Inklusion

Inklusion scheint ein Zauberwort der Jetzt-Zeit zu sein. So als ließen sich alle Probleme lösen, wenn wir alle nur inklusiv genug sind. Das ist wohl nicht ganz richtig. Tatsächlich allerdings beschreibt Inklusion ein wunderbares Ziel. Alle Menschen sind Schwestern und Brüder, gehören gleichwertig und gleichrangig zusammen. Das gilt ganz besonders in der christlichen Gemeinde, wo es ein Oben und unten nicht gibt, wie ein Schüler des Apostels Paulus im Epheserbrief beschreibt:

17 Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. 18 Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. 19 So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, 20 erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, 21 auf welchem der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. 22 Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

In etwas distanzierter Sprache wird hier die Sensation mitgeteilt: Wir sind nicht Gäste und Fremdlinge, wir gehören in das Haus Gottes, dürfen mit ihm zu Tische sitzen und haben Gemeinschaft mit den Heiligen. Da hat sich allein dadurch, dass wir getauft sind, allein dadurch, dass wir in die Gemeinde Christi gehören Einiges neu gestaltet. Für uns wurde ein Haus gebaut und wir dürfen darin leben und gestalten.

Über die Qualität dieses Hauses und derer, die in ihm wohnen, erzählt der Wochenspruch: Erquickung für die Mühseligen und Beladenen durch Christus – und durch die Gemeinde. Meinem Leben wird eine neue Zielrichtung gegeben: Ich darf da sein für die, die Mich brauchen, für die, die erschöpft am Wegesrand liegen und die mit ihren Belastungen nicht mehr weiter wissen. Und so mit bauen am Haus Gottes

Da ist ein ganz neues Haus entstanden auf solidem Grund, ein heiliger Tempel, in dem jeder einzelne Wohnung ist für den Heiligen Geist. Grundbedingungen, wer dazu gehören darf, werden nicht genannt. Die ganze Gemeinde wird angeschrieben als Teil des Hauses Gottes, der sie schon sind. Menschen haben freien Zugang zur Gemeinschaft mit Gott, der ein einladendes Haus errichtet.

Ein solches Haus können Menschen nicht schaffen. Sie können es nur annehmen als Geschenk und dann zu Mitbauenden werden in diesem Haus, immer weiter ausbauen, ausschmücken, es wohnlich machen für alle, die den Ruf Gottes hören.

Vielleicht müssen sie auch manchmal Türen schließen, abriegeln für die, die nicht dazu gehören dürfen, die kein Mitleid haben mit Menschen, die Hilfe brauchen, die leiden am Leben.

Die kein Verständnis haben für Eltern, die sich überfordert haben oder für Menschen, die ihr Gefühl von Sexualität auch leben wollen. Die dauernd schreien, das Boot sei voll und die ein christliches Abendland verteidigen, dass es so nicht geben darf, weil es nicht zu der Einladung Christi passt.

Im Hintergrund des Briefes an die Gemeinde in Ephesus stehen Probleme zwischen unterschiedlichen Gruppen in der Gemeinde. Da gab es Gemeindeglieder, die waren früher Jüdinnen und Juden gewesen und es gab solche, die gehörten anderen Religionen an, bevor sie sich zu Christus bekehrten.

Das Bild vom Hausbau soll deutlich machen: Dass wir zur Gemeinde gehören ist Geschenk, dass wir im Haus Gottes wohnen dürfen, ist Gnade. Und darum dürfen wir niemanden gering achten, der mit uns in diesem Haus wohnt oder wohnen will.

Das Wunder der Kirche ist schnell erklärt: Aus Fernen sind Nahe geworden. Ehemalige Juden und Heiden werden Gemeinde. Und so können auch heute aus Menschen, die sich fern stehen Schwestern und Brüder werden im Hause Christi. Alte Gegensätze können aufgehoben werden. Neue Gemeinschaften dürfen entstehen.

Und das geschieht nicht ein- für allemal. Dieser Bau ist nie fertig und auf dieser Baustelle ist Betreten nicht nur nicht verboten, sondern ausdrücklich erwünscht. Wir dürfen an dieser Baustelle mitwirken und zwar nicht als Handlanger, sondern wirklich als Gestaltende die Kirche Gottes bauen. Christus selber lädt uns ein.

Das, was in Christus für uns geschehen ist, ist nicht vollständig zu erfassen und wird darum immer auch in Bildern beschrieben. Der Hausbau ist solch ein Bild, das öfters die Frage stellt: Wer baut, wer wohnt. Ganz trennscharf ist das nicht, weil Christus der Herr des Bauens ist und die Seinen in seine Nachfolge ruft. Und ihnen zutraut, dass sie in seinem Sinn und doch eigenständig weiterbauen. Dass sie Heimat schaffen für Menschen, die Heimat brauchen, dass sie nicht kaputt gehen. Und Christus ist es, der verheißt, dass er mitbaut.

Wir sind Gottes Hausgenossinnen und Hausgenossen. Da gibt es keine Bedingungen oder Hürden. Wir sind es, es wird uns zugesprochen. Unser Verhalten ist es, das uns zu Fremdlingen machen kann. Aber die Zusage steht. Und auch die Zusage, dass die, die wir einladen mit in dieses Haus gehören.

Wir dürfen mit bauen an dem Haus und wir tragen Verantwortung für dieses Haus: Ziel ist eine Inklusion, das heißt ein Leben, in dem alle Beteiligten trotz aller Unterschiede geleichwertig sind. Jawohl es gibt Unterschiede in der Gemeinde. Jeder Mensch ist ein Individuum mit unterschiedlichen Bedürfnissen, unterschiedlichen Ansichten und unterschiedlichem Lebensstil. Und solange er damit die Liebe nicht beschädigt und die Verantwortung für die Schwestern und Brüder nicht vernachlässigt, bleibt er in diesem Haus, das Christus mit den Seinen gebaut hat.

Wichtig dabei könnte in unseren Tagen dabei werden, wieweit wir bereit sind, den fremdenfeindlichen Kräften, die angeblich für das christliche Abendland kämpfen zuzubilligen, dass sie dazugehören. Muss es da nicht vielleicht Grenzen geben? Grenzen, die nicht deswegen gezogen werden, weil einer falsch wählt oder wütend ist, sondern deswegen, weil jemand Menschen herabwürdigt, weil jemand an einer Zwei- oder Mehrklassengesellschaft baut.

Wir haben einen Geist, wir sind Schwestern und Brüder, die gemeinsam auf dem Weg sind. Wir dürfen füreinander da sein, einander stärken und stützen. Wir können Wohnung werden für den Geist Gottes und wir dürfen daran mitarbeiten, dass Menschen in diese Gemeinschaft hineinfinden.

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