Jesus, die syrische Frau mit Kind und das Wurstbrot

Liebe Schwestern und Brüder!
Eine merkwürdige Geschichte wird uns heute aus Jesu Leben erzählt. Eine merkwürdige und eine irgendwie auch peinliche Geschichte.
Peinlich ist das aufdringliche und unterwürfige Verhalten der syrischen Mutter. Sie kommt zu Jesus und schreit um Hilfe für ihre erkrankte Tochter. Sie jammert: Erbarme dich meiner! Und sie fängt an zu nerven und lästig zu werden. Sodass die Jünger darauf drängen, dass Jesus diesen Ort wegen dieses emotionalen Quälgeists von bettelender Frau möglichst schnell verlassen möge. Jesus schweigt und sagt erst einmal nichts zu dem Vorschlag der Jünger. Ob es ihm das aufdringliche Bitten und Flehen der Frau auch lästig ist, wissen wir nicht genau. Es kann aber vermutet werden.
Er gibt ihr in ihrem Drängen, Bitten und Flehen eine kurze und knappe Antwort. Er sagt:
Ich bin gesandt zu den verloren Schafen Israels!
Israel und seine verlorenen Schafe will und muss er retten; und kanaanäische und syrophönizische Heiden und deren Kinder gehören nicht zu diesen Schafen. Sie gehen ihn eigentlich nichts an.
Doch diese Antwort lässt die aufdringliche Frau nicht gelten. Jetzt wird sie noch unterwürfiger, aber auch fordernder in ihrem Betteln und Flehen. Sie fällt vor ihm nieder und fleht:
Herr, hilf mir!
Jesu sieht dieses aufdringliche Verhalten und die lästige Gebärde. Er wehrt sich gegen diese dreiste Aufdringlichkeit und antwortet wieder mit einem Bild und einer Metapher:
»Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen.«
Und jetzt steigert sich die Frau in ihrer Verzweiflung zu einer Schlagfertigkeit und entwaffnenden Logik, die ihres Gleichen sucht: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.

Daraufhin attestiert Jesus ihr einen großen Glauben und die Tochter wird gesund.
Ob Jesus baff oder konsterniert, wegen der Schlagfertigkeit und peinlichen Aufdringlichkeit oder aufgrund des Glaubens der Frau war, wissen wir nicht genau.

Mich hat das Bildwort oder die Metapher der Frau, dass DIE HUNDE VON DEN BROSAMEN FRESSEN, also den Brotkrumen, DIE VON DEN TISCHEN IHRER HERRN FALLEN, schon immer fasziniert.

Leben wir als Christen nicht alle symbolisch gesprochen von den Brosamen, die vom Tisch unseres Herrn fallen?

Oder sitzen wir nicht vielmehr selbst und als selbstherrliche oder egoistische Herrn an großzügig gedeckten Tischen mit allem, was das Auge, der Gaumen und der Magen begehrt und verträgt?!
Und unsere Hunde und Katzen bekommen nicht nur Brot von unserem Tisch, nein es fällt auch jede Menge Wurst, Käse und Fleisch vom Tisch. Auch gibt es leckeres Sheba oder andere teure „Fresschen“ für unsere kleinen Lieblinge.
Zumindest in Form von teuren Dosen und extravaganter Tiernahrung. Unseren Hunden geht es ebenso gut wie ihren Herrn.
Auch bekommen unsere Kinder und Enkel nicht nur Brot oder bloß Brotkrumen, sondern alles, damit sie gesund, wohlgenährt und behütet aufwachsen können. Dafür sorgen wir schon in unseren Familien.

Was können wir also aus der merkwürdigen Geschichte Jesu mit der peinlich-aufdringlichen, aber schlagfertigen syrischen Mutter lernen?

Bitten lohnt sich und Glauben zahlt sich aus.
Es lohnt sich aufdringlich zu bitten, um sein Ziel zu erreichen.
Und es lohnt sich aus der Gewissheit auf Besserung der Umstände, auch in der vordergründig großen Hoffnungslosigkeit vor Gott zu treten und um Hilfe, Linderung der Zustände oder gar Rettung zu bitten und zu flehen. Das zahlt sich aus.
Heute kommen auch syrische Mütter mit kleinen Kindern, vor den grausamen Folgen des unsäglichen Bürgerkrieges oder des Terror durch den IS in Syrien täglich zu Hunderten und Tausenden nach Europa. Sie riskieren Tod, Untergang und Ertrinken im Mittelmeer auf der Reise, weil sie keine Perspektive auf Änderung der Verhältnisse und keine Aussicht auf Frieden und Überleben in Syrien, Afghanistan und Irak sehen.
Lieber im Mittelmeer oder auf der Reise sterben als langsam und ohne Perspektive in einem Flüchtlingslager lethargisch und hungernd vor sich hin zu vegetieren. Wer will es ihnen verdenken, dass die Menschen sich aufmachen in der Hoffnung auf eine friedlichere und bessere Zukunft.
Die Ursache für die weltweite Migration sind Hunger, Krieg, Elend, grassierende Korruption, Verfolgung und der Teufelskreis der Armut.
Da erscheint Europa wie der rettende Anker oder das gelobte Land, vielleicht auch in der trügerischen Hoffnung, dass dort, also hier in Deutschland und Europa, Milch und Honig fließt. Und es viele Brosamen und sogar noch Würste gibt. Nicht nur für die Hunde, sondern auch für die Menschen. Wer will es ihnen verdenken.

Wie groß muss die Hoffnungslosigkeit sein, wenn ich mich Schleppern und Menschenhändlern anvertraue, die mich finanziell ausnehmen und ihre mafiösen Geldgeschäfte mit anderer Leute Elend und Not machen?!
Auch mit der glasklaren Absicht Menschen in den Tod zu schicken.

Und dann komme ich auf dem endlosen Treck mit dem wenigen Habundgut als Habenichts in ein fremdes Land und zum ersten Mal herrscht Frieden und es herrscht keine Todesangst als ständiger Begleiter auf dem Weg. Auch begegne ich nicht solchen Menschen wie die Jünger, die mich und mein Elend nicht sehen wollen und mich weiterschicken und über und durch Stacheldraht davon jagen.

Mancher mag diese um Leib und Leben und um humanitäre Hilfe bettelnden Menschen nicht.
Weiter sagen sich die Länder. Weg von mir und hier. Oder zurück ins Elend und den Untergang.
Da gibt es noch nicht mal ansatzweise Brosamen vom Tisch des Herrn, wenn nicht so viele freundliche und hilfsbereite Einzelpersonen bisschen Menschen- und Nächstenliebe zeigen würden.

Aber es geschehen auch noch Zeichen und Wunder in dieser Zeit, wenn Hundertausende von Menschen in unserem Land überwiegend freundlich aufgenommen und beherbergt werden und mehr als die Brosamen vom Tisch der Herrn bekommen.

Das sind ein Wunder und eine große Herausforderung für uns alle. Manches wird sich ändern, die Herausforderung ist groß, aber auch zu meistern.
Angst, auch die Angst vor dem Fremden und den Fremden oder die kaltherzige und egoistische Sicht, dass das alles Schmarotzer, die auf Dauer nur auf unsere Kosten leben und uns nicht zurückgeben, diese Angst und auch die Angst vor dem Abstieg sind dabei schlechte Ratgeber.
Mit Angst und Furcht werden keine Probleme und Herausforderungen, zumal wie das große Flüchtlingsschicksal, gelöst.
Angst verengt die Perspektive und überhört mehr oder wenig absichtlich den Hilfeschrei der Flüchtlinge.

Und was müssen wir finanziell und ökonomisch geben?
Werden es bildlich Brosamen oder „belegte Wurstbrote“ sein?
Um im Bild zu bleiben es werden viele „belegte Wurstbrote“ sein und es wird auch viel Geld kosten, aber die Hoffnung bleibt, wenn die Integration der vielen Flüchtlinge gelingt und die Neuankömmlinge hier Arbeit und langfristig eine Bleibe finden, dass wir alles zurückbezahlt bekommen. Und das ist nur der ökonomische oder volkswirtschaftliche Lohn der Mühe.

Wir als Christen haben vom Herrn Jesus ins Stammbuch geschrieben bekommen. Gott und die Menschen zu lieben.
Der Nächste oder die Nächsten sind nicht nur meine Familienangehörigen oder meine Verwandten, sondern gerade der, der in Not ist und meine Hilfe braucht. Manchmal finanziell und materiell, aber auch durch konkrete Hilfe und Spende. Aber ebenso durch Gebet und ideelle und emotionale Unterstützung. Eben auch durch das gute und tröstende Wort oder die liebevolle Geste.

Wenn wir das tun, dann empfangen wir das Brot vom Tisch unseres Herrn Jesus Christus. Dieses Brot macht satt an Leib und Seele. Und dieses Brot kann und muss geteilt werden, um die Not und die Bitte um das tägliche Brot als Symbol für gerechte und menschenwürdige Verhältnisse für alle Menschen auf Gottes Erde zu verwirklichen. Und dafür brauchen wir manches Wurstbrot als Spende.
Und keine Angst, wir haben ziemlich viele Wurstbrote hier in unserem Land und können getrost davon abgeben.

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