Angst – Gehorsam – Erlösung

[Weite Teile der Predigt wurden entnommen aus Ralph Krust: Schau den Riesen ins Gesicht]

Liebe Gemeinde,
in katholischen Gegenden findet sich oftmals ein Kreuzweg. In 14 Stationen wird das Leben und Leiden Jesu nachgezeichnet. Auch unser heutiger Text ist ein solcher Kreuzweg.

Durch diesen Text werden wir auf den Weg, den Jesus ging, mitgenommen. Dieser führte ihn durch Not und Schwierigkeiten. Diese Herausforderungen standen wie Riesen vor Jesu und drohten ihn zu zermalmen. Drei Riesen werden hier angesprochen. Ich lade sie ein, Jesu Weg, mit mir zu gehen.

Im ersten Vers des heutigen Textes heißt es: „5,7 Als Jesus unter uns Menschen lebte, hat er Gott, der ihn allein vom Tod retten konnte, unter Tränen und voller Verzweiflung angefleht. Und Gott erhörte sein Gebet und befreite ihn aus seiner Angst, weil Jesus den Vater ehrte und ihm gehorsam war.“

Hier lesen wir von einem Riesen, der uns jeden Tag begegnet. Es ist der Riese: „Angst!“

Viele Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen, sind von Angst beeinflusst. Angst jemanden zu verletzen oder zu verärgern. Angst etwas falsch zu machen. Oft bemerken wir diese Ängste nicht vordergründig. Außerdem, wer gibt schon gern zu, dass er Angst hat. Wir geben es ja oft nicht mal vor uns selber zu. So wirken diese Ängste im Verborgenen und verletzt im Verborgenen.

Es ist keine Schande Ängste auszusprechen, sie beim Namen zu nennen. Hier müssen wir erkennen, Jesus der Sohn Gottes, hatte auch Angst. Er weinte und war voller Verzweiflung. Jesus hat seine Tränen nicht zurückgehalten, hat seine Verzweiflung nicht überspielt. Er hat dem Riesen Angst offen in die Augen geschaut.

Zwei Dinge können wir hier von Jesus lernen: Erstens: Jesus wandte sich in seiner Angst an Gott. Er betete unter Tränen und legte alle Verzweiflung vor ihm. Ein altes Sprichwort sagt: „Not lehrt beten.“ Viele Menschen beten nicht und finden das albern. Aber in Notsituationen finden wir sie plötzlich wieder in der Kirche. Und seltsam, beten geht auch wieder.

Aber beten allein reicht nicht. Folgende Geschichte zeigt es: „Ein Mann erzählte Freunden von seinem Urlaubsabenteuer. Er hatte sich auf einer Wüstentour verlaufen und war tagelang in der Einöde umhergeirrt. Eindrucksvoll schilderte er seine Ängste und Verzweiflung. Schließlich sei er in seiner Todesnot niedergekniet und habe Gott um Hilfe angefleht. Stunden habe er gebetet und zu Gott gerufen. Aber ehe Gott helfen konnte, meinte er, sei ein Forschungsteam vorbeigekommen. Sie haben ihn gerettet und in sein Quartier gebracht.“

Dieser Mann hat seine Chance verpasst. In seiner Angst war das Gebet für ihn wie ein Feuermelder. Er schlug die Scheibe ein. Als dann die Feuerwehr Gottes kam, hat er sie nicht erkannt.

Wende dich in deinem ganzen Leben an Gott, nicht nur wenn du Angst hast. Dann bist du es gewohnt mit ihm zu reden. Wenn du mit ihm lebst, erkennst du auch seine Antworten. Seine Antworten sind nicht immer so wie wir sie gerne hätten.

Hierzu hatte Luther gesagt: „Wenn es anders kommt als erbeten, kommt es besser.“

Damit sind wir beim zweiten Punkt: Wie befreite Gott Jesus von seiner Angst? Gott nahm ihm die Angst nicht. Er half ihm mit der Angst zu leben. Jesus musste den Kreuzweg gehen. Gott half ihm diesen siegreichen zu beenden.

Jesus wurde von Judas verraten. Die Soldaten schlugen ihn mit Peitschen. Er musste seinen Kreuzesbalken zur Hinrichtungsstätte schleppen. Er fühlte die Nägel seine Hände und Füße durchstoßen. Sein Leiden am Kreuz war qualvoll. Es war ihm unbekannt, wie diese Geschichte ausgehen würde. Das einzige, er wusste sich in Angst, Tränen und Verzweiflung in der Liebe Gottes geborgen.

Schauen wir auf den zweiten Vers: „5,8 Auch Jesus, der Sohn Gottes, musste durch sein Leiden lernen, was Gehorsam heißt.“

Nun sehen wir einen Riesen, der uns auch jeden Tag begegnet: den Riesen: „Ungehorsam!“

Wir wissen so viel über Gottes Wort und doch halten wir uns nicht daran. Den Anfang machte die Schlange mit dem Satz: „Sollte Gott gesagt haben…“ Das Vertrauen zwischen den Menschen und Gott ist zerstört. Das hatte auch Auswirkungen auf Jesus.

Wir müssen uns vergegenwärtigen: „Jesus, der Sohn Gottes, musste Gehorsam lernen.“ Wenn selbst er Gehorsam lernen musste, um wie viel mehr müssen wir dann Gehorsam lernen.

Gehorsam wurde und wird vielfach missverstanden und missbraucht. Mit einer falschen Vorstellung von Gehorsam wurde schon viel Unheil angerichtet. Bis heute treiben sie oft Schindluder damit. Hier ist aber keine Rede vom falschen, sklavischen und gedankenlosen Gehorsam. Hier ist gemeint der verantwortliche, mündige Gehorsam.

Im Deutschen fällt auf, die Verwandtschaft zwischen „horchen“ und „gehorchen“. Dazu besteht noch die Nähe zum Wortpaar „hören“ und „gehören“. Gehorsam heißt also, Gott so zu gehören, dass man auf sein Wort hört.

Gehorsam heißt, auf Gottes Wort hören. Das gilt für alle Menschen, für die Predigthörer, wie den Prediger.

Eine Anekdote: „An einem Montagmorgen besteigt ein Pfarrer den Bus. Er reicht dem Busfahrer einen größeren Geldschein und wartet auf das Wechselgeld. Auf dem Sitzplatz angekommen, zählt er das Geld nach und stellt fest, dass ihm der Busfahrer zu viel herausgegeben hat. Er bleibt sitzen, und seine Gedanken machen sich an die Arbeit.

Glücklicher Zufall, unwichtige Kleinigkeit oder ein Grund, ehrlich zu sein? Dem Busfahrer das Geld zurückzugeben? Der Pastor findet manchen Grund, das Geld einfach zu behalten.

Schließlich siegt seine Gewissenhaftigkeit. Er steht auf und geht zum Busfahrer. Der Pfarrer spricht ihn an: „Entschuldigen Sie, Sie haben mir zu viel Geld herausgegeben“. Der Fahrer erwidert locker: „Ich weiß, ich war gestern in Ihrer Kirche. Sie sprachen über die Gebote Gottes. Da wollte ich nur mal ausprobieren, ob Sie selber auch tun, was Sie anderen predigen!““

Der Theologe Dietrich Bonhoeffer verdeutlichte den Zusammenhang zwischen Glauben und Gehorsam: „Nur der Glaubende ist gehorsam, und nur der Gehorsame glaubt … Nur der Gehorsame glaubt. Es muss Gehorsam geleistet werden gegen einen konkreten Befehl, damit geglaubt werden kann. Es muss ein erster Schritt des Gehorsams gegangen werden, damit Glaube nicht frommer Selbstbetrug, nicht billige Gnade werde.“

Christen müssen wie Jesus Gehorsam lernen. Das setzt voraus, dass wir auf Gott hören, in Predigt und Bibellesen. Das setzt voraus, dass wir „Ja“ zu Gott sagen und zu ihm gehören. Dann siehst du dem Riesen „Ungehorsam“ ins Auge und merkst ich brauche keine Angst zu haben. Ich gehorche Gott.

Der dritte Vers sagt: „5,9 Nachdem er aber sein Opfer am Kreuz vollbracht hatte, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, zum Retter und Erlöser geworden.“

Hier ist der dritten Riesen beschrieben. Auch er begegnet uns jeden Tag, der Riese: „Ich–Sucht!“

Ich–Sucht oder Egoismus bedeutet, dass ich immer zuerst an mich denke. Ich suche z.B. in der Gemeinde jemand für eine Aufgabe. Oft kommt dann offen oder verdeckt die Frage: „Was springt für mich dabei raus?“ Die Ich–Sucht hindert uns, den anderen in den Blick zu bekommen. Hier muss uns klar werden: Jesus tat das alles nicht für sich, sondern für uns!

Wenn du Jesus gehorchst, wird er dir zum Retter und Erlöser. Damit besiegst du den Riesen „Ich–Sucht“.

Das Lieblingsmotto der heutigen Zeit ist: „Alle denken nur an sich, außer ich, ich denk an mich.“ Gott denkt an dich, so kannst du an andere denken. Gott sorgt für dich, so kannst du für andere sorgen. Gott hat dich gerettet und erlöst. So kannst du die gute Nachricht, das Evangelium, der Errettung und Erlösung anderen weitersagen.

Mit Jesus den Kreuzweg gehen heißt, den Riesen deines Lebens ins Gesicht schauen.

Schau dem Riesen „Angst“ in die Augen. Gott gibt dir Kraft mit deiner Angst zu leben und sie in Schach zu halten.

Schau dem Riesen „Ungehorsam“ in die Augen. Du gehörst Gott und hörst auf Gott, er gibt dir Kraft zum Gehorchen.

Schau dem Riesen „Ich-Sucht – Egoismus“ in die Augen. Der Blick auf Jesu Kreuz macht den Blick auf andere frei. Du hörst auf, dich nur um dich selbst zu drehen.

Jesus ist für alle, die ihm gehorsam sind, zum Retter und Erlöser geworden, auch vor den Riesen des Lebens.

Die Liebe Gottes, die höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Ralf Krust.)

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