Ja zum Glauben

Konfirmation heißt: Menschen sagen aus eigener Überzeugung JA zu dem, was Jahre vorher Eltern, Patinnen und Paten stellvertretend für sie gesagt haben. So zumindest die Idealvorstellung.

Ich möchte gerne mir diese Vorstellung bewahren, dass Jugendliche nicht nur deswegen zur Konfirmation gehen, weil es Geschenke gibt oder weil ihre Eltern sie halt angemeldet haben. Sondern wenigstens ein bisschen tragen sie vielleicht auch den Traum in sich, dass mit Jesus Christus etwas Neues in dieser Welt begonnen hat und in ihnen seine Fortsetzung finden kann.

Von diesem uralten Traum erzählt schon der Apostel Paulus in einem Lied, das er im Wesentlichen schon übernommen hat, also ein wirklich urchristlicher Text. In diesem Lied versuchen Christinnen und Christen zu beschreiben, wer Jesus Christus für sie ist:

Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Das las ich letzten in einer Zeitung: das Kreuz wäre ein Symbol für Ostern. Wenn ich so etwas lese ich. Die haben dann wohl recht, die Kreuze abhängen wollen im öffentlichen Raum, wenn die Menschen überhaupt nicht mehr wissen, wofür das Kreuz Symbol ist.

Paulus weiß das sehr genau und wählt darum auch dieses alte Lied aus: Das Kreuz ist das Symbol für den Gott, der sich selbst ganz klein gemacht hast, der gelitten hat unter den Menschen und Spott und Hohn ertragen hat. Und unsere KünstlerInnen können noch so schöne Kreuze gestalten – es bleibt ein Schandmal, ein Folterinstrument, ein Werkzeug der Menschen Verachtung, dieses Kreuz. Und ein Symbol für die Liebe Gottes, dem die Menschen so unendlich viel wert sind.

Darum gibt es in jeder Kirche ein Kreuz und darum – meine ich – würde es der Öffentlichkeit und besonders den Gerichten nicht schlecht zu Gesicht stehen. Vielleicht auch als Symbol, dass unsere Macht, unsere Liebe, unser Gefühl und unsere Gerechtigkeit sehr begrenzt sind und dass die Liebe Gottes größer ist als all dies. Und gerade in Gerichte könnte das Kreuz an dieses Schandurteil erinnern, Jesus hinzurichten und damit auch denen, die am Gericht für Gerechtigkeit arbeiten, die Grenzen ihres Handelns deutlich machen.

Aber all dieses Kreuze, die in öffentlichen Gebäuden oder in privaten Wohnzimmern hängen sind wertlos, wenn sie nicht etwas mit mir zu tun haben. So sollen wir miteinander, so dürfen wir miteinander umgehen, wie Jesus auch mit Menschen umgegangen ist. Es geht nicht nur einfach um Gesinnung. Es geht um eine ganzheitliche Einstellung zum Leben.

Für Jesus stand der Mensch im Mittelpunkt. Der Mensch als Geschöpf Gottes, der Mensch der Schwester oder Bruder ist. Der Mensch für den ich da sein darf, wie der barmherzige Samariter da sein durfte für den, der am Wegesrand lag.

Es geht um einen Weg, nicht um eine Ideologie. Der richtige Weg muss immer neu gefunden werden. Es gibt da kein Patentrezept, aber Hinweise: Achte darauf, wer dich jetzt gerade brauchen könnte.

Und es gibt das Beispiel der Selbsterniedrigung: Hiermit ist gemeint, dass Jesus ohne Rücksicht auf sich selbst die Wirklichkeit des Lebens unter Menschen akzeptiert hat. Es geht weniger um demütige Haltung, als vielmehr um einen Lebensstil, der anerkennt, dass der Mensch so ist, wie er ist. Und dass er trotzdem gut ist.

Paulus schreibt an die Gemeinde in Philippi aus dem Gefängnis. Er ist eingesperrt, weil er zu laut und zu deutlich missioniert hat, von seinem Glauben geredet hat. Und er will seinen Schwestern und Brüder einladen auch laut und deutlich von ihrem Glauben zu reden und ihren Glauben deutlich, erkennbar zu leben.

Dieses Lied redet von der Liebe Gottes, die menschlich nicht zu erfassen ist. In Jesus Christus ist diese Liebe lebendig geworden. Liebe zum Anfassen, Liebe aus Fleisch und Blut. Der Mensch Jesus hat die Liebe Gottes nicht exklusiv als Privateigentum behalten. In ihm wurde Gott Mensch, um die Liebe zu sozialisieren und letztlich um des Menschen willen zu sterben. Wenn wir erst einmal die Größe der Liebe verstehen, die sich hinter dem Kreuz verbirgt, dann gewinnen wir eine Ahnung für die Größe der Liebe Gottes zu den Menschen. Dann verstehen wir das Kreuz, das Zeugnis ablegt für die Unmenschlichkeit der Menschheit und das Zeugnis ablegt für die Größe Gottes, der bereit ist, an den Menschen zu leiden.

Vor diesem Kreuz haben die Mächte, die gegen Gott sind kapituliert. Solche Liebe macht all die schwach, die zerstören wollen. Von solcher Liebe dürfen wir reden. Aus dieser Liebe heraus dürfen wir handeln. Davon will dieser Hymnus erzählen. Von dieser Liebe kann unser Leben erzählen.

Palmsonntag. Das war früher der Tag der Konfirmation für Viele. Das ist aber auch der Tag, an dem der Herr auf einem Esel in seine Stadt einreitet. Paulus kommentiert dieses Geschehen im Philipperbrief für uns. Und will uns helfen, das eigene Ja zum Glauben immer wieder zu erneuern, damit es immer wieder neu Wirklichkeit wird in unserem Leben, in unserem Alltag. Taufe und Konfirmation als einmaliges Datum sind wenig sinnvoll. Ich muss sie immer wieder mit Leben erfüllen.

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