Freunde fürs Leben

Der Besitzer von der Immobilie, in der hier unangemeldet Dacharbeiten ausgeführt werden, hat sicher Blut und Wasser geschwitzt. Was machen die mit meinem schönen Haus? Und anders als der Geroldsgrüner Kirchenvorstand hatten die keine öffentlichen Geldgeber für eine teure Renovierung in der Hinterhand wie Freistaat, Denkmalpflege oder Landeskirchenamt.

Aber vielleicht war bei dem Hausbesitzer der Ärger über den unerwarteten Dachschaden längst verflogen. Weil dieser Ärger dem Staunen gewichen war. Dem Staunen über das, was Jesus vermag. Dem Staunen darüber, was gute Freunde zu unternehmen imstande sind für jemand, der ihnen etwas bedeutet.

Ja, wer gute Freunde hat, ist zu beneiden. Bei Freunden gibt es ja sone und solche. Auf der einen Seite die sogenannten Freunde. Die wollen einen gern benutzen für ihre Zwecke. Die wollen einem ihren Stempel aufdrücken. Solche gibt’s in der Schule, die gibt’s unter den Kollegen, die gibt’s sogar in der Kirche unter lieben Geschwistern im Herrn. Die sogenannten Freunde. Wenn du dich nicht nach ihnen richtest, ziehen sie sich beleidigt zurück oder wischen dir eins aus.

So wie die Freundinnen von Simson, dem langmähnigen Allesbesieger aus der Zeit des Alten Testaments. Der ging keinem Streit aus dem Wege, aber auch keiner schönen Frau. Die Mädels haben ihn bezirzt und er hatte ja auch manches schöne Stündchen in ihren Armen. Aber sich der Liebsten ganz anvertrauen, davor schreckte er lange zurück. Denn da war er schon einmal reingefallen. Seine Verlobte hatte einst ein Geheimnis ausgeplaudert. Daran war die Beziehung zerbrochen.

Das hatte ihn vorsichtig gemacht. Lange Zeit. Bis er bei einer den Eindruck hatte: Der kann ich alles sagen. Er verrät ihr das Geheimnis seiner Kraft. Das gibt sie für viel Geld seinen Feinden preis. Die überwältigen ihn und schalten Simson aus. Kann man sich also auf niemandem mehr verlassen? Muß jeder sehen, wie er alleine klarkommt?

Zum Glück gibt es noch die andere Sorte Freunde. Rar gesät, aber es gibt sie. So wie jene vier, die ihren kranken Kumpel auch dann noch besuchten, als er nicht mehr zur Arbeit konnte. Als er nicht mehr mitwandern konnte an einem sonnigen Wochenende. Nicht mehr auf dem Fußballplatz stehen und die Heimmannschaft anfeuern. Der konnte nämlich weder stehen noch sitzen. Er war ans Bett gefesselt. Rollstühle und Pflegeversicherung gab es noch nicht. Auf Bettelei und Mitleid wäre er angewiesen, hätte er nicht diese Freunde gehabt von der guten Sorte. Die auch noch zu ihm hielten, als er nicht mehr zu ihren Treffs kommen konnte, sondern auf Besuch angewiesen war. Und sie besuchten ihn, treu.

Sie erzählten ihm die Neuigkeiten, die er von sich aus nie mitbekommen hätte, denn von der Info über das Geschehen in der Welt genau wie auf dem Dorf wäre er abgeschnitten. Ohne seine Freunde. Die erzählten ihm das Tagesgeschehen in der Außenwelt. Und eines Tages war die Top-Nachricht: Jesus ist in der Gegend. Darüber sprachen diese Freunde mit dem Kranken.
Sie dachten sich nämlich: Das beste, was wir tun können, das beste, was ihm passieren kann, ist wenn er Jesus kennenlernt. Wenn Jesus sein Leben verändert. Und so kam es, daß sie ihren kranken Freund an jenem Tag, als Jesus im größten Saal des Ortes einen Vortrag hielt, auf die Matte hievten und dorthin schleppten.

Wer von uns schon mal Einsatz hatte als Rettungssanitäter, der weiß, wie anstrengend das sein kann. Damals gab es keine aufklappbaren Krankentragen auf Rollen. Handarbeit war angesagt. Da werden die Arme beim Tragen immer länger.

Auf einer Konfirmandenfreizeit war nachts in einem der Jungenszimmer mächtig Krach. Wir Leiter hatten den Nachtschwärmern bereits die gelbe Karte gezeigt. Dann kam wie angedroht die rote. Rote Karte bedeutete Platzverweis. Das hieß in diesem Fall, ein anderer Schlafplatz als im Zimmer.
Das Bett musste er natürlich mitnehmen. Na ja, wir waren großzügig. Nicht das ganze Bett, nur die Matratze. Das neue, ruhigere Nachtquartier lag 2 Etagen tiefer im Tischtennisraum. Nun hat das Schloß Ascheberg am Plöner See sehr hohe Zimmer. Auf dem Titelbild vom Gottesdienstblatt seht ihr einige Konfis im Kronleuchtersaal dort. Der ist doppelt so hoch wie ihn das Bild wiedergibt. 4m vermute ich mal. Entsprechend viele Stufen hat die Treppe. Es wurde also für den Konfirmanden sehr mühsam, seine Matratze 3 Etagen runter zu schleppen.
Da hatten es die Freunde aus unserer Geschichte einfacher, das Haus war flacher und die Matratze leichter. Zugleich hatten sie es schwerer, denn es lag noch jemand drauf.

Schließlich kommen sie ans Ziel. Megastau. Kein Durchkommen. Vor dem Haus alles voller Menschen. Von Barrierefreiheit keine Spur Da haben sie eine Idee. Sie versuchen es übers Dach.
Klar gab das Ärger. Erst mal haben die das Dach kaputt gemacht. Zum Glück lagen keine Ziegel drauf. Nur trockener Lehm. Den brechen sie raus, bis die Lücke groß genug ist. Dabei ist der Dreck natürlich runter gerieselt. Von wegen alles Gute kommt von oben. Da kam Bauschutt, Ungeziefer, Staub und Sand. Alles fiel dahin, wo die Leute eng standen und scheinbar kein Platz war. Dort unten drängt alles beiseite.Damit das schöne Hemd keine Flecken kriegt. Damit die schöne Frisur nicht ruiniert wird mit Staub und Bröseln.

Im Nu war unter dem Loch alles frei. Da konnten die vier Freunde den Kranken ganz bequem abseilen. Und er kriegte den besten Platz.

Manchmal, wenn Heiligabend ist oder ein anderes großes Fest in dieser Kirche. Und Kinder wirken mit beim Krippenspiel. Dann kommen die Verwandten schon ganz früh und wollen in die erste Reihe. Da können sie alles gut sehen und ein Foto machen. Viel wichtiger ist aber, dass wir in die erste Reihe zu Jesus kommen. Wie dieser Kranke. Das kannst du jeden Sonntag haben. Hier in der Kirche triffst du Jesus. Er ist nicht zu sehen. Aber er ist doch da. Er spricht zu uns durch die Geschichten aus der Bibel und die Erklärungen dazu. Wir beten zu ihm. Und er hilft uns.

Leider gibt es Leute die sagen: Mich kriegen keine 10 Pferde in eine Kirche. Da gehe ich nicht hin weil mecker mecker. Es gibt immer einen Grund. Die Orgel ist zu laut, die Predigt zu leise, es ist zu kalt oder zu drückend. Es ist zu fromm oder zu weltlich. Dann ist es gut, wenn es Freunde gibt. Freunde, die glauben. Freunde zu sagen: Hey, komm doch mit. Wir gehen da hin und du kommst mit. Wirst sehen, das tut dir gut!

Vermutlich ist keiner hier heute morgen, der ohne Zubringerdienste von anderen Christen zu Jesus gekommen ist. Da haben Eltern gebetet und sind Vorbilder gewesen. Da haben Freunde eingeladen und abgeholt. Da haben Mitchristen lange, nächtelang Gespräche geführt. Stunde um Stunde versucht, Antwort zu geben auf Fragen und Zweifel. Ihr gesegneten Zuträger! Fürbitte und Fürsorge, das zusammen bewirkt 100 mal mehr als Handzettel und Plakate, die wir aber natürlich auch brauchen.

So wie diese Freunde ihren kranken Kumpel zu Jesus gebracht haben. So kannst du deinen Nachbarn zu Jesus bringen. Z.B. indem du ihn mitnimmst an einem der Abende zum Christsein in Naila. Am besten gleich Ende Oktober, weil wenn der Nachbar beeindruckt ist, kommt er vielleicht schon ganz von alleine an einem weiteren Abend. Dort in der Frankenhalle ist die Hemmschwelle niedriger als in der Kirche. Und der Glaube wird in einem ansprechenden Rahmen zeitgemäß erläutert.

Leider geschieht es selten genug, dass Freund einen näher zu Gott bringen. Oft geschieht das Gegenteil: Menschen, die einem nahestehen, bringen einen von Gott weg. Davon erzählt die Bibel schon auf den ersten Seiten. Im Paradies war es zunächst sehr harmonisch. Er ist glücklich, sie ist glücklich: Adam sagt sich: Mann, diese tolle Frau, die ist ja genauso gut gebaut wie ich.

Eva sagt: Stimmt, echt prima hier, was haben wirs doch gut. Großer Garten, kein Verkehrslärm, und Gott ist immer ganz in unserer Nähe. Zu ihm können wir mit allem kommen, was uns bedrückt. Gott ist total großzügig, so viel Freiheit läßt er uns, und der eine Baum da, wo wir nicht hindürfen, interessiert uns überhaupt nicht.

Aber dann ist da die Stimme des Versuchers. Adam und Eva hören lieber auf diese Stimme als auf Gottes Stimme. Das stellt sich als verhängnisvoller Fehler heraus. Sie verlieren den Glauben. Nun sehen die Welt mit anderen Augen. Nun sehen sie einander mit anderen Augen. Sie haben Geheimnisse voreinander, schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Verlorener Glaube verändert eine Beziehung zum Negativen.
Verlorener Glaube führt zu einem Verlust an Beziehungen. Klar führt auch gefundener Glaube zu einem Verlust von Beziehungen. Um die es aber oft nicht wirklich schade ist, weil sie oberflächlich waren. Das gleicht Jesus dann aus mit wunderbaren neuen Beziehungen, die viel besser sind. Freundschaften mit Qualität.

Von so einem, der viele neue Freunde gefunden hat, als ihm der Glaube wichtig wurde, muß ich noch erzählen. Er war eigentlich kein Typ, den man auf Anhieb mag. Er war eher unsympathisch. Einer, dem niemand gern begegnet. Wenn einer mit ihm zu tun kriegte, dann unfreiwillig, gezwungenermaßen. Zwang und Zwangsmaßnahmen waren nämlich seine tägliche Beschäftigung. Ein Mann ohne Freunde. Bis sich sein Leben über Nacht verändert hat. Wie kam es dazu? Fragen wir ihn doch selbst:

(Aufseher kommt schlüsselklappernd aus der Sakristei)
Hallo, mein Herr, darf ich Sie mal eben stören?

Ja, wenns nicht zu lange dauert. Ich drehe nämlich gerade meine Runde.

Wo arbeiten Sie denn?

Im Stadtgefängnis von Philippi. Da muss ich mich mehrmals am Tage überzeugen, ob alle Zellen dicht sind.

Ist das denn nötig?

Na hören Sie, ich bin hier der Chef. Ich trage die alleinige Verantwortung dafür, daß alle Gefangenen an Ort und Stelle bleiben.

Die sind doch sicher gut verwahrt.

So sollte es sein. Aber es kann immer was schiefgehen. Es ist ja nicht wie in Ihrem Jahrhundert, wo ein Justizminister die Schuld übernimmt, wenn ein Gefangener ausbüchst. Hier haftet der Aufseher mit seinem Leben.

Ist es denn schon mal vorgekommen, daß Ihnen ein Gefangener abhanden kam oder beinahe geflohen ist?

Einmal wäre mir um ein Haar die ganze Belegschaft entwischt.
Das interessiert mich.

Erzählen Sie mal.

Also, wir hatten zwei Neuzugänge. Es waren christliche Missionare, die erstmals nach Europa übergesetzt hatten. Der eine hieß Silas, der andere Paulus. Einige Unternehmer, die mit obskuren Geschäften große Gewinne machten, hatten sie angezeigt. So landeten sie bei mir.

Wie wurden sie behandelt?

Damals war ich noch kein Christ. Ich behandelte sie wie alle Gefangenen. Ich ließ sie auspeitschen und brachte sie fürs erste in die schlimmste Zelle. Da ließ ich ihre Füße in den Block einschließen. So hatte ich bisher noch jeden zum Zittern gebracht. Alle in der Stadt wußten, daß ich so mit den Inhaftierten umging. Ich hatte keine Freunde. Die Leute in der Stadt verachteten mich, und die Gefangenen krochen vor mir.

Diese offenbar nicht.

Nein, sie ließen alles ohne Murren und Flüche geschehen. Sie waren die ersten, die mich nicht mit Haß und Verachtung behandelten. Um Mitternacht sangen sie sogar christliche Lieder. Und dann kam das Erdbeben.

Eine Katastrophe?

In jener Nacht, als die beiden ihre Lieder sangen, zitterte die Erde. Die Wände wackelten. Ich wachte auf und stürzte auf den Flur. Alle Türen standen offen.

Peinlich für einen Aufseher.

Ich dachte, die sind alle auf und davon. Ich wußte, was mir blüht. Ich nahm mein Schwert und wollte mich hineinstürzen. Da rief eine Stimme: Tu dir nichts an, wir sind noch alle hier.

Kaum zu glauben.

Genau, ich dachte: Was kann es für einen Gefangenen wichtigeres geben als die Freiheit? Die müßten doch froh sein, einen Widerling, der sie so behandelt hat, los zu sein. Ich fragte sie, warum sie mich trotzdem mögen. Da erzählten sie mir von Jesus. Der Glaube an ihn ließe sie alle Menschen mit andern Augen sehen, selbst so einen Fiesling wie mich. Ich dachte: Das, was die haben, will ich auch haben.

Und weiter?

Ich versuchte erst mal gut zu machen, was ich angerichtet hatte. Ich wusch ihnen die Striemen ab. Dann fragte ich: Wie kann ich zu euer Einstellung finden. Sie sagten: Glaube an den Herrn Jesus, dann wirst du und dein Haus selig. Das habe ich gemacht. Ich bin auf die Knie gefallen und habe gebetet: Herr Jesus, du siehst mein bisheriges Leben. Ich war gemein und habe viele verletzt. Meine Arbeit bedeutete mir alles. Vergib mir. Zeige mir, wo du mich sinnvoll gebrauchen willst in dieser Welt. Und beschütze bitte diese beiden Männer, die mir zu Freunden geworden sind.

Und dann?

Dann hab ich die beiden zu mir nach Hause eingeladen. Er hat ja gesagt: Du und dein Haus. Ich hab meiner Frau und meinen Kindern alles erzählt. Nicht nur von dem Erdbeben. Auch wie ich vorher mit den Gefangenen umgesprungen bin. Die hatten ja keine Ahnung. Ich habe gefragt: Wollt ihr auch Christ werden? Klar wollten sie. Und dann haben wir uns alle taufen lassen.
Und dann haben wir ihn gefeiert. Den Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Zuallererst die Freundschaft mit Jesus. Und dann die Freundschaft mit den Christen aus der Gemeinde in Philippi. Dort hat sogar einer wie ich Freunde fürs Leben gefunden.

Danke Björn für diese Spielszene aus der Vergangenheit. Die uns an die Hand nimmt. Von der Ausgangsfrage „Wie finde ich einen guten Freund“ über die Fortsetzung: „Wem kann ich ein guter Freund werden?“ Bis zu der Frage: „Wie kann ich meine Freunde zu Jesus bringen?“

Das kannst du ganz leicht tun. Dreh die Worte einfach um. Bring Jesus zu deinem Freund, deiner Freundin. Du musst dazu kein Dach beschädigen. Wenn dein Freund oder deine Freundin krank ist, ernsthaft krank, womöglich im Krankenhaus. Da kannst du einen Besuch machen. Nimm Jesus dahin mit. Das geht so: Bevor du aufbrichst, schreib eine Karte. Eine gute christliche Karte. Wo mehr drauf steht als Gute Besserung. Eine Karte mit einem mutmachenden Bibelwort.

Eine schöne Auswahl findet sich bei Heike Thüroff im Gemeindebüro für 1,2 Euro. Dann machst du deinen Besuch. Auf dem Weg betest du um Gottes Heiligen Geist, dass er dir Einfühlungsvermögen gibt. Schlagfertigkeit. Selbstvertrauen. Auch wenn im Krankenzimmer 3 oder 4 Betten belegt sind und noch Besuch da. Hab Selbstvertrauen. Du kommst im Namen Jesu. Gib dem Kranken die Karte, lies sie vor oder er liest, vielleicht auch später. Begrüß auch die anderen Kranken. Erkundige dich nach ihrem Ergehen. Und bevor du gehst, sprich ein vernehmbares, engagiertes Gebet. Für deinen kranken Freund. Und für die Bettnachbarn. Gern auch für die anderen Kranken auf dem Flur und das Personal. So kommt Jesus an die Orte des Bangens und der Schmerzen. Dankbarkeit und Hoffnung, oft auch unerwartetes Staunen bleiben zurück. Und die Karte auf dem Tisch erinnert weiter an diesen Moment, wo Jesus zu den Kranken kam.

So zeigt uns das heutige Evangelium, wie gut wir dran sind, wenn wir dicke Freunde haben. Und wieviel besser wir dran sind, wenn wir Jesus zum Freund haben. Einen Freund fürs Leben. Er bringt uns auf die Beine. Er bringt uns in den Himmel. Amen.

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