Jesus und die Kinder und Bettina Wegner – Erprobung, OP I

MARKUS 10,13-16
DIE SEGNUNG DER KINDER
13 Und sie brachten Kinder zu Jesus, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an.
14 Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.
15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
16 Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Liebe Schwestern und Brüder!
Kinderglaube ist die reinste Form des Glaubens. Einfach der Glaube ohne die vielen enttäuschenden, auch von Zweifel geplagten und schmerzvollen Erfahrungen von uns Erwachsenen.
Kinder glauben und wissen für sich in ihrer Seele, dass Jesus ihr großer Freund und Bruder ist, und dass Jesus den Menschen und Kindern hilft. Jesus kann alles heilen, kann allen helfen und tröstet, wenn man traurig ist. Ja, Jesus vollbringt Wunder. So naiv und unschuldig ist Kinderglaube im besten Sinne des Wortes. Diese Art des Glaubens ist ohne Zweifel, Angst und ohne Sorge und Vorurteil. In weiten Teilen rein, unschuldig , unkompliziert und voller großer Hoffnung.
Es ist schön den kleinen Kindern zu zusehen wie sie ihren Glauben ausdrücken und praktizieren. Wie sie ihre kleinen Finger falten, um zu beten. Fröhlich und ohne Falsch laut und kräftig singen. Die Augen beim Beten schließen und den Platz neben sich frei lassen, weil sie beim Beten sprechen:
Komm, Herr Jesu, sei Du unser Gast und segne, was du bescheret hast! Als Gast steht Jesus ein Platz am Tisch zu!

Kinderglauben ist unverkrampft und elementar: Die Toten, der verstorbene Opa oder die Oma sind selbstverständlich im Himmel bei Jesus. Und der ist über uns, über den Wolken. Und von dort passt er auf sie auf.
Kinder freuen sich alle Jahre wieder auf das Christkind und das Jesus-Baby. Sie warten und empfangen mit kleinen Händen und großen Augen, alle Kinder auf der ganzen Welt.
Wer das jemals gesehen hat und diese kindliche Freude und das tiefe, unbändige und innere Ur-Vertrauen und Gottvertrauen von kleinen Kindern als Eltern, Geschwister oder Großeltern miterlebt hat, eben auch als Erzieher, Lehrer oder Pfarrer erfahren hat, der wünscht sich, dies könne ein Leben so bleiben. Um eben dieses religiöse Reich Gottes als Schatz der Kindheit im Leben und ewig in der Seele mit sich zu tragen.
Von Kindern kann man den Glauben lernen. Ganz einfach und ganz elementar. Sie lieben und glauben bedingungslos und fest und tief und mit solch einer Stärke, dass wir Erwachsene häufig sprachlos, gerührt und voller Staunen daneben stehen.

Jesus und die Kinder! Welche kurze und intensive Episode im Leben Jesu. Jesus liebte die Kinder. Das erzählt die kleine Geschichte. Er war ein Freund der Kinder, so erzählt es uns der heutige Predigttext.
Zurzeit Jesu wurden Kinder nicht so freundlich behandelt wie wir es heute mit großer Selbstverständlichkeit gewohnt sind.
Eher wurde sie vertrieben, geschlagen und mit harter Hand erzogen. Von wegen Pädagogik und diskursive Erziehung, eher Schläge und eine harte Hand zum Führen waren der Erziehungsstil.

Auch die Jünger empfanden die Kinder als lästige Brut, die ihren Meister und Freund Jesus belästigen wollten. Kleine „Nöler“ und bettelnde Störenfriede mit häufig frechem Umgangston.

Doch Jesus sah und sieht etwas ganz anders in ihnen.
Kleine Menschen und Persönlichkeiten, deren Vertrauen und Glauben in Gott unermesslich und so ohne Arg und Falsch ist.
Sie lassen sich alles aus Liebe schenken und geben Liebe zurück.
Und ihr Glaube ist wie eine leere, zum Empfangen geöffnete Kinderhand.
Das Potential und die in ihnen angelegten Möglichkeiten und Talente sind zu erahnen und auch im und durch den Glauben zu wecken.
Aber in erster Linie ist Glaube ein großes Geschenk.
Glaube, der darin gründet, dass Jesus als Sohn Gottes der Retter und Heiland ist.
Glaube, der tief im Inneren spürt und weiß, dass mit Jesus und durch Jesus und in seiner gegenwärtigen Botschaft, das Reich Gottes anbricht.
Wenn wir das begreifen, wenn wir in unserem Leben und Handeln spüren, dass Jesus die Kinder nicht nur besonders freundlich behandelte –ganz anders als seine nächste Umgebung zum Beispiel.

Und wenn wir zudem noch erkennen, dass er die Kinder herzte und drückte und segnete, dann wissen wir, dass in der dankbaren, kleinen Kinderhand und im fröhlichen Kindergesicht so etwas aufblitzt wie GottesHerrlichkeit im Hier und Jetzt. Gottes Ebenbild ist in jedem Menschen zu sehen.

Kindermund tut Wahrheit kund!
Von und durch den Kindermund, die durch Jesus gesegnet wurden, die also mit Gottes guter behütender und dem Leben zugewandter Kraft und Dynamik versehen wurden, aus diesen Worten, Herzen und Seelen kommt die Botschaft vom Reich Gottes.
Die geöffnete und empfangende Kinderhand, die sich vertrauensvoll und dankbar in die großen Hände der Mutter oder des Vaters legt, symbolisiert die Macht des Glaubens.
Glauben, der ein Geschenk ist wie es Kinder sind.
Glauben, der sich auf Gottes Liebe, Gnade und Treue verlässt so wie Kinder sich dabei und dadurch auf ihre liebenden Eltern verlassen. Fürsorge, Verantwortung, Pflicht und Auftrag, den anderen zu lieben sind dafür die Handlungsmaxime bei der Erziehung.

Und wer sich mit diesen Glauben an und durch Jesus Christus beschenken lässt und sich durch diesen Glauben im Leben und Sterben stärkt, der empfängt durch den Sohn Gottes, unseren Heiland, Retter und Erlöser den Segen Gottes zugesprochen.
Gottes Reich ist im Glauben an Jesus Christus jetzt schon da.
Wer das glaubt, erahnt, weiß und darauf hofft, der wird von ihm wie ein Kind in die Arme geschlossen und gesegnet.

Dafür brauch ich ähnlich wie die Kinde keine Leistung zu bringen.
So wie die Kinder darauf angewiesen sind, dass wir uns um sie kümmern und umsorgen, so können wir uns auch als Gottes Kinder im und durch den Glauben an Jesus Christus, darauf verlassen, dass er uns bedingungslos liebt. Das nennt man Liebe, Treue und Gnade Gottes.
Der Prototyp für diese bedingungslos und ohne Kalkül empfangende Liebe im Reich Gottes, aber ebenso von und durch Gott gegebene Liebe im Reich Gottes, dies sind die Kinder.
Ihnen gehört das Reich Gottes und ihnen wie uns verspricht Jesus ganz nahe zu sein mit seinem göttlichen Segen.

Die Liedermacherin Bettina Wegner hat in den 70er Jahren ein anrührendes und bewegendes Lied über die Kinder abgefasst, es heißt „sind so kleine Hände“:

Sind so kleine Hände, winz’ge Finger dran
Darf man nie drauf schlagen, die zerbrechen dann

Sind so kleine Füße, mit so kleinen Zeh’n
Darf man nie drauf treten, könn‘ sie sonst nicht geh’n

Sind so kleine Ohren, scharf und ihr erlaubt
Darf man nie zerbrüllen, werden davon taub

Sind so schöne Münder, sprechen alles aus
Darf man nie verbieten, kommt sonst nichts mehr raus

Sind so klare Augen, die noch alles seh’n
Darf man nie verbinden, könn’n sie nichts versteh’n

Sind so kleine Seelen, offen und ganz frei
Darf man niemals quälen, geh’n kaputt dabei

Ist so’n kleines Rückgrat, sieht man fast noch nicht
Darf man niemals beugen, weil es sonst zerbricht

Grade klare Menschen wär’n ein schönes Ziel
Leute ohne Rückgrat hab’n wir schon zuviel.

Das Ziel sind freie, grade und klare Menschen mit Rückgrat.
Eine schöne Vorstellung und Vision von der Liebe unter den Menschen. Leider allzu häufig missbraucht und mit Füßen getreten.

Liebe Schwestern und Brüder, unser Rückgrat wird durch und mit dem Glauben an Jesus Christus gestützt, denn in seinem Reich werden wir geherzt und gesegnet und es lohnt sich für das Kommen dieses Reich im Himmel wie auf Erden zu beten.
Die Kinder sehen es jetzt schon, mit ihren klaren Augen, und greifen Jesu Hand ganz fest mit ihren kleinen Händen und empfangen den Segen.

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