Gott macht alles neu!

Liebe Schwestern und Brüder!

Es ist und waren schon immer gewaltige und gegen alle menschliche Vernunft und alles bisherige Wissen starrköpfige – und in wundervoller Hoffnung und Verheißung- vorgetragene Bilder, die Johannes der Seher der Offenbarung so mächtig verkündigt.

Gott macht alles neu!

Nach dem Tod, der alles Leben wegnimmt und auslöscht, der bisweilen langsam schleichend durchs Sterben, aber auch hier und da fies oder plötzlich, unerwartet und schnell, vor allen Dingen brutal und rücksichtslos in seiner tödlichen Konsequenz, und manchmal wohlwollend   als Erlösung  und Gnade daher kommt  und das Leben unserer geliebten Angehörigen nahm und beendete. So ist er der Tod, der „Vernichter“ und Auslöscher. Und dies  sind die traurigen Fakten und die bittere Erkenntnis für jeden Witwer und jede Witwe. Auch für Kinder, Söhne und Töchter und Enkel. Gerade heute am Toten- oder Ewigkeitssonntag.

Der Tod nimmt uns immer die, die wir lieben und noch bräuchten. Wir sind traurig.

Und ich höre die Worte des Sehers Johannes, des Verfassers der Apokalypse

Es gibt einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Und die Tränen werden abgewischt und der mächtige und letzte Feind, der Tod wird nicht mehr sein noch Leid noch Schmerz, noch Sorge,  noch Angst, noch Geschrei werden jemals mehr sein.

 Gott macht alles neu nach dem Tod. Das Alte das Menschliche, das Irdische und Vergängliche werden vergehen und alles wird anders,  besser und neu.

Gott macht alles neu! Das klingt irgendwie phantastisch und kaum zu glauben.

Und doch, liebe Schwestern und Brüder, haben unsere Vorfahren daran geglaubt. Es ist unzählige Mal vor und über den Gräbern verkündigt worden.

Er, unser Gott, macht durch Jesus Christus alles neu. Nichts ist dann mehr so wie es war. Für den Verstorbenen wird alles anders und neu.

Diese Nachricht, dass alles neu wird, dass unser Gott die Auferstehung von den Toten und neues Leben bei ihm schenkt und unseren verstorbenen und toten Angehörigen mit neuem, einem andern Leben beschenkt und auferweckt, haben unsere Vorfahren unter Tränen und mit Seufzern geglaubt. Sie haben es tief und fest in ihrem Inneren geglaubt, auch wenn sie es nicht sehen konnten. Diese unsere Vorfahren haben geweint und geschluchzt, sie haben geseufzt und auch gezweifelt, aber sie haben dieser starrköpfigen  und gegen jeden Verstand und jede Vernunft ankündigenden Hoffnung geglaubt.

Gott macht alles neu!

Aber das gehört zur Ehrlichkeit dazu:

Ich sehe auch die Seufzenden, Klagenden und Weinenden in meinen Gemeinden vor mir, die mit psychischen Schmerzen trauern und deren emotionales und psychisches Leid beim Tod der geliebten Angehörigen innere Betäubung und tiefen Seelenschmerz hervorruft. Ich sehe die Leere und Einsamkeit, die innere Lähmung, Antriebslosigkeit, die von der Trauer ausgelöst wird.

Und darein spricht das gewaltige Wort aus der Offenbarung und wir  hören die Worte des Propheten, der verkündigt, dass es unseren Verstorbenen gut geht.

Gott macht alles neu!

Sie haben keine Schmerzen mehr, die der Krebs hervorrief.

Sie haben keine Tränen mehr in den Augen, die die Angst vor dem Tod auslöste, wenn sie ihn bei vollem Bewusstsein  erlebten.

Auch die tiefe Angst und Sorge vor dem Verlust von Liebe, Partnerschaft und Kinder sind verschwunden.

Und die Angst, der Zweifel und die Tränen vor dem, was kommen mag, in der erhofften anderen Welt.

Und nochmal: Dagegen verkündigt und dafür verkündigt der Prophet.

Gott macht alles neu. Keine Tränen werden mehr sein, im neuen Himmel.

Und je mehr ich diese phantastische Botschaft höre, desto tiefer dringt sie in mein Herz ein.

Wie schön muss die Welt sein, in der es kein Leid, Geschrei und Schmerz mehr gibt. Wo es keine Gewalt, Ausbeutung, Unterdrückung, kein Krieg und kein Elend mehr gibt.

Dort in dieser Welt sind nach der festen Hoffnung und Zuversicht jetzt unsere Toten, an die wir uns am heutigen Ewigkeitssonntag besonders erinnern.

Der Tod ist tot und besiegt von Gott. Das ist die Botschaft des heutigen Sonntags.

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

 Dieser bewundernswerten  und  starrköpfigen Haltung,  die sich von einer tiefen gläubigen Zuversicht und Gewissheit auf Gottes Heilshandeln speisen, können wir folgen, trauen und glauben.

Der Text verheißt, dass Gott keinen verloren gibt. Und die den Text hören und sprechen weigern sich irgendetwas und irgendeinen für verloren zu geben. Und sie glauben diesem Text und seinen Worten,  der seit Jahrhunderten über und vor unseren Gräbern verkündigt wird. Und wie wunderschön wird das Neue, die neue Stadt, das himmlische Jerusalem bei Gott beschrieben. Die Ewigkeit bei Gott. Es wird nicht nur gegen alle „Natürlichkeit“ von Tod, Leid und Gewalt und Faktizität des Alltags versprochen, dass der Tod besiegt wird und die Toten dem Tod entrissen werden. Das Leben im neuen himmlischen Jerusalem geschieht im Licht und der Anwesenheit der Herrlichkeit Gottes. Das können und sollen wir ruhig glauben.

Liebe Schwestern und Brüder, der Tod nahm und nimmt uns zwar die, die wir lieben und die wir auch noch bräuchten, aber er tötet nicht unsere Erinnerung und unsere Liebe für sie.Das ist eine Tatsache.

Der Tod nimmt uns nicht die Liebe.

Die Erinnerung und die liebevollen Gedanken an die Verstorbenen sind  eine mächtige innere Kraft und Stimme, die über den Tod hinaus wirken.

Und wenn diese Erinnerung mit Liebe und sehnsüchtigem Trennungsschmerz verbunden ist, dann ist der Sieg der Liebe garantiert, denn die Liebe ist stärker als der Tod! (Hoheslied 8,6ff) und sie hört nie auf, (1.Korinther 13,8) wie es in hohen Lieder der Liebe heißt.

Jemanden lieben oder ihn geliebt zu haben heißt, sich an ihn zu erinnern, ihn im Herzen und der Seele zu tragen.

Und die Erinnerungen an die gemeinsame geschenkte und erlebte Lebenszeit, das Glück und die Freude der Liebe und Partnerschaft,

das Glück und die Freude der Elternschaft oder an den Enkeln oder die Dankbarkeit für die Liebe und Fürsorge durch die verstorbene Oma oder den Opa gehen tief und bleiben. Das sind ewige und emotionale Schätze und Kostbarkeiten.

Wer will sie uns nehmen?!

In unseren Gedanken und Erinnerungen dürfen und können wir uns frei bewegen. Und nicht nur im Sinne schwelgerischer und verklärender Erinnerungen unserer geliebten, aber verstorbenen  Angehörigen, auch ihre Ecken und Kanten, ihre charakterlichen Unebenheiten und das Schwere und Anstrengende werden uns bewusst bleiben. Doch das verblasst mit der Zeit.

Und die langmütige Liebe bleibt geduldig und das menschliche Gedächtnis bewahrt meistens das Gute. Man findet seinen Frieden mit den Ecken und Kanten der Verstorbenen. Die Liebe verzeiht auch manche Ungerechtigkeit.  Liebe heilt Wunden und Schmerzen, denn die Liebe ist stärker als der Tod.

Und manchmal, nämlich dann, wenn man nicht die Chance bekam oder wenn man sie verpasste, sich mit jemanden auszusöhnen, dann bleiben auch Bitterkeit und ein schlechtes Gewissen.

In diesem Fall kann ich nur den eindringlichen Rat geben, das Versäumte an anderen Menschen versuchen wieder gut zumachen.

Liebe, Vergebung und Wiedergutmachung  suchen sich auch neue Wege im Leben..

Es bleibt: Die Liebe hört nie auf und auch die Erinnerung an die Liebe, die wir von unseren Verstorbenen empfangen haben.

Doch was gilt noch in unserem Glauben?!

Wir glauben an das Leben der kommenden Welt (Nizänum) und die die Auferstehung von den Toten, d.h. der Tod in seiner finalen Konsequenz spricht über unsere christliche Existenz, über unser religiöses Leben nicht das letzte Wort. Der Tod verliert seinen Schrecken und seine Macht durch die innere Gewissheit des Glaubens an die Auferstehung von den Toten.

Auch und gerade weil der Tod uns menschlich immer wieder neu tief erschüttert, wie jeder, der schon selbst schwer getrauert hat, leidvoll und schmerzlich berichten kann.

Obwohl der Tod bisweilen wütet und unabänderliche Fakten schafft, wissen wir uns durch unsere starrköpfige Hoffnung geschützt, das das Leben nach dem Tod weitergeht und wir einen neuen Himme und eine neue Erde sehen werden.

Natürlich werden durch die hoffende Gewissheit auf die Auferstehung Trauer, Angst, Abschiedsschmerz, Klage und manchmal sogar Verzweiflung nicht einfach weggewischt. Aber der Glaube an die Auferstehung kann jedem und jeder von uns, der oder die um einen Verstorbenen trauert und weint, genügend Kraft geben, manche Träne des Leides abzuwischen. Wobei gerade die Tränen in der Trauerzeit sehr wichtig sind, weil sie die Seele reinigen, der Trauer Kontur geben und den Schmerz lösen.

Weinen löst den Schmerz und die aufgestaute Verzweiflung.

Weinen durch Trauer reinigt die Seele und ist für einen gesunden Trauerprozess notwendig und verlangt von weniger betroffenen Angehörigen ein hohes Maß an Geduld und Sensibilität. Meines Erachtens zwei entscheidende Formen von Liebe, die immer wieder im Miteinander von Menschen eingeübt werden müssen.

Und so wünsche ich allen, die in dieser Zeit um einen geliebten Menschen trauern und weinen, dass Gott sie in ihrer Trauer tröste, ihnen gute und liebe Menschen schicke, die ihnen durch Wort und Tat, manchmal nur die bloße Anwesenheit und dem Mitaushalten von Schmerz wirklichen Trost und Zuspruch spenden.

Also Menschen, die wieder Licht in das finstere Tal der eigenen Trauer bringen.

Menschen, durch die Gott alle Tränen abwischen wird. Sei es durch die Enkel oder durch das geduldige Zuhören von Nachbarn und Freunden.

Unsere Verstorbenen sind nun in Gottes Hände übergeben, wo sie jenseits unserer Zeit- und Lebensumstände durch die in Jesus Christus geschehene Auferstehung in Gottes Ewigkeit weiterleben.

Auch wir werden dereinst in Gottes Ewigkeit leben, wo Gott unsere Tränen abwischen wird von unseren Augen.

Wir zum Schluss nochmal die fantastischen Worte von Johannes (21,4):

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

 Ja liebe Schwestern und Brüder,

Er, unser Gott,  macht alles neu!

Alles.

Amen.

 

 

 

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