen und neu zu starten.

Quasimodogeniti – wie neu geboren ist ein Mensch, dessen Leben plötzlich einen neuen Impuls erhält, einen neuen Sinn. So wie hier Jünger entdecken, dass es einen neuen Aufbruch nach dem Tod und durch die Auferstehung gibt.

Vielleicht wurde das 21. Kapitel bei Johannes ‚angeklebt‘ um deutlich zu machen. Aus der Begegnung allein wächst nicht automatisch ein Impuls. Das braucht viele Begegnungen, das braucht Zeit und Fürsorge.

‚Es ist der Herr‘. Das muss man glauben und immer wiederholen, dass es zum Teil des Alltags wird.

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