Was macht mir Angst?

Wisst ihr, was ein Prepper ist? In Marxgrün werden die Vorkonfirmanden, also die Präparanden „Prepis“ genannt. Ist Prepper davon womöglich die geroldsgrünerisch eingefärbte Abwandlung?

Falsch. Prepper ist in der Tat eine Abkürzung, aber keine kirchliche. Das Wort kommt, wir ahnen es schon, aus Amerika. Prepper bedeutet so viel wie „Vorbereiter“. Es kommt vom Ausdruck „to be prepared“, vorbereitet sein. Ein Prepper ist ein Hamsterer.

Das Thema hat kurzzeitig, bevor es von der Meckpomm-Wahl abgelöst wurde, das Sommerloch gefüllt. Der Innenminister hatte die Deutschen zur Vorsorge für den Katastrophenfall aufgerufen. Dabei dachte er nicht an einstürzenden Hochhäuser, Stichwort 11. September. Sondern daran, dass Otto Normalverbraucher im Schlaf überrascht wird von einem Orkan oder einer Sturmflut. Dann geht tagelang nichts mehr, keine Heizung, kein Telefon, keine Klospülung. Für solche Fälle wäre es ratsam, jeder Haushalt versorge sich mit einer Wochenration an Konserven und Getränken, und Haushaltskerze, Streichhölzer, Gummistiefel können sicher auch nicht schaden.

Ihr jüngeren mögt schmunzeln darüber. Die Älteren erinnern sich noch gut daran, wie wichtig einst Selbstversorgung im Krisenfall war. Als Menschen gezwungen waren, Schmuck oder wertvolle Kleidung einzutauschen gegen ein einziges Brot.

Ich bin zwar ein Nachkriegsmodell. Kann mich aber noch gut erinnern, wie ich als Kind einkaufen ging bei Spar, das war der Tante Emma Laden in unserer Straße. Ich war 8 Jahre. Die Kuba Krise war auf dem Höhepunkt. Amerika drohte mit einem atomaren Erstschlag, wenn die Russen ihre geheimen Raketenstellung nicht sofort von Kuba abziehen würden. Die Leute vor mir im Laden deckten sich ein mit Mehl, Konserven, alles Mögliche. Da konnte man richtig Angst kriegen.

Wann hast du das letzte Mal Angst gehabt? Es muss dir nicht peinlich sein. Keiner muss sich genieren, bloß weil er vorsichtig durchs Leben geht. Es gibt eine sehr vernünftige und wichtige Art von Angst.

Sie bewahrt uns davor, aus dem dritten Stock zu springen, nur weil wir auf den Fahrstuhl verzichten wollen. Sie bewahrt uns davor, für die Radtour am Sonntag die Autobahn zu benutzen. Diese Angst schützt unser Leben.

Daneben gibt es viele andere Ängste, unter denen leiden.. Sie hindern uns daran, zufrieden und erwartungsvoll voran zu gehen. Hier helfen Kernsätze der Bibel weiter.

Vorigen Sonntag hat Pfarrer Graf uns einen solchen ans Herz gelegt, den Rat vom Apostel Petrus: „All eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch!“

Heute kommt die Fortsetzung. Der Apostel Paulus erinnert seinen jungen Mitarbeiter Timotheus: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Dazu legt zwei Gedankengängen nahe:
1. Was macht mir Angst? 2. Was gibt mir Kraft?

  1. Was macht mir Angst?

Bismarck konnte noch behaupten: „Wir Deutschen fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt.“ Heute gilt anscheinend das umgekehrte: Wir Deutschen fürchten Gott nicht mehr, aber sonst alles auf der Welt.

Die Deutschen sind eben nicht nur weltbekannt dafür, wie pünktlich und gründlich sie sind, sondern auch wie ängstlich. Über die German Angst wird gewitzelt. Die Deutschen drehen das Schnitzel aus der Fleischtheke dreimal um, nehmen die Lupe aus dem Regal und lesen das Kleingedruckte. Sie müssten doch wissen, dass die im Schnitzel oder im Ei vermuteten Keime spätestens nach dem Kochen oder Braten verschwunden sind. Sie müssten wissen, die fette Spinne in der Ecke vom Schlafzimmer lauert auf Mücken, nicht auf Zweibeiner.

Aber die Ängste sind da. Und manchmal erfassen sie die Massen. Dann machen 20 Prozent Vorpommern das Kreuz in der rechten Ecke. Dann laufen auf der 110 reihenweise Notrufe auf von angeblichen Schusswechseln in der Münchner City. Aber es waren nur Folgeängste wegen des Amoklaufs im Olympia Einkaufszentrum.

Vor Jahren war an einem Maimontag in Bremen nasskalte Witterung. Kommt dort öfter vor. Auf dem Markt war eine Demo gegen Atomkraft. Da fing es an zu regnen. Weil kurz zuvor der Reaktor in Tschernobyl durchgebrannt war, fürchtete die Menge vom Regen verstrahlt zu werden. Hunderte flüchteten in den Dom.

Und nun bitte ich die Kraftmeier und Selbstsicheren unter euch. Die ihr denkt, wie kann man nur. Die sollen sich nicht so anstellen. Da muss man durch. Was dich nicht umbringt, macht dich stärker.

Was für dich gilt, muss noch lange nicht für die anderen gelten. Was für dich Kleinigkeiten sind, ist für andere eine unüberwindbare Hürde. Wenn keiner hilft oder ermutigt. Deshalb schreibt Paulus seinem jungen Freund Timotheus nicht: Reiß dich zusammen, du bist jetzt Gemeindeleiter. Zeig, was für ein Kerl du bist.

Es gibt eben Ängste, die sind einfach da, woher auch immer, und dann ist man blockiert. Außenstehende, für die dieselbe Situation völlig alltäglich ist, sagen dann: Stell dich nicht so an, wo ist das Problem?

In den Wochen vor den Ferien waren meine Frau und ich in der Grundschule Naila eingebunden in die Proben für das Kindermusical Joseph, ein echt cooler Träumer. Ein Stück daraus wird der Kulturverein am Erntedankfest singen.

 

Bei den ersten Proben wurden die Rollen verteilt. Die Kinder meldeten ihr Wünsch an. Ein Mädchen wollte einen der Brüder von Josef spielen. Sie suchte sich die so ziemlich leichteste Rolle heraus. Aus der Gruppe heraus einen Satz rufen. Keine 7 Worte. Bei der nächsten Probe fehlte sie und kam nicht wieder. Bei der Aufführung vor Hunderten Mitschülern ihren Satz rufen, das war schon zu viel.

Hier fiel das den andern auf, weil sie nicht mehr zur Probe kam. Andere halten bis heute ihre Ängste geheim.

Kleine Unterbrechung. Wir wollen uns jetzt einmal Zeit nehmen, jeder frage sich:

Was macht mir Angst? Welche Ängste sind Vergangenheit. Von welchen Ängsten hat mich Jesus befreit? Ihr Konfis seid im Vorteil, nehmt euch doch diesmal zwei von euren Protokollbögen. Einen als offiziellen, den ihr abgebt mit den üblichen Punkten, Thema vom Gottesdienst , ein Gedanke aus der Predigt etc. Auf dem zweiten kannst du deine privaten Notizen machen. Und sei da ganz ehrlich, so wie wir andern es auch machen wollen ohne Zettel.

Noch mal die 3 Fragen: Welche Ängste hatte ich früher? Welche Ängste habe ich noch? Von welchen Ängsten hat mich Jesus befreit?

  1. Was gibt mir Kraft?

So, weiter geht’s. Wir sind übrigens  schon bei der zweiten Hälfte der Predigt woher die Kraft kommt gegen die Angst.

Ich geb mal eine meine Antworten weiter zu. Was macht mir Angst? Ich habe Höhenangst. Empore 2 ist in dieser Kirche das Maximum, bei der obersten kriege ich Beklemmung. Aussichtstürme, Serpentinen im Gebirge, schon ein Riesenrad ist Nogo. Damit muss ich leben. Ist jetzt nicht so die Einschränkung, aber manchmal schon schade.

Zu der anderen Frage: Welche Ängste hatte ich früher? Manches hast du einfach hinter dich gebracht durch einen Ortswechsel, durch einen Wechsel der Umstände. Der Mitschüler, der einen gemobbt hat, ist sitzen geblieben. Die Prüfung, von der du so gezittert hast, ist im dritten Versuch endlich bestanden. Nach dem Umzug ist die böse Schwiegermutter weit weg.

Das ist Barmherzigkeit, wenn ohne unser Zutun ein jahrelanger Druck einfach weg fällt. Bei mir was das der Sportunterricht, besonders im Winter. Da ging es in die Halle oder noch schlimmer, in den Sportraum unterm Dach. Lauter Foltergeräte:

Bodenatte, Barren, Ringe, Reck. Furchtbar. Die Übungen waren vorgegeben du stehst in der Schlange und weißt, das schaff ich garantiert nicht. Es ist peinlich und auch noch sehr schmerzhaft. Das ist schon eine große Erleichterung, wenn man nach der Schule die Hassfächer für immer los ist.

 

Aber gottseidank müssen wir nicht darauf hoffen, dass sich die Umstände ändern. Müssen wir nicht jahrelang warten, bis das was mich quält, vergangen ist. Jesus kann mich HEUTE von allem befreien, was mir Angst macht. Bzw. kann mich getrost machen trotz weiter vorhandener Ängste. So lebe ich getrost mit der ekligen Spinne unter einem Dach. Mit dem nörgelnden Nachbarn Haus an Haus.

Und zwar deshalb getrost, weil Jesus die allergrößten Ängste abgetan hat. Es ist ja ein geistlicher Zusammenhang. Deshalb heißt es hier: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Geist der Kraft.

Diese geistliche, also göttliche Hilfe ist stärker, macht sicherer als was die Welt bieten kann. Sie gibt mehr Sicherheit als Bodyguards und Überwachungskameras. Die Bibel erzählt von Saul, der den jungen David ausrüsten will für den Zweikampf gegen Goliath, die Kampfmaschine. Der Kammerdiener bringt die Schutzkleidung. Panzer, Schild, Helm. Brauch ich alles nicht, sagt David. Hast du denn gar keine Angst?

David antwortet: „Früher hütete ich die Schafe meines Vaters. kam dann ein Löwe oder ein Bär und trug ein Schaf weg von der Herde, so lief ich ihm nach, schlug auf ihn ein und errettete es aus seinem Maul. Wenn er aber auf mich losging, ergriff ich ihn bei seinem Bart und schlug ihn tot. Der Herr, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat, der wird mich auch erretten von diesem Philister.“

Also da hat einer die Erfahrung gemacht: In der engen Verbindung mit Gott kann ich meine Ängste überwinden.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Losgelöst von Gott müssen wir alleine mit unsern Ängsten fertig werden. Das macht unfroh, das macht unaufrichtig. Wie bei Adam nach dem er von der verbotenen Frucht genommen hat. „Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?“Und er sprach: „Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich.“ Adam versteckte sich, um einer Begegnung mit Gott zu entgehen. Er wusste um seine Schuld. Er war nicht mit Gott im Reinen. Erst die Vergebung von unserer unbereinigten Vergangenheit macht uns frei.

Manfred Siebald singt: „Es geht ohne Gott in die Dunkelheit. Aber mit ihm gehen wir ins Licht. Sind wir ohne Gott, macht die Angst sich breit. Aber mit ihm fürchten wir uns nicht.“

Wie ist das bei dir? Hast du die Freiheit in Anspruch genommen, die nur Jesus geben kann? Und zwar vollständig? Oder nur halb? Manche Christen sind auf halber Strecke stehen geblieben. Sie wissen um Jesus, bekennen sich zu ihm, bezeichnen sich womöglich als bekehrt oder wiedergeboren. Aber ihr Glaube ist ein Angstglaube. Sie sind nicht fröhlich und getrost unterwegs, sondern verkniffen. Hier beißen sie die Zähne zusammen, bis sie dort im Jenseits endlich befreit aufatmen können. Sie brauchen Jesu Beistand, um nicht in der Hölle zu landen. Sie haben sich zu Jesus geflüchtet, um im jüngsten Gericht zu bestehen. Ihr Glaube ist ein Angstglaube.

 

Aber Jesu Kraft reicht viel weiter. Er will dich hier befreien und fröhlich machen. Dich erfüllen mit dem Geist der Kraft, der Liebe und Besonnenheit. Mit dem fröhlichen Selbstbewusstsein der Kinder Gottes, die wissen: Der Stärkere ist auf meiner Seite. Er steht hinter mir. Er hat den Satan, der mit der Angst operiert, überwunden. Er hat den Tod bezwungen. Nichts darf mich einschüchtern. Ein Stärkerer steht hinter mir.

Tolle Sache. Ich war ja nicht immer so groß wie jetzt, aber schon immer dünn. Keine Erscheinung, die Respekt einflößt. Viele Jungs in der Grundschule waren kräftiger. Trotzdem wagten sich nicht an mich heran. Warum? Da war meine Zwillingsschwester Claudia. Ein Wildfang, die butscherte rum, fuhr den Traktor in den Graben und lachte darüber, scheute keine Gefahr. Alle wussten: Wer dem Joachim blöd kommt, der kriegt es mit seiner Schwester zu tun. Die stand sozusagen hinter mir, auch wenn sie nicht da war. Ich musste keine Drohung fürchten.

So steht Jesus hinter dir, unsichtbar, und wehrt alles Bedrohliche ab. Er räumt uns nicht die Steine aus dem Weg. Aber in höchster Gefahr können wir standhaft sein. Bis ins Extrem, wie es so eindrucksvoll die koreanische Pfarrfrau vorigen Sonntag berichtet hat in ihrem Zeugnis. Wo die Besatzer auf der Angst gesetzt haben, die Angst der Kirchengemeinde, die Angst des Pfarrers. Aber im Vertrauen auf Jesus zog er die Schuhe aus und ging über das Nagelbrett. Er ließ sein Leben, aus Liebe zu Jesus, aus Liebe zu seinen Mitchristen. Er wusste: Ein Stärkerer steht hinter mir, geht mit mir, auch ins Leiden.

Was gibt mir Kraft? Jesus.

Damit darfst du nun nicht bei dir bleiben nach dem Motto: „Jetzt geht’s mir gut.“ Es gilt, diese herrliche geheimnisvolle Kraft auch anderen zu übertragen. Das ist doch das Problem, das der Generalsekretär einer Volkspartei nach der Wahlschlappe beklagte: Es ist uns nicht gelungen, die Angst der Menschen in Zuversicht zu verwandeln. Es genügt nicht, den Ängstlichen gut zureden mit Mutmachsätzen wie „Du schaffst das schon!“ Paulus weiß um einen wirksameren Weg: „Erwecke die Gabe Gottes, die in dir ist durch Auflegung meiner Hände!“

Wir haben das in der Kirche. Aber wir haben es isoliert auf Einmalmomente wie Hochzeit, Konfirmation, Ordination. Wir dürfen das pflegen, ausweiten,  immer wieder einander kräftigen, bevollmächtigen. Durch treue Fürbitte. Dazu natürlich nachfragen, was hast du schweres vor dir, wofür können wir beten. Paulus pflegte das, und er bat selber darum. Den Korinthern gesteht er seine Ängste: „Wir wollen euch nicht verschweigen die Bedrängnis, die uns in der Provinz Asien widerfahren ist. Wo wir über die Maßen beschwert waren und über unsere Kraft. So dass wir auch am Leben verzagten. Das geschah aber damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt, der uns aus solcher Todesnot errettet hat und erretten wird. Dazu helft auch ihr durch eure Fürbitte für uns…“

 

Martin Luther und Philipp Melanchthon mussten einmal die Elbe mit dem Kahn überqueren. Melanchthon warnte vor der Überfahrt. Der Fluss führte Hochwasser. Luther aber ermutigte seinen Freund mit den Worten. Domini Sumus. Das ist Latein. Wir sind des Herrn. Luther wollte nicht zum Leichtsinn ermuntern. Er wollte in dieser Lage aus Glauben handeln.

Domini sumus, das ist ja Genitiv, zweiter Fall, des Herrn sind wir. Es kann auch erster Fall Mehrzahl  sein: Domini, die Herren. Dann wäre zu übersetzen: Wir sind Herren.

Für Gotteskinder stimmt beides. Beides stimmt. Wer seines Herrn im Glauben gewiss ist, darf über den Augenblick Herr sein. Wir haben Autorität, Vollmacht, alles geschenkt von Jesus. Der Stärkere steht hinter uns. Damit protzen wir nicht machomäßig, komm doch her, ich bin stärker.  Sondern bleiben, Geist der Liebe und Geist der Besonnenheit, bescheiden, still, im Bewusstsein einer geheimnisvollen Überlegenheit.

In diesem Bewusstsein wollen wir in die neue Woche gehen, Mögen da einzelne Termine noch so verunsichern. Wir steigen in die Woche rein wie Luther in den schwankenden Kahn. In dem getrosten Wissen: Ich weiß wer mir vorangeht,   ich weiß wer zu mir steht, der Herr der Engelsheere, er ist es der mich trägt.

Amen.

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