Frieden, Liebe, Leben statt Krieg, Hass, Tod

Liebe Schwestern und Brüder!

Wer das sinnlose Sterben und den Tod durch den Krieg jemals mit erlebt hat, der ist in aller Regel sein Leben lang traumatisiert.

Und wer dem Tod durch Krieg, Terror, mörderischer Gewalt, Vertreibung und Flucht entkommen konnte und sein nacktes Leben und das seiner Kinder retten konnte, der ist bestimmt froh in Sicherheit und Frieden zu leben.

Krieg, Terror, Bürgerkrieg und wirtschaftliches Elend sind bestimmt die Hauptgründe für die weltweite Migration von Menschen. Auch der Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Afghanistan und Afrika

Wir wissen und kennen es mittlerweile, denn die geflohenen Menschen sind auch in unser Land geflohen. Und doch  wissen wir eigentlich nichts oder wenig  über die individuellen Fluchtgründe und deren Strapazen, wen wir nicht mit den Menschen reden. Vielleicht und mit Empathie haben wir ein Gefühl, was die Flucht aus der Heimat bedeutet, weil der Krieg die vormals friedliche Heimat und Lebensgrundlagen zerstörte und weil die neuen Herrn des Landes durch Tod, Krieg, Terror und Korruption  die Menschen zu dieser Flucht und Vertreibung zwangen.

Das geschah und  geschieht in allen Kriegen und Bürgerkriegen der Welt. Flucht durch hoffnungslose, korrupte und wirtschaftlich danieder liegende Verhältnisse und durch Krieg, Terror und Bürgerkrieg bleiben die Ursachen für die großen Völkerwanderungen am Beginn des 21. Jahrhunderts.

Nicht nur der Handel ist global und globalisiert, auch der Krieg und die Flucht in sichere, friedlichere Staaten geschehen zum Teil kriminell organisiert weltweit.

Von Afrika und Palästina über das Mittelmeer, die Türkei und den Balkan nach Mittel- und Nordeuropa.

 

Doch dort  verändern sich auch –so wie in vielen Ländern der Welt-  die politischen Koordinaten. Viele Einheimische empfinden die nach Frieden und sozialer Sicherheit suchenden  Menschen als Bedrohung. Ganze Bevölkerungsgruppen und  Staaten schotten sich durch nationalistische und nationale und „identitäre“ Bewegungen ab. Die wollen keine vom Elend und Leid geplagten Flüchtlinge in ihrem Land, sondern meinen durch bewaffnete Grenzen, hochgezogene Grenzzäune, Schutzzölle und anderes politische und wirtschaftliche Abschottung die Fremden und Flüchtlinge fernzuhalten.

Diesen Bewegungen gibt es in Europa in Frankreich (Front national), in Deutschland als AfD, in Polen als rechtskonservative Regierung, in England als konservative Brexit-Regierung, in der Türkei durch die AKP des autokratisch regierenden Präsidenten Erdogan, wodurch sich die Türkei  immer mehr zur Diktatur entwickelt und in den USA durch einen neugewählten Präsidenten Donald Trump, der es gut findet Frauen zwischen die Beine zu greifen, Latinos nach Mexiko bzw. Südamerika zurückzujagen und Muslime auszuweisen bzw. die Einresie zu verweigern.

 

Sie sehen die Welt ist alles andere als friedlich oder  befriedet am heutigen Volkstrauertag, an dem wir an die Toten der beiden Weltkriege und der Gewaltherrschaft erinnern.

Zwei Kriege, die  Millionen von Menschen, Soldaten und Zivilisten gleichermaßen töteten, Hunger, Tod und Vertreibung bis hin zur Teilung von Deutschland führten. Nach dem 2.Weltkrieg schwor man sich nicht nur in Deutschland: Nie wieder Krieg! Nie wieder  Krieg auf deutschen Boden und von deutschem Boden aus und für die deutsche Bevölkerung. Bisher ist dies so gewesen und es bleibt hoffentlich auch so.

71 Jahre nach dem 2.Weltkrieg. Fast drei Generationen von Menschen sind in Frieden und Sicherheit aufgewachsen. Das ist und war ein Segen für unsere Menschen und für unser Land. Wir gelten heute nicht mehr als auf militärische Vormacht aus seiende Nation  und schon gar nicht als  bösartige  Kriegstreiber.

Und doch ist dies alles schon gottseidank 71 Jahre vorbei, ein ganzes Menschenleben fast vorbei.

Und immer noch begehen wir diesen Tag, Volkstrauertag.

Ein Volk seufzt,  klagt, trauert und erinnert sich der Toten der beiden großen Kriege. Und wer denkt, das ist alles lange her, der irrt.

 

Und dagegen, gegen diese schrecklichen und fürchterlichen Erlebnisse, schreibt der Apostel Paulus im heutigen Predigttext von Befreiung und Erlösung, aber auch vom Seufzen der Schöpfung und der Kreatur bis zu endgültigen Erlösung durch Gott.

Irgendwie erscheint diese Form der Erlösung, die im Text propagiert wird:  „denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll“ (Römer 8,18)  für die sterbenden Soldaten und Zivilisten oder den Opfern des Krieges etwas falsch zu liegen oder zynisch klingen.

Wer sehnt sich schon als junger Mensch nach dem Tod oder Kriegswirren und Untergang.

Obwohl der paulinische Text natürlich nichts mit Krieg oder persönlichem oder kollektivem Untergang zu tun hat, sondern die Herrlichkeit der kommenden Welt rühmt, die in göttlicher Pracht frei macht von diesem irdischen Elend. Erlösung und Befreiung bei Gott von der Vergänglichkeit des irdischen Daseins, sozusagen eine paulinische Verzückung über den Glauben und seine zukünftigen Freuden.

 

Doch das Seufzen der Menschen und der Schrei der im Krieg Sterbenden bleiben, erschrecken und  mahnen uns!

Es scheint alles ganz durcheinander und so widersprüchlich.

Statt Hass, Krieg und Tod, lieber Liebe, Frieden und Leben

Gibt es einen Ausweg? Eine Lösung?!

Paulus, weißt Du nichts?

Paulus schreibt an anderer Stelle, die Liebe hört nie auf (1.Korinther 13).

Die Liebe besiegt den Tod, den Hass, den Krieg und die Gefühlskälte und Abstumpfung.

Und wir benötigen die Erinnerung. Eine Erinnerung, die gefüllt ist mit Empathie für die Opfer von Kriegen, Einfühlungsvermögen in das Denken der vermeintlichen Gegner und Mitgefühl mit den unschuldigen Opfern.

Und das Erinnern und der gesetzliche Erinnerungstag, die Trauer des Volkes über den Verlust der vielen unschuldigen Söhne und Männer, die Armut der Kriegerwitwen nach dem Krieg und die emtsetzliche Barbarei an Juden, Kommunisten, Zigeunern, die brutale Unmenschlichkeit gegenüber Nachbarvölkern hilft gegen das Vergessen und das ummantelt die Trauer und das Seufzen und Klagen der geschundenen Menschen..

Und diese Erinnerung daran birgt die Verantwortung für die Zukunft, in der hoffentlich kein Krieg von Deutschland aus geführt wird.

Verantwortung für eine friedliche und gerechte Welt ohne Krieg und Untergang, ohne Seufzen, weinen und klagen von alten Männern und kleinen Kindern.

Die Liebe hört nicht auf, schreibt der Apostel

 

Nur Erinnerung und Liebe überdauern die Zeit, weil sie die Kraft für einen Neuanfang und Wiederaufbau geben.

Und deswegen ist es gut, dass wir uns daran erinnern, dass Kriege Völker und Menschen töten und dies hoffentlich niemals vergessen wird und unsere Einstellung danach ausrichten und friedlich Leben als Nation unter Nationen und Privatperson mit unseren Nachbarn.

Denn die Toten mahnen uns, den Frieden zu schätzen und in Frieden zu leben.

Und dann seufzen wir und klagen wir aus Verantwortung und weil wir trauern über so viel unschuldiges und sinnloses Leid.

Und wir sind dankbar über den Frieden in unserem Land.

Gott bewahre den Frieden in uns und in unserem Land.

Amen.

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