Glauben ist immer mehr als Wissen!

Liebe Schwestern und Brüder!

Er ist erstanden, Halleluja

Ostern ist das älteste christliche Hochfest. Es erinnert an die Einheit von Leiden, Tod und Auferstehung des Jesus von Nazareth. Dieser religiöse Zusammenhang wurde  und wird für die Gläubigen zu einer göttlichen Heilstat. Denn Jesus wird im und durch den Glauben zum Christus, dem Sohn Gottes und Erlöser der Menschheit. Dies braucht übrigens für uns Gläubige keiner tieferen Begründung oder weitergehenden Beweise. Ostern als Fest der Auferstehung Jesu Christi vom Tod  hat seinen biblischen Ursprung in den Passionsberichten und letzten Kapiteln der vier Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) und beim Apostel Paulus z.B. in 1.Korinther 15. Auf dem Konzil von Nizäa (325) wurde festgelegt, dass Ostern immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert wird. Somit feiern wir Ostern frühestens am 22.März und spätestens am 25.April. An Ostern erinnern sich also alle Christen auf der Welt an Jesu Tod und seine Auferstehung vom Tod. Sie feiern in den Gottesdiensten den Sieg Gottes über den ewigen Tod.Denn im und durch den Glauben an die Auferstehung Jesu – so empfinden und wissen sie es für sich-  empfangen die Gläubigen auch die Auferstehung vom Tod und das ewige Leben.

Der Herr ist auferstanden!“ Den Ruf der Frauen und die Mitteilung des Engels schienen die Jünger vergessen zu haben. Sie waren erschrocken und fürchteten sich, meinten sogar einen Geist vor sich zu sehen, wie der Evangelist Lukas schreibt.

Erst langsam konnte Jesus die Jünger gegen alle Skepsis, den Zweifel an seiner Leibhaftigkeit, aber aus  Angst und Befürchtungen davon überzeugen: dass er es ist:  der Gekreuzigte und Auferstandene in einer Person; leiblich gegenwärtig, was die Jünger buchstäblich „begreifen“ können. Ein Mensch stand vor ihnen mit „Fleisch und Knochen“, der Gekreuzigte und der Auferstandene

in ein und derselben Person und mit ein und derselben Identität. Die Jünger zögerten bevor sie begriffen, wer vor ihnen stand.

Sie können sich denken, dass darüber, über diesem ganzen Heilsgeschehen Skepsis lag.

Und wir lernen auch damals gab es sie schon: die Zweifel an der Auferstehung und den Gesichtsausdruck des zeitlosen ungläubigen Thomas, der immer das gleiche wiederholt:

„Ich glaube nur, was ich sehe“, so oder so ähnlich antworten viele Menschen auf die Frage, ob sie an einen Gott oder an ein höheres Wesen glauben würden. Und weil sie ihn nicht sehen, können sie natürlich nicht an ihn glauben.

Andere -weniger skeptische Menschen- sind der Meinung, dass es einen Gott geben könnte, allerdings habe der nichts mit dem Christentum zutun; aber Buddha oder die jüdische Kabbala seien ziemlich interessant, vor allem für Schauspieler und Popstars, weil die wissen ja auch, was für uns gut ist.

Wieder andere -philosophische belesene und gebildete Menschen, manchmal auch die Gebildeten unter den Verächtern der Religion- sind der Ansicht, dass ein Glaube an Gott nur eine Projektion des menschlichen Geistes sei, um übersinnliche Phänomene zu erklären. Der Philosoph Feuerbach lässt grüßen.

Und die ganz kritischen verneinen grundsätzlich eine Existenz Gottes, weil es keinen Beweis für ein höheres allmächtiges Wesen gebe. Für sie ist der einzige Gott der Menschen der Mensch selbst. Was dabei rauskommt, wenn der islamistische Terror oder der Diktator Assad regieren, das  sieht man täglich  im Krieg in Syrien, auch beim mörderischen Giftgas-Angriff.

Noch eine andere Gruppe von Menschen vertritt die Auffassung, dass der christliche Gott nicht existiere, aber es gäbe so etwas wie ein höheres Wesen, was man in der Natur oder durch eine intensive Beobachtung des Lebens erkennen könne.

Und dann gibt es noch die Opportunisten und „Gelegenheits-Gläubigen“, die Gott nur in den schlechten Zeiten des Lebens für alles Mögliche verantwortlich machen. In den guten Zeiten benötigen sie selbstverständlich keinen Gott.

 

Und schließlich gibt es –gottseidank– auch noch diejenigen, die an Gott und seine Existenz in Jesus Christus in der Gemeinschaft des Hl. Geistes glauben. Und die auch an die Auferstehung von den Toten glauben.

Die Frage nach Glauben, Unglauben und Zweifel ist fast so alt, wie die Menschheit.

Und der Evangelist Lukas setzt gegen diese Skeptiker und Schwärmer, die sich gegen eine leibliche Auferstehung wehren, diesen massiven Auferstehungsrealismus:

der Auferstandene zeigte seine Hände und Füße, er war zu „begreifen“ und er aß einen Fisch.

Der Evangelist schrieb diesen Text nicht für mehr oder weniger aufgeklärte Menschen am Ende des 20. Jahrhunderts, sondern an griechische Gläubige am Ende des 1. Jahrhunderts.

Und dass Christus auferstanden ist von den Toten, das ist in erster Linie ein Bekenntnis, ein Glaubenssatz.

Wie das Ganze geschah ist in der Bibel nicht so relevant.

 

Glauben heißt bekanntlich nicht wissen. Wir beweisen nicht die Existenz Gottes. Wir glauben an die Existenz Gottes, der aus dem Tod neues Leben schafft und Christus von den Toten auferweckte.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Denn: Glauben ist immer mehr als Wissen!!!

Glauben ist immer mehr als wissen und pure logische, rationale und wissenschaftliche Erkenntnis, weil im Glauben eine Dimension der Wirklichkeit beschritten wird, die nicht auf Beweise und Logik aus ist, sondern alles daransetzt, dass Gott unsere Wirklichkeit mit seinem Wort und seiner Tat durchdringt.

Und wieso steht denn fest, dass das, was wir für wirklich halten, die einzige mögliche Wirklichkeit ist?

Wirklichkeit ist immer eine Sache der Interpretation.

Unsere Interpretation der Wirklichkeit ist: Es gibt einen Gott wie ihn die Bibel und Geschichte bezeugen, der seinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn und Erlöser, auferweckte von den Toten und uns durch den Glauben an ihn die Gewissheit der Auferstehung und des ewigen Lebens schenkte.

 

Wir haben uns im Leben dazu entschieden, diesen Glauben zu unserem persönlichen Wissen zu machen.

Und zu diesem Jesus Christus bekennen wir uns, mit unserer Stärke und unserer Schwäche, mit unserem Glauben, aber auch hin und wieder mit unseren Zweifeln.

Wir glauben, dass sein Geist, der Heilige Geist mitten unter uns lebt und uns Menschen zu Liebe, Nächstenliebe und immerwährender Hoffnung anspornt.

Wir bekennen, dass er auferstanden ist von den Toten und dass er lebt. Das sind das Bekenntnis und die Verheißung von Ostern.

Bloß wir zeigen leider viel zu wenig von der österlichen Freude, von der Macht der Erlösung, die uns ins Gesicht geschrieben sein müsste, die man nicht sieht und den Philosophen Nietzsche zum Hohn über das Christentum bewog: Christen müssten erlöster wirken.

Und wenn Jesus auch uns zuspricht: „Friede sei mit dir“ und es nicht zur Floskel werden soll, dann müssen wir dafür Sorge tragen, dass Friede in die Welt kommt im privaten, familiären und gesellschaftlichen Rahmen, durch Wort und Beispiel, durch Liebe und Tat der Liebe. Auch in der Unterstützung des Friedens für den Mittleren Osten, in Syrien und für die Menschen dort.

Wo sagen wir in unserem Leben: Jesus lebt, mit ihm auch ich?

Wie nimmt der Glaube an ihn, den Gekreuzigten und Auferstandenen, bei uns sozusagen „Fleisch und Knochen“, Kontur an?

Wie und wo „begreifen“ wir ihn im wörtlichen Sinn, den lebendigen Gott?

Das alles geschieht dann, wenn Jesu Botschaft und Wort hallt im Gottesdienst in ihre Ohren hallt und unseren Glauben stärkt, wenn er zu uns  spricht:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben.

Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt;

und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nicht sterben.“    (Joh. 11,25-26)

Von dieser Botschaft Jesu und dem Bekenntnis zu ihm als Gottessohn, Retter und Erlöser der Menschheit, gingen schon immer eine tiefe Faszination und existentielle Wahrheit aus.

Menschen aller Zeiten, aller Völker und Nationen ergreift diese Botschaft von Gottes Sieg über den Tod. Im Glauben an Gottes Sieg über die Macht und Dunkelheit des Todes verkündigt uns der auferstandene Jesus:

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12)

Dieses Licht besiegt die Finsternis des Todes und erhellt das zukünftige Leben. Neues, anderes  Leben in der kommenden Welt wird zur persönlichen Glaubenswahrheit. Auch hier, heute und jetzt.

Und da ist dann unsere Glaubenswahrheit, unser Credo, unser Lebensprogramm.

Denn: Unser Herr Jesus Christus ist auferstanden, Halleluja!!! Das wissen wir.

Amen.

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