Gottes Ehre groß machen (Kurzansprache)

Die Engel singen von Gottes Ehre und vom Frieden auf Erden.

Wir aber erleben, wie Gottes Ehre mit Füssen getreten und Menschen unsagbares Leid angetan wird.

Wir sehen, wie viele Menschen traurig und sorgenvoll in diesen Abend gehen und begreifen: Weihnachten ist eine Zeit so voller Sehnsucht und Hoffnung, das verbindet Menschen untereinander. Keiner sollte einsam oder traurig in der Christnacht. Aber Weihnachten kann auch so schmerzen, wenn wir dennoch betroffen sind von Einsamkeit, Krankheit, Gewalt oder Tod. Der Alltag macht Weihnachten eben nicht Pause , nicht immer und nicht überall.

Nur wenn wirklich auf Erden der Frieden beginnt, kann doch Gott wahrhaftig die Ehre gegeben werden. Von daher ist der Lobpreis der Engel nicht nur eine Ansage, was doch alle mit eigenen Augen längst wahrnehmen können, sondern eine Verheißung, worauf zu hoffen wir nicht aufgeben sollten.

Gottes Ehre kann groß werden. Dazu braucht es Menschen, die sie groß machen, die sich berühren lassen von Gottes Liebe, die mit seinen Augen auf die Welt und auf die Menschen schauen. Das ist ein Blick auf Augenhöhe und nicht abschätzig von oben herab.

Das ist ein Blick, der in jedem und jeder die Würde, die Geschichte, die Hoffnungen und Enttäuschungen, die Sehnsucht und den Lebenshunger eines ganzen Lebens sieht, ein Blick, der Gott in jedem und in jeder wahrnimmt, weil jeder Mensch ein Abbild, ein Ebenbild, ein Spiegelbild Gottes ist.

Und deshalb wird mit jedem Menschen, der verfolgt, gehasst oder Gewalt angetan wird, Gottes Ehre mit Füssen getreten am Breitscheidplatz in Berlin ebenso wie in Mossul oder Aleppo oder den anderen Kriegsschauplätzen dieser Welt.

Aber Gott hat ein Zeichen gesetzt und gezeigt, wo und wie wir ihm die Ehre geben können. Er ist Mensch geworden, ein Kind in der Krippe: Hilflos, auf Fürsorge und Schutz angewiesen, aber mit der Gabe in allen zu wecken und wachzurufen, was an Menschlichkeit und Mitgefühl noch in ihnen ruht. Wer kann sich nicht vom Anblick eines Neugeborenen anrühren lassen. Deshalb ist Weihnachten zurecht ein Fest der Rührseligkeit, denn selig, wer sich anrühren lässt von der Liebesbedürftigkeit eines jeden, von der Schutzbedürftigkeit eines jeden, von der Schönheit, die in jedem und jeder aufleuchtet.

Es reicht ein Blick in die Krippe.

Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.

Der Glaube an Jesus Christus ist untrennbar mit dem Blick in die Krippe verbunden. Der Glaube an Jesus Christus ist diese Rührseligkeit, die selige Anrührung des Herzens und der Weckruf zu Menschlichkeit, um Gott die Ehre zu geben.

Denn Gott hat sich die Ehre gegeben: und ist Mensch geworden, Teilhaber unserer Sorgen und Freuden, unserer Hoffnungen und Erfahrungen; hoffnungsvoll erwartet, liebevoll umfangen und aufgewachsen, enttäuscht von Freunden im Schatten des Todes, aber gerade deshalb einer, der unsere Ängste und Nöte sieht und hört, ein Retter und Heiland, ein Versteher und ein Begleiter, Gott an meiner Seite, eben Licht in meinem Dunkel.

Das ist Weihnachten. Und so wird Gott Ehre gegeben und so wächst Frieden auf Erden. Amen

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