Das Geschenk der Menschenfreundlichkeit

Liebe Schwestern und Brüder!
Was ist das größte, womöglich teuerste oder auch anders: das persönlich wertvollste Geschenk gewesen, was Sie zu Weihnachten bekommen haben?
Ein neues, noch leistungsfähigeres, größeres und teures Smartphone?!
Ein schönes, modisches und exklusives Kleidungstück!?
Natürlich vom hippen Designer!
Schmuck, eine Kette oder Brosche, ein Ring oder eine neue Uhr?
Oder was Nützliches und Besonderes fürs individuelle Hobby oder andere persönliche Leidenschaften?
Und schließlich Geld, also schnöder Mammon, den man im kommenden Januar zur Begleichung der kostenintensiven Rechnungen der unzähligen Versicherungen gut gebrauchen kann?!

Oder gehören Sie möglicherweise zu denjenigen, die für sich vor lauter „innerer“ Demut und falscher Bescheidenheit nicht beschenken lassen und deswegen auch nichts bekommen haben?! Und sich deswegen vom materialistischen Konsumterror fernhalten?!

Gefreut haben Sie sich sicher über den Besuch oder die noch stattfindende Ankunft von Eltern, Kindern, Großeltern und anderen Verwandten. Einfach die Familie und die Liebsten am Tisch, bei gutem Essen, Trinken und guten Gesprächen zusammen. Auch das ist wunderbar, und häufig noch schöner als irgendwelche teuren oder angesagten Geschenke. Das ist eigentlich unbezahlbar, besonders wenn einer fehlt.

Oder, und schon etwas anders gelagert:
Sie haben sich gefreut oder mitgefreut als sie die Freude der Beschenkten in deren Augen und Gesichtern gesehen haben.
Nicht nur Geschenke sind schön und natürlich welche zu bekommen, sondern auch das innere befriedigende Gefühl, dass Richtige und Spezielle an jemanden geschenkt zu haben. Das kann sehr erfüllend und ein befriedigendes Gefühl sein.

Für uns Christen ist die Geburt des Menschen Jesus von Nazareth, der im und durch den Glauben zum Christus, zum Retter, Erlöser, Heiland und Gottessohn für uns Menschen wird, das größte, einzigartige und ultimative Geschenk an Weihnachten, sozusagen das Geschenk des ewigen Lebens.
Christ, der Retter, ist da! wie es im 2.Vers von „Stille Nacht, heilige Nacht“ (EG 46,2) einfach und treffend heißt.

Der Apostel Titus schreibt über dieses einzigartige Geschenk in Titus 3,4-7:

4 Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands,
5 machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist,
6 den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland,
7 damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unsrer Hoffnung.

Doch wie sieht das Geschenk aus, das wir dieser Tage auspacken?
Und lassen wir uns davon emotional und innerlich berühren, freuen wir uns über das Geschenk oder legen wir es in die Ecke, wo es dann in im Laufe der Zeit in Vergessenheit gerät oder auf dem Dachboden und Keller verstaubt?!

Das weihnachtliche Präsent beinhaltet eine Kette von emotionalen und seelsorgerlichen Botschaften, die nicht nur besinnlich klingen, sondern auch Lebens-Sinn, Ur-Vertrauen und Liebe verheißen.

Freundlichkeit, Güte und die Menschenliebe Gottes kommen dadurch zum Vorschein.
Auch von göttlicher Barmherzigkeit ist hier die Rede, also der tief empfundenen und tätigen Liebe Gottes für uns Menschen. Ohne Vorleistung, ohne Vorbedingungen und Kalkül, einfach so als universales Geschenk für alle Menschen guten Willens, gilt dies.
Und dann spricht Titus noch davon, dass wir durch dieses Präsent, dass wir durch Jesus Christus selig werden und durch seine Gnade im passiven und aktiven Sinn Gottes ewige Gerechtigkeit empfangen.

Starke Worte, wunderbare Metaphern und große Verheißungen verbergen sich dahinter.
FREUNDLICHKEIT, MENSCHENLIEBE (Philanthropie), BARMHERZIGKEIT, GNADE und universale GERECHTIGKEIT in und durch Jesus Christus, so lautet das Wortfeld der Eigenschaften Gottes, so lautet die Botschaft zu Weihnachten.
Die Botschaft der Engel für uns Menschen ist Frieden auf Erden für die Menschen seines Wohlgefallens, also für alle Menschen guten Willens und mit guten Absichten.

Und doch misstrauen wir tief im Inneren dieser Botschaft, haben so unsere Zweifel und werden auch von der Realität in der Welt eines anderen belehrt.

Momentan ist die Welt alles andere als friedlich. Sonst müssten nicht 60 Mio. Menschen auf der Welt wegen Krieg, Bürgerkrieg, bitterer Armut, unsäglicher Diktaturen, wirtschaftlicher Ausweglosigkeit, Hunger, Naturkatstrophen und Klimawandel fliehen. Es herrschen viel Not, Hunger, Elend und Ungerechtigkeit auf der Welt. Und Menschen fliehen und migrieren deswegen. Sie verlassen ihre Heimat.
Scheinbar hat sich seit Jesu Geburt vor über 2000 Jahre in einem ärmlichen Stall in Bethlehem nichts Gravierendes geändert.

Insofern ist die Botschaft der Engel: Fürchte euch nicht; fürchtet euch nicht!! denn euch ist heute die Menschenfreundlichkeit und Menschenliebe Gottes erschienen, eine großartige und einzigartige Botschaft, eine Tröstliche und eine topaktuelle News. Dieses Evangelium von Jesus Christus befreit uns von Angst, Sorge und Furcht. Das hat es zu allen Zeiten getan. Im Kern spüren wir die Wahrheit und Universalität dieser Botschaft..

Doch, wer war und ist dieser Jesus, und was ist die Botschaft von und über ihn, sein Geschenk?!

Dieser Jesus von Nazareth musste fliehen und war schon als Säugling ein Flüchtling mit seinen Eltern. Die damaligen Häscher unter dem König Herodes verfolgten die heilige Familie und wollten sie umbringen. Die kleine Familie floh nach Ägypten (Matthäus 2,13-18)
Auch wollten ihnen viele keine Aufnahme und Unterkunft gewähren wie die Geschichten von „keinem Platz in der Herberge“ (Lukas 2,7b) erzählen.

Wie sieht es aber mit unserem Verhalten gegenüber Kriegsflüchtlingen aus?
Wie gehen wir mit Menschen um, die der Massakrierung durch Bürgerkrieg und Islamisten entflohen sind? Christen aus Syrien, Glaubensbrüder- und Schwestern!
Sind das Schmarotzer und geht durch die Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten das Abendland unter?
Wollen wir sie verjagen, nicht rein lassen und mit Angst geweiteten Blicken auf sie reagieren, weil sie angeblich unser Sozialsystem ausnutzen oder sind wir Christen und teilen mit denen, die geschunden, verfolgt und geflohen sind?! Nächstenliebe ist eines unserer Gebote. Wir haben es vom Herrn Jesus Christus.

Aber es stellen sich auch noch andere Fragen als Konsequenz dieser Botschaft:
Hat Hilfsbereitschaft eine Grenze und „schaffen wir das“ mit der 1 Mio. Flüchtlinge in unserem Land?!
Sind wir momentan die Herberge Europas?!
Und wie gehen wir mit denjenigen um, die mahnen und sagen:
Wir können nicht mehr!
Können wir nochmal 1 Mio. Menschen aufnehmen?

Liebe Schwestern und Brüder,
Menschenfreundlichkeit, tief empfundene Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Willkommenskultur machen den guten, den humanen und hilfsbereiten Kern von uns Menschen aus. Auch in unserem reichen Land können wir das sehen und auch täglich erleben. Es gibt viele Menschen guten Willens in unserem Land und in unseren Städten, Dörfern und Gemeinden, die einfach, unkompliziert, selbstverständlich, ehrenamtlich und aus tiefem Mitgefühl helfen und sich für die unzähligen Flüchtlinge einsetzen und engagieren. Einfach so aus Mitmenschlichkeit und Menschenfreundlichkeit und auch
Aus innerer Überzeugung.

Und vielleicht ist das größte und ultimative Geschenk Gottes in und für unser Land, dass wir Deutschen nicht nur und nicht mehr als kaltherzige, berechnende und egoistische Erfolgsmenschen gesehen werden, sondern als Menschen mit Mitgefühl, der Fähigkeit zur tiefen Anteilnahme, auch Freude am Helfen und Unterstützen haben.
Da ist ein wahres Geschenk, so handeln zu wollen und auch zu können.
Das haben wir geschafft und wir schaffen und können noch mehr.
Aber vor allem leben wir aus dieser Menschenfreundlichkeit Gottes. Wir leben und atmen die Güte und Barmherzigkeit Gottes, die in und durch Jesus Christus von Gottes Seite menschlich wird, menschenfreundlich und mit Liebe zu uns Menschen geschenkt wird.
Das ist das ultimative Geschenk für uns durch und in Jesus Christus. Darüber wollen wir uns freuen und fröhlich sein.

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