Das Gute überwindet das Böse

Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn man die Worte des Apostels aus dem Epheser(brief), Kapitel 6,10-17 das erste Mal hört, dann denkt man:

Oh, ooo,… oh, oo…

Das hört sich ja an wie eine martialische Anleitung, um in den Krieg und die Schlacht zu ziehen.

Paulus benützt die rigorose Sprache des Kriegers, der gegen den bösen Feind verbal aufrüstet, um sich selbst zum Kampf und Sieg zu konditionieren und zu rüsten.

 

Die Bedrohung durch den Feind wir folgendermaßen beschrieben:

Da kommt eine gewaltige Macht auf einen zu, die mit der nötigen Rüstung gegen die Waffen und heimtückischen Angriffe des Teufels Schutz bietet. Es geht im Kampf gegen die Mächte und Gewalten der Finsternis, die die Erde beherrschen, gegen die Geister der unsichtbaren Welt.

Hinter allem stehen das Böse und die hinterlistigen Mächte des Bösen in Form des Teufels.

 

Und nur mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit und dem Lendengürtel der Wahrheit und dem Schild des Glaubens

kann der Perfidität des Bösen entgegnet werden.

Letztendlich sorgt das Wort Gottes als Schwert für Frieden und die endgültige Ausbreitung des Friedens und des Heils

 

Diese Wortfelder martialischer antiker Kriegsrhetorik am Beispiel der Waffenrüstung des vollbewaffneten römischen Fußsoldaten exemplarisch aufgezählt, die der Apostel hier wie zum endzeitlichen, apokalyptischen Kampf benutzt und bereit stellt, um das Evangelium zu verbreiten, klingen wie die psychologische Anleitung, um in den Krieg zu ziehen.

 

Der Apostel Paulus als Falke und polternder Kriegstreiber, der den ewigen Feind den Teufel oder den dämonischen Teufel in Menschengestalt besiegen will?!

Was soll man davon halten und was bedeutet das für unser Leben heute, hier und jetzt?

 

Nun, bei aller kriegerischen Rhetorik müssen wir den Text erst einmal auf seine metaphorischen und symbolischen Elemente untersuchen.

Einiges scheint symbolisch gemeint. Und anderes konkret auf die Situation der Leser und Hörer gemünzt.

 

Dem Apostel geht es um Wahrheit, Gerechtigkeit, Frieden, Glauben und das ewige Heil in Jesus Christus.

 

Doch wer hält die Menschen zur paulinischen Zeit in Ephesus wie auch heute ab vom Evangelium??

Große und mächtige Feinde, aber auch hinterlistige Widersacher und böse daher kommende Geister, die alles durcheinander bringen, zerstören und beherrschen wollen:

 

Sie denken jetzt,  ja er übertreibt ganz schön mit seiner Beschreibung des Bösen in diesen Tagen:

 

Und nicht von ungefähr lautet der Wochenspruch aus Römer 12,21 – übrigens auch ein der von vielen Konfis als Konfirmationsspruch ausgesucht wird, Konfirmationsklassiker:

 

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,

sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

Wer und was ist das Böse und was kann und muss ich gegen den oder das Böse tun?!!

Das Böse oder die Bösen sind heutzutage klar zu lokalisieren und zu benennen. Es sind die Menschen, Personen, auch Personengruppen und üble Terroristen, die mit brachialer und brutaler Gewalt gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung vorgehen und sich im Namen einer Religion und mit einer perfiden Ideologie dazu hinreißen, Menschen brutal, rücksichtslos und ohne Skrupel  zu töten und zu morden.

 

Böse, wenn auch weniger schlimm in der ersten Konsequenz sind Diffamierungen von, Lügen über, Hass gegen Mitmenschen. Mit Worten und geistiger Brandstiftung vollbringen manche auch böse Taten. Nichts rechtfertigt dies und es vergiftet nur das Klima von Solidarität und Miteinander in einer Gesellschaft. Wer die Presse nur noch „Lügenpresse“ bezeichnet und gewählte Politiker  als „Volksverräter“ beschimpft, der verfolgt keine guten Ziele im Leben und im gesellschaftlichen miteinander. Von der Zerstörung der Würde meiner Mitmenschen ganz abgesehen.

 

Und wer sich als Präsidentschaftskandidat der Republikaner  damit brüstet, dass man Frauen zwischen die Beine greifen könne, weil er sich dies leisten könne und Frauen somit  zum sexuellen Freiwild degradiert, der bewegt sich weit davon weg, was sich gehört oder erlaubt ist. Das ist schlecht und verwerflich. Und in der Absicht nicht viel anders als die vielen sexuellen Belästigungen, die Frauen immer wieder über sich ergehen lassen müssen.

 

Das Böse und die hinterlistig teuflische Tat scheinen nicht so weit weg wie man denkt. Schnell kann man vom Bösen, vom bösen Wort oder der schlechten Tat manipuliert oder überwältigt werden.

Das geht uns allen so. Das wusste der Apostel, denn das Böse ist immer und überall, sagt der Volksmund und „wenn dich die bösen Buben locken, mein Sohn, dann folge ihnen nicht“ (Sprüche 1,10), heißt es schon im Buch der Sprüche, im AT.

 

 

 

Warnung vor Verführern

8 Mein Sohn, gehorche der Zucht deines Vaters und verlass nicht das Gebot deiner Mutter;

9 denn das ist ein schöner Schmuck für dein Haupt und eine Kette an deinem Halse.

10 Mein Sohn, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.

11 Wenn sie sagen: »Geh mit uns! Wir wollen auf Blut lauern und den Unschuldigen nachstellen ohne Grund;

12 wir wollen sie verschlingen wie das Totenreich die Lebendigen, und die Frommen sollen sein wie die, welche hinunter in die Grube fahren;

13 wir wollen kostbares Gut finden, wir wollen unsre Häuser mit Raub füllen;

14 wage es mit uns! „Einen“ Beutel nur soll es für uns alle geben«:

15 mein Sohn, wandle den Weg nicht mit ihnen, halte deinen Fuß fern von ihrem Pfad;

16 denn ihre Füße laufen zum Bösen und eilen, Blut zu vergießen.

17 Man spannt das Netz vor den Augen der Vögel, doch lassen sie sich nicht warnen;

18 so lauern jene auf ihr eigenes Blut und trachten sich selbst nach dem Leben.

19 So geht es allen, die nach unrechtem Gewinn trachten; er nimmt ihnen das Leben.

 

 

Das hat schon meine Oma früher zu meinem Bruder und mir gesagt.

 

Soweit zur Realität, auch zur Gegenwart.

Der Apostel beschreibt aber auch den Ausweg aus dem

Kreislauf des Bösen und der Boshaftigkeit.

Er beschreibt das Gute und Richtige als Antwort auf das Böse und Vernichtende:

 

Wahrheit und Wahrhaftigkeit in Wort und Tat, der Versuch der Gerechtigkeit gegenüber jedermann, vor allem auch  das Gebet und der Einsatz für gerechtere Verhältnisse auf dieser einen Welt  Der unerbittliche und hartnäckige Einsatz für Frieden und friedliches Miteinander aller Menschen und der Glauben an den, der sogar Liebe für und Verständnis für die Feinde empfand und anmahnte und uns aufforderte mit allen in friedlicher Koexistenz  und Nächstenliebe zu leben (Matthäus 5,38-48):

 

Vom Vergelten

38 Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2.Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn. «

39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.

40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.

41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.

42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.

 

Von der Feindesliebe

43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen.

44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,

45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?

47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?

48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

 

 

Das ist unendlich schwer, was hier in der Bergpredigt gefordert wird, und wahrscheinlich in weiten Teilen unseres Handelns und Lebens nicht immer zu realisieren. Aber nichtsdestotrotz gilt es in der Tiefe der Wahrheit. Mehr denn je heutzutage.

Dunkelheit besiegt man nur durch das Licht, das Böse mit Bösem zu vergelten führt zu keinem Frieden. Aber das Böse mit Gutem zu beschämen, dies ist zielführend.

 

 

Dass Paulus uns daran erinnert, das Böse mit Gutem zu überwinden, also mit diesen eindringlichen Worten, Taten und  Fakten im Leben zu schaffen, dafür ist im gar nicht genug zu danken.

Denn der Traum von und für eine friedlichere, weniger nationalistische und egoistische Welt, die nur auf ihren eignen kleinen oder großen Vorteil bedacht ist, ist kein Hirngespinst. Oder eine unrealistische Sicht der Welt!, sondern die ernsthafte Mahnung sich für Frieden, Gerechtigkeit, Wahrheit und Glauben einzusetzen.

Solch eine Welt mit ihren Lebensbedingungen brauchen wir.

Und in uns Menschen  ist auch das Potential für solch eine friedliche und gerechte Welt zu streiten, dafür zu beten und sich dafür unermüdlich im Großen und Kleinen einzusetzen.

Denn das Gute und die guten Worte und Taten schenken Leben, erhalten und retten Leben und siegen letztendlich über alles Böse.

 

Das Gute überwindet das Böse, das glauben und wissen wir.

Das Gute ist stärker als das Böse.

Amen.

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