Wer beharrt bis ans Ende, der wird selig werden.

Liebe Gemeinde,

sehen Sie auch manchmal mit Besorgnis auf die neuesten Nachrichten? Denken Sie auch. Das ist aber furchtbar in Syrien, und was da in der Türkei passiert, und Russland sieht auch nicht gut aus. Und erst die USA?

So ging es mir in den letzten Wochen oft. Und dann habe ich unseren heutigen Predigttext gelesen. Ich lese ihn Ihnen jetzt vor:

Matthäus 24,1-14

1 Und Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels.

2 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.

3 Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?

4 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe.

5 Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.

6 Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn es muss geschehen. Aber es ist noch nicht das Ende.

7 Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort.

8 Das alles aber ist der Anfang der Wehen.

9 Dann werden sie euch der Bedrängnis überantworten und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern.

10 Dann werden viele zu Fall kommen und werden sich untereinander verraten und sich untereinander hassen.

11 Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.

12 Und weil die Missachtung des Gesetzes überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.

13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig.

14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Man könnte meinen der Text wäre gestern geschrieben worden und nicht vor 2000 Jahren. Irgendwie besorgniserregend – oder – vielleicht auch nicht! In der letzten Pfarrkonferenz hat ein Kollege gesagt: Dieses Jahr ist so schwierig zu Freude im Advent zu finden. Die Weltlage sieht so bedrohlich aus. Und ich habe geantwortet. Ach was, in den Achtzigern war es viel schlimmer. Wir standen kurz vor einem Atomkrieg. Die Türkei litt unter einer Militärdiktatur, in der zehntausende Menschen gefoltert wurden. Ronald Reagan war Präsident in den USA. Breschnew war Generalsekretär der KPDSU. Die Terroristen kamen nicht von IS sondern von der RAF. Und Palästinenser haben Flugzeuge entführt. Damals war es noch schlimmer. Der Krieg wütete in Sri Lanka. Der Golfkrieg begann. Und es gab die schlimmen Hungersnöte in Äthiopien.

Alles, was Jesus gesagt hat, passiert. Es gibt Kriege. Falsche Propheten treten auf. Die Liebe erkaltet in vielen. Die Missachtung der Gesetze nimmt überhand. Das passiert heute, das ist früher passiert. Ich vermute stark, dass es auch in Zukunft geschehen wird. Und es ist immer furchtbar.

Und wir befassen uns damit auch noch im Advent, wo wir uns doch auf Weihnachten vorbereiten sollen.

Vielleicht ist das ganz gut. Ab und zu ist es wichtig ein wenig Realismus in unsere Sicht der Welt zu bringen. Und es ist auch wichtig ein wenig Realismus in unsere Erwartungen an das Leben zu bringen. Was erwarten wir? Das große Glück, eine wunderbare Familie, viel Geld, Reichtum und Luxus, ein langes Leben in perfekter Gesundheit und nicht zuletzt ein wunderschönes romantisches Weihnachtsfest? Und manche von uns halten das für ihr gutes Recht.

Entspannen Sie sich! So ist es nicht und so wird es nicht sein. Vielmehr wird wie unser Predigttext sagt: Sich ein Volk gegen das andere erheben. Christen werden verfolgt, heute noch in einigen muslimischen Ländern und in Teilen von China. Es gibt Kriminalität. Und selbst unsere eigene Familie besteht nicht aus Menschen, die immer nett sind. Mit all dem müssen wir leben. Mit all dem mussten Menschen schon immer leben. Und auch dieses Jahr wird Weihnachten nicht perfekt sein und der Advent wird immer  mal wieder auch hektisch werden. Und ja wir blicken mit Sorge auf die Entwicklungen in der Weltpolitik.

Und trotz allem steht dieser ungeheuerliche Satz in unserem Predigttext: Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig.

Hier ist unsere Aufgabe – jetzt!. Und diese Aufgabe ist nicht einfach. Unsere Aufgabe ist dieses Leben durchzustehen. Wir müssen durchhalten, am Glauben festhalten. Und dann wird alles gut. Und vorher ist eben nicht alles gut. Vorher haben wir alle Krisen durchzustehen. Wir erleben schlimme Zeiten. Und unser Leben ist immer mal wieder sehr, sehr schwer. Und es macht keinerlei Sinn im Wolkenkuckucksheim  zu bleiben und zu denken. Ach mir wird das schon nicht passieren. Bei mir geht alles gut. So ist es im Allgemeinen nicht. Auch wenn unser Leben hier in der ersten Welt mit ihrem Reichtum und ihren scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten ganz toll aussieht. Und man vielleicht viel von dem, was man sich wünscht, bekommt. So ist doch nicht alles gut. Und wir schreiten nicht von Sieg zu Sieg und von Glück zu Glück.

Irgendwann zwischendurch ist es für jeden von uns mal hart und kaum zu schaffen und so, dass man gerne den Bettel hinwerfen würde. Und das ist der  Moment, wo es auf unseren Glauben ankommt. Da müssen wir uns diesen wichtigen Satz vor Augen halten: Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig.

Darauf kommt es jetzt an: Beharrlich uns weiter  für das Gute einsetzen. Beharrlich weiter hoffen. Beharrlich Weihnachten vorbereiten und uns freuen, dass Gott uns entgegen kommt. Auch wenn es  nicht perfekt wird, auch wenn es vielleicht noch nicht einmal gut wird. Wir machen weiter. Wir zünden Kerzen an und bitten für die Menschen, denen es schlecht geht und die durch Krisen gehen müssen. Wir besuchen Gottesdienste und beten für Syrien. Wir beten für unsere Familien, die nicht perfekt sind und in denen immer wieder Schwierigkeiten auftauchen. Wir beten für uns selbst, dass wir unsere Krisen überstehen. Und wir beten für andere, dass Gott sie durch ihre Schwierigkeiten hindurch führt. Wir harren aus in dem Glauben, dass wir am Ende alle selig werden und dass alles davor vorübergehende Probleme sind. Wie unser Text sagt: Es sind Wehen, die eine Geburt ankündigen. Alles Schlimme, was wir erleben, ist nur der Anfang der Wehen. Vielleicht wird es noch schlimmer. Vielleicht steigern sich die Schmerzen noch, wie das bei einer Geburt ja oft ist. Aber am Ende werden wir selig sein. Wir halten das Kind im Arm und vergessen alles, was vorher war. Denn jetzt ist das Kind da. Das Christkind kommt. Und dann ist Weihnachten. Und dann ist für einen Moment alles anders. Dann sind wir für einen kleinen Moment selig, denn Gott kommt uns entgegen. Und für diesen einen Moment vergessen wir die ganze Arbeit der Vorbereitungen. Für diesen einen Moment vergessen wir die Mühe und den Streit. Und dann feiern wir einfach nur Weihnachten, denn Gott ist da. Und wenn wir dann noch nicht selig sind, dann harren wir weiter aus und warten darauf, dass wir es noch werden. Denn Jesus hat gesagt: Wer aber beharrt bis an Ende, der wird selig. Freuen wir uns darauf!

Und der Friede Gottes …

 

 

 

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