Es ist noch niemand zurückgekommen – oder?

Wer war denn schon mal mit dabei, wie ein Mensch gestorben ist?
Wer das schon mal erlebt hat, dem geht es vielleicht wie mir:
Das, was man da miterlebt, das ist kaum zu beschreiben.
Dieser Übergang, wie da in einem Moment noch ein lebendiger Mensch da ist, der atmet, der sich bewegt, und dann hört das einfach auf.
Von einem Moment auf den anderen.
Und auf einmal ist da kein Mensch mehr da, sondern nur noch so ein toter, harter Gegenstand, der immer kälter wird, der seine Farbe verändert.
Wenn das Leben aus einem Menschen geht, dann ist das kein Mensch mehr, sondern nur noch ein Gegenstand, ein Ding.
Fremd, kalt, starr, tot.
Und endgültig.
Da lässt sich nichts mehr umkehren.
Tot ist tot.
Und immer wieder machen Menschen die gleiche Erfahrung:
Auch wenn wir vorher lange gewusst haben, dass dieser Mensch bald sterben wird, weil seine Krankheit ihn bald töten wird – wenn es dann so weit ist, ist es trotzdem ein Schock.
Der Tod ist einfach so groß und so fremd und so stark und so übermächtig und so unwiderruflich – das kriegen wir einfach in unseren Kopf nicht hinein.
Und dann?
Was kommt dann?
Kommt dann noch was?
Meistens denken wir nicht darüber nach, weil wir mit anderem beschäftigt sind und wahrscheinlich ist das auch ganz vernünftig, dass wir nicht ständig an den Tod und das Sterben denken.
Aber manchmal können wir dieser Frage nicht mehr ausweichen.
Oft ist das so, wenn wir mal wieder auf eine Beerdigung müssen.
Wenn ein Mensch stirbt, der uns nahesteht.
Dann poppt diese Frage mit Macht auf:
Wie ist das mit dem Tod?
Kommt da noch was?
Und was kommt da noch?
Da gibt es ganz verschiedene Antworten darauf.
Die einen sagen: Tot ist tot. Mit dem Tod ist alles aus. Da kommt nichts mehr.
Das ist die Haltung derer, die nur an die Materie glauben.
Ich sage ganz bewusst „glauben“, denn auch das ist ein Glaube, den niemand beweisen kann. Und auch niemand widerlegen kann.
Andere sagen: Der Mensch hat eine unsterbliche Seele, die irgendwie weiterlebt.
Wieder andere sagen: Diese Seele wird in einem anderen Lebewesen wiedergeboren, immer und immer wieder – bis es dieser Seele endlich gelingt, aus diesem Kreislauf der Wiedergeburt auszubrechen und nach ein paar Millionen Leben endlich nicht mehr sein zu müssen.
Das ist der Glaube im Hinduismus, im Buddhismus und vieler, die sich da dieses und jenes herauspicken.
Die einen sagen also dieses, die anderen jenes – und viele sagen ganz einfach:
Was Genaues weiß man nicht, denn schließlich ist ja noch niemand zurückgekommen.
Das ist ja auch ein vernünftiger Gedanke.
Wenn ich wissen will, wie es in einem anderen Land so ist, dann fahre ich am besten selber hin oder – wenn ich das nicht kann – ich frage jemanden, der da schon mal war. Denn der kann mir sagen, wie es da so ist.
Heute, an Ostern, und eigentlich an jedem Sonntag feiern wir, dass wir genau wissen, was nach dem Tod ist, weil es nämlich genau einmal jemanden gegeben hat, der tot war und dann doch zurückgekommen ist.
Genau das macht Jesus Christus so einzigartig in der ganzen Weltgeschichte.
Er war tot.
Amtlich dokumentiert von den römischen Legionären, die ihn gekreuzigt waren.
Das waren Hinrichtungsprofis. Wen die gekreuzigt haben, der war mausetot, nicht nur scheintot. Das ist völlig ausgeschlossen.
Es wird berichtet: Am Ende, als er schon gestorben war, da haben sie zur Sicherheit noch mit einer Lanze in seinen Bauch gestochen. Um ganz auf Nummer Sicher zu gehen. Und da kam schon kein Blut mehr, sondern nur noch Wasser. Weil die roten Blutkörperchen sich schon abgesetzt haben, schon geronnen sind.
Er war tot, toter geht gar nicht.
Er wurde beerdigt, sein Grab wurde versiegelt und es wurde bewacht.
Und drei Tage später war er wieder da.
Quicklebendig.
Genau, wie er es vorher seinen Freunden, seinen Jüngern immer wieder gesagt hat.
Er hat es ihnen angekündigt, damit sie sich darauf einstellen können.
Allerdings nur mit sehr geringem Erfolg, denn seine Jünger gehörten wie die meisten Juden damals wohl zu der mit-dem-Tod-ist-alles-aus-Fraktion oder konnten sich höchstens irgendein Weiterleben bei Gott vorstellen – aber Auferstehung, so richtig zum Anfassen – nein, das haben sie sich absolut nicht vorstellen können.
Und dann kam der Ostermorgen.
Und das Grab war leer.
Und Jesus war wieder lebendig.
Er ist zurückgekommen.
Er ist der Einzige, der etwas Zuverlässiges darüber sagen kann, was nach dem Tod ist.
Und das war auch damals kaum zu glauben.
Zuerst ist er ein paar Frauen begegnet. Die sind vor Schreck fast in Ohnmacht gefallen. Und als sie es den Jüngern erzählt haben, da haben die ihnen nicht geglaubt sondern gesagt: So ein Quatsch.
Dann ist er ein paar anderen der Jünger begegnet, solche, die sich heimlich aus dem Staub machen wollten. Die haben ihn zuerst gar nicht wiedererkannt, aber schließlich ist dann doch der Groschen gefallen und sie haben sich auf die Socken gemacht, um es den anderen erzählen.
Im Lukas-Evangelium hören wir, wie es dann weiterging:
Während sie noch am Erzählen waren, stand mit einem Mal Jesus selbst in ihrer Mitte und grüßte sie mit den Worten: »Friede sei mit euch!«
Doch sie waren starr vor Schreck, denn sie meinten, einen Geist zu sehen »Warum seid ihr so erschrocken?«,sagte Jesus.
»Und wie kommt es, dass solche Zweifel in euren Herzen aufsteigen? Schaut euch meine Hände und meine Füße an: Ich bin es wirklich! Berührt mich und überzeugt euch selbst! Ein Geist hat doch nicht Fleisch und Knochen, wie ihr sie an mir seht.«
Und er zeigte ihnen seine Hände und seine Füße. Da sie es vor Freude immer noch nicht glauben konnten und vor Staunen kein Wort herausbrachten, fragte er sie: »Habt ihr etwas zu essen hier?«
Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch, und er nahm es und aß es vor ihren Augen.
Dann sagte er zu ihnen: »Nun ist in Erfüllung gegangen, wovon ich sprach, als ich noch bei euch war; ich sagte: ›Alles, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben ist, muss sich erfüllen.‹« Und er öffnete ihnen das Verständnis für die Schrift, sodass sie sie verstehen konnten, und sagte zu ihnen: »So steht es doch in der Schrift: Der Messias muss leiden und sterben, und drei Tage danach wird er von den Toten auferstehen.
Wer dem Auferstanden begegnet, dem bleibt die Spucke weg. Eine Begegnung mit Christus ist kein Date, kein Event, kein Termin – es ist in jedem Fall etwas Wunderbares, Überwältigendes, Erschütterndes.
Wirkliche Gottesbegegnungen sind erschütternd. Da bleibt kaum Luft zum Atmen, geschweige denn zum Lachen. Die Begegnung mit dem Wesentlichen lässt uns angewurzelt stehen bleiben, führt in die Tiefe, gräbt alles um, wühlt uns auf und hinterlässt Spuren.
Dem Auferstanden in unserem normalen Leben zu begegnen, da werden wir ganz still, wenn es uns passiert. Da gehen wir innerlich und vielleicht sogar auch äußerlich in die Knie. Da sind wir überwältigt und wagen nicht einen Mucks.
Dem Auferstandenen im normalen Leben zu begegnen, das verändert alles.
Paulus hat das so erlebt.
Auf einmal wurde so aus einem fanatischen Christenverfolger ein leidenschaftlicher Christusverkünder und Missionar.
Und in einem seiner Briefe schreibt er über diese Grundlage, die sein Leben verändert hat, folgendes:
Zu dieser Botschaft, die ich so an euch weitergegeben habe, wie ich selbst sie empfing, gehören folgende entscheidenden Punkte: Christus ist – in Übereinstimmung mit den Aussagen der Schrift – für unsere Sünden gestorben. Er wurde begraben, und drei Tage danach hat Gott ihn von den Toten auferweckt – auch das in Übereinstimmung mit der Schrift. Als der Auferstandene hat er sich zunächst Petrus gezeigt und dann dem ganzen Kreis der Zwölf. Später zeigte er sich mehr als fünfhundert von seinen Nachfolgern auf einmal; einige sind inzwischen gestorben, aber die meisten leben noch. Danach zeigte er sich Jakobus und dann allen Aposteln. Als Letztem von allen hat er sich auch mir gezeigt.
Als Paulus das geschrieben hat, war die Auferstehung etwa 25 Jahre her.
Das ist also ungefähr so, wie wenn wir vom Fall der Mauer am 9. November 1989 erzählen. Wenn wir erzählen, was wir da erlebt haben und dann sagen: außerdem haben das viele, viele andere auch erlebt – von denen die meisten noch leben.
Ich weiß, dass das Neue Testament das mit riesengroßem Abstand am besten überlieferte Buch der Antike ist.
Ich weiß, dass Märchen, Legenden, erfundene Geschichten anders aussehen.
Ich weiß, dass die Jünger eine große Veränderung erlebt haben: Aus Feiglingen, die sich versteckt und verkrochen haben, die sich unauffällig aus dem Staub machen wollten, wurden tapfere, wagemutige Menschen, die alle bereit waren, sich für ihre Überzeugungen umbringen zu lassen. Das macht niemand für eine erfundene Geschichte, die er sich selber ausgedacht hat. Das kann mir niemand weiß machen.
Und darum weiß ich: Es ist wahr.
Es ist eine historische Tatsache.
Jesus Christus hat gelebt, er ist ermordet worden und er ist von den Toten auferstanden.
Und weil das wahr ist, weiß ich auch, dass alles andere auch wahr ist:
Dass es Gott gibt, dass Jesus von Gott kommt, dass wir alle auferstehen werden und dass wir einen Vater im Himmel haben, der uns einlädt, dass wir bei ihm ewig leben.
Und das ist ein gutes Fundament für das Leben hier in dieser Welt.
Das zu wissen gibt Kraft und Mut, sich hier schon immer wieder für das Leben einzusetzen, für andere da zu sein.
Denn es gibt keinen Grund mehr Angst zu haben.
Der Tod ist am Ende!
Das Leben ist stärker!
Christen sind Protestleute gegen den Tod, hat Christoph Blumhardt einmal gesagt.
Und sie sind Reklameträger für die Freude am Leben, sage ich.
Und darum haben die Christen in Griechenland heute um Mitternacht Feuerwerke angezündet.
Trotz Flüchtlings- und Finanzkrise.
Und heute gibt’s dort Lammfleisch am Spieß und Rotwein und jeder Fremde, der vorbeikommt, wird eingeladen.
Und darum werden heute in Irland Heringe beerdigt – als Zeichen dafür, dass die strenge Fastenzeit, in der Heringe eine Hauptmahlzeit sind, nun zu Ende ist.
Und darum hängen in Mexiko in der ganzen Osterwoche über den Straßen Girlanden aus buntem Toiletten- und Krepppapier.
Und darum lassen die christlich-orthodoxen Bulgaren nach der Messe Ostereier an Kirchenmauern genussvoll zerplatzen oder bewerfen den Rest der Familie mit ihnen und glauben, dass derjenige, dessen Ei nicht zerbricht, das erfolgsreichste Familienmitglied des kommenden Jahres sein soll.
Und darum bespritzen sich in Polen Menschen auf der Straße am Ostermontag gegenseitig mit Wasser, das an die Taufe eines Prinzen erinnern soll, der den Polen das Christentum brachte.
Und darum wurden an Ostern auch immer schon gerne Witze in der Kirche erzählt wie dieser hier:
Jesus ist nach der Kreuzigung wiederauferstanden. Die Menschen toben vor Begeisterung. Ihr Meister ist wieder da. Jesus wiederholt wegen des großen Erfolges seine berühmtesten Wunder. Er macht Wein aus Wasser, teilt ein Brot an alle aus und schließlich will er wieder über den See wandern. Doch nach den ersten Schritten geht er unter. Meint ein Jünger: „Mist. Das muss an den Löchern in den Füßen liegen.“
Heute feiern wir das Leben.
Wir feiern die Auferstehung von Jesus.
Wir feiern den Sieg des Lebens über den Tod.
Denn Jesus Christus ist auferstanden.
Er ist wirklich auferstanden.
Gott sei Dank!

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