Gott wird Mensch

Elke: Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Was feiern wir eigentlich an Weihnachten?

Rebekka: Als ich in der Grundschule war, hätte ich das sofort beantworten können: An Weihnachten feiern wir, dass Jesus Christus geboren ist.

Elke: Und heute?

Rebekka: Heute frage ich mich, warum wir jedes Jahr wieder eine Geburt feiern, die inzwischen über 2000 Jahre zurück liegt.

Elke: Und hast du eine Antwort?

Rebekka: Wahrscheinlich liegt es daran, dass Jesus Christus so wichtig ist.

Elke: Ja, Jesus Christus ist sehr wichtig. Aber in der alten Kirche wurde das betont, indem man den Tag der Auferstehung besonders gefeiert hat. Das war die Hoffnung, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Da war Ostern das wichtigste Fest.

Rebekka: Bei uns ist das wichtigste Fest Weihnachten. Jetzt bin ich gespannt warum.

Elke: An Weihnachten feiern wir, dass Gott Mensch geworden ist. Wir feiern die Geburt eines kleinen Kindes, in dem Gott gegenwärtig ist. Man nennt das Inkarnation.

Oder wie das Johannesevangelium sagt: 1. Kapitel Vers 14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Rebekka: Ich verstehe. Das ist umwerfend. Gott schickt seinen Sohn zu uns auf die Erde. Gott ist in einem Menschen anwesend. Gott wird Mensch.

Elke: Das ist gigantisch. Gott ist doch so gewaltig und groß. Und er macht sich winzig klein, um uns nahe zu kommen. Das ist nicht zu fassen.

Rebekka: Ich sehe du bist von Weihnachten begeistert.

Elke: Ja, das bin ich. Ich finde Weihnachten wunderbar.

Rebekka: Du weißt schon, dass nicht alle Menschen das so sehen. Manche finden Weihnachten furchtbar, weil so viel Druck auf dem Fest lastet und vielleicht auch weil sie gar nicht verstehen, was das soll.

Elke: Was kann man an dieser wunderbaren Botschaft: Gott wird Mensch nicht verstehen?

Rebekka: Denk doch mal nach. Wozu brauchen wir Gott?

Elke: Wir brauchen Gott, damit er uns hilft, damit wir uns sicher in der Welt fühlen. Wir brauchen Gott, weil Gott mächtig ist und wir oft ohnmächtig. Wir brauchen Gott weil er stark ist und wir sind manchmal schwach. Und wir sind manchmal unsicher. Und wir wissen manchmal  nicht wie wir zurecht kommen sollen und da bitten wir Gott um Hilfe.

Rebekka: Genau. Und was nützt uns da ein Gott, der auch schwach ist. Was hilft uns ein Gott, der nicht Gott ist sondern Mensch wird? Wie soll er uns helfen, wenn er ohnmächtig in einer Krippe liegt und darauf angewiesen ist, dass Maria und Joseph ihn beschützen. Wir feiern an Weihnachten, dass ein Kind geboren ist. Und das Kind ist schwach und verletzlich. Schwach und verletzlich sind wir selbst. Wir brauchen einen Gott, der stark und mächtig ist.

Elke: Ich sehe das Problem. Aber nein, ein starker und mächtiger Gott ist nicht wirklich das, was wir brauchen. Wir brauchen vor allem einen nahen Gott, einen Gott der sich für uns interessiert, einen mitfühlenden Gott, einen Gott der sich wirklich mit unseren Problemen und Schwächen und Ängsten befasst. Einen Gott der uns entgegen kommt. Wir brauchen einen Gott, der Mensch wird, und sich mit unserem Leben auskennt. Wir brauchen genau den Gott, der Jesus Christus zu uns gesandt hat als kleines Kind in der Krippe in eine Welt voller Hass und Krieg, damit die Welt sich ändert. Das brauchen wir wirklich.

Rebekka: Du meinst wir brauchen einen mütterlichen Gott.

Elke: Ja, wir haben einen mütterlichen Gott, der uns beschützt und tröstet und versteht.

Rebekka: Ich sehe, dass das gut ist. Aber wir brauchen mehr. Wir brauchen den wirklichen Gott. Wir brauchen Gott. Und Gott ist all das, was du gerade gesagt hast. Aber eben auch viel mehr und das ist wichtig.

Elke: Wie meinst du das?

Rebekka: Gott hat die Welt geschaffen. Ich als Physikerin kann dir sagen: die Welt ist unglaublich komplex. Wir verstehen erst einen winzigen Teil davon. Wir wissen noch nicht einmal wie groß sie wirklich ist. Die Schätzungen darüber ändern sich jedes Jahr. Wir versuchen die Welt zu berechnen. Und die Ergebnisse sind erstaunlich. Und die Mathematik, die dafür nötig ist, ist ebenfalls sehr kompliziert.

Elke: Was willst du damit sagen?

Rebekka: Wenn die Welt, die Gott geschaffen hat, schon unglaublich schwer zu verstehen ist, und wir vor vielem nur davor stehen können und staunen, dann ist das mit Gott mindestens genauso.

Elke: Du meinst, es ist unmöglich Gott zu verstehen.

Rebekka: Ja, Gott ist ja wohl noch viel gewaltiger als seine Schöpfung. Wir haben keine Ahnung von der wahren Größe Gottes. Wir als Menschen können davon keine Ahnung haben. Wir sind im Vergleich so klein, unser Verstand ist so begrenzt, unser Leben so kurz.

Elke: Gut, dass du uns daran erinnerst. Die Macht und die Größe Gottes steht nicht in Frage. Seine Macht und Größe sind gigantisch und überwältigend unbegreiflich, unfassbar. Das erkennen wir an der Welt, in der wir leben. Und umso mehr wir diese Welt erforschen umso größer werden die Wunder, die wir entdecken. Aber um so ferner und unerreichbarer wird Gott für uns.

Rebekka: Ja, und um so mehr stellt sich die Frage: Was interessiert diesen großen unfassbaren Gott an uns kurzlebigen unbedeutenden Menschen?

Elke: Und deshalb freue ich mich immer so über Weihnachten. Ich liebe es, zu sagen: Da ist Gott, da in der Krippe, da dieses kleine hilflose Kind. So sehr liebt Gott die Menschen, dass er zu uns kommt. So sehr liebt Gott uns Menschen, dass er sich klein macht und unser Schicksal teilt, unser Leben lebt uns nahe kommt.

Rebekka: Du hast meine Frage nicht beantwortet: Was interessiert diesen großen unfassbaren Gott an uns kurzlebigen unbedeutenden Menschen?

Elke: Keine Ahnung. Das ist ein Geheimnis. Ich weiß nur, dass die Menschen damals es so erlebt haben. In Jesus Christus ist Gott da. Und sie haben bekannt: Jesus ist Gottes Sohn. Und da kann ich mitgehen. Die Nähe Gottes hier unter uns ist spürbar. Wieso weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es so ist.

Rebekka: Erfahrungen und Gefühle sind wichtig. Aber ich finde es nicht gut, dass du dich jetzt auf Gefühle zurück ziehst. Ich bin mir sicher die Tradition sagt etwas dazu. Über diese Frage haben sicher schon viele Theologinnen und Theologen nachtgedacht.

Elke: Ja, das stimmt. Aber bevor ich dir etwas von der Tradition erzähle, mache ich dich darauf aufmerksam, dass auch diese Tradition auf Erfahrungen von Menschen mit Gott beruht. Es haben über ihre Erfahrungen nachgedacht und dann haben sie angefangen etwas über Gott zu sagen.

Rebekka: Klar nur so geht es. Also was haben sie aus ihren Erfahrungen über Gott geschlossen?

Elke: Sie haben gesagt: Gott ist ein Gott, aber er hat drei Gesichter. Gott der Schöpfer, Gott der Erlöser also Jesus Christus und Gott die heilige Geistkraft, die Kraft durch die Gott in der Welt wirkt, die Kraft durch die Gott in uns Menschen wirkt. Und Gott ist von Anfang an Beziehung. Gott ist die Beziehung zwischen Vater Sohn und heiliger Geistkraft schon immer gewesen. Gott ist Liebe. Und weil Gott Liebe ist hat er jemanden geschaffen, den er lieben kann und der ihn lieben kann. Wir sind da, weil Gott Liebe ist. Das ist der Sinn von allem, dass Liebe sich ausbreitet. Und Liebe geht nur freiwillig und nicht erzwungen. Und deshalb kommt Gott zur Welt, damit wir freiwillig lieben lernen.

Rebekka: Und da behaupten Leute Physik sein kompliziert. Theologie ist mindestens genauso schlimm.

Elke: Naja wir sind Menschen, wenn wir anfangen nachzudenken wird es eben kompliziert.

Rebekka: Aber weißt du, ich bin keine Theologin. Also muss ich Gott nicht denken. Aber ich feiere einfach Weihnachten. Ich bin gerne bei meiner Familie, ich mag Tannenduft und Kerzenschein, ich mag Orgelmusik. Und mir reicht es schon zu wissen, dass es an Weihnachten um Liebe geht und natürlich freue ich mich, dass Jesus geboren ist.

Elke: Ja das reicht völlig.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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