Inneren Frieden finden

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

wir feiern Weihnachten. Der heilige Abend ist vorbei, der Stress gegangen. Jetzt können Sie sich entspannen und ausruhen. Jetzt ist die Zeit für das Geheimnis. Und es ist Zeit für einen großen alten Hoffnungstext aus dem Buch des Profeten Micha. Ich lese Micha 5

Micha 5

1 1Doch dir, Betlehem im Gebiet der Sippe Efrat, lässt der Herr sagen:2 »So klein du bist unter den Städten in Juda, aus dir wird der künftige Herrscher über mein Volk Israel kommen. Sein Ursprung liegt in ferner Vergangenheit, in den Tagen der Urzeit.« 2 Der Herr gibt sein Volk den Feinden preis, bis eine Frau den erwarteten Sohn zur Welt bringt. Dann werden die Verschleppten, die noch am Leben sind, zu den anderen Israeliten zurückkehren3 Im höchsten Auftrag des Herrn, seines Gottes, und mit der Kraft, die der Herr ihm gibt, wird er die Leute von Israel schützen und leiten. Sie werden in Sicherheit leben können, weil alle Völker der Erde seine Macht anerkennen.

4-5 Er wird Frieden bringen.

 

Was für eine Verheißung an das gequälte und gebeutelte Israel. Es wird ein Herrscher kommen und wird Frieden herrschen und die Menschen werden sicher wohnen.

Was für eine Verheißung an uns heute. Wir werden in Frieden leben und sicher wohnen. Denn die ersten Christen haben diese Verheißung an Israel aufgenommen und auf Jesus Christus gedeutet. Jesus Christus ist der Friedensherrscher und er wird Frieden bringen und wir werden sicher wohnen.

 

Ich bin nach dem zweiten Weltkrieg geboren. In den Seelen der Menschen, die mich erzogen haben, war der zweite Weltkrieg noch sehr präsent. Ich habe ihre Angst erlebt. Ich habe erlebt wie sehr sie von dem was da war traumatisiert sind. Aber ich selbst bin in Friedenszeiten aufgewachsen und bin dabei in Friedenszeiten alt zu werden. Das ist ein unglaubliches Geschenk. Kaum eine Generation vorher ist aufgewachsen ohne je einen Krieg zu erleben. Und wenn ich an meine Großeltern und Eltern denke, dann weiß ich: Das ist Grund für Dankbarkeit. Wir leben schon so lange ohne Krieg bei uns. Ja, es gibt seit dem zweiten Weltkrieg viele Kriege auf der Welt. Aber hier bei uns herrscht schon so lange Frieden, dass wir uns einen Krieg kaum noch vorstellen können. Und das ist ein Wunder. Es ist im wahrsten Sinne wunderbar. Danke Gott für dieses großartige Geschenk.

 

Jesus Christus wird Frieden bringen, so wurde unser Predigttext von den ersten Christen gedeutet. Ich glaube es geht dabei nicht nur um äußeren Frieden, also dass wir in keinem Kriegsgebiet leben müssen. Damit ist auch innerer Frieden gemeint. Wie sieht es mit unserem inneren Frieden aus?

 

Möglicherweise etwas schlechter als mit dem äußeren Frieden, oder? Wenn ich jetzt ein Mikrofon nehmen würde und durch die Reihen gehen und fragen würde: Wie steht es mit deinem inneren Frieden? Wie steht es mit Ihrem inneren Frieden, würde ich wahrscheinlich sehr unterschiedliche Antworten bekommen.

Manche würden sagen: Ja, ich bin zufrieden. Ganz gut. Und andere würden sagen: Ich kann so schlecht einschlafen. Ich bin nachts immer unruhig.

Oder das mit dem inneren Frieden ist nicht so einfach, wenn die Beine schmerzen.

Oder Ich mache mir Sorgen um meine Enkel. Ich bete dafür, dass sie mit der Schule klar kommen. Ich bete dafür, dass sie sich nicht trennen.

Natürlich hängt auch der innere Friede von äußeren Situationen ab. Aber nicht nur!

 

Innerer Friede kann auch durch eine innere Haltung beeinflusst werden. Jesus Christus bringt diesen Frieden und wir können uns inneren Frieden bringen lassen.

 

Aber wie?

 

Es gibt viele Wege. Aber richtig gut erklären kann ich Ihnen nur den Weg, der bei mir einigermaßen funktioniert:

Drei Schritte:

1.     Der erste Schritt ist Vertrauen. Man könnte es auch Glauben nennen. Können Sie darauf vertrauen, dass Jesus Christus ihnen Frieden schenken kann? Rechnen Sie damit, dass es möglich ist? Oder sagen sie: Innerer Frieden das gibt es für mich nicht. Das ist unmöglich.

Wenn Sie denken: Vielleicht ist es ja möglich. Vielleicht kann Jesus Christus mir inneren Frieden geben, dann haben Sie schon gewonnen. Sie müssen nicht überzeugt sein. Sie dürfen ruhig zweifeln. Aber Sie müssen auch an ihren Zweifeln zweifeln. Wenn Sie denken, ja vielleicht kann Jesus Christus mir inneren Frieden schenken. Ich möchte den inneren Frieden haben und ich versuch es mal. Das reicht.

2.     Der zweite Schritt ist Abgeben. Geben Sie alles, was Sie belastet im Gebet an Jesus Christus ab. Beten Sie: Jesus Christus ich vertraue dir meine Sorgen und Ängste an. Ich bitte dich, hilf meiner Enkelin, hilf mir, hilf den Menschen, an die ich jetzt denke. Ich gebe dir meine Sorgen, ich kann das alles nicht lösen. Aber du kannst es. Ich höre jetzt auf darüber nachzugrübeln. Hilf mir dabei. 

 

Und dann merken sie. 10 Sekunden lang ist es Ihnen gelungen, inneren Frieden zu spüren. Dann sind die Sorgen wieder da. Aber Sie sagen sich, wenn es möglich war 10 Sekunden inneren Frieden zu spüren. Dann geht es vielleicht auch 20 Sekunden. Und Sie fangen wieder von vorne an zu beten. Und diesmal hat es vielleicht nur 5 Sekunden gehalten. Aber es hat gehalten. Und Sie machen weiter. Sie gewöhnen sich an dieses Gebet und nach einer Woche merken Sie erstaunt. Ich habe eine ganze Stunde lang nicht an meine Sorgen gedacht. Sie sind auf dem Weg zum inneren Frieden. Wir alle sind wenn es gut geht auf dem Weg zum inneren Frieden.

 

Niemand hat den inneren Frieden sicher in seiner Hosentasche und braucht ihn nur heraus zu nehmen. Wir alle sind immer nur auf dem Weg. Der innere Friede, der uns erfüllt, ist mal länger da und mal kürzer. Er ist mal besser zugänglich und mal schlechter. Das ist normal. Innerer Frieden ist eine Haltung, aus der wir immer wieder mal herausgekickt werden. Innerer Frieden ist ein zerbrechliches Geschenk, das wir immer mal wieder verlegen und suchen müssen bevor wir es wieder finden. Aber das macht nichts.

3.     Der dritte Schritt ist eine veränderte Wahrnehmung. Sie haben jetzt Stunden ohne ihre üblichen Sorgen und ihr normales Grübeln und ihren Ärger darüber, dass es ihnen so schlecht geht verbracht. Und jetzt treten andere Wahrnehmungen in Ihr Bewusstsein. Ihre Sorgen sind nicht mehr alles in Ihrem Leben. Da war die Enkelin zu Besuch. Und Sie haben sich darüber gefreut und nicht immer nur gedacht: Hoffentlich trennt sie sich nicht. Sie waren froh mit ihr reden zu können. Und Sie haben es genossen, dass ihr das Essen bei der Oma geschmeckt hat. Und ein anderes Gebet ist Ihrem Herzen aufgetaucht: Danke Gott für meine Enkelin. Und Sie blicken aus dem Fenster und die Sonne scheint. Und auf den Eiskristallen spiegeln sich die Sonnenstrahlen. Und in ihrem Herzen erscheint ein neues Gebet: Danke Gott für diesen wunderschönen Tag.

Sie haben einen neuen Blick für das Gute in Ihrem Leben bekommen. Und sie fangen an die Wunder zu sehen. Ja, Wunder gibt es auch. Es gibt natürlich Probleme. Wir alle haben Probleme. Aber wir erleben auch Wunder: Vielleicht habe ja die Schmerzen nachgelassen. Und heute können Sie aufatmen und ein Gebet erscheint in Ihrem Herzen: Heute habe ich fast keine Schmerzen. Danke Gott.

Vertrauen, Abgeben, das Gute sehen und dankbar wahrnehmen. Auf diesem Weg schenkt Jesus Christus uns inneren Frieden. Wie gesagt er tut das noch auf tausend anderen Wegen. Aber diesen Weg finde ich einfach und sehr schön.

Ich möchte Sie heute ermutigen. Machen Sie sich auf den Weg, bitten Sie Gott um inneren Frieden. Er wird diesen Frieden schenken, auf welchem Weg auch immer.

 

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

drucken