Weihnachten für uns

Weihnachten – die Geschichte von Krippe und Stall, von Hirten und Weisen ist Teil des Allgemeingutes geworden. Und doch ist diese Geschichte wie ein Märchen – ein gutes Märchen, sicherlich, aber eben ohne direkten Einfluss auf unser Leben.

Zumindest solange wir nicht selber diesen Geschichten Einfluss auf unser Leben geben. Ich glaube nicht, dass man wirklich Weihnachten feiern kann, ohne dieses Kind in der Krippe wirklich nah an sich herankommen zu lassen.

Weihnachten kann wirklich auf ganz Vieles verzichten, auf Tannenbaum und Lametta, auf Braten und Kuchen, auf Geschenke und Lichterkette, sogar auf Lieder und Gottesdienste.

Aber Weihnachten kann nicht verzichten auf die Geschichte von Gott und von seinem Sohn, in dem er sich den Menschen zuwendet.

Die Weihnachtsgeschichten, die wir kennen, werden nur zum einen Teil von Lukas (mit Engeln und Hirten) und von Matthäus (mit Stern und Weisen) überliefert. Die anderen beiden Evangelisten wissen von der Geschichte nichts und Paulus auch nicht. Trotzdem ist die Weihnachtsgeschichte richtig, weil sie das Wunder beschreibt, dass Gott sich in einmaliger Weise den Menschen zuwendet. Und da braucht es wohl derart phantasievolle Erzählungen, um das zu beschrieben, was sich Menschen eigentlich nicht vorstellen können. Dass Gott Mensch wird, ist schon unbeschreiblich genug, aber dass er dann noch im Stall in der Provinz zur Welt kommt, das ist eigentlich nicht zu fassen.

Und ich glaube wirklich Weihnachten werden kann es auch nur, wenn wir auch auf die anderen spröderen Bekenntnisse der Weihnacht hören, als nur auf die vertrauten Erzählungen, wenn wir hinhören: Was bleibt von dieser Nacht in Bethlehem bei den Menschen, die diesem Jesus nachgefolgt sind:

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Wie gesagt: ein etwas sprödes Bekenntnis, das von dem Wunder der Weihnacht erzählt: Gott wird Mensch.

Und dieses Bekenntnis beginnt damit, dass von der Freundlichkeit Gottes erzählt wird. Und von seiner Menschenliebe, mit der er die Menschen selig macht. Im Grunde erzählt der Titusbrief von der Taufe, genauer von einer weihnachtlichen Taufe, in der den Menschen bewusst wird, was da wirklich geschehen ist – für uns.

Es geht um die große Freude, die allem Volke widerfahren wird: Gottes Menschenfreundlichkeit ist erschienen.

Und es geht um Gott, der als Retter erscheint. Und vielleicht auch um uns, ob wir bereit sind, zuzugeben, dass wir Rettung brauchen.

Richtig Weihnachten feiern heißt eben auch, dass ich mich dazu bekenne, wie ich bin, dass ich zugebe, dass ich das brauche, dass mir die Menschenfreundlichkeit Gottes begegnet, dass Gott sich zu mir herablässt. Nicht nur irgendwelche Hirten oder Weise brauchen das. Ich brauche das. Wir brauchen das. Weihnachten ist weder was für Träumer noch für Figuren aus längst vergangenen Zeiten. Weihnachten ist heute für uns, auch für die, die sonst kein Gefühl an sich rankommen lassen. Die Güte Gottes hat uns gerettet, weil wir das nicht aus eigener Kraft können. Wenn das nicht Weihnachten ist – was dann?

Daraus kann sich Neues entwickeln: Die Hoffnung von der hier die Rede ist. Sie kommt wie die Engel ‚Vom Himmel hoch‘. Die Engel und die Hoffnung, das gehört zusammen. Sie verkünden eine neue Ära, in der die Menschen nicht mehr skeptisch in die Zukunft schauen, sondern von Gott etwas erwarten.

Eine Zeit, in der die Menschen, wie die Hirten auf den Feldern von Bethlehem in der Lage sind, den Gesang der Engel nicht nur zu hören, sondern auch zu glauben. Diesen Gesang, der ihr Leben verändern will. Der auch unser Leben verändern will. Auf diesen Gesang müssen wir hören, jetzt und in unserem ganzen Leben.

Mit diesem Gesang können wir zum Abendmahl gehen und dann wieder gestärkt vom Abendmahl weggehen, weil wir bekennen: Der Herr selber gibt sich uns in Brot und Wein.

Und er schenkt uns diesen Frieden, den wir so nötig brauchen, der mehr ist als das Sachweihgen von Waffen und der Verzicht auf den Gegenschlag.

Diesen Frieden, der bedeutet, dass wir wirklich versuchen Gemeinschaft zu leben, nicht nur Lebensmittel zu teilen. Dieser Frieden, der kommen kann, wenn wir uns von diesem Kind in der Krippe erleuchten lassen, wenn wir uns wie die Weisen hinabbeugen um das Wunder zu erkennen: Gott macht sich klein, damit wir groß werden.

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