Advent – weniger ist mehr!

Liebe Schwestern und Brüder!

Die ersten Christen und deren Nachkommen, die das Wort Jesu als das Wort des Erlösers, Retters und Heilandes der Welt und Menschheit hörten und eben diese Botschaft in ihre Herzen, Gedanken und Sinne aufnahmen und dann in die persönliche Tat umsetzten, mussten viel für ihren Glauben nach Jesu Tod leiden. Sie nahmen große Entbehrungen und Unterdrückungen auf sich und litten teilweise bis hin zum Tod. Viele wurden für und durch ihren Glauben zu Märtyrern, also im wörtlichen Sinn zu Blutzeugen für ihre Überzeugungen und wählten den Tod statt ihren Glauben aufzugeben. Das mutet uns heute manchmal etwas sonderbar an.

Das ist die äußere Situation des heutigen Predigttextes, der vom Evangelisten Matthäus überliefert wird. Am Ende der Tage, nach dem Untergang und Tod Christi, werden seine Anhänger verführt oder vom Glauben abfallen bis das letzte göttliche Gericht über alle Menschen kommt. Die Verfolgungen und Bedrohungen durch alle Völker können und werden zur inneren Selbstauflösung des Glaubens führen. Auch Gesetzlosigkeit und Anarchie werden sich breit machen, sodass die Welt dem Untergang geweiht ist.

Aber diese Prophezeiung des Weltgerichts war nicht das letzte Wort, das sie hörten.

Denn es bestand und besteht auch eine Hoffnung, am Ende der Tage wird die Kraft der Hoffnung, die durch den auferstandenen Christus in der Welt kam und bleibt, siegen, denn der Erlöser kommt wieder!

Jesus Christus siegt über den Tod und den Untergang.

Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden,

heißt es am Ende des Textes.

Wer ausharrt, der wird die Krone des Lebens durch Jesus Christus geschenkt bekommen.

 

Und somit ist und bleibt die Botschaft des Adventes in der heutigen Zeit jenseits aller kommerziellen und käuflichen Verführung oder dem musikalischen Geplärr der Weihnachts-

märkte:

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!

Er Jesus Christus ist der Retter und Erlöser der Menschheit.

Die Seligkeit, die Gott schenkt, winkt.

 

Gott kommt als Mensch in Jesus Christus auf die Welt, um uns zu versöhnen und zu erlösen.

Dies ist das Geschenk Gottes für uns Menschen.

Und der Glaube an ihn, an diesen Jesus Christus, der im persönlichen Bekenntnis und Glauben, Kraft schenkt und Erlösung verheißt, der macht frei, unabhängig und stark im Leben. Mit allem, was das Leben uns schenkt und in allem und bei allem, was es uns abfordert.

Im Glauben und durch den Glauben werden die tiefste Sehnsucht und der drängendste Wunsch auf Annahme im Leben erfüllt.

 

Wer sich im Advent, in der Zeit des beharrlichen Wartens, inständigen Hoffens auf die Ankunft des Erlösers anstecken lässt, der hat verstanden, um was es beim und im Glauben geht und um was es nicht geht.

Es geht eben nicht um Christstollen und Lebkuchen im Oktober im Supermarkt.

Auch geht es nicht schon um kleine Geschäfte am Totensonntag und den am liebsten dann schon beginnenden Weihnachtsmarkt.

Es geht auch nicht um die Fußgängerzonen, die schwarz voller umherziehender Menschen sind, die mehr oder weniger gestresst Weihnachtsgeschenke kaufen. Die jubeln nicht, sie hetzen und drängen, sind genervt und nerven an den Kassen, nerven sich selbst.

Soviel muss eingekauft, so viele Geschenke müssen besorgt werden: für Angehörige, für Arbeitskollegen, für Freunde.

Viele sagen: Ich bin so beschäftigt und gestresst.

Darum geht es nicht im Advent:

Advent ist eigentlich die stille Zeit, wo ich zur Ruhe kommen kann. Ich höre, lausche und vertraue der uralten Botschaft, die schon meine Vorfahren hörten und lauschten und der sie vor allem glaubten. So wird deren Glauben auch zu meinem eigenen Glauben. Der König kommt langsam und stetig auf mich zu. Er zieht in meine Gedanken ein und wärmt mich mit seiner Barmherzigkeit und Gnade von innen.

Es geht um Stille und Geduld, es geht um Sehnsucht nach Geborgenheit, es geht um Gewissheit des Glaubens und des Gewissheit im Leben, es geht um Liebe und das Angenommen Sein durch Gott.

Wir Menschen brauchen nicht immer neue hektische Aktionen –wir wollen geliebt werden von unseren Mitmenschen und von Gott.

Wir brauchen nicht immer mehr Unterhaltung –

wir wollen ernst genommen werden.

Wir brauchen nicht immer mehr Werbung für Sachen, die wir nicht brauchen-

wir wollen lieber einfacher, aber dafür ruhiger, nachhaltiger und stressfreier leben.

Wir brauchen nicht immer mehr Stars und vermeintliche Sternchen und Wichtigtuer, auch brauchen die wenigsten von uns Glanz und Gloria und Bewunderung-

wir brauchen einen, der glaubwürdig ist auch ohne Pomp und Protzerei.

Wir brauchen keine neuen Führer oder Heilsbringer, auch keine religiösen, die uns sagen, wo es langgeht –

Nein das brauchen wir alles nicht!

 

Wir brauchen den einen, mit dem wir gehen können, freiwillig, und in dessen Nachfolge wir den Frieden finden.

Dafür lohnt es sich zu warten und beharrlich zu sein, denn die Seligkeit Gottes winkt und wird verheißen als göttliches Geschenk im Glauben.

Aus diesem tiefen Glauben lebten unsere Vorfahren, die keine durch kommerzialisierte Advents-und Weihnachtszeit kannten, die sich an dem wenigen erfreuten, was sie hatten und manche Entbehrung im und für Glauben auf sich nahmen.

Weniger ist häufig mehr. Tief im Inneren wissen wir es.

Weniger Show und Protz ist besser, weil wir uns auf das Wesentliche, auf den Kern der Botschaft konzentrieren.

Weniger Aktionen und geschäftige Betriebsamkeit führen zur mehr innerer Ruhe und Gelassenheit, vielleicht auch Stille und Besinnlichkeit.

Wenn wir das begreifen und in uns suchend, aus- und aufschauend und wartend in uns aufnehmen, wenn Beharrlichkeit, Gottvertrauen, Ausdauer unsere Schritte und Herzen lenken, dann kommt er der Friedefürst, auch ohne Glanz und Gloria, Pomp und Protz, Gegröle und Geplärr.

 

Er der verheißene Retter, Jesus der Christus nimmt uns die Waffen der Angst, Sorgen, Unterdrückung, der Mutlosigkeit, die uns depressiv und mutlos bepanzern –und Traurigkeit aus den Händen,

er, der Retter der Welt, der Heiland und Erlöser der Herzen nimmt uns die Betriebsamkeit und den Leistungsdruck, den Stress und die Anforderung und Perfektion, die ich selbst an mich lege, weil er mir seine Gnade und Barmherzigkeit schenkt.

Er der Erlöser der Welt, der Gottessohn Jesus Christus, befreit uns im Glauben von der Unruhe unserer Herzen.

 

Und wenn ich das Ende, welches am Schluss des heutigen Predigttextes nicht nur als apokalyptisches Weltuntergangsszenario begreife oder symbolisch interpretiere, dann bedeutet, dass Ende mit Christus, dem Erlöser und Retter, dass er im Glauben wie ein Schatz bei mir bleibt.

Alle Tage: an den guten, schlechten, schweren und besinnlichen, an den trüben, kalten, warmen, heißen, an den wundervollen und schrecklichen.

Und im Glauben zieht er ein, in unsere Gedanken, in unseren Erinnerungen, in unsere Herzen, in unsere Gefühle. Er füllt uns von innen. Mit Ruhe, Energie, Ausdauer, Gottvertrauen, Liebe und Freude.

Er wird zum Trost und zur Richtschnur, er ist der gute Hirte mit dem guten Wort, er kannte uns schon im Mutterleib wie im Psalm 139 gerühmt und er wird uns immer bei unserem Namen nennen  + ansprechen wie es beim Propheten Jesaja heißt.

Er verheißt und schenkt Frieden. Frieden für die Seele. Er beruhigt die unruhigen Herzen und den kontrollierenden hektischen Verstand.

 

Wer er ist, wie und zu wem er kommt?!

Es ist und bleibt der Herr Jesu Christ,

der unser Heiland und Retter ist.

Er kommt in menschlicher Gestalt,

in unsere Herzen, seien sie noch so kalt

wird als Kind in bitterer Armut geboren

und zum König im Glauben erkoren,

er kommt zu uns und euch an jedem Tag,

ohne Show und großem Moralvortrag.

Er schenkt uns seine barmherzige Gnade

Und liebt uns so wie wir sind:  ohne Fassade.

Wer nun dieser Einmalige, Besondere sei

der Erlösung uns schenke,  mache so frei?

Es ist und bleibt der Herr Jesu Christ,

der unser aller Retter und Heiland ist!

© Wilfried Marnach

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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