Gotts-App statt Whats-App – Konfirmationspredigt zu Röm 1, 1-7

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde,

Heute ist euer großer Festtag gekommen. Heute dürfen wir eure Konfirmation hier in der Stiftskirche feiern. Knapp zwei Jahre habt ihr euch mit mir darauf vorbereitet.

Eigentlich ist es schade, dass die Zeit schon zu Ende geht, haben einige von euch in den letzten Unterrichtsstunden gesagt. Und es sind ja auch einige neue Freundschaften zwischen euch gewachsen. Über eine What’sApp-Gruppe habt ihr untereinander auch zwischen unseren Unterrichtstagen Kontakt gehalten. Das war auch für mich hilfreich, weil Nachrichten, die einzelne erreicht haben, schnell auch bei allen angekommen sind.

Es freut mich, dass ihr so eine gute Gemeinschaft geworden seid, zumal ja nur die Unterrichtszeit zu Ende ist. Die Vorbereitung ist abgeschlossen. Eure Zeit als verantwortliche Glieder dieser Gemeinde beginnt heute erst. Mit eurem Vorstellungsgottesdienst vor einigen Wochen habt ihr gezeigt, dass ihr nun in der Lage seid, selbständig von eurem Glauben zu erzählen. Wir trauen euch zu, dass ihr nun für andere Verantwortung übernehmen könnt.

Seit der Reformation sind wir in der evangelischen Kirche überzeugt, dass es keine Unterschiede zwischen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Gemeinde gibt. Vor Gott sind wir gleich. Jede und jeder kann und soll seine und ihre Fähigkeiten zum Wohl der ganzen Gemeinde einbringen. Ab heute erwarten wir das auch von euch. Schön, dass sich einige schon für Aufgaben gemeldet haben!

Ich habe euch für eure Konfirmation einen Abschnitt aus dem Römerbrief als Predigttext ausgewählt.

Paulus, der wohl erfolgreichste Ehrenamtliche in der Geschichte des Christentums beginnt seinen Brief an die Gemeinde in Rom so:

 „Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert, zu predigen das Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der heiligen Schrift,  von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, und nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten. Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt, in seinem Namen den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden, zu denen auch ihr gehört, die ihr berufen seid von Jesus Christus.

An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“

Als man noch keine eMails oder Whats-Apps verschicken konnte und nicht einmal Briefumschläge kannte, hat man Briefe so begonnen. Erst der eigene Name als Absender, dann der Name des oder der Adressaten. Die Kurzform wäre also: Paulus an die Gemeinde in Rom.

Das, was der Apostel hier ergänzt, ist eine Selbstvorstellung, sozusagen ein antikes Selfie. Fotografieren konnte er ja noch nicht.

Und genauso wie wir heute versuchen, alles in ein Foto zu packen, hat der Apostel auch so viele Informationen wie möglich in diesen Briefkopf geschrieben.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, sagen wir heute und verschicken meist nur noch das Foto. Mit dem Smartphone ist ja auch das leicht geworden.

Damit euch der Handy-Entzug über diesen Gottesdienst nicht zu lang wird, habe ich für jede und jeden von euch ein Smartphone als Bild für das, was ich sagen möchte, mitgebracht. Alle anderen finden das Bild auch auf dem Gottesdienstblatt. Bitte steckt diese Handys aber nicht so wie sonst einfach in die Hosentaschen – sie hinterlassen Flecke!

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Paulus packt in sein Selfie die ganze Heilsgeschichte. In den wenigen Zeilen erinnert er an die Geburt Jesu, an den Kreuzestod und an die Lehren der Propheten des Alten Testaments. Auch der Hinweis auf seine Reisen durch die ganze damals bekannte Welt steckt da schon mit drin.

Ich überlege, wie ich das in einem Foto unterbringen könnte: Ich stehe vor der Krippe und dem Kreuz – gut das könnte ich hier vorne im Altarraum vielleicht noch zusammen aufbauen. Gott ist Mensch geworden und für uns gestorben. Aber schon mit den Propheten Amos, Jesaja, Jeremia und wie sie alle heißen, wird das schwierig. Jeder von ihnen benutzt eigene Bilder, um etwas über Gott und den Glauben zu sagen. Das kann ich nicht einem einzigen Foto unterbringen. Und nur die Bibel hochzuhalten, wäre dann doch zu wenig. Ein Bild vor dem Pflanzen fressenden Löwen an der Außenfassade der Kirche fällt mir ein. Ein Bild für Frieden und Versöhnung, die vom Glauben ausgehen. Ein Bild vor dem Martinsstein als Zeichen für praktische Nächstenliebe und das Teilen von Geld und Wohlstand. Unsere Kirche wurde in einer Zeit gebaut, als viele weder lesen noch schreiben konnten. Da finden sich viele Bilder. im Stein.

Respekt, lieber Paulus! Spätestens mit den Reisebildern aus Korinth, Ephesus, Philippi wäre der Speicher meines einfachen Smartphones wohl erschöpft. Dein Selfie ist nicht nur kompakt, sondern auch voller Inhalt!

Paulus hat das schnellste Medium seiner Zeit genutzt, um mit all den Gemeinden und Christen in Kontakt zu bleiben, die er auf seinen Missionsreisen kennen gelernt hat. Wie gut hätte es ihm getan, wenn er nicht die römische Reichspost, sondern eine geschlossene WhatsApp-Gruppe dafür hätte benutzen können. Wie viel leichter auch wäre es den Gemeinden geworden, diese Nachrichten einfach weiterzuleiten und nicht nur mühsam abzuschreiben. Wer weiß aber, ob wir sie dann noch zu lesen bekommen würden?

Als wir das erste Mal über die Psalmen gesprochen haben, seid ihr über den Satz gestolpert: „Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören!“ stand da – und keiner kannte Gottes Nummer. Theologen witzeln da manchmal und sagen, Gottes Nummer ist 9115, womit sie auf die Stellenangabe in Psalm 91 Vers 15 anspielen.

Auch das war Thema in unserem Unterricht: Das Gespräch mit Gott. Das Gebet. Es ist vielen fremd geworden. Vor allem das Hören auf die Antwort haben viele verlernt. Danken geht noch ganz gut. Das Bitten in der Not ist auch weit verbreitet. Aber die Geduld zum Hören auf Gottes manchmal so ganz andere Antwort fehlt. Erinnert ihr euch an den Film „Bruce allmächtig? Da spielte das eine große Rolle. Gott antwortet auf jedes Gebet, aber Bruce will und kann es nicht wahrnehmen.

Das Gebet als Gotts-App setzt ein wenig Übung voraus. So wie ich nicht alle Funktionen von Whats-App beherrsche, so habe ich versucht mit euch in der Stille der Kirche das Hören auf Gott zu üben. Das funktioniert auch noch wenn der Akku leer ist oder ich kein Netz habe. Ich muss nur mein Herz einschalten.

Auch das wird ja in Paulus Selfie im Römerbrief deutlich: Er definiert mit diesem Portrait nicht sich selber, sondern er setzt sich in Beziehung zu Gott. Darum geht es heute. Ihr stellt euch in Beziehung zu Gott. Vor rund 14 Jahren haben das eure Eltern und Paten schon einmal für euch getan. In der Taufe haben sie euch vor Gott gebraucht und ihn um sein Ja für euer Leben gebeten. Einige von e3uch durfte ich damals schon taufen. Jetzt habt ihr versucht, zu verstehen, was dieses Ja für euch bedeutet. Und ihr habt euch entschlossen, dieses Ja für euch weiteres Leben anzunehmen. Ab heute seid ihr selbständige Glieder dieser Gemeinde. Ihr dürft selber für andere Paten werden und sie auf ihrem Weg von der Taufe zur Konfirmation begleiten. Eure Paten werden euch das gleich noch einmal deutlich zeigen. Sie legen euch die Hand auf als Zeichen, dass sie diesen Weg bis hierher mit getragen haben.

Ab jetzt bleibt es euch überlassen, euch in Beziehung zu Gott zu setzen. Auch – so wie Paulus – anderen darüber zu erzählen. Jedes Bild von eurer Konfirmation, das ihr verschickt, wirkt so wie der Briefkopf des Paulus: Wir, (Namen …) haben uns heute zu unserer Taufe bekannt. Wir haben verstanden, dass der Glaube an Gott uns errettet und grüßen dich damit. Amen.

P. Thomas Gleitz, Wunstorf

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