Das letzte Wort Gottes

Es gibt viele berühmte „Letzte Worte“
„Welch ein Künstler stirbt mit mir“ soll Kaiser Nero als letztes gesagt haben.
Und Friedrich der Große: „Ich bin es müde, über Sklaven zu herrschen.“
Noch ein paar:
Edgar Allen Poe: Gott helfe meiner armen Seele!
Bertold Brecht: Lasst mich in Ruhe!
Karl Valentin: I hab net gmoant, dassas Schterm so scheen ist.
Martin Luther: Wir sind Bettler, das ist wahr!
Die berühmtesten letzten Worte der Beifahrer heißen:
Rechts ist frei!
Und auch ganz oben in der Liste der berühmtesten letzten Worte ist:
Das kann bei uns nicht passieren!

Letzte Worte können aber auch eine ganz andere Bedeutung haben.
Wenn wir sagen: Das ist mein letztes Wort! Dann wissen wir: Jetzt wird’s ernst.
Wenn ein Kaufmann bei einer Kaufverhandlung sagt: Das ist mein letztes Wort – dann weiß sein Gegenüber: Das gilt jetzt.
Wenn ich meine Kinder dazu bringen will, dass sie endlich die Geschirrspülmaschine ausräumen, und ich sage ihnen: Ich sag’s euch jetzt zum letzten Mal!
Dann wissen sie, was die Stunde geschlagen hat und fangen endlich an aufzuräumen.
Manchmal jedenfalls.
Inzwischen sind meine Kinder Teenager geworden. Und dann bekomme ich auf diesen Satz: Ich sag es euch zum letzten Mal! manchmal auch die Antwort:
Na prima, dann ist ja endlich Ruhe!
Mit so einem letzten Wort, das gilt, beginnt der Hebräerbrief.
Er beginnt mit dem letzten Wort von Gott.
Dort steht:
Immer wieder hat Gott schon vor unserer Zeit auf vielfältige Art und Weise durch die Propheten zu unseren Vorfahren gesprochen. Doch jetzt, in dieser letzten Zeit, sprach Gott durch seinen Sohn zu uns. Durch ihn schuf Gott Himmel und Erde, und ihn hat er auch zum Erben über alles eingesetzt. In dem Sohn zeigt sich die göttliche Herrlichkeit seines Vaters, denn er ist ganz und gar Gottes Ebenbild. Sein Wort ist die Kraft, die das Weltall zusammenhält. Durch seinen Tod hat er uns von der Last unserer Schuld befreit und nun den Ehrenplatz im Himmel eingenommen, an der rechten Seite Gottes, dem alle Macht gehört.

Vielfach und vielfältig hat Gott geredet.
Unser Gott ist ein Gott, der mit den Menschen in Kontakt kommen will und sie deshalb anspricht:
Durch die Schönheit und Größe der Natur, die er geschaffen hat.
Durch Ereignisse, die er geschehen lässt.
Und durch Männer und Frauen, die er in seinem Auftrag reden und handeln lässt.
Propheten werden sie genannt.
Menschen mit göttlichem Durchblick.
Auf vielerlei Art und Weisen, und mit immer neuen Wiederholungen redet Gott zu den Menschen.
Klar, auch Gott weiß, dass Redundanz wichtig ist, damit die Message ankommt.
Dazu braucht er gar nicht erst moderne Kommunikationswissenschaft studieren.
Und einmal, da hat er auf ganz besondere Weise zu uns Menschen geredet.
Jesus Christus – das letzte Wort, das Gott sagt.
Jesus Christus ist das letzte Wort Gottes.
Noch nie zuvor und nie danach hat er so deutlich zu uns Menschen gesprochen.
Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens. So hat Luther übersetzt.
Ich finde: Leider nicht besonders gut.
Wörtlich übersetzt heißt es nämlich:
Er ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Charakter seines Wesens.
Oder frei formuliert:
Jesus strahlt die Herrlichkeit Gottes aus und charakterisiert das Wesen Gottes.
Das macht Jesus so einzigartig: In Jesus sehen wir genau, wie Gott ist.
Nicht ungefähr, sondern genau.
„Wer mich sieht, sieht den Vater“ sagt Jesus selber.
Und was sehen wir da an Jesus, was erkennen wir als den Charakter Gottes?

Als erstes seine Unaufdringlichkeit.
Gott kommt in unsere Welt.
Und er kommt nicht mit Geschrei:
Macht Platz, jetzt komm ich, der Größte aller Zeiten.
Nein – er kommt ganz leise, ganz bescheiden. Als kleines, gewöhnliches Baby.
Gott liebt das kleine, das leise, das unscheinbare, das bescheidene, das gewöhnliche.
Er schafft sich nicht gewaltsam einen Platz an der Sonne, sondern ganz bescheiden geht er dahin, wo wir Menschen ihn hinlassen.
Damals in Bethlehem war es halt nur ein stinkender Stall.
Das genügt Gott. Er ist nicht anspruchsvoll, nicht auf Luxus versessen.
Wo wir uns gerne mit beliebten oder angesehenen Leuten umgeben, um unseren eigenen Status zu erhöhen, da gefällt es Gott in Jesus, sich mit einfachen, zum Teil verachteten Leuten abzugeben – das ist seine Herrlichkeit.
Wo wir unser Leben dann herrlich finden, wenn wir’s so gemütlich und komfortabel wie möglich eingerichtet haben, da gefällt es Gott in Jesus, sein Leben ohne Rücksicht auf seine Bedürfnisse mit denen zu teilen, die ihn grade nötig haben. Den Menschen zu dienen – das ist seine Herrlichkeit.
Wo wir unserem Image gerne aufhelfen durch schicke Kleidung, ein repräsentatives Haus oder einen beeindruckenden Wagen, da gefällt es Gott in Jesus, alle äußere Herrlichkeit im Himmel zu verlassen, alles abzulegen, was irgendjemandem imponieren oder ihn einschüchtern könnte.
Es gefällt ihm, sich ganz gering zu machen, um jedem noch so Geringen den Zugang zu sich zu ebnen – Gottes Herrlichkeit!
Wir werden gerne lobend erwähnt in Jahresabschlüssen oder Zeitungsartikeln, wir legen Wert darauf, dass unsere Leistungen beachtet und geschätzt werden. Wir verbuchen schon auch mal anderer Leute Erfolge auf unsere Karte.
Aber Gott macht sich auf, kommt in Jesus aus der Ewigkeit in unsere Welt, um unsere Sünden auf seine Karte zu verbuchen, um für Schuld zu büßen, die ihn nichts angehen müsste, um die Verachtung zu tragen, die uns treffen müsste für all unser Versagen. Gottes Herrlichkeit!
Jesus, durch den die Welten erschaffen wurden, der alles trägt durch sein mächtiges Wort, dieser Jesus hat sich klein gemacht, aus Liebe zu uns Menschen.
Und er geht dorthin, wo wir ihn hineinlassen.
Gott wohnt da, wo wir ihn einlassen, hat Martin Buber einmal gesagt.
Und das stimmt.
„Wisst ihr nicht, dass ich vor der Tür stehe und anklopfe? Und wer mir aufmacht, zu dem werde ich hineingehen und das Festmahl des Lammes feiern“ sagt Jesus einmal.
Und kein Mensch auf dieser Welt ist ihm zu schmutzig, oder zu verdorben, oder zu langweilig oder zu sehr mit Fehlern behaftet, als dass Jesus ihm nicht seine Freundschaft anbietet.
Anbietet – denn Gott ist nicht aufdringlich.

Und das Zweite: Gott ist nicht verurteilend.
Manche Menschen haben ja Angst vor einem Gott, der alles sieht und alles weiß. Der alle unsere Gedanken kennt und auch das sieht, was wir ängstlich vor allen anderen verborgen halten.
Manche Menschen haben Angst vor einem Gott, der über alles das, was er sieht, ganz genau Buch führt und irgendwann kommt dann mal die große Abrechnung.
Und so sind manche Menschen ihr ganzes Leben auf der Flucht vor sich selbst und auf der Flucht vor Gott, der sie durchschaut, und der ihnen Angst macht – auch wenn sie es nicht zugeben.
Von Jesus Christus können wir lernen, was es heißt: Gott durchschaut die Menschen.
Von Jesus Christus heißt es immer wieder: Er sah die Menschen an.
Denn Jesus Christus hat die Menschen mit Gottes Augen angesehen.
Er sah die Menschen nicht nur an, sondern er durchschaute sie, so wie Gott uns durchschaut.
Er hatte den Blick Gottes in das Herz der Menschen.
Und das ist kein Blick von oben her, einer, der herabsetzt, keiner, der klein macht, das war der Blick der Liebe, die aufhilft, die anhört, die ernst nimmt, die vergibt, die zum Bruder, zur Schwester wird.
Das also ist der Blick Gottes auf das Herz der Menschen: nicht strafend, nicht bloßstellend, es ist der Blick der Liebe, die das Kleine groß, das Krumme gerade, und unüberwindliche Berge zur ebenen Wegstrecke machen will.
Ein Blick voller Verstehen, voller Erbarmen, voller Mitgefühl.
Gott ist nicht verurteilend, sondern voller Erbarmen.
Und in seinem Erbarmen geht er bis zum Letzten:
Jesus opfert sein Leben für die Menschen.
Für Dich, für mich.

Jesus, das letzte Wort Gottes an uns Menschen.
Gott spricht uns an – und er wartet auf eine Antwort.
Gott macht uns großartige Angebote – und er wartet darauf, dass wir darauf eingehen.
Auch unsere Beziehung zu Gott lebt davon, dass echtes Gespräch stattfindet zwischen ihm und uns, dass wir unsere Gedanken, Pläne, Ziele, unsere Freude und unseren Frust mit ihm teilen.
Nun ist es aber eben die Grundsünde, die Grund-Trennung von uns Menschen von Gott, dass wir dieses Gespräch mit ihm haben abreißen lassen.
Unser Glaube erschöpft sich oft genug in dem Für-wahr-Halten, dass es Gott gibt – ohne dass daraus eine lebendige Beziehung erwächst.
Wir reden mit allen und jedem über unsere Sorgen, aber nicht mit ihm. Wir fragen die Freundin, den Nachbarn im Fitness-Center oder die Kollegen um Rat, aber nicht unseren Schöpfer.
Oder wir sprechen mit keinem Menschen über unsere tiefsten Ängste – und schon gar nicht mit Gott.
Das Gespräch mit Gott, die Beziehung zu ihm ist gestört – aus den verschiedensten Ursachen:
Möglicherweise weichen wir ihm aus, denn Gott soll nicht hineinreden in unsere Entscheidungen;
oder wir sind zornig und enttäuscht über unser Leben und hegen ein tiefes Misstrauen, ob Gott es überhaupt gut mit uns meint;
oder wir wollen stark sein – da passt ein Gebet um Hilfe oder Wegweisung nicht ins Bild;
oder es erscheinen andere Gesprächspartner als Gott nahe Liegender, andere Gedankengänge schlüssiger als die Frage nach Gottes Willen.
Die Ursachen sind unterschiedlich – die Folge aber ist die gleiche: Die Beziehung zu Gott ist gebrochen, das Gespräch abgerissen – durch unsere Schuld.
In Jesus Christus macht uns Gott das Angebot, die Beziehung zu Gott wieder anzuknüpfen.
In Jesus Christus macht uns Gott das Angebot, in vertrautet Gemeinschaft mit ihm zu leben.
Jesus, das letzte Wort Gottes an uns Menschen.
Gott spricht uns an – und er wartet auf eine Antwort.

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, / kam in die Welt.
Er war in der Welt / und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum, / aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, / gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, / allen, die an seinen Namen glauben.
Das geht nur, wenn wir wollen.
Wenn wir JA dazu sagen: Ja, Jesus, ich will mit dir leben.
Ich will dir gehören im Leben und im Tod.
Ich will bei dir und mit dir sein, heute und alle Tage.
Ich will, dass du mein Freund und Helfer bist, mein Arzt und mein Ratgeber.
Ich will.
Amen

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