Mensch-ärgere-dich-nicht (1 Tim 6,12-16)

Predigt über 1. Tim.6,12-16 (03.04.2016, Konfirmation)

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater, und dem Herren Jesus Christus. Amen.

Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen. Ich gebiete dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht, und vor Christus Jesus, der unter Pontius Pilatus bezeugt hat das gute Bekenntnis, dass du das Gebot unbefleckt, untadelig haltest bis zur Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus, welche uns zeigen wird zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann. Dem sei Ehre und ewige Macht! Amen.

Herr, segne unser Hören und Reden. Amen.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,

Ihr kennt bestimmt alle das Spiel Mensch-ärgere-dich-nicht. Als Kind habe ich es oft gespielt, als Jugendlicher etwas seltener, und jetzt als Erwachsener spiele ich es fast nicht mehr. Man würfelt und geht entsprechend der Würfelzahl mit seiner Spielfigur voran. Ich möchte gerne alle Figuren als erster ins Ziel bekommen. Doch die anderen Mitspieler wollen das auch. Und so werfen sie meine Spielfiguren, wenn sie genau auf das Feld kommen, wo die gerade stehen. Und ich muss neu anfangen.

Das Spiel hat schon einen sprechenden Namen: „Mensch-ärgere-dich-nicht!“ Wie oft habe ich mich schon geärgert! Vielleicht sogar das ganze Spiel umgeschmissen und heulend aus dem Raum gerannt! Und das alles, weil meine Kegel ständig geworfen wurden. Natürlich gab es auch die anderen Fälle, wo ich obenauf war. Wo ich alle anderen geschmissen habe und meine Männchen eines nach dem anderen ins Ziel gebracht habe. Da habe ich mich dann gefreut und sich ein anderer fürchterlich geärgert.

Das Spiel hat – wie jedes Spiel – bestimmte Regeln. Es kursieren viele davon und man muss sich vorher auf bestimmte Regeln einigen, was normalerweise kein Problem ist. In unserer Familie wurde es so gespielt: Wer eine Sechs würfelt, muss aus dem Häuschen herauskommen. Anschließend hat man einen Wurf frei, muss aber das Startfeld verlassen. Wenn man kann, muss man die feindlichen Spielfiguren schlagen – wenn man es nicht tut, büsst man den eigenen Kegel ein. Man darf eigene Figuren überspringen und auch ungeordnet ins Ziel einlaufen. Dort darf man aber keine Punkte verfallen lassen. Wenn alle eigenen Figuren geschlagen sind, darf man dreimal würfen – bis eine Sechs kommt. Das gilt aber nur, wenn Kegel, die schon im Ziel sind, bis ans Ende aufgerückt sind.

Vielleicht habt Ihr nach den gleichen Regeln gespielt, vielleicht aber auch die eine oder andere Variation gehabt. Wie gesagt, man muss sich vor dem Spiel nur einigen, man kann nicht nach verschiedenen Regeln spielen.

Ich habe das einmal ausprobiert mit Grundschülern aus Schney. Einer durfte machen, was er wollte. Das fanden die anderen schnell ziemlich unfair, denn der nützte das natürlich schamlos aus: Der hatte gleich seine Figuren im Ziel!

Mensch-ärgere-dich-nicht: Der Ärger liegt meistens nicht weit entfernt. Zwar halten sich alle an die Regeln, aber dennoch kann das Spiel ziemlich unfair laufen: Dann nämlich, wenn sich mehrere auf einen als Gegner einschießen.

Unser Leben gleicht so einem Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. Wir leben nach bestimmten Regeln und Gesetzen, die das menschliche Zusammenleben klären. Es ist zum Beispiel auf der ganzen Welt verboten, Menschen zu töten. Oder Diebstahl darf nicht sein.

Anders als das Töten ist es „straflos“ erlaubt dann, wenn ich mit meiner Würfelzahl genau auf das Feld des gegnerischen Kegels zu stehen komme. Im wahren Leben ist Töten zwar verboten, aber unter Umständen wird es dann doch wieder erlaubt: Im Krieg oder in manchen Ländern bei unheilbar Kranken, die sich selbst den Tod wünschen.

Nun ist das mit Regeln in unserer Welt so eine Sache: Niemand kennt wirklich alle Regeln und Gesetze. Wir verhalten uns nach gewissen „Grundregeln“, die allgemein anerkannt sind, und hoffen damit alles richtig zu machen. Und meistens gelingt uns das auch: „Denn wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter“, sagt ein lateinisches Sprichwort. Das heißt, viele unserer Regelbrüche bleiben einfach unentdeckt. Wenn ich z.B. zwischen Neuensee und Neuensorg doch einmal mit deutlich mehr als den erlaubten 60 Stundenkilometern durch den Wald heize. Oder wenn ich wieder einmal die Hausaufgabe abgeschrieben habe, anstatt sie selbst zu erledigen.

Die ältesten Regeln kommen wohl aus dem religiösen Bereich. Wir haben uns damit beschäftigt, mit den 10 Geboten zum Beispiel oder dem Doppelgebot der Liebe. Im Alten Testament gibt es über 600 Regeln und Gebote: Wer kennt die denn alle? Und wenn ich dann aus dem Brief von Paulus lesen: „Halte das Gebot unbefleckt und untadelig“ – dann muss ich zugeben, dass mir das manchmal schwer fällt. Um auf das Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel zurückzukommen: Ich spiele in meinem Leben doch manchmal mit eigenen Regeln. Kürze vielleicht einen Weg ab, räume Hindernisse beiseite, suche meinen Vorteil.

Das Ziel bei Mensch-ärgere-dich-nicht liegt darin zu gewinnen. Ich will als erster alle meine Spielfiguren ins Ziel bringen, ich will triumphieren, ich will mich nicht ärgern. Das Ziel im Leben ist, so formuliert es Paulus, das ewige Leben zu ergreifen. Und er liefert uns auch gleich die Anleitung, wie das gelingen kann:

  • Kämpfe den guten Kampf des Glaubens.
  • Halte das Gebot unbefleckt und untadelig.

Doch was Paulus so schlagwortartig darlegt, ist ganz schön schwer zu halten. Als wir uns im Konfi-Unterricht mit der Beichte oder den 10 Geboten beschäftigt haben, sind wir ziemlich schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass wir zwangsläufig Regeln brechen in unserem Leben: Zwangsläufig, weil wir eben Menschen und nicht vollkommen sind.

Wir könnten nun verzweifeln, uns ärgern, die Kegel umwerfen wie im Spiel und schreien: „Ich spiel‘ nicht mehr mit!“ – oder wir nehmen die Herausforderung an. So, wie ihr es heute tut, wenn ihr JA zu Gott sagt und Ja zu seinen Regeln. Wenn ihr Euch zu ihm bekennt und sagt: „Ja, Herr, mit dir will ich leben!“

Dieses Bekenntnis schließt das andere ein, das, welches wir in jedem Gottesdienst miteinander beten und das so anfängt: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen …“. Wir bekennen uns zu dem Gott, der nicht nur Regeln für uns aufgestellt hat, sondern der auch das Gute für uns will. Er weiß, dass wir nicht alle seine Gebote und Regeln halten können. Und trotzdem will er uns nicht bestrafen, will uns nicht vom Brett fegen wie Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren. Vielmehr hat er Jesus Christus geschickt, damit der alles Schlechte und Falsche von uns wegnimmt. Und so kann Gott sich zu uns bekennen, egal, was wir getan oder verbrochen haben. Wo menschliche Gesetze Bestrafung verlangen, da kann Gott Nachsicht und Barmherzigkeit üben. Denn stellvertretend wurde in Christus die Bestrafung schon vollzogen, die eigentlich uns zugestanden hätte. Damit sind wir frei – unbefleckt, untadelig. Und wenn Christus am Ende der Zeiten wiederkommen wird, dann wird er uns finden: Als Gerechtfertigte, als Menschen, die sich zu ihm bekannt haben. Dann werden wir alle Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren ins Ziel gebracht haben und das ewige Leben gewonnen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

(Hinweis: Es ist gut, ein großes Spiel vor dem Altar aufzustellen und während der Predigt damit zu spielen).

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