Hast Du den Sohn Gottes?

Ich möchte mit einer kleinen Umfrage beginnen und bitte dabei jeweils um Handzeichen.
Erste Frage:
Wer hat ein eigenes Bett?
Zweite Frage:
Wer hat einen Personalausweis?
Dritte Frage:
Wer hat den Sohn Gottes?
Jetzt schauen alle.

Tja, Pech für alle, die jetzt die Hand nicht gehoben haben.
Denn im 1. Johannesbrief steht schwarz auf weiß:
Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben.
Wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.
So einfach ist das.
Schreibt jedenfalls Johannes und wir sollen heute darüber nachdenken.

Wir denken nach über einen Ausschnitt aus dem ersten Johannesbrief.
Dort steht:
Gott hat ganz eindeutig bezeugt, dass er uns das ewige Leben schenkt und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.
Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.

Das klingt eigentlich ganz einfach, aber wenn man genauer hinschaut, dann kommen einem schon ein paar Fragen:

Was ist hier mit Leben gemeint?
Was bedeutet „den Sohn haben“?
Was bedeutet „glauben“?

Fangen wir mit dem Leben an.
Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.
Wenn wir den Satz von Johannes wörtlich nehmen, dann haben alle Menschen, die Leben, den Sohn Gottes, sonst würden sie ja nicht leben, und wer ihn nicht hat, der ist gestorben, denn er hat das Leben nicht.
Das scheint Unsinn zu sein.

Oder ist es vielleicht anders herum:
Dass viele Leute, die wir für lebendig halten, weil sie herumlaufen, und essen und trinken und reden, dass die in Wirklichkeit tot sind, und dass viele, die wir für tot und gestorben halten, in Wirklichkeit ganz und gar lebendig sind?

Wenn wir genauer hinschauen, was hier mit Leben gemeint ist, dann hilft es uns zu wissen:
Im Griechischen gibt es für Leben zwei Wörter:
Zoä und Bios.
Von Bios kommt das Wort: Biologie.
Bios ist das kreatürliche Leben, das Leben in der Natur.
Was ist Bios-Leben?
Ungefähr das:
Viele Menschen verstehen unter Leben eine unbestimmte Zeitdauer zwischen Geburt und Tod, angefüllt mit möglichst intensivem Streben nach Glück und Erfolg. Glück ist dabei materieller Wohlstand, beruflicher Erfolg, Gesundheit, eine intakte Familie und ein netter Freundeskreis.
Und mit dem Tod ist dann alles aus.
Und dann kommt auch nichts mehr.
Man kann gut so leben, erfüllt, sinnvoll. Und auch glücklich.
Vielleicht sogar leichter als andere.
Keiner muss letzten Endes Verantwortung übernehmen und Rechenschaft ablegen für das, was er getan oder unterlassen hat, weil da niemand ist, vor dem Rechenschaft abzulegen wäre. Es kann gelebt werden ohne Rücksicht auf Verluste.
Wie gesagt: Man kann gut so leben, erfüllt, sinnvoll. Und auch glücklich.

Aber ist das schon die ganze Wahrheit?

Ich glaube nicht.
Denn manche Ereignisse werfen einen ganz schön aus der Bahn. Da trüben Krankheit und Tod die Lebensfreude, da durchkreuzen Unfälle Lebenspläne oder Arbeitslosigkeit entzieht den Konsumwünschen den Boden unter den Füßen.
Wen soll ich dann fragen, ob das alles noch Sinn macht, ob es einen tiefen Sinn gibt und ob alles ein Ziel hat?
Wer das für sich verneint, der kann nur nach dem Motto leben, heute zu essen und zu trinken, weil ich morgen ja schon tot sein kann.

Das ist Bios – Leben.

Und dann gibt es noch das Zoä-Leben.
Und von diesem Zoä-Leben schreibt Johannes.
Und er sagt:
Das ist erst das eigentliche, das lebendige Leben, weil es in unauflöslicher unmittelbarer Verbindung mit Gott, der Quelle alles Lebendigen ist.
Das ist wirkliches Leben, das auch stärker ist als der Tod.
Und das darum auch ewiges Leben heißt.

Es gibt kein Leben ohne Glauben an Gott, so das Zeugnis des 1.Johannesbriefes.
Ohne Jesus Christus gibt es kein Leben: wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.
Alles andere ist bestenfalls eine Illusion, eine Vortäuschung von Leben.
Erst in der Beziehung zu Gott, erst in diesem Gegenüber werde ich wirklich zu einem Menschen.
Ich sehe die Welt mit anderen Augen, wenn ich sie als Gottes Schöpfung betrachte, ich sehe meine Mitmenschen mit anderen Augen, wenn ich in ihnen Gott entdecke.
Ich verbringe meine Tage anders, wenn ich meine geschenkte Lebenszeit vor Gott verantworte.
Im Auf und Ab des Lebens, im Wechselspiel zwischen Freude und Leid, zwischen Erfolg und Niederlage, zwischen Leben und Tod kann ich nur Kurs halten, wenn ich mich getragen weiß von einem Gott, der mich ansieht, mich kennt und mich meint.

Ob ein Lebensentwurf taugt oder nicht, das zeigt sich nicht, wenn alles gut geht.
Ob mein Sicherheitsgurt und mein Airbag etwas taugen, das zeigt sich nicht, wenn ich einfach so vor mich hin fahre.
Erst bei einem Unfall, wenn es hart auf hart kommt, in den Krisenzeiten, da zeigt sich, was Sache ist.
Und erfahrene Seelsorger erzählen:
Wenn’s ans Sterben geht, dann gibt es nur noch sehr wenige Menschen, die Atheisten bleiben wollen, die nicht nach Gott fragen.

Unruhig ist unser Herz bis es ruht in dir. Diese Lebenseinsicht Augustins ist die letzte Wahrheit über uns Menschen. Wer den Sohn hat, der hat das Leben.
Ewiges Leben.

Wer den Sohn hat, schreibt Johannes.
Wie können wir den Sohn „haben“?
Das geht durch den Glauben, sagt Johannes.

Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.

Wer an den Namen des Sohnes Gottes glaubt, der hat ihn auch.
Glauben ist haben.
Und was ist dann bitteschön „glauben“?

Glauben, das ist ja auch wieder so ein unklarer Begriff.
Ich glaube, dass es heute noch schneit, sagen wir.
Und meinen dann: Wir vermuten, wir halten es für wahrscheinlich.
Glauben heißt nichts wissen, sagen wir.
Und wenn wir sagen: Ich glaube dir, dann meinen wir:
Ja, ich schenke dir mein Vertrauen.
Und das alles bewegt sich im rein Gedanklichen.
Nur im Gehirn. Und in Worten.
Und wenn wir sagen: Ich glaube an Jesus Christus – dann meinen wir oft damit nur:
In meinem Denken wohnt auch der Gedanke, dass es Jesus Christus gibt und dass er wirklich Gottes Sohn ist. Ich halte es für wahr. Ich glaube es.

Aber genau das ist nicht das „glauben“, das hier gemeint ist.
Es ist ein entscheidender Unterschied, ob wir Jesus Christus wirklich „haben“ oder uns nur gedanklich mit ihm beschäftigen und irgendwelchen Aussagen über ihn zustimmen.

Jesus hat es mit gewaltigen Worten abgelehnt, eine rein innerliche religiöse Haltung, die das praktische Leben an den Wurzeln unverändert lässt, als Glauben anzuerkennen.

Glauben heißt: Jesus nachfolgen.
Glauben heißt: Daran festhalten, dass ich zu Gott gehöre, und dass ich Gott gehöre. Mit Haut und Haaren, mit Leib und Seele, mit Geldbeutel und Terminkalender.
Glauben heißt: Den Willen des Vaters tun.
Glauben heißt: Mit Gott verbunden sein.

Dietrich Bonhoeffer hat es einmal klassisch formuliert:
Nur der Gehorsame glaubt – und nur der Glaubende ist gehorsam.

Und wer so glaubt, der hat den Sohn und der hat ewiges Leben.
Und das ist erlebbar.
Wer so glaubt, der wird erfüllt mit Liebe. Mit grenzenlosem, bedingungslosem Wohlwollen allen Menschen gegenüber.
Wer so glaubt, der wird erfüllt mit Hoffnung.
Wer so glaubt, der wird erfüllt mit Frieden, der jede Angst überwindet.

Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.
Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.
Und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

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