Für unsere französischen Schwestern und Brüder

Liebe Schwestern und Brüder!
Heute am Volkstrauertag, an dem wir uns an die Toten und Opfer von Krieg, Terror und Gewaltherrschaft in unserem Land erinnern, stehen wir geschockt und fassungslos vor dem schrecklichen Terrorangriff in Paris.
Dort und dabei wurden weit über hundert unschuldige Menschen und blühende Leben gnadenlos und im Wahn des religiösen Terrors brutal ausgelöscht. Von offenbar blutjungen Terroristen, die dem IS zugerechnet werden.
Wir trauern um und mit unseren französichen Schwestern und Brüder.
Das alles macht fassungslos, man ist geschockt und verängstigt. Das fünfte oder sechste Gebot: Du sollst nicht töten! je nach Zählung wurde im Namen einer Religion schrecklich missbraucht und Menschen wurden einfach so mit Maschinengewehren niedergemetzelt und dann mit selbstmörderischen Sprengstoffattentaten in die Luft gebombt.

Da ist man innerlich gelähmt, fassungslos und wird stumm.

Unsere französischen Freunde erleben entsetzliches Leid und einen Alptraum in Paris. Der französische Staat reagiert verständlicherweise mit Ausnahmezustand und dem Versuch die Drahtzieher dieser schrecklichen Bluttat beizukommen.
Mitempfinden, tiefe Empathie, Solidarität mit den ermordeten Opfern und ihren Angehörigen und das Angebot der Hilfe einem in dieser Situation einander beizustehen, sind das Mindeste, was wir dazu leisten können.
Frankreich, der französische Staat, unsere französischen und somit besten Freunde, aber auch unser freies gesellschaftliches System und das Miteinander in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind bis ins Mark getroffen.
Und der wahnsinnige Terror kommt immer näher in unsere offenen und demokratischen Gesellschaften in Europa.

Wer unsere französischen Schwestern und Brüder angreift und tötet, der greift auch uns an.

Dieser Terror ist ja in seiner brutalen Wirklichkeit noch viel schlimmer als die eschatologisch-endzeitlichen Reden Jesu bei Matthäus im 25. Kapitel ein Bild in unserem Kopf malen können oder einen inneren Horrorfilm in uns ablaufen lassen können.

Das ist wirklich schlimm und macht einen fast stumm und so hilflos, weil man weiß, dass man nahezu keine Chance hat gegen diese Art von religiösem Wahnsinn.

Liebe Schwestern und Brüder, doch dort in Frankreich, bei unseren französischen Geschwistern, da sind jetzt unsere Gedanken und Empfindungen. Da müssen wir helfen und für sie da sein mit Trost, Hilfe und dem gemeinsamen Aushalten dieser barbarischen Taten.
Wir tun dies nachher im und durch das Gebet.

Auch heute am Volkstrauertag
Ein Tag, an dem uns Tausende von Mahnmalen in unserem Land daran erinnern, dass wir die Pflicht und die Verantwortung als Nachgeborene haben, uns für Frieden und Völkerverständigung einzusetzen. Unser Volkstrauertag ist ein Tag der Besinnung und Erinnerung auf und an das millionenfache Sterben in den beiden Weltkriegen und ein Anlass, über den Gräbern und an den Mahnmalen die Versöhnung zu wagen. Diese Versöhnung kann allerdings nur gelingen, wo Gottes versöhnendes Ja gehört und mit bedacht wird. Deswegen wird der Volkstrauertag seit dem Jahr 1922 auch von den Kirchen mit begangen.
Und so ist und bleibt jedes Mahnmal mit den Namen der gefallenen der beiden Weltkriege ein unauslöschliches Symbol für verlorenes und einmaliges Leben. Leben, das einstmals Väter, Brüder, Söhne und Ehemänner geführt haben. Und das einzige, was von ihnen blieb, ist der Name auf den Ehrenmalen.

Und man kann schon im Namen der Vernunft und auch in Jesu Namen frage: warum hast du das getan?
Warum hast du dich und Andersgläubige, auch zu Recht anders Lebende unschuldige Mesnchen und Andersdenkende einfach im falschen Verständnis einer Religion umgebracht?
Warum?

Doch auch wenn extremes Unverständnis und Zorn über diese abscheulichen Verbrechen in unsere Gedanken und Gefühle gerät, hören wir, was Jesus uns sagt:
Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Und selig sind diejenigen, die Gottes Wort hören und bewahren.

Und das Wort Gottes für heute lautet:
Wir helfen unseren französischen Schwestern und Brüder, wir kümmern uns um sie, wenn es nötig ist, so wie sie sich um uns gekümmert haben als das Flugzeug in den Alpen abstürzte.
Wir helfen ihnen und beten für sie in Geschwisterlichkeit und mit der Liebe der Brüderlichkeit.
Brüder und Schwestern im Geiste, die die gleichen Wertvorstellungen und Ansichten teilen, haben quasi solche freundschaftlichen Bande, dei durch nichts zu erschüttern sind. Sie sind Kinder der gleichen europäischen Gesellschaften und im christlich religiösem Sinn auch Kinder und Ebenbilder Gottes. Und Familien und Freunde halten bekanntlich bei Angst, Not, Hunger, Durst, Gefangennahme und Tod zusammen. Das machen wir so und das werden wir auch weiterhin machen.
Das ist pure Menschlichkeit und demokratische Pflicht. Es ist auch ein Akt der Humanität und der Fähigkeit des Menschen mitzuempfinden und Hilfe zu leisten.
Nicht der Terror und die islamistische Apokalypse haben das letzte Wort, sondern Nächstenliebe, Friedfertigkeit, Barmherzigkeit, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
Und wer seine Brüder und Schwestern liebt, der setzt sich für sie ein, der hilft ihnen bei Angst, Not, Trauer, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Tod.
Das will Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes von uns, der Namensgeber unserer Religion und unseres Glaubens unser Erlöser.
Er will Barmherzigkeit, Frieden, Solidarität, Menschlichkeit, Brüderlichkeit und Mitgefühl.
Dafür und davon leben wir und auch unseres französischen Geschwister, für die wir jetzt in tiefer Anteilnahme beten:

(aus: Werkstatt für Liturgie und Predigt)
Heiliger Geist, du Atem des Lebens,
wir klagen heute über jeden einzelnen Menschen: jedes Kind, das hungert; wir klagen vor dir über jede Frau, die flieht, und jeden Mann, der in einen Krieg ziehen muss, den andere befohlen haben; wir klagen dir, dass wir noch immer so viel Kraft und Geld aufwenden für die Maschinerie des Todes. Wir klagen dir, dass wir so hilflos sind.
wir rufen: Herr, erbarme dich unser.

Dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist:
(Ergänzung, A. Koch) Wir klagen heute über die Opfer von Terroranschlägen in aller Welt. Wir klagen über die Opfer in Paris.
Die Attentäter werden von blindem Hass gegen anders Denkende oder anders Glaubende getrieben. Wir klagen dir den Hass, die Angst, die Verunsicherung. Wir klagen über jedes Opfer und ihre Familien. Wir klagen dir den Missbrauch von Religion, die dazu benutzt wird das eigene Machtstreben zu tarnen. Wir klagen dir, dass wir so hilflos sind.
wir rufen: Herr, erbarme dich unser.
Höre unser Klagen und erbarme dich unser.

Amen.

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