Der reiche Autobauer

VORBEMERKUNG!
Die Idee in der Predigt aus aktuellem Anlass ein Gleichnis über den reichen Autobauer zu verfassen stammt von meiner Ehefrau, Pfarrerin Andrea Koch.

Liebe Schwestern und Brüder!
Über 20 Jahre habe ich das Recht auf Kanzeln zu steigen und zu predigen. Und doch habe ich bisher noch kein Mal über das hier beschriebene Gleichnis Jesu vom sog. Reichen Kornbauer zum Erntedankfest gepredigt.
Ich bin selber in der Landwirtschaft groß geworden und das Gleichnis vom reichen Kornbauern war mir immer zu moralisch. Oder zu moralisch ausgelegt. Meine Vorfahren und die meisten Bauern, die ich kannte und kenne, waren und sind keine reichen Großgrundbesitzer oder solche „gierigen “ Typen. Im Gegenteil die Milchpreise sinken und die anderen Einnahmequellen in der heutigen Landwirtschaft sind auch immer Wettereinflüssen und immer mehr Angebots- und Nachfragesituationen der Weltwirtschaft ausgesetzt. Landwirtschaft ist schwer heutzutage und wir müssen und sollten unseren Landwirten dankbar dafür sein, was alles aus Gottes Erde in Saat und Ernte für uns angebaut und geerntet wird. Getreide, Gemüse, Kartoffeln, Rüben und Kraut, das uns satt macht und uns Gottes lebensspendende Fülle aus der Natur schenkt. Das ist nicht selbstverständlich. Dafür sollten wir dankbar sein. Den Bauern zuerst.

Doch ein Thema des Gleichnisses ist unbestritten die unermessliche und selbstgefällige Gier in uns Menschen. Aber auch dümmlicher Größenwahn und korrupte Selbstgefälligkeit werden im Gleichnis angesprochen.

Heutzutage ginge das Gleichnis vielleicht so:

Es war einmal ein bekannter Autobauer, der schon lange viele gute Autos herstellte. Ursprünglich waren es kleine und robuste Fahrzeuge, liebevoll „Käfer“ genannte Autos, die zum „Volkswagen“ für viele wurden. Und der Autobauer wurde damit und durch dieses Auto und noch Millionen anderer reich und berühmt. Denn dieses Auto, dieser Volkswagen lief, und läuft und wird wahrscheinlich noch laufen. Er war einfach "das Auto".
Doch das reichte dem Autobauer innerlich nicht: Er wollte der größte und wichtigste Autobauer der Welt werden. Er wollte einfach nur das „Auto“ sein. Und so produzierte er immer mehr Autos und kaufte alle prominenten Automarken. Und führte sie alle unter seinem Dach. Und er erweiterte und vergrößerte seinen Fuhrpark auch gegen die fernöstliche Konkurrenz. Schließlich war er fast am Ziel: der größte Autobauer der Welt zu sein. Und das Geschäft lief gut. Da wurde er noch gieriger und sprach zu sich selbst und durch seine unzufriedene Managerseelen in sich selbst: Noch mehr Gewinn und Profit wäre möglich, wenn Du in deine Dieselmotoren, die sauber sein sollen, einfach Dinge nicht einbaust oder die Software so manipulierst, dass die Emissionen und Abgase sauber scheinen, ohne zu sein. Das war eine schlaue Idee! sagte sich die „Profit- und Gier Seele im Autobauer. Und noch besser ist es, wenn du deinem Auto das Image eines besonderen Umweltwagens gibst. Und am besten machst du dies im Land des Kapitalismus, denn dann sind noch mehr Profite möglich. Lügen und Betrügen gehört irgendwie zum Geschäft, dachte sich der Autobauer. Und macht sein Geschäft.
Doch eines Tages kam allerdings die nicht korrumbierbare und strenge Aufsichtsbehörde im Land des Kapitalismus hinter diesen Betrug. Und so mussten der Chefmanager und noch andere Manager des Autobauers zurücktreten. Und das Image des Autobauers liegt nun am Boden. Seine Seele hatte er an den teuflischen Profit und die Gier verkauft. Und vergessen hatte er, dass wer sich solche Schätze sammelt, dann durch seinem Hochmut tief fällt und auf dem Boden liegen bleibt und daran wirtschaftlich sterben kann.

Soweit das aktuelle Gleichnis über diese in uns wachsende und gedeihende unersättliche Gier. Gier mit Größenwahnsinn gepaart. Auf hessisch: „Was mer hat, das hat mer. Hat mers net, dann fehlts eim! An Moral, Gewissen und Verantwortung fehlte es dort wohl. Am Gewinn nicht.
Auch an Ehrlichkeit, Zufriedenheit und Selbstbescheidenheit mangelte es.
Uns allen könnte das natürlich nicht passieren, denn wir sind ja keine reichen Kornbauern oder betrügerische Autobauer?!

Man könnte jetzt noch mehr darüber nach sinnieren, was im Gleichnis noch so alles drinsteht und welche Lehre daraus zu ziehen sei?!

Doch heute geht es um Dankbarkeit, die wir als Geschöpfe und mit und in der Schöpfung lebende, hoffentlich mit Gewissen und Verantwortung ausgestattete Menschen, empfinden können und dürfen.
Der Fehler und die Sünde, die im Gleichnis vom reichen Kornbauer oder im aktuellen Beispiel vom betrügerischen Autobauer zum Ausdruck kommen, sind doch nicht der Reichtum oder der Gewinn an sich. Es sind vielmehr die unersättliche Gier, Hybris und unerträgliche Selbstgefälligkeit, die einem schlimmen und tödlichen Egoismus enden.

Dieser selbstgefällige und gierige Mensch sieht doch nur sich und sein selbst gefälliges Werk. Alles wird dem Profit unterworfen. Mitmensch und Gott werden total ausgeblendet.
Der Gott Mammon ist der Abgott dieser Menschen.
Gewinn, Profit, Rendite, Kostenoptimierung, Effizienz und Dividende so heißen die anderen Abgötter dazu.

Doch es gibt auch noch eine Moral und Lehre aus dem Gleichnis, das ganz zum Schluss von den Schätzen vor und bei Gott redet.

Und dazu möchte ich auch noch zwei aktuelle Beispiele nennen.
Es ist ein gutes Beispiel für Nächstenliebe, barmherziger Hilfe und nicht profitgeleiteter Mitmenschlichkeit und Humanität, wenn wir in unserem Land arme Flüchtlinge bis zur Grenze der eignen Belastbarkeit aufnehmen. Damit sammelt man Schätze im Himmel.

Und diese Form der Hilfe, die Aufnahme und Annahme von Hundertausenden von Flüchtlingen, wird sich mit der Zeit sogar ökonomisch und volkswirtschftlich auszahlen. Der Dank der armen und geschundenen Menschen ist gewiss.

Und noch vielmehr Dank und dankwürdiger Erinnerung ist natürlich 25 Jahre deutscher Einheit unseres Vaterlandes wert. Es ist ein Segen, dass unser Land wiedervereinigt ist.
Gerade hier bei uns an der hessisch-thüringischen Grenze, an der Werra, wo Deutschland über 40 Jahre in Ost und West geteilt waren.

Dafür können wir Gott dankbar sein, dass wir so umsichtige Politiker und auch so viele friedliche und Freiheit liebende Menschen in Ost und west hatten und haben, damit zusammenwächst, was zusammen gehört.
Vieles ist zusammen gewachsen und ich glaube, dass die nach 1989 und 1990 geborenen eines Tages nicht mehr die Trennung von Westen und Osten im Kopf und schon gar nicht Herz vornehmen.

Und es ist auch einen großen Dank gegenüber Gott und den verantwortlichen Menschen in Politik und Wirtschaft wert, das wir in einem Land leben, in denen es fast allen gut geht.

Wer aus Dankbarkeit und Demut weiß und tief aus seiner inneren Glaubensüberzeugung heraus lebt, dass wir nur Gäste auf der Erde sind und Verantwortung für unsere Kinder und Kindeskinder haben. Derjenige weiß auch, dass wir dankbar vor Gott für den kleinen Lucas sind, den wir heute getauft haben.
Dankbar und demütig, dass Gott ihn hoffentlich sein Leben lang behüte, bewahre und begleite auf seinem Weg ins Leben.

Auch ehrfürchtig vor dem Leben und demütig vor Gott und auch natürlich wieder dankbar, dass Kinder solche große Geschenke sind und ein jedes Kind und jeder Mensch ein Ebenbild Gott.
Aus dieser Dankbarkeit wächst auch die Freude von seinem eigenen, persönlichen Reichtum, von seiner durch Gottes Gnade empfangenen gutsituierten Leben etwas abzugeben, zuteilen und für andere dazu sein.

Nicht das dümmliche Werbe-Motto der Millionärsfamilie Geißen: „Wer hat; der hat!“ sollte unser Motivationscredo sein, sondern Jesu Diktum. Wer gibt, der empfängt.
Und wer gerne gibt, der empfängt nicht nur Dankbarkeit oder freut sich an dankbaren, großen Kinderaugen, sondern sammelt diese Schätze, die im Himmel zählen. Und so können wir Gott heute danken für alles, was er uns zum Leben schenkt.

Bei Martin Luthers Auslegung der vierten Bitte des Vaterunsers im kleinen Katechismus heißt es:

DIE VIERTE BITTE
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Was ist das?
Gott gibt das tägliche Brot auch ohne unsere Bitte allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er’s uns erkennen lasse und wir mit Danksagung empfangen unser tägliches Brot.
Was heißt denn tägliches Brot?
Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.

Dafür danken wir Gott, dem Schöpfer allen Lebens, Jesus Christus unserem Erlöser und dem Heiligen Geist, der uns in Nächstenliebe verbindet.

drucken