Welt ging verloren, Christ ist geboren, freue dich o Christenheit

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir haben uns angewöhnt der Geschichte von der wundersamen Geburt des süßen kleinen und putzigen Jesus-Kindes,

des Babys von Maria und Josef in der Krippe, das dann später als erwachsener  Mann als der geglaubte Christus zum Retter und Erlöser der Menschheit wird, schön zu finden  und im Innersten zu glauben.

In der Regel freuen sich alle Eltern über die Geburt eines neuen Erdenbürgers und ja alle Babys sind süß, putzig, unschuldig, hilflos,  liebesbedürftig und wunderbar. Das alles ist von der Natur so angelegt.

Das Leben kann so idyllisch, voller Sehnsucht nach Liebe, gelebten und erfahrenen Frieden, Erfüllung, Schönheit und Pracht sein. Das Leben kann schön und erfüllt sein und ist häufig auch schön, friedlich und erfüllt, zumindest in vielen Phasen unseres hiesigen Daseins.

Doch wir dürfen bei aller Euphorie und Idylle nicht vergessen, bei aller Sehnsucht nach Liebe nicht verdrängen: Das Leben ist nicht immer fair und schon gar kein Ponyhof.

Das war schon zurzeit von Jesu Geburt so. Der kleine Jesus und seine Eltern mussten fliehen vor den Gewaltherrschern jener Zeit. Einer hieß Augustus und war mit der absoluten Macht eines gottgleichen römischen Kaisers ausgestattet. Er befahl und seine Schergen, Tribunen, Präfekten und Vasallen folgten den Befehlen. Ob sie nun Quirinius, später dann Pontius Pilatus oder König Herodes hießen. Sie gehörten zum brutalen Machtapparat des römischen Imperiums und zwangen ihren Untertanen ihren Willen auf.

Da hat sich seit 2000 Jahren nichts so viel geändert. Heute heißen die Befehlshaber, Potentaten Wladimir Putin oder Baschar al-Assad. Und diese praktizieren einen gewaltigen Vernichtungskrieg gegen das eigene, syrische Volk. Sie töten ihre Untertanen skrupellos und zwingen die Menschen zur Flucht. Es geht ums nackte überleben. Rette sich wer kann. In Aleppo kann man es sehen.

Und dadurch geht nicht nur in Aleppo eine Welt verloren wie es im Weihnachtslied „O du fröhliche“ heißt und was wir gleich singen.

Eine Welt und viele unschuldige Menschenleben gingen auch verloren für die Menschen, die friedlich auf dem Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche durch eine menschenverachtende terroristische Attacke des Anis Amri brutal ermordet wurden. Von einem islamistischen Terroristen ausgeführt und dadurch wurde wieder einmal mehr eine Weltreligion missbraucht,  pervertiert und verhöhnt.  Die Religion mit Namen Islam trägt das Wort Friede in sich. Leben gingen verloren und die Welt der Angehörigen ging verloren. Auch Anis Amri verlor sein Leben in Mailand.

Das Leben und die Lebenshoffnungen, Träume nahmen so eine wuchtige und schreckliche Wendung und ein jähes gewaltsames Ende, dass Worte wahrscheinlich nicht mehr trösten können. Dort und da gibt es keine fröhliche Weihnachten und keine Freude. Trauer und Ohnmacht herrschen an Weihnachten.

Doch die Welt kann noch anders verloren gehen und zerbrechen.  Ganz individuell und persönlich durch den Tod eines geliebten Menschen, der dieses Jahr nicht mit am Weihnachtstisch sitzt. Der nicht mehr ansprechbar ist oder zu fragen. Zärtlich zu küssen, zu streicheln oder dem zu danken wäre. Dadurch, durch persönlichen Verlust und den Tod von geliebeten Angehörigen, zerbrechen für viele auch Welten. Auch die Sicherheit und Verlässlichkeit unserer Arbeitswelt hier ist zumindest am Bröckeln. Kurzarbeit und die Sorge um die Genehmigung zur Laugenversenkung , auch die Sorge und die Gedanken über die Zukunft der sicheren Arbeitsplätze bei uns im Kali-Revier machen nachdenklich und produzieren hier und da Schlaflosigkeit oder Sorge um die persönliche Zukunft der Menschen hier.

Das alles ist nicht idyllisch, putzig, das große Rundum-Sorglos-Paket oder als Lebensperspektive ein Ponyhof.

Doch die Weihnachtsgeschichte für Erwachsene geht anders. Und diese Geschichte hat eine Perspektive mit persönlicher Hoffnung, mit kollektiven Erwartungen und vom Glauben an das Gute und dem Vertrauen auf sichere Zeiten getragenes Fundament. Die Geschichte ist voller Sehnsucht, Hoffnung und Erlösung.

Und ihr Fundament liegt in der Geburt dieses  Jesus von Nazareth, der im Glauben zum Christus, zum  Retter,  Heiland, zum Mutmacher, Seelsorger, Befreier und Erlöser der Menschheit wird.

Der, der gekommen ist, um uns Frieden, seelische Sicherheit, Gerechtigkeit  und Lebensfreude zu bringen. Der uns Mut macht, der unser Leid, unsere Not und auch unseren Seelenschmerz kennt.

Das sind die Botschaft von Weihnachten und das Evangelium.

Und zur Botschaft des in Bethlehem geborenen Kindes und später in Nazareth lebenden Mannes Jesus, der gekreuzigt wurde,  gehört folgende Bitte und folgender Wunsch:

Ja, es ist sicher richtig: Jesus wünscht sich von uns auch etwas: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst und liebe Gott mit aller Kraft“ hat er sinngemäß gesagt, und so hat er auch selbst gelebt. Darum hat er sich um Menschen gekümmert und ihnen geholfen, wo und wie er konnte. Mit unseren Möglichkeiten sollen und können wir uns danach richten.

Aber: Wir haben einen anderen Wunsch noch nicht zu Ende gedacht. Denn wenn nur das darauf stünde, würde ein ganz wichtiger Wunsch unausgesprochen bleiben – ohne den Weihnachten nur Essen, Trinken und Auspacken wäre, aber nicht das Fest, das wir eigentlich feiern wollen.

Es ist der Wunsch, den ich so ausdrücken will: Ich möchte dich finden, Gott! Mit dir wird das Leben menschlich, freundlich, friedlich. Mit dir wird alles so, wie es eigentlich gemeint ist. Frieden für die Seele, Ruhe und Kraft für den Verstand, Entspannung und „Entschleunigung“ für das Gemüt.

So ähnlich haben auch die Menschen zur Zeit Jesu gewünscht und gedacht und sich deshalb auf die Suche gemacht, den zu finden, mit dem Gott in unsere Welt kommt. Nicht nur die Hirten auf den Feldern – viele Menschen. Auf unserer Suche nach Gott, nach dem, der dem bösen Spektakel von Krieg, Mord und Totschlag, von Lieblosigkeit und Egoismus auf unserer Welt ein Ende machen und Friede und Freude schaffen kann, geht es uns manches Mal genauso; wir merken und erkennen unsere Grenzen: Wir kriegen das alleine nicht hin! Und die Menschen auf die wir unsere Hoffnungen setzen – Politiker, Ärzte, Spezialisten aller Art – sie schaffen es auch nicht.

Darum, liebe Schwestern und Brüder, sind wir heute hier: Den zu suchen und zu finden, der uns die tiefsten Wünsche nach Frieden und Freude erfüllt, weil er sein Leben mit uns teilt und unser Leben mitträgt und schützt. Darum hören wir alle Jahre wieder die Geschichte seiner Geburt, denken an Hirten und Könige, die bei ihm, an seiner Krippe, zueinander kommen, singen mit den Engeln, loben Gott dafür, dass er sich nicht zu schade ist, in einem hilflosen Kind unser Bruder, Freund und Meister der Liebe zu werden – darum, liebe Schwestern und Brüder beschenken auch wir uns heute mit Gemeinschaft und Miteinander. Und sind dankbar, dass wir uns haben. Oder mit der Botschaft vom Weihnachtsengel ausgedrückt:

Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden

und den Menschen ein Wohlgefallen.

Ja, dieser Friede hier unten auf der Erde ist bitter nötig und soziale Sicherheit  und Überlebenshoffnung sind  wichtig für die Menschen und Gerechtigkeit für alle Menschen ist wichtig. Nicht nur an Weihnachten, sondern als Hoffnung spendenden Menschheitstraum, als universale Botschaft der Liebe und Gerechtigkeit und als tiefe gläubige Sehnsucht für alle Menschen. Jeden Tag auf Gottes Erde. Heute und morgen. Und dafür ist Jesus Christus auf die Welt gekommen, um die verlorene Welt samt ihren Menschen zu retten.

Im Lied „O du fröhliche“ (EG 44,1)heißt es:

  • Welt ging verloren,
  • Christ ist geboren:
  • Freue, freue dich, o Christenheit!

Das sind die Freude und der Überschwang , die von der Botschaft ausgehen. Und dafür ist Jesus Christus in unsere Welt gekommen. An Weihnachten, aber nicht nur an Weihnachten.

Amen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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