Eins nach dem anderen

Liebe Gemeinde, der Predigttext knüpft unmittelbar an die Evangeliumsleung an. Es geht also jetzt weiter:

 

36 Als die Jünger aber davon redeten, trat Jesus selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! 37 Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. 38 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? 39 Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. 40 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße. 41 Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? 42 Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. 43 Und er nahm’s und aß vor ihnen.

44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. 45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden.

 

So, dann wollen wir doch mal sehen, wie diese Schrift zu verstehen ist.

 

Mir kommt ein Werbeslogan aus den 50er und 60er Jahren in den Sinn: „Bauknecht weiß, was Frauen wünschen!“

Hier ist das Original, denn Jesus weiß, was Jünger wünschen.

 

 

Im Evangelium hörten wir davon, dass er sich noch auf kleinere Hinweise beschränkt hatte. Was zum Mitdenken und Kombinieren sozusagen. Beinahe wie eine Schnitzeljagd. Einen Hinweis nach dem anderen.

 

Der erste: Er erweist sich als einer, der sich mit der Schrift auskennt, mit Mose und den Propheten und den ganzen alten Verheißungen. Aber daran allein haben ihn seine beiden Weggefährten noch nicht erkannt. Gelehrte und schriftkundige Juden – davon gab es ja wohl recht viele.

 

Also, die nächste Hilfe: Er nimmt das Brot, dankt, und bricht es. Das kann doch nicht so besonders typisch sein, oder?

Alltägliche Handlungen mit Allerweltsbewegungen ausgeführt.

Ja, vielleicht ist das so.

Aber vielleicht auch nicht.

 

 

Ein Freund von mir hat eine ganz spezielle Art und Weise, sich seine Brille wieder hoch zu schieben, wenn sie gerutscht ist. Außerdem zieht er dabei seine Augenbrauchen für einen kurzen Moment hoch. Das ist ihm wahrscheinlich gar nicht bewusst. Aber es ist typisch für ihn. Es ist genau seine Art, das zu tun. Und wenn ich das bei jemand anderem sehen würde – genauso – dann würde ich garantiert sofort an Matthias denken.

 

 

Jesus nimmt das Brot, dankt, und bricht es. Und da endlich macht es ‚klick‘ bei den beiden Emmausjüngern. „Ihre Augen wurden geöffnet.“, heißt es.

Und seien wir nachsichtig: Einen, der vor wenigen Tagen getötet worden ist, unter den Lebenden zu suchen – dass ist schon eine Herausforderung.

Sie erkennen und verstehen und fügen die Hinweise zusammen – aber Jesus ist weg.

 

 

Und dann unser Predigttext. Und Jesus kommt wieder, mitten hinein ins Geschehen, denn Jesus weiß, was Jünger wünschen.

 

Was wäre, wenn Jesus jetzt hier, am Ostermontag in Schönberg, plötzlich in der Kirche stehen würde und spricht zu uns: „Friede sei mit euch!“ Was würden wir sagen? „Und mit deinem Geiste!“? Das wär‘ schon cool, aber ich glaube, das würde nicht passieren.

Soviel Geistesgegenwart … nein.

 

Erschrecken wäre angesagt, ganz sicher. Und sie fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Ja, genau so. Ich kann mich gut in die Jünger hineinversetzen, von denen das geschrieben steht.

 

Und Jesus erkennt, dass das nicht reicht weiß. Er weiß, sie brauchen mehr. Er kennt ihre Wünsche.

 

Und darum zeigt er seine Wunden und lädt ein, ihn anzufassen und sich dann wohl selbst zu kneifen. Sie träumen nicht, er ist kein Geist, er ist ein echter Mensch aus Fleisch und Blut.

Und dann sind sie voller Freude – und können es nicht fassen.

 

Was kann Jesus denn jetzt noch tun? Er ist mitten unter ihnen erschienen, trotz geschlossener Tür – wie ein Geist.

Er ist doch gestorben! Und wenn Tote zurückkommen – dann als Geister.

 

Ja, Geister können so allerhand – und einiges davon hat Jesus auch gerade getan.

Was Geister aber nicht können, das ist essen.

 

Und Jesus isst.

Mitten unter ihnen.

 

Und die Jünger verstehen.

Und dann wird noch erwähnt, dass er ihnen die Schrift auslegte, so, wie schon vorher seinen Weggefährten.

 

Ja, Mose und die Propheten und die darin überlieferten Hinweise.

 

Wenn ich die jetzt alle vorlese, dann brauchen Sie wirklich Sitzfleisch.

Darum erlauben Sie mir, großzügig zusammenzufassen: Wir finden im Alten Testament Hinweise darauf, dass Jesus ein Nachkomme der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob ist. Dass er in Bethlehem zur Welt kommen wird und später in Jerusalem auf einem Esel einziehen wird.

Dass er von einem Freund verraten werden wird, wird ebenso prophezeit wie seine Kreuzigung und das die Soldaten um seine Kleider würfeln.

Und natürlich – denn das führt hier zusammen – seine Auferweckung vom Tod.

 

Mit noch weniger Worten zusammengefasst: Alles nach Plan.

Nach Gottes Plan.

 

„Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!“, hätte er seinen Jüngern ja auch um die Ohren hauen können. Aber das wäre erstens unbarmherzig und zweitens würde es voraussetzen, dass die Jünger Zugang zu allen biblischen Schriftrollen gehabt hätten. Und das war wohl nicht so.

 

Also legt er ihnen alles aus – und sie verstehen. Und glauben ihm.

 

 

Und wir?

Mit wieviel Verständnis sind wir heute hier?

Und Glauben?

 

Liebe Gemeinde, wenn wir die ganzen Prophezeiungen nicht auf der Reihe haben – wir können Sie nachlesen. Könnte ja eine Aufgabe für die kommende Woche sein …

 

Aber es geht ja auch kurz und knackig. Wir haben doch das hier: „Am dritten Tage auferstanden von den Toten.“

 

Ist das zu verstehen?

Nach dem, was wir so wissen von anderen Menschen, die bereits gestorben sind – nein.

 

Ist das zu glauben?

Brauche ich Wissen, um daran glauben zu können?

 

Oder ist es nicht gerade ein auf-etwas-hoffen, ein für-wahr-halten, was wir nicht wissen und nicht beweisen können?

 

 

Ich komme noch einmal auf das Gedankenspiel von vorhin zurück: Plötzlich steht Jesus hier in der Kirche.

Und nehmen wir an, wir hätten unseren Schrecken darüber irgendwann überwunden – wie ginge es dann weiter?

 

Würden wir daran glauben, dass der Auferstandene bei uns ist?

Oder wären wir gedanklich ganz schnell bei David Copperfield oder den Ehrlich-Brothers oder anderen Illusionisten? Würden wir nach einer versteckten Kamera Ausschau halten? Und betont kritisch bleiben, um später sagen zu können, dass wir nicht auf den Trick reingefallen sind?

 

Würden wir daran glauben, dass Jesus auferstanden ist?

 

Ich erwarte keine ausgesprochenen Antworten. Aber eine stille, in Gedanken, die wäre gut.

 

Was brauchen wir, um an den Auferstandenen, um an die Auferstehung glauben zu können?

Wenn wir das für uns beantworten können, dann sind wir einen großen Schritt weiter.

 

Ich will Ihnen sagen, was ich brauche und was mir geholfen hat: Verlässliche Zeuginnen und Zeugen.

Menschen, die ich überzeugend finde, die ich kenne, die ich für wahrhaftig halte. Und wenn die mir erzählen, woran sie glauben, dann bin ich neugierig. Positiv wissbegierig. Aufgeschlossen. Will mehr hören, bin bereit, das zu übernehmen für mich, auch zu glauben.

 

Vielleicht können Sie damit etwas anfangen.

Auf jeden Fall ist es darum so wichtig, liebe Gemeinde, dass wir miteinander reden. Und weitererzählen von dem, was damals geschah, denn der Predigttext knüpft unmittelbar an das Evangelium an.

Oder – anders ausgedrückt: Die Osterbotschaft knüpft unmittelbar an die gute Nachricht von Jesu Leben an.

Es geht also jetzt weiter!

Amen.

drucken