Ziele suchen

Immer mal wieder taucht die Frage auf, was den christlichen Glauben so besonders, so außergewöhnlich macht. Manchmal verbunden mit der Fragen, ob die ChristInnen wirklich meinen, sie seien etwas Besseres. Das sind sie wohl eher nicht. Aber was Besonderes vielleicht doch. Paulus erzählt in einem Brief an die Gemeinde in Philippi von seinem Glauben:

7 Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. 8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne 9 und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. 10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, 11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. 12 Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. 13 Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Was muss ein Mensch erlebt oder erfahren haben, der schreibt: Was mir bisher wichtig war halte ich nun für Dreck?

Vor Damaskus hatte er ein einschneidendes Erlebnis, als er die Gemeinde Christi verfolgte. Ihm ist der Herr selbst erschienen und hat ihn angesprochen. Da wurde aus Saulus ein Paulus. Er hat sein Leben komplett verändert. Und wie viele, die sich um 180° drehen ist er in diesen Dingen dann auch sehr scharf.

Vielleicht auch weil er gespürt hat, wie weh das tun kann, wenn ein Mensch entdeckt, dass das, was er tut grundlegend falsch ist. Er war ja nicht aus Langeweile zum Christenverfolger geworden, sondern aus Überzeugung. Das war ihm wichtig, dass diese neue ‚Sekte‘ bekämpft werden musste, um des Glaubens willen.

Und darum schreibt er mit viel Gefühl an die Gemeinde in Philippi. Er kämpft um die Gemeinde, er setzt sich auseinander mit Menschen, die drohen, das was begonnen ist bei den Menschen in Philippi kaputt zu machen. Er ist gekränkt, weil die Menschen das zulassen und sagt das sehr deutlich.

Im Zentrum seiner Überlegungen steht der Mensch: Wovon lebt er und wer ist er?

Um den Menschen kämpft er. Er möchte, dass die Menschen, denen er als Erster von Jesus erzählt hat, die sich haben taufen lassen und Gemeinde aufgebaut haben, auch fest im Glauben bleiben. Darum kämpft er mit seiner eigenen Geschichte. Darum ist er sich auch nicht zu schade von den eigenen Irrtümern zu erzählen. Die meisten Menschen tun sich ja schwer damit zu reden, wo sie geirrt haben, welche falsche Wege sie gegangen sind und wenn sie es doch tun, gibt es meist eine plausible Entschuldigung mitgeliefert. Und wenn es nach dem Motto läuft: ‚Ich war jung und brauchte das Geld‘.

Vielleicht muss ich daran arbeiten, meine eigenen Fehler zu sehen und meine Stärken zu leben. Vielleicht mir selbst die Frage stellen, was wichtig ist in meinem Leben und was so unwichtig werden könnte, dass ich es als Dreck bezeichnen möchte.

Vielleicht übertreibt Paulus ja ein wenig in seinem Eifer für das Reich Gottes, aber auf dem richtigen Weg ist er auf jeden Fall. Die üblichen Sorgen des Alltags verschwinden vor der Größe des Reiches Gottes, vor der Größe der Zuwendung in Jesus Christus. Und es könnte wichtig werden, dass ich mein Leben immer aufs Neue sortiere in das, was wirklich wichtig ist, in das, was nur wichtig ist und in das, was eigentlich gar nicht so wichtig ist, wie ich es oft nehme.

Das Leben vergleicht er mit einem Sportwettkampf, mit olympischen Anstrengungen. Das bleibt wichtig, dass ich das, was wichtig ist in meinem Leben wirklich verfolge. Das ich dafür mich vorbereite und mich drauf konzentriere. Wie ein Sportler, der wirklich etwas erreichen will. Der muss sich dann auch konzentrieren, auf Anderes verzichten, sein Leben auf dieses Ziel hin justieren.

Das ganze Leben ist ein Marathon. Und wenn ich dieses Leben gestalten will, muss ich wissen, was ich gestalte, was wichtig ist und auf Gottes Willen in meinem Leben hören.

Und ich darf dabei nie vergessen: Ich bin noch nicht der, der ich sein könnte, aber ich jage dem nach. Vielleicht wird daraus ja mehr als nur Stress und Mühe, wenn wir als Gemeinde gemeinsam antreten. So wie es beim Laufen ja auch Mode geworden ist, Firmenläufe und Ähnliches zu veranstalten. Dort wo sich mehrere zusammenschließen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, da wächst der Spaß und gemeinsam kommt man dem Ziel näher. Vielleicht können wir als Gemeinde davon lernen, dass wir miteinander versuchen Christus zu erkennen und aus der Kraft seiner Liebe zu leben. Das wir gemeinsam unser Leben weiterentwickeln – hin zu dem Ziel Christus.

Wir müssen keinen Marathon beginnen, aber vielleicht beginnen wir damit unser Ziel zu suchen: Was wollen wir mit dem Leben anfangen, das uns geschenkt ist? Und dann beginnen wir gemeinsam im Gebet und in der Tat Inhalte zu finden, für die zu leben lohnt und ringen miteinander darum, dass wir diese Inhalte nicht aus den Augen verlieren. Vielleicht geht es uns dann wie Paulus, dass wir ungehalten werden und aggressiv. Dann finden wir vielleicht Schwestern und Brüder, die uns beruhigen. Und mit ihnen können wir weitersuchen nach dem Willen Gottes in unserem Leben und nach dem, was uns selig macht.

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