Glaube sättigt Körper und Geist

Liebe Schwestern und Brüder !
Die folgende biblische Geschichte, die heute als Textgrundlage für die Predigt vorgeschlagen ist, werden Sie bestimmt schon seit ihrer Kinderzeit kennen:
Alle vier Evangelisten überliefern sie. Es ist die Geschichte von der wunderbaren Brotvermehrung, die biblische Erzählung von der Speisung der Fünftausend.
Ich verlese die Geschichte in der Fassung des Johannes
( Johannes 6,1-15) !
Es ist also eine bekannte Geschichte, eine Geschichte über die schon viele Pfarrer und Pfarrerinnen gepredigt haben, eine wunderbare und wunderhafte Geschichte im wörtlichen Sinn.
Jesus vermehrte das Brot. Johannes nennt es ein Zeichen.
Aber es ist auch eine seltsame Geschichte, die einem nicht nur Staunen und Erstaunen abringt, auch eine Geschichte, die kritische Zweifel und eine gehörige Portion Skepsis provoziert.

Wie soll man sich das vorstellen?
Jesus vermehrt das Brot und sättigt fünftausend Menschen?
Unfassbar, unglaublich, nicht nachvollziehbar !
Was soll man davon halten?
Einer der bekanntesten evangelischen Theologen des letzten Jahrhunderts, der verstorbene Marburger Theologieprofessor Rudolf Bultmann, hat einmal zu diesem Wunderglauben und den Wundergeschichten folgendes geschrieben:
" Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben." (siehe NT und Mythologie, Nachdruck von 1941, München 1985, S.16)
Bultmann erklärt, man müsse die Wundergeschichten des Neuen Testaments aus ihrer Zeit, d.h. aus der Zeit vor ca. 2000 Jahren betrachten.
Vor zweitausend Jahren gab es kein elektrisches Licht und keine moderne Medizin. Und in dieser Zeit gab es auch keine Aufklärung, die das Ziel hatte, den Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit in das Zeitalter der Vernunft und Erkenntnis zu überführen.
Sie sehen, so einfach könnte man diese Wundergeschichte von der Speisung der 5000 abtun, denn der gesunde Menschenverstand sagt einem doch, dass solche Geschichten märchenhafte und unrealistische Züge haben.

Aber dennoch ist das Verlangen des Menschen nach einem Wunder oder nach Wundern groß. Mancher würde auch glauben, wenn mehr Wunder geschähen.
Wie viele Schwerkranke, die sterben müssen, würden sich über eine wundervolle Heilung freuen und beten und bitten auch darum?!
Wie stark muss die Hoffnung auf eine wundersame Rettung in solchen Menschen gären? Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Und vielleicht gibt es hin und wieder auch Fälle, in denen ein Mensch schwer krank war und plötzlich wie durch ein Wunder von seiner Krankheit gerettet wurde.
Aber kann man diese einzelnen Fälle verallgemeinern?!
Leider kann man sie nicht verallgemeinern, denn die meisten werden eben nicht wundersam geheilt werden.
Wie wir sehen können, fällt es einem schwer, an Wunder zu glauben.
Aber wie soll man nun mit dieser Geschichte umgehen, denn diese Geschichte -und nicht nur diese Wundergeschichte- steht doch im Neuen Testament. Die Wundergeschichten wollen doch etwas über die Einmaligkeit und Wirksamkeit Jesu Christi aussagen!
Auffällig und bezeichnend für viele Wundergeschichten ist meistens der Ausspruch Jesu: " Dein Glaube hat dir geholfen!"
Diesen Satz spricht Jesus Desöfteren, um seinem Gegenüber klar zu machen, dass das eigentliche Wunder der Glaube selbst ist.
Nicht sagt er, wie der moderne und gleichgültige und allzu liberale Mensch des 21. Jahrhunderts: Ich glaube nicht und mir fehlt nichts.
Doch da fehlt was- Und um den Nutzen dessen, was fehlt geht es.

Liebe Schwestern und Brüder, das eigentliche Wunder an unserem Glauben an Jesus Christus als unseren Retter und Erlöser, ist doch unser Glaube selbst.

Das gilt in einer Zeit, in der ich so viele Optionen habe.
Ich kann gläubig sein, ich kann nicht gläubig oder gleichgültig sein und so leben als gäbe es kein Gott und Glaube Dann heißt es meistens als Entschuldigung oder Rechtfertigung: Ich kann doch glauben, was ich will. Man weiß es ja nicht.
Ich kann strenggläubig oder fundamentalistisch sein und alles andere als Unglaube, Heidentum und Teufelswerk abtun. Und ich kann schließlich bis zum religiösen Wahnsinn mit Terror und Tod andere durch meinen Glauben auslöschen siehe den Terror des sog. islamischen Staates.
Soll solch ein Glaube satt machen und des Menschen körperlichen oder geistigen Hunger stillen?!
Nun diese Wundergeschichte, die bei Johannes als Zeichen Jesu bezeichnet wird, will zumindest beim Zuhörer und in dessen Ohren verheißen, dass der Glaube an Jesus satt macht.
Und wie dieser Glaube satt macht und den Hunger des Lebens stillt!
Ist es nicht ein Wunder?!, wenn in der heutigen Zeit, in der die meisten Menschen so vernunftbetont , vermeintlich "logisch" argumentieren oder gar gleichgültig in Glaubensdingen sind , überhaupt viele Menschen sagen: "Ich glaube an Gott! " . Ich danke Gott ganz elementar für mein Leben, mein Hab und Gut, für meine Familie, meine Sicherheit und mein Auskommen, denn er sättigt mit allem, was ich zum Leben brauche. „Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was da lebt mit Wohlgefallen", heißt es im Psalm (145, 16).
Ist der Glaube an Gott als den Schöpfer und Erlöser meines Lebens nicht das große Wunder des Lebens!
Denn: Es ist doch wohl ein Wunder und nicht nur Aberglaube, Ignoranz oder Humbug, wenn Menschen heute an Gott glauben und nicht der Meinung sind, dass sei alles Einbildung oder zu der Erkenntnis gelangen" das bringt mir nichts " oder das ist langweilig, wie die Vorstellung vom ewigen Leben.

Also: Was ist das Wunder des Glaubens und was braucht ein Mensch zum Leben? Was mach ihn im wirklichen Sinn satt?
Die Antworten darauf sind verschieden und hängen davon ab, wen man fragt:
Die Sozialämter sagen: 382 € pro Monat, das braucht ein Mensch zum Leben in unserem Land. Wenn ich daran denke, dann muss ich erkennen, dass ich allein schon mehr für meine Miete zahlen muss.
Die Welthungerhilfe sagt: " Zwei Hände voll Reis, die reichen in Asien zum Leben für einen Tag."
" Gut!" werden Sie sagen: " Zum Überleben braucht ein Mensch dies vielleicht. Hat er das, wird er nicht sterben.
Aber Leben ist doch mehr als überleben."
" Genau!" rufen die Werbeplakate und Werbespots: "Zum Leben braucht ihr einen schönen Urlaub oder ein schönes finanzielles Polster und einen Kredit von uns, locken die Banken, denn wir machen den Weg, deinen Lebensweg frei!“

Was brauchen wir zum guten Leben? Fragen wir nun einander, es kämen noch mehr, ganz andere Antworten:
Gesundheit, Freunde, Liebe, einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz, saubere Luft,- es gibt so viele Antworten auf diese Frage.

Jesus gibt darauf eine Antwort. Diese Antwort ist einfach und kompliziert zugleich. Einerseits gibt er die einfache Antwort. "Ja, ich weiß, dass ihr alles Mögliche zum Leben braucht, Aber vor allem: zum Leben braucht ihr mich!
Ich bin das Brot des Lebens, das Grundnahrungsmittel für euer Leben."Ich gebe euch durch meinen Tod, durch mein Sterben, die Hoffnung der Auferstehung. Das ist die Nahrung für eure Seele, denn dies ist das Wunder des Glaubens.
Ich schenke euch durch euren Glauben an mich ewiges Leben und Unsterblichkeit. Das kann die einfache Antwort auf die vorher gestellte Frage sein. Für viele, die glauben, mögen diese Glaubensätze gelten. Für andere sind sie erläuterungsbedürftig. Man muss die Sätze in die Alltagssprache übersetzen. Das Komplizierte und Hintergründige an der Antwort ist, dass Jesus nicht eine körperliche Sättigung verspricht. Er sättigt nicht meinen körperlichen Hunger. Dafür muss ich als Mensch selbst sorgen. Und denen, die nichts haben, von meinem Reichtum abgeben oder mich für gerechtere Verhältnisse auf der Welt einsetzen. Denn wir haben in unseren Breitengraden und die Industrialisierung in unserem Land gute Voraussetzungen und Möglichkeiten, um nicht körperlich hungern zu müssen.

Aber das Brot, das er mir durch sich selber gibt, kann eine seelische oder eine geistliche Sättigung meiner seelischen Bedürfnisse bewirken. Durch das Essen des Brotes beim Abendmahl bekomme ich durch Jesus Christus die Zusage:
Ich bin für dich da, du kannst mich sogar schmecken. Deine Fehler und Schwächen vergebe ich dir. Mit mir kann dir ein Neuanfang gelingen. Ich bin bei dir und ich tröste und geleite dich auf den schweren und schiefen Bahnen des Lebens. Auch wenn alle über dich herfallen und du einsam und verzweifelt bist, dann bin ich immer noch bzw. gerade dann bin ich für dich da.
Und das ist nicht die einzige Zusage, die du von mir bekommst, denn ich bin auch im Tod und über den Tod hinaus für dich da. Du musst keinen seelischen Hunger mehr erleiden.
Vielleicht kann man sich diese Art der Anwesenheit Christi doch mit einer Medizin oder der flüssigen Ernährung nach einer Operation vergleichen. Ohne diese Medizin und ohne diese flüssige Ernährung kann man nach schweren Operationen nicht überleben, weil der Körper zu sehr geschwächt ist.
Aber das alleine reicht manchmal auch nicht aus, um ins Leben zurückzukommen. Denn es gibt auch Komapatienten, Patienten die nach Operationen oder Unfällen das Bewusstsein verloren haben. Manchmal haben die Ärzte nur noch schwache Hoffnung, dass sie wieder Bewusstsein erlangen. Dann bitten sie die Angehörigen am Bett zu sitzen und den Patienten zu zureden. Durch dieses Zureden, durch diese Anwesenheit sind viele bewusstlose Patienten wieder zu Bewusstsein gelangt. Hinterher antworten sie meist, dass sie die Anwesenheit der Angehörigen unbewusst wahrgenommen hätten. Ihre Anwesenheit und ihr Zwiegespräch haben ihnen geholfen.

Ich weiß, dass auch das Zwiegespräch mit Gott in Form des Gebets hilft. Dabei kann Christus das Brot des Lebens werden, das bei seelischem Hunger sättigt.
Wenn ich dann mit Gott ins Gespräch komme, dann verspüre ich wie das symbolische und das zeichenhafte Brot des Lebens für mich eine ganz konkrete Hilfe für mein Leben wird und eine Sättigung meines seelischen Hungers bewirkt. Das kann auch körperliche Sättigung bedeuten, wenn wir unsere Hand aufmachen und von unserem Reichtum abgeben.

Liebe Schwestern und Brüder!
Wir können im wirklichen und im übertragenen Sinn satt werden, wenn uns die Geschichte wie warmes, duftendes Brot als Nahrung für die Seele trifft. Wenn Jesus mit dem Geheimnis des Lebens zu uns kommt. Das gibt Kraft und Lebensenergie wie ein gutes und schmackhaftes Brot Lebensenergie gibt. Denn von diesem göttlichen Brot zu essen, von diesem himmlischen Manna zu speisen, von dieser speziellen Brotsorte zu kosten, dies bedeutet im allumfassenden Sinn zu leben und satt zu werden.

Je nach Situation und Verhältnissen kann Jesus zum Brot des Lebens werden. In unseren Breitengraden sättigt er vornehmlich die Seele und deren Hunger; in anderen Ländern wird auch die Sättigung des körperlichen Hungers als wirkliche Sättigung durch Gott empfunden.
Die Zusage Jesu Christi ist die gleiche, denn er ist " das lebendige Brot und wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit." Und diese Tatsache ist das eigentliche Wunder. Es ist das Wunder unseres Glaubens. Lassen Sie sich durch dieses Wunder sättigen!.

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