Im Brennpunkt: Kinder des Lichts!

Liebe Gemeinde!

Gestern Abend der Brennpunkt in der ARD über den Putschversuch in der Türkei. Sigmund Gottlieb beendet die Sendung mit den Worten „Es sieht so aus, als würde das Unerwartete und das Unberechenbare überhandnehmen in dieser Welt in diesen Stunden!“ 24 Stunden vorher – auch schon eine Brennpunktsendung über die schrecklichen Ereignisse in Nizza: Ein Experte für Bedrohungsmanagement weist darauf hin, dass wir wohl lernen müssten, mit der Angst als ständigen Begleiter zu leben.

Ganz anders nun heute morgen die Worte aus dem Epheserbrief: „Ihr seid Kinder des Lichts!“ – wie aus einer anderen Welt, wie aus einer anderen Zeit wirken diese Worte. – Doch die Zeiten damals boten nicht weniger Schrecken als heute: die erste Welle der systematischen Christenverfolgung lief gerade durch das römische Imperium. Auch damals wurden Männer und mit ihnen Frauen und Kinder brutal ermordet – damals wegen ihres Glaubens an den Christus, der von sich sagte: „Ich bin das Licht der Welt!“

Der Verfasser des Epheserbriefes weiß sehr wohl um die Not und das Bangen und um die Werke der Finsternis. Aber er stellt diese Ereignisse in ein neues Licht: in das Licht Christi. Dieses Licht wird die Werke der Finsternis aufdecken, das Licht wird seine Kraft offenbaren – und Ihr seid Kinder dieses Lichts!

Das Licht, das von Jesus Christus ausgeht, ist jetzt euer Element, in dem ihr als Christen lebt. Hier tankt Ihr auf, hier könnt Ihr gedeihen – wie die Pflanzen im Licht der Sonne neue Kraft bekommen, so bekommt Ihr im Licht Christi neue Kraft.

Die Finsternis, die hat ihre eigenen Regeln: auf Gewalt wird mit Gegengewalt reagiert, Hass sät neuen Hass, Terror sät Angst und Ohnmacht. Neid, Egoismus, und böse Gerüchte, das ist der Stoff, aus dem die Finsternis sich nährt, so wächst und wuchert sie.

Aber Ihr seid doch jetzt Kinder des Lichts! Ihr könnt anders reagieren auf die Werke der Finsternis, nämlich mit der Frucht des Lichts, wie es im Epheserbrief heißt: die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit!

Güte – ein Kind des Lichts will das Gute tun. Dabei hast du zuerst selbst Güte erfahren: Gott zeigt sich uns Menschen in Jesus Christus gütig. Er rechnet uns unsere Schuld nicht zu. Er ist nicht nachtragend. Er verschenkt sich an uns. Das sollen wir auch an unsere Mitmenschen weitergeben.
Wie wohltuend ist es, wenn man einem gütigen Menschen begegnet: einem Menschen, der kein Erbsenzähler ist, der nicht nur gibt nach Berechnung und Kalkül. Wie wohltuend ist es, wenn ein Mensch sein Gut, ja sogar sich selbst verschenkt – ohne Vorbedingung und Gegenleistung.
Bei den Bildern aus Nizza haben mich vor allem die vielen Menschen beeindruckt, die in langen Schlangen anstanden zum Blutspenden für die Verletzten nach dem Anschlag. Das ist Güte, so handeln Kinder des Lichts!

Gerechtigkeit – ein Kind des Lichts will Gerechtigkeit für alle. Der biblische Begriff meint hier keine Rechtsprechung wie vor einem irdischen Gericht, sondern er meint viel mehr Solidarität, Möglichkeit der Teilhabe aller an der Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die – trotz aller Unterschiede – das Verbindende sieht, Mauern überwindet und Grenzen öffnet.
Ich denke an die Bilder des letzten Herbstes, als – trotz aller Schwierigkeiten – Deutschland die Grenzen nicht dicht gemacht hat und so zu einem neuen Zuhause für viele Menschen auf der Flucht wurde. Solidarische Gemeinschaft, so handeln Kinder des Lichts!

Wahrheit – in unserer Informationsgesellschaft, wo sich Nachrichten in Lichtgeschwindigkeit verbreiten und vervielfältigen, ist Wahrheit zu einem ganz wichtigen Gut geworden. Nicht dumpf und reflexhaft alles nachplappern, was man so hört, nicht Gerüchte schüren und eine Atmosphäre der Angst anheizen, sondern alles im Lichte Gottes prüfen – und auch einmal beherzt „Nein!“ sagen gegen Hetze und Rufmord – und vom Licht erzählen.
Ich denke an viele engagierte Menschen, die in den sozialen Medien bei Facebook und Co. sich einmischen und unermüdlich den dumpfen Lügen und der Hetze widersprechen und die Wahrheit ans Licht bringen, so handeln Kinder des Lichts!

Liebe Gemeinde!
„Ihr seid Kinder des Licht! Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.“

Das ist der Zuspruch, aber auch der Anspruch des Epheserbriefes heute an diesem Sonntag an uns.

Es gelingt nicht immer, wie ein Kind des Lichts zu handeln. Immer wieder bin ich auch schwach und mutlos – aber ich bin Gott sei Dank nicht alleine – denn es gibt viele, die an meiner Seite stehen: in den Kirchengemeinden, bei den aktiven Bürgern, in den Vereinen und Verbänden.
Und dann ist da noch Christus, der selbst die Quelle des Lichtes ist. Und der eine Kraft schenkt, die in den Schwachen mächtig ist. Und er wird dafür sorgen, das am Ende das Licht siegt über die Finsternis!

Die Gemeinde in Ephesus hat dies damals geglaubt. – Und das kleine Pflänzchen des Christentums ist im Lichte Gottes gewachsen und gediehen zur weltweit größten Religion auf diesem Planeten.

Jetzt, heute liegt es an uns!
Eine Gesellschaft, die nicht wie das Kanninchen vor der Schlange auf die Finsternis starrt, sondern die Welt im Lichte Gottes ansieht, eine Gesellschaft, die sich nicht von ihrer Angst lähmen lässt, sonder aufwacht und sich erleuchten lässt vom Licht des Auferstandenen, die wird aus dem Licht leben und und im Licht gedeihen und neue Kraft finden. Und: diese Gesellschaft des Lichtes wird eine Zukunft haben – in der Welt und für die Welt. – Gott sei Dank! – Amen

drucken