Jede einzelne Begabung zählt

Liebe Gemeinde,

hören wir nochmals die Epistel, den Predigttext, im 1.Korintherbrief.

„Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist…“ Genauso ist es! Wer will da widersprechen? Gottes Geist schenkt viele unterschiedliche Gaben. Jeder kann irgendetwas richtig gut!

Alle diese Gaben sind wichtig, sie werden benötigt. Besonders innerhalb jeder einzelnen Kirchengemeinde. Ist jemand mit einer Gabe gesegnet, kann es hier und dort schon mal zu neidischen Blicken kommen.

Tröstlich ist es dann, den Brief von Paulus an die junge Gemeinde in Korinth zu lesen. Dem Text ist zu entnehmen, dass auch sie es nicht leicht miteinander hatten. Dort muss es einen regelrechten „Gabenwettstreit“ gegeben haben. Es scheint, als hätte jeder beweisen wollen, dass in und durch ihn der Geist besonders stark wirkt.

Es hört sich an, als wenn das geschwisterliche Miteinander in dieser Gemeinde dadurch gelitten hatte. Das entnehme ich jedenfalls den eindringlichen Ermahnungen zur Einheit.

In diesem Zusammenhang wird von verschiedenen Gaben geschrieben. Schauen wir einmal darauf, was Paulus über die Gaben sagt. Zu aller erst sagt er: alle Gaben sind gleichwertig! Mit erfrischender Offenheit stellt Paulus einige Kapitel vor dem Predigttext dar: „Ich wollte zwar lieber, alle Menschen wären, wie ich bin, aber jeder hat seine eigene Gabe von Gott, der eine so, der andere so.“ (1. Kor 7,7)

Heißt wohl, Gott hat dich so gemacht wie du bist. Was du kannst und welche Gaben du hast. Gott hat dir Fähigkeiten geschenkt oder auch auferlegt, nach seinem Ermessen.

Genau genommen: Der Andere ist im Grunde nicht anders als ich und doch ganz anders als ich. Gerade deshalb sind wir und unsere Gaben gleichwertig.

Weiter sagt Paulus: „In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller.“ Die Gaben werden zusammen geführt. Gott scheint sich dabei etwas gedacht zu haben, als er uns so unterschiedlich machte. Viele Gaben zum Nutze des einen Körpers, der Gemeinde.

Wie schlimm wäre es, wenn ein Mensch alle Tätigkeiten ausführen könnte und müsste. Dieser wäre in kürzester Zeit überlastet. Wir sind nur Menschen, keine Götter. Also liegt eine große Portion göttlicher Weisheit darin, dass wir so unterschiedlich gemacht sind.

Wir müssen nur lernen zu sehen und zu erkennen, das Eine ergänzt das Andere. Lasst uns die Gaben des Anderen ohne Neid betrachten. Sondern lasst uns an ihnen freuen und sie als Bereicherung erfahren.

Einige Beispiele fallen mir dazu ein:

– Eine schöne Gabe ist es, wenn Gemeindeglieder Freude an der Wortverkündigung, am Kirchdienst und der Schöngestaltung des Gottesdienstes haben.

– Wie erbaulich, wenn Menschen sich mit musikalischem Talent einbringen. Im Kirchenchor, der Posaunengruppe oder JG-Band mitsingen und spielen und so den Gottesdienst bereichern.

– Wenn Ehrenamtliche, mit dem sprichwörtlichen „grünen Daumen“, den Pfarrgarten gestalten.

– Sich Interessierte mit Sachverstand in Bauangelegenheiten, Liegenschaften, Friedhöfe, Gemeindekirchenrat, Gemeindebeirat und anderen AGs und Gruppen einbringen.

Von all diesen Engagierten profitiert die Gemeinde gleichermaßen. Da braucht doch keiner auf den anderen neidisch zu sein. Und dennoch ist es oftmals so.

Bei Einem sind Neid- und Konkurrenzgedanken schwächer ausgeprägt. Ein Anderer hat deswegen große Probleme mit seinem Selbstwertgefühl. Dieser leidet, bis hin zu schlaflosen Nächten und Depressionen. Für solche schweren Fälle können wir beten und sie dem Heiligen Geist anbefehlen. Gegen die alltäglichen Anflüge von Neid und Konkurrenzdenken müssen wir intensiv arbeiten.

Warum konzentriert sich nicht Jeder auf das was sie oder er kann? Haben zwei oder mehr Glieder in einer Sache Talent, teilt es mit, schließt euch zusammen! Der Erfolg in der Sache wird Euch sicher sein. So wirkt die ganze Gemeinde am Aufbau der Kirche Gottes mit.

Nehmt das Engagement der Anderen wahr. So wäre keine Gabe vergeudet und es entsteht Vielfalt. Wertschätzt das Tun Anderer und bringt euch selber ein. Welch wundervolle Harmonie hätten wir in unserer Gemeinde, der Kirche Christie.

Alle Menschen in der Kirchengemeinde sind angesprochen sich einzubringen. Viele Externe können sehen und staunen, wie der Geist Gottes unter seinen Leuten wirkt. Und noch etwas wird deutlich: Gott schenkt seine Geistgaben nicht dem Einzelnen allein, Gott hat immer seine ganze Gemeinde im Blick.

Wenn jemand nur seine Fähigkeiten vor die Menschen bringt, um Hochachtung zu erlangen. Und sie darauf sagen sollen: „Wow, was du alles kannst…!“. Dann ist das zwar gut für das Selbstwertgefühl, bringt aber die Gemeinde nicht weiter.

Setzt sich diese Person für die Gemeinschaft ein, dann gibt sie persönliche Anerkennung ab. Die Gemeinde gewinnt an Ansehen und wirbt so unübersehbar für Gottes gute Sache. So kann ich nur folgern, von Gott gegebene Gaben machen uns gegenseitig reich.

Ich finde es bemerkenswert, dass Paulus überhaupt das Wort Gaben benutzt. Damit beschreibt er gleichermaßen Unterschiedlichkeit und Gleichwertigkeit unter den Christen. In seiner Sprache steht für „Gabe“ das Wort: „Charisma“.

Charisma kennen wir auch als Fremdwort in der deutschen Sprache. Landläufig meinen wir damit, jemand habe eine besondere Ausstrahlung. Er hat Charisma.

Das Wort hat ursprünglich eine Doppeldeutung:

– Zum Einen bedeutet es Gnade. Wenn Gaben Gnaden-Gaben sind heißt das, sie sind geschenkt nicht verdient. Jemand, der begabt ist, ist begnadet. Meistens sagen wir das nur von Menschen mit außergewöhnlichen Begabungen: „Sie ist eine begnadete Organistin.“ Oder: „Er ist ein begnadeter Redner.“

Gnade ist allen widerfahren, auch wenn manche Talente unauffälliger daher kommen. Jeder Mensch ist ein begnadeter Mensch, jeder!

– Zum Anderen klingt bei diesem Wort auch Schönheit und Anmut an. Gaben machen schön. Wer von Gott begnadet ist, ist von ihm her schön gemacht, jeder einzelne von uns.

„Und dies alles wirkt derselbe eine Geist.“, schreibt Paulus. Im Deutschen tun wir uns schwer mit dem Wort: „Geist“. Vielleicht denken manche gar an ein Gespenst oder ausschließlich an Verstand.

In den biblischen Sprachen bedeutet Geist: „Atem“. „Als Gott dem ersten Menschen seinen Atem einhauchte, ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“ (1. Mose 2,7) Der Geist ist das, was der toten Materie Leben gibt. Geist ist Leben. Gottes Geist wirkt und verleiht uns unsere körperliche und seelische Lebendigkeit.

An Pfingsten feiern wir diese Begeisterung, dass wir an diesem einen Geist Anteil haben. Zu sehen an den Begabungen, die Gott einem jeden Einzelnen von uns geschenkt hat.

Noch einmal: Jede und jeder hat Begabungen. Sie sind von Gott geschenkt und Wirkung des Heiligen Geistes. Sie sind gegeben, um der Gemeinde zu nützen.

Uns daran zu erinnern, dass ist die Aufgabe von Pfingsten:

– An Pfingsten wird das von Jesus angekündigte Kommen des Heiligen Geistes und der Abschluss der Osterzeit gefeiert. Die Pfingsterzählung der Apostelgeschichte (Apg. 2, 1-41) gilt als Gründungsbericht der ersten christlichen Gemeinde und somit auch als Ursprung der heutigen Kirche.

Die Jünger sahen etwas wie züngelndes Feuer, das sich auf sie niederließ. Der Heilige Geist hatte sie erfüllt. Sie erhielten den lebendigen Glauben. Das sichere Wissen, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat. Und so wissen wir, Jesus lebt und regiert heute und hier.

Der Heilige Geist gab ihnen die Fähigkeit, sich in fremden Sprachen zu verständigen. Sodass aus dem gemeinsamen Verstehen und dem gemeinsamen Glauben eine Gemeinschaft in Christus wurde.

– Pfingsten ist Erinnerung. Unterschiedlichen Begabungen sind nicht Selbstzweck, sie sind ein Dienstauftrag der mit den Nutzen Aller verbunden ist. Mit Begabungen kann Gemeinde wirklich erst entstehen und bestehen.

Hier in dieser Kirche sitzen einzigartig begabte und begnadete Menschen. Alle vereint durch ein und denselben Geist, der uns zur Familie Gottes macht.

Ich wünsche unserer Kirchengemeinde, dass wir dieses Geschenk nutzen. Nur so können wir lebendige Gemeinde sein, hier in Glindow und Werder.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre und aktiviere unsere Begabungen zum Wohle der Gemeinde in Christus, Jesus. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Sabine Klatt.)

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