100% Gott – Praktische Gedanken zur Trinität

(Vorbemerkung: Auf die Idee die Trinität mit Jonglierbällen zu Verdeutlichen hat mich Matthias Lage: Dreimal ist Gott Einer – Trinitatis mit Jonglierbällen gebracht. Danke dafür)

Heute ist Trinitatis. Heute ist tatsächlich noch mal ein Festtag. Deshalb ist heute auch weiß angesagt: die liturgische Farbe für diesen Sonntag: das leuchtende Weiß der Christusfeste. Heute ist ein Festtag…

…aber einer der in ziemliche Vergessenheit geraten ist, sogar bei regelmäßigen Kirchgängern und auch bei uns Berufstheologen. Noch mehr in Vergessenheit geraten ist dieses Fest als Pfingsten.

Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes. Das fällt wenigstens noch auf, weil es ja den Pfingstmontag gibt und damit das Wochenende länger wird.

Aber Trinitatis?!? Was da gefeiert wird, das ist selbst eingefleischten Christenmenschen oftmals ein Rätsel.

  1. Das Problem der Trinität

Denn heute ist das Fest der Trinität, der Heiligen Dreifaltig- oder Dreieinigkeit.

Also wir feiern, dass Gott einer, der aus dreien besteht: Gott-Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Und ich behaupte: Da kommen viele nicht mit. Und auch ich habe lange hin- und herüberlegt und ob ich so ganz dahinter gekommen bin, weiß ich auch nicht:

Wie soll das gehen, dass Gott ein einziger Gott ist und doch Vater und Sohn und Heiliger Geist sein soll?

Das Problem ist nicht neu: Es zieht sich schon durch alle 2000 Jahre der Kirchengeschichte. Es fing sehr früh an, als man darüber diskutiert hat, was das denn heißen soll, dass Jesus Christus Gottes Sohn sein soll.

a) Beispiel: Gottessohnschaft

Wenn Jesus Christus Gottes Sohn sein soll, was ist er denn dann? Als Sohn Gottes kann er ja nicht zugleich Gott sein, sondern höchstens Halb-Gott, oder? Vielleicht war er ja auch nur ein Mensch, den einen besonders guten Draht zu Gott hatte?

Nein! Das ist seit vielen hundert Jahren die klare Antwort der Kirche: Jesus ist Gott. Nicht halb, nicht viertel oder sonstwas, sondern Gott zu 100%. Gott hat also die Gestalt eines Menschen angenommen und ist auf der Erde gewesen.

So weit, so gut.

Nun kommen die ganz Schlauen und sagen natürlich, wenn er zu 100% Gott war (und demnach ja wohl auch noch ist), wie kann er denn dann gestorben sein? Als Gott wird er ja wohl auch nicht wirklich gelitten haben und ob das dann wirklich das Leben eines Menschen war… 100% Gott heißt dann doch streng mathematisch betrachtet: 0% Mensch, oder?

So sagen die ganz Schlauen.

Und sie haben recht.

Zum Glück konnten wir Theologen noch nie rechnen und deshalb haben wir diese Rechnung nicht mitgemacht. Brauchten wir ja gar nicht, denn schließlich ging es nicht um Mathematik, sondern um den Glauben. Also konnten meine Kollegen schon vor gut 1600 Jahren ganz locker sagen:

Jesus war 100% Gott und 100% Mensch. Wahrer Mensch und wahrer Gott, hieß es auf Theologisch und bis heute im Weihnachtslied „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, Strophe 3. Also ist Jesus nicht nur ein 100%-iger, nein, Jesus war ein 200%-iger. War halt Gottes Sohn.

b) Beispiel: Gott-Vater

Was ist dann jetzt aber mit Gott-Vater, den man natürlich genauso gut auch Gott-Mutter nennen könnte. Das mit dem Vater ist aber etwas etablierter, weshalb ich erst mal dabei bleibe. Aber wer sich mit einem weiblichen Gott geborgener und sicherer fühlt und sich vielleicht auch selbst besser darin wiederfindet macht nichts falsch. Denn schließlich steht schon in der Bibel: Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. (Gen 127).

Aber zurück zum Problem: Wenn Jesus nun 100% Mensch und obendrein 100% Gott ist, was ist denn dann mit Gott dem Vater? Und wie kommt da noch der Heilige Geist mit hinein. Und wie können drei so unterschiedliche … Personen ein und dasselbe Wesen sein?

  1. Etwas mehr Praxis

Vielleicht brauchen wir doch ein bisschen Praxis und praktische Beispiele.

a) St. Patrick

Machen wir zunächst mal einen Ausflug nach Irland und eine Zeitreise in die Zeit vor ungefähr 1500 Jahren: Damals lebte in Irland der Heilige Patrick – heute Irlands Nationalheiliger, der den Iren das Christentum brachte.

Patrick hatte damals mit seinen Iren das gleiche Problem. Wie erkläre ich denen, wie das ist mit der Dreieinigkeit Gott, der Trinität?

Er nahm ein Kleeblatt zu Hilfe. Und damit war es dann ganz einfach. Ein Kleeblatt besteht aus drei einzelnen Blättern und dennoch ist es ein einziges Blatt. Jedes der drei Blätter gehört zum anderen und nur gemeinsam sind sie wirklich ein Kleeblatt.

Genauso ist es mit der Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist gehören untrennbar zusammen. Sie sind zwar drei, aber nur zusammen sind sie der eine Gott.

Das finde ich schon mal ein gutes Beispiel.

b) Jonglieren

Allerdings vielleicht ein bisschen zu statisch und unbeweglich. Wir reden ja vom lebendigen Gott und was lebendig ist, ist in Bewegung.

Wie z.B. diese Jonglierbälle. Drei Stück. Man kann jeden Ball für sich betrachten aber nur wenn sie gemeinsam im Bewegung sind, dann sind ergeben sie eine vollendete Harmonie – jedenfalls wenn man es gut kann. Wenn ein Ball wegbliebe, ist die Bewegung gestört, der Kreislauf bricht zusammen. Dann ist es nicht mehr dasselbe. Und trotzdem bleiben es immer drei unterschiedliche Bälle.

Wer nun sagt, dass aber die Bälle doch recht ähnlich sind, man sicher aber und Gott-Vater, dem Zimmermann und Wanderprediger Jesus von Nazareth und dem lebens- und kraftspendenden Heiligen Geist ja wohl doch recht unterschiedliche Dinge vorstellen muss…

Nun, man kann auch mit drei ganz unterschiedlichen Dingen jonglieren.

c) Wasser

Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, die Trinität anschaulich zu machen. Auch Wasser ist in diesem Zusammenhang ein gutes Zeichen. Und vielleicht ist es für dir naturwissenschaftlich Interessierten sogar ein sehr passendes:

Denn Wasser ist chemisch immer Wasser: H2O. Zwei Wasserstoffatome und ein Sauerstoffatom bilden zusammen das Wassermolekül. Ganz viele davon sind Wasser.

Oder Eis.

Oder Dampf.

Wasser, Eis, Dampf – drei ganz unterschiedliche Dinge und doch ein und derselbe Stoff. Und wenn man alles Wasser in seiner Gesamtheit mit Gott vergleicht und dann in Gedanken noch einen Ausflug macht – ins kalte Grönland, wo die Gletscher ins Meer kalben, dann sieht man ein und dasselbe Wasser gleichzeitig in drei Formen. Als Eis des Gletschers, als Wasser im Meer und als Dampf in den Wolken am Himmel.

Und für die Mathematiker habe ich noch eine Rechnung, aber die ist mathematisch natürlich wieder falsch: 1+1+1= 1. Tut mir leid, ich kann nicht rechnen, dass mussten wir Theologen noch nie können.

  1. Ein bisschen Geheimnis muss noch bleiben

Ein bisschen Theologiegeschichte im Schnelldurchgang und ein paar praktische Beispiele zur Dreieinig- oder Dreifaltigkeit, zur Trinität.

Mir haben in meinem Leben bei meinen Überlegungen die Dreiheit Gottes zu begreifen die theoretisch-theologischen Gedanken durchaus geholfen. Und auch die sogenannten Dogmen aus alter Zeit: Manchmal ist es auch hilfreich, wenn einem einem sagt, wie man was zu glauben hat (oder glauben könnte).

Aber die praktischen Beispiele haben ehrlich gesagt noch mehr geholfen.

Ob ich wirklich und endgültig weiß, wie das mit der Dreifaltig- und Dreieinigkeit Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes so ist?

Ich glaube nein!

Aber ein bisschen geheimnisvoll muss Gott ja schon auch bleiben. Sonst wäre es ja nicht Gott.

Und vielleicht haben ja auch deshalb einige schlaue Menschen diesen Text zum Predigttext für diesen heutigen Sonntag gemacht:

[TEXT]

Amen.

22.05.2016: Sem./Rem.

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