Lebenswichtige Entscheidungen

Liebe Schwestern und Brüder!

Wann ging es in ihrem Leben das letzte Mal um alles?

Und wann hatten sie Wissen und Erfahrung, dass das Leben weiter geht, auch unter Schmerzen  oder sogar gut?

So wie gestern Abend beim Viertelfinale: Deutschland gegen Italien!  Das kann bei einer Niederlage zum fußballerischen Fiasko und Trauma werden. Immer gewinnen die „abgezockten“ Azzurri gegen unsere neuerdings, die „la Mannschaft“ genannte großartige Nationalmannschaft, und natürlich gegen uns 80 Mio. anderen hochqualifizierten Nationalspieler.

Oder noch viel dramatischer beim knappen, aber ernsthaften Austritt der Briten aus der EU, „Brexit“ genannt. Da könnte sich wirtschaftliches Chaos, nicht nur für Britannien auftun.

Oder wieder einmal ein schrecklicher und mörderischer Bombenangriff mit über 40 Toten auf dem Istanbuler Flughafen, höchst wahrscheinlich durch IS Terroristen!

Da ging es ernsthaft, ohne moralische Skrupel und brutalster Konsequenz  natürlich um alles: Tod oder Leben! Und schrecklicher Weise um einen sinnlosen und aggressiven schnellen Tod.  Was für ein fürchterlicher Wahnsinn.

 

Wann ging es ums Ganze? Im übertragenen oder wirklichen Sinn? Wann standen Sie vor einer richtig schweren und lebensentscheidenden Weichenstellung? Wann ging es sozusagen um alles oder nichts?

 

Hoffentlich mussten Sie noch nicht zu große und radikale Entscheidungen ertragen und aushalten – wie z.B. das Sterben und den Tod von geliebten Angehörigen, Unfall, Trennung, psychische Krisen oder andere tragische menschliche Katastrophen, die manchmal unangekündigt und in voller Wucht in unser Leben einbrechen. Und obwohl je älter und lebenserfahrener ein Mensch wird, desto schmerzlicher werden manche Entscheidungen und Lebenserfahrungen. Aber ebenso gibt es das Erfahrungswissen und eine Tendenz zur Gelassenheit, um manches zu ertragen, was einen in früheren Zeiten umgeworfen hätte.

Zeit kann Wunden heilen, mit Narben die Seele schützen und die Lebens-Erfahrung schenken, mit dem persönlichen Schicksal und seinen tiefgreifenden Einschnitten und Krisen umzugehen.

 

Und in manchen Situationen im Leben geht es um die Entscheidung schlechthin, es geht um den Entscheidungsruf oder die Phase sich für etwas oder gegen etwas zu entscheiden. Für den Glauben an Jesus Christus oder  zum Christentum oder vom Christentum weg, es geht um die bewusste Entscheidung zum Evangelium. Im Glauben an Jesus Christus geht es um unser Verhältnis und unsere Entscheidung für Gott: Und nicht um Gleichgültigkeit, Beliebigkeit und gelegentliches Interesse, denn im wirklichen Leben geht es nämlich auch nicht nur um banale Dinge. Gesundheit, Sterben und Tod sind keine Banalitäten. Und dabei entscheiden sich Dinge; Dinge, die Leben und Tod umfassen.

In der Bibel, in Jesus Geschichten heißt es dann immer: „Dein Glaube hat dir geholfen.“

Ähnliches verheißt uns der Apostel Paulus im Römerbrief, im 6. Kapitel, dem heutigen Predigttext, der uns einige entscheidende Dinge zum christlichen Leben, speziell zum Leben eines getauften Christen gibt:

 

 

Röm 6,3-8

3 Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?

 

4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.

 

5 Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.

 

6 Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen.

 

7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.

 

8 Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden,

 

Liebe Schwestern und Brüder, der Apostel schrieb diese Worte an die römischen Christen, um ihnen eine lebenswichtige Entscheidung für das eigene Leben und den je eigenen Tod zu erklären:

„Alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft.“

Für heutige Verhältnisse scheint das komisch, absurd oder unverständlich anzumuten. Da soll ich in den Tod Christi getauft worden sein!

Wofür?

Um durch diese Taufe in den Heilsbereich Christi zu gelangen, um von Gott im Leben zum Tod über den Tod hinaus zur Auferstehung von den Toten zu gelangen.

Und in früherer Zeit wurde das Mit-Sterben mit Christus durch die Taufe nicht nur symbolisiert, sondern fast nachvollzogen.

 

So wie Jesus im Jordan durch Johannes den Täufer ganz untergetaucht wurde, so wurden die Erwachsenen in Taufgewändern komplett untergetaucht. Bei diesem sanften, aber bestimmten Untertauchen bekommt man ja eine ungefähre Vorstellung, wie das Leben in den Tod übergeht. Man bekommt keine Luft. Wo der Atem stillsteht, da beginnt etwas wie die Grenze zum Tod.

Nach dem Auftauchen saugt jeder wieder Luft, atmet von der wirklichen Güte Gottes und bewegt sich symbolisch im Heilsbereich Christi.

 

Ein neues Leben beginnt.

Und ich denke dieses Leben, dieses neue Leben ist so ähnlich wie meine Großmutter immer zu ihrem Heiland betete, zu Jesus Christus, -der für sie, für uns alle gestorben und auferstanden ist- indem sie betete, senkte sie ihren Kopf und sprach zu ihm und ließ sich sein Wohlwollen und seine Güte gefallen. Er war wie eine geistige Kraft um sie herum und wanderte wie eine Schutzhülle um sie herum. „Jesu geh‘ voran“, das alte schöne Lied, war ihr Kraft und Trost zeit ihres Lebens.

 

Leider haben wir alle die Tendenz, wenn wir nicht gerade mit brutaler Schicksalshaftigkeit darauf gelenkt wurden, uns um die letzten Dinge im Leben, um den Tod zu drücken. Obwohl doch der Tod für einen Christenmenschen keinen Schrecken haben muss, wie der Apostel schreibt, weil darauf die Auferstehung folgt.

Denn das Evangelium will uns keine Angst machen, sondern im Gegenteil nehmen, aber auch nicht schönfärben und so tun, als gäbe es keinen Tod.

Durch den und im Glauben an Gottes Wort und Sakrament der Taufe wurde uns und wird uns immer wieder die Entscheidung zum Leben über den Tod hinaus genommen und neue und ewiges Leben wird geschenkt.

Deswegen erinnern wir uns heute an unsere Taufe.

Durch die Taufe gehören wir zum Heilsbereich Christi, der uns mit seiner Gnade, Liebe und Güte begleitet.

Das ist übrigens die einzige Entscheidung im Leben, die zählt, sozusagen über Leben und Tod zählt.

Wer sich im Heilbereich Christi, in der Aura und Atmosphäre Gottes bewegt, der wird nicht von den Widerfahrnissen des Lebens verschont. Das wissen wir.

Hingegen haben wir aber die unzerstörbare Glaubenszuversicht, dass der tröstende, zuhörende, schweigende, stärkende, mitleidende, segnende und triumphierende Jesus und Christus bei uns ist, und mit uns geht. Er verändert uns. Er führt und dereinst vom Leben zum Tod und über den Tod hinaus ins ewige Leben.

Der Apostel drückt das in seinen Worten aus. Worte, die uns immer wieder eine Entscheidung abringen, die aber auch die Verheißung und Hoffnung auf die verändernde Macht und Liebe Gottes haben.

 

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus Christus schenkt uns im Glauben und der dreieinige Gott durch die Taufe ein neues Leben. Und der Apostel steigert das Ganze noch einmal um die Verheißung des ewigen Lebens, das wir in und durch die Taufe versprochen bekommen:

„Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.“

Das ist gewisslich wahr und die einzige wichtige Entscheidung im Leben und im Tod.

Amen.

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