Zuversicht

Der Apostel Paulus ist gefangen. Er hat gepredigt, Menschen für das Evangelium gewonnen und wurde deswegen von den Herrschenden verhaftet. Für uns im Deutschland des 21. Jahrhunderts ist das schwer vorstellbar, aber diese Dinge passieren heute genauso in manchen Ländern dieser Erde. Und darum brauchen immer wieder die Prediger des Evangeliums unsere Fürbitte, unser Gebet.

Manchmal tun wir ja das Gebet als notwenige Pflichtübung ab. Aber das ist es nicht. Das Gebet ist ein Geschenk, das wir haben und mit dem wir Andere bedenken können. Und von diesem Geschenk erzählt Paulus in seinem, Brief an die Gemeinde in Philippi, zu der er eine enge Beziehung hatte:

3 Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke –  4 was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten für euch alle, und ich tue das Gebet mit Freuden –, 5 für eure Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tage an bis heute; 6 und ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu. 7 Wie es denn recht und billig ist, dass ich so von euch allen denke, weil ich euch in meinem Herzen habe, die ihr alle mit mir an der Gnade teilhabt in meiner Gefangenschaft und wenn ich das Evangelium verteidige und bekräftige. 8 Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlangt von Herzensgrund in Christus Jesus. 9 Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, 10 sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi, 11 erfüllt mit Frucht der Gerechtigkeit durch Jesus Christus zur Ehre und zum Lobe Gottes.

Seine Gedanken wandern zu der jungen Gemeinde in Philippi. Dort hat er gepredigt, dort hat er getauft, dort ist etwas entstanden. Aber darauf bildet er sich nichts ein. Er ist nicht der große Guru. Er ist Werkzeug und dankt Gott, dass er in den Menschen so etwas Großartiges begonnen hat. Und er hat die große Zuversicht, dass in den Getauften etwas angefangen ist, dass Gott zur Vollendung führen wird. Gott selber wird die Menschen, die sich zu ihm bekennen weiter bringen.

In uns wird der Herr sein Werk vollbringen und er tut es, wenn wir Gottesdienst feiern in dem Dreiklang, den Paulus hier erwähnt: Dank, persönliches Gedenken und Fürbitte – das alles geschieht im Gottesdienst, den wir feiern – mit Gott.

Und wir dürfen daran arbeiten, dass immer mehr Menschen mit der Gemeinde danken, beten und für die Menschen da sind. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns seinen Geist schenkt, dass wir in all dem immer besser werden.

Unsere Liebe kann wachsen – mit Gottes Hilfe. Liebe, das ist nicht einfach ein romantisches Gefühl. Liebe das sind Wort und Taten. Liebe will leben und hat die Verheißung, dass mit ihr der Geist Gottes sich Raum verschafft. Wir dürfen leben lassen, was Gott in uns angefangen hat. Wir dürfen es in uns zum Blühen bringen. Wir dürfen mit Freude danken, beten und für Menschen bitten. Wir dürfen Gemeinde leben und füreinander da sein.

Das hört sich alles so banal an, wie Friede, Freude und Eierkuchen. Aber es ist eine Aufgabe, die harte Arbeit bedeutet. Liebe ist wie gesagt nicht einfach dieses schöne romantische Gefühl. Liebe ist auch eine Lebenseinstellung und so wie ein Paar ein Leben lang an dieser Lebenseinstellung arbeiten muss, um das Feuer zu erhalten, muss auch christliche Gemeinde ein Leben lang an ihrer Einstellung arbeiten, dass sie wirklich Gemeinde ist, die Liebe lebt, auch da, wo es weht tut.

Vielleicht spüren wir, dass uns das immer neu überfordern kann. Eltern kommen ja auch immer wieder an die Stelle, wo sie sich überfordert fühlen. Sie lieben ihr Kind, egal in welchem Alter, aber es treibt sie zur Verzweiflung. Diese Verzweiflung ist wohl auch Teil der Liebe, aber wir wissen nicht welche Antwort jetzt aus der Liebe kommt, was jetzt die richtige Frucht der Liebe ist und nicht Frucht unseres Wunsches nach Ruhe und Frieden.

Die Liebe fragt: Was nützt dem Anderen. Aber wie soll ich wissen, was dem Menschen nützt, der das selber nicht einmal weiß? Und wie soll ich wissen, was gut ist, und was richtig ist, wo ich doch so oft unsicher bin?

Paulus schreibt von seiner Zuversicht. Er weiß, dass das Leben nicht immer gerade läuft und auch, dass nicht immer den Menschen, die nur das Gute wollen, das auch gelingt. Und er weiß auch, dass Menschen gerade dort, wo sie besten Willens sind, auch Vieles falsch machen. Und er weiß auch, dass Menschen die alles richtig machen, nicht automatisch nur Glück erleben. Deswegen sitzt er ja im Gefängnis.

Aber er hat die Zuversicht und das Wissen. Das Wissen, dass in den Menschen, denen er schreibt etwas Gutes begonnen hat. Sie sind getauft. Wie wir – und ich glaube auch wirklich, dass wir genauso gemeint sind. Da hat etwas angefangen in uns mit der Taufe, das wir weiterführen dürfen. Und er hat die Zuversicht. Gott selber wird helfen, dass aus unseren manchmal hilflosen Versuchen, das Richtige zu tun, Gutes wird. Er selber wird unsere Entwicklung vollenden. Wir sind auf einem Weg, Gott wird uns zum Ziel führen.

Darum haben wir auch alle diese Möglichkeiten, die wir im Gottesdienst leben, aber vielleicht nicht nur da: Wir können unsere Schuld unser Versagen vor Gott bringen – er will uns vergeben. Wir können unseren Dank vor Gott bringen, den Dank, dass wir eine gute Entscheidung gefunden haben. Wir können in Fürbitten zu Gott kommen, in jenen speziellen Gebeten, in denen wir für Menschen beten. Für Arme Hilflose und Verfolgte, genauso wie für Reiche Mächtige und Übermütige. Das Fürbittengebet ist eine grandiose Sache, die uns Paulus ans Herz legt, weil es uns Möglichkeiten einräumt zu helfen, da wo wir nicht wissen, wie wir helfen können.

Wir haben dieses Geschenk: das Gebet, mit dem wir immer wieder zu Gott kommen können, mit dem wir danken können und bitten für uns und Andere und mit dem wir unsere Schuld in Gottes Hände legen können.

Wir sind ausgestattet mit allem, was wir brauchen, um zu leben, um gut zu leben und um mit unseren Fehlern umzugehen. Und wir dürfen immerzu danach streben, bessere Menschen zu werden. Wir werden Rückschläge erleben, wir werden Scheitern spüren, aber mit uns geht die Liebe Gottes, der zu uns hält. Er wird uns begleiten in dunklen Tälern und er lädt uns in seine Gemeinde.

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