Büttenpredigt über Maria und Martha

(Gliederungspunkte werden nicht vorgetragen. Predigttext wurde als Lesung schon gelesen. Die Predigt stammt aus 2005 und in Sachen Frauen hat sich in 12 Jahren das Rad weiter gedreht. Daher ist manches schon historisches Dokument eines angeblich aufgeklärten Mannes um die Jahrtausendwende (z.B. in Sachen Alice Schwarzer usw.) Aber als Anregung und Steinbruch für teilweise Neuformulierung kann es bestimmt helfen.

 

  1. Einstieg

 

Ihr liebes Volk der Christenheit

es ist nun wieder mal so weit!

Der Karneval liegt vor der Tür,

ich kram die Reimkunst drum herfür.

 

Doch ach, ich sollte erst mal schaun –

kann ich den Text denn auch verdau´n,

der Bibel, der uns aufgetragen,

damit wir seinen Sinn befragen.

 

Juchhu! Es geht heut um die Fraun!

Da will ich mich doch gerne traun.

Da kann „mann“ prima Witze machen

– ich hoff: nicht nur die Männer lachen.

 

  1. Lästern

 

Drum eh ich rede von den Schwestern

nutz ich die Zeit hier um zu lästern.

 

Vor Augen hab ich solche Sachen,

wie manche Frau´n sie wirklich machen:

Die Jagd nach jedem Körnchen Staub

– es dröhnt der Sauger bis man taub.

Als sei der ganze Lebenssinn

die Frage: Wie krieg ich es hin

zu wohnen – und doch so zu putzen

als tät kein Mensch die Wohnung nutzen?

Als gäb es keine Kinder hier,

und keinen Mann, erst recht kein Tier.

Und alles muss perfekt stets sein,

es reicht nicht sauber – sondern rein!

 

Natürlich: Würde man sie fragen:

„Du sag einmal, was soll dies Jagen?“

So würd´ sie sagen sicherlich:

„Ich find´s ja selber ärgerlich!!

Allein: Was soll´n die Nachbarn denken,

wenn sie einmal die Schritte lenken

von drüben her in unser Haus

und sagen: <Wie sieht´s hier denn aus!>?

 

Ich würd im Boden schier versinken.

So ein Gefühl: Ich würd ertrinken.

Drum muss ich putzen, was ich kann,

Ich armes Weib steh unter Zwang!“

 

Das andre Thema ist das Kochen:

Na klar wird immer gern gerochen

ein gut gelungenes Gericht

ist jedem Gast wie ein Gedicht.

 

Doch auch erhebt sich hier das Klagen:

„Es ist ja kaum noch zu ertragen,

dass immer ich muss alles tun,

stehn in der Küche ohne Ruh´n.“

 

Doch wills der Mann auch mal versuchen.

verzieht sie skeptisch das Gesicht:

„Du kannst doch nicht mal einen Kuchen

erst recht kein richtiges Gericht.“

 

Doch schließlich lässt sie ihn mal machen,

was er – na klar – nicht richtig kann

doch er probiert so seine Sachen

steht heldenhaft hier seinen Mann.

Er kocht und brutzelt mit Elan

und zeigt, dass er sehr wohl was kann.

Und nach drei Stunden Werkerei

holt er voll Stolz die Frau herbei.

 

Und? Kriegt er dafür nen Applaus?

„Mein Gott! – Wie sieht die Küche aus!“,

das ist das einz´ge, was sie sagt.

Wen wundert´s, dass der Mann verzagt!

 

Dann tröstet sie ihn mütterlich:

„Das Kochen, das mach besser ich.“

Auch unser Kerl sieht gerne ein:

„Es kann wohl andersrum nicht sein.“

Und sie grinst freudig innerlich:

Sie hat ihr Reich wieder für sich!

 

2.Die biblische Geschichte

 

Wie schön, dass auch in unserer Bibel

die Welt nicht gänzlich anders war

auch da schon gab es diese Übel

Nur eben so, wie´s damals war.

 

Was mich besonders freut als Mann

und was man dabei lernen kann

den Streit gibt’s auch unter zwei Fraun,

wenn sie nur sind in einem Raum.

 

Da ist die Martha – von Natur,

so wie beschrieben hier zuvor:

Gar fleißig ist sie immerzu

und hat nur selten einmal Ruh.

 

Sie hört, dass Jesus in der Stadt

und denkt, der ist bestimmt nicht satt.

Der Mann, der predigt ohne Rast

muss heute Abend sein mein Gast.

 

Und anders als ein Schriftgelehrt´

der sich aufs schärfste hätt verwehrt,

zu kehren ein bei einer Frau,

sagt Jesus zu der Frau: „Genau!“.

So soll es heute Abend sein

ich kehre gerne bei dir ein.

 

Und dies betone ich gar sehr

war damals revolutionär.

Erst recht, mit einer Frau zu reden

auch über Gott und die Propheten.

Doch Jesus einfach sagt: „Wohlan

Die Frau ist gleich als wie der Mann!“

(Der Papst noch davon lernen kann.)

 

Sie also kümmert sich sehr gerne

um ihren Gast hier aus der Ferne.

Sie will servieren gleich das Beste,

wie´s üblich ist für seine Gäste.

 

Und Jesus – in der Zwischenzeit –

ist gerne zum Gespräch bereit

Denn Martha, die hat eine Schwester,

die hieß Maria – und nicht Ester

 

Der Frau war ihre ganze Zierde

die überragend´ Wissbegierde.

Ihr theologisches Interesse

war endlich an der Top- Adresse.

So labt sie ihren Wissensdurst,

derweil die Martha schneid´t die Wurst

 

Und Jesus stillt den Wissensdrang

bis es der  Martha wird zu lang.

 

Ihr könnt euch vorstelln mit der Dauer

Da wurd die Martha mächtig sauer

Und schließlich ist´s auch ihre Wut

die nebst der Suppe kochen tut.

 

Vielleicht auch spricht aus ihr der Neid,

als sie nun sagt: „Es tut mir leid.

So kann das hier nicht weitergehn,

sie soll mir nun zur Seite stehn.

Drum lieber Jesus sei so fein

befiel, sie soll behilflich sein.“

 

Doch der, der ihre Schwester lehrt,

der hat ihr diesen Wunsch verwehrt.

Er sagt ihr glatt: „Im Gegenteil!

Sie hat erwählt das bessre Teil

Denn eines nur tut wirklich not.

zu hör´n und reden über Gott.“

 

3.Hilfe, was wird aus Gemeinde

 

Nun: Die Geschichte endet hier!

Ich frag mich nur: „Was lernen wir?“

Denn all mein über-Frauen-lästern

ob der Geschichte mit den Schwestern

bleibt mir sofort im Halse stecken

tu ich die Konsequenz entdecken.

 

Denn liebe Männer stellt euch vor

Die Frauen riefen jetzt im Chor.

„Jawohl! So wird´s ab heut gemacht.“

Mein Gott, hat Jesus wohl bedacht,

was das mit der Gemeinde macht?

 

Wie soll Gemeinde funktionieren

wenn unsre Fraun nur räsonieren

und keiner mehr die Arbeit tut.

Das geht doch niemals nie nicht gut!

 

Stell ich mirs vor, oh welch ein Graus

es wird sofort ein Albtraum draus:

 

Wer würde dann den Kaffee machen,

und all die tausend andern Sachen?

Wer täte nach der Feier spülen

und lief herum noch mit den Stühlen?

Wer würd zu dem Geburtstag eilen?

Wer den Gemeindebrief verteilten?

Wer dekorierte die Schaukästen

zu Ostern schön mit frischen Ästen?

 

Wer leitet all die Frauenkreise

und tut dazwischen noch ganz leise

die Tausend unerkannten Sachen,

die noch viel wen´ger Freude machen?

 

Was wird aus dem Gemeindefest

wenn übrig blieb als ganzer Rest

nur das was unsre Männer tun

– wenn alle unsre Frauen ruhn?

Der ganze Festplatz bliebe still,

es gäb nur Bierwagen und – – – Grill.

Nichts buntes, keine Servietten

nicht ein Salat, keine Bouletten,

und nachmittags gäbs keine Kuchen,

auch Waffeln würd umsonst ich suchen.

Wie sollten wir die Kinder füttern?

Kein Stand auch von den Bastelmüttern!

Null Preise hat die Tombola.

Ein Hauptpreis wär erst recht nicht da.

 

Da würden aber dumm wir schaun,

und fragen: „Wo sind all die Frau´n?“

 

Und denk ich weiter das Problem

dann wird der Traum erst recht extrem!

Die Frauen säßen alle drin,

und hörten auf die Predigt hin.

Und schrien ständig, „Wir wolln mehr“.

Wo nähm ich die Gedanken her?

Ein endlos-predigt-Marathon.

Im Alptraum laufe ich davon

und schrei: „Was hast du, Herr, getan!

Das hält nicht aus der stärkste Mann.“

 

Ein Glück – es ist ja nur ein Traum!

Sie sind noch da die netten Frau´n.

Und lächeln zu mir voller Güte.

Ich bet nur innig: „Gott verhüte

dass sie dies Beispiel mißverstehn.

und wir sie dann nie wieder sehn!“

 

4.Einspruch

 

Mein Töchterchen hat gleich gesacht:

„Der Jesus hat das falsch gemacht.

Erst solln sie alle diskutieren

und dann zusammen ausprobieren

wie man gemeinsam kochen kann

– die beiden Frauen – und der Mann!“

 

So könnten sie erst alle lernen

und schließlich auch den Dreck entfernen.

Und er als aufgeklärter Mann

hätt dann gesagt: „Nun aber ran!“

Hätt den Geschirrberg schnell erklommen,

und hätt den Spülschwamm hoch genommen

und hätt ein Wunder dort vollbracht …

und …  hätt den Abwasch selbst gemacht!

 

Dann würden alle Frauen klatschen,

und würden positiv nun tratschen:

„Der Jesus ist ein prima Mann

von dem mein Karl was lernen kann.“

 

Doch lehren uns die Exegeten,

dass jeder seiner Zeit verhaft

auch Jesus selbst (und die Propheten)

ham diesen Schritt noch nicht geschafft.

 

Oder – er kannte seine Männer

und dachte sich, das dauert länger.

Das fang ich hier erst gar nicht an,

was lange Zeit nicht klappen kann.

So an die zwei mal Tausend Jahr

wird das noch brauchen – das ist klar.

 

Nur bitt ich meinen Vater dann,

das er nicht sendet mich als Mann.

Um dieses Thema zu beenden

soll er die Alice Schwarzer senden.

Sie ist der bessere Prophet,

wenn’s um die Frauenrechte geht.

Die soll dereinst in ihren Tagen

mit diesem Thema sich rumplagen.

Die weckt dann auf die Frauenpower.

Das wirkt auch besser auf die Dauer.

 

  1. Die Botschaft

 

Und wir? Was sollen wir denn denken,

wenn wir den Blick zurück nun lenken?

Was will uns lehren die Geschichte,

die ich entfaltet im Gedichte?

 

Vielleicht – so kann ich es versteh´n

soll man es dialektisch seh´n

Ein jedes Ding hat seine Zeit

und seine eigne Wichtigkeit.

 

Es wär gewiß nicht Jesushaft

zu reden gegen Gastfreundschaft.

Auch sonst hat Jesus oft betont,

wie sehr sich gutes Handeln lohnt.

Ich selbst denk dabei immer wieder

an die Geschicht vom Samariter

der besser als der Priester war

weil er gesagt: „Ich helf, na klar!“

 

Daneben gibt´s das andre Ziel

auch davon redet Jesus viel:

„Nimm auch für Gott dir deine Zeit,

sag nicht nur „bei Gelegenheit“!“

 

Wobei die meisten mißverstehn,

es würd hier um ne Leistung gehen.

Wer so denkt, der hat schlicht verkannt

warum der Jesus rumgerannt.

 

Man kann an der Maria sehn

wie wir dies Thema solln verstehn

Sie lauscht ja nicht weil’s eine Pflicht!

Sie sehnt sich nach ´nem inn´ren Licht.

Sie will von ihrem Leben mehr

als nur das bloße Hin und Her.

Sie möchte sich und Gott erkennen,

Ob sie ihn wohl kann Vater nennen.

Und Jesus gibt ihr diese Würde.

Und sagt ihr: Ja, nimm diese Hürde.

Und spring hinein in´s Glaubensland.

Und leb in diesem neuen Stand.

 

Zu wissen, dass geliebt du bist.

Wenn du das willst, dann leb als Christ.

 

Dasselbe gilt für eure Namen

 

Darauf sag ich für heute – Amen.

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